Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-04-01 · 14 (1.4.1904) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
14 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3020846-3021547-3021562--13490-3038144
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 14 5)1* JBlocb’s Mlocbenscbritt. Seite 325 über welche der „Israelitischen Wochenschrift" folgende Mitteilungen zugehen: Er nahm seinen Text aus dem 54. Kapitel Jesaia und warf die Frage auf, wo denn in jüngster Zeit der Friede und die Bevorzugung zu bemerken wären, die der Prophet dem Volk Israel ausgemalt hatte. Es ist kein rühmliches Zeichen für die Christen, daß die Juden von den Mohammedanern besser behandelt werden, als von den christlichen Nationen. Es ist noch nicht lange her, daß eine Zeitschrift ein Rundschreiben an verschiedene Männer in führender Stellung erließ mit der Anfrage, welche modernen Bewegungen nach ihrer Ansicht bekämpft werden müßten. In seiner Beantwortung dieser Rundfrage bemerkte der Chiefrabbi von England, daß das Wiederaufleben des Rassenhasses eine der bedauerlichsten Erscheinungen der Neuzeit sei. Alle aufgeklärten Menschen in aller Welt müssen mit dieser Ansicht des leitenden jüdischen Lehrers sympathisieren. Alle Nationen müssen mit Recht das Wiederaufleben von Rassenhaß mit Furcht begrüßen, am meisten aber Israel. Für die Christenheit besteht gar kein Grund, ihre jüdischen Mitbürger zu hassen. Man kann nicht gleichzeitig Jesus lieben und verehren und den Volksstamm hassen, der ihn der Welt gab. Die Christen bekennen die höchste Bewunderung der Aussprüche Jesaias und Davids; sind sie vielleicht der Meinung, daß diese Führer in Israel die Bewunderung von Leuten entgegengenommen hätten, die das Blut ihrer Brüder vergossen haben? Würde Jesus oder Petrus, der Fischer, die Antisemiten der englisch sprechenden Gesellschaft oder den unerleuchteten Mob des Kontinents als Christen anerkennen? Die Menschen vergessen, daß Christus über Jerusalem weinte, nicht weil er sein eigenes Volk gehaßt hat, sondern weil er es inbrünstig liebte und für seine Zukunft ernstlich besorgt war. Die Juden haben durch die großen Männer ihres Stammes in der ganzen Welt die Wissenschaft und Sittlichkeit zur Geltung und die Religion zum Ausdruck gebracht. Besonders die Christen stehen dafür in ihrer Schuld. Hätten sie weniger getiftelt und mehr Bruderliebe geübt, weniger Dogmen ausgearbeitet und genauer den: Beispiel Jesus nachgelebt — so wären sie sofort wahrere Christen gewesen und hätten die herrliche Erbschaft besser zu würdigen verstanden, die ihnen von den Juden überliefert worden ist. Ein Geistlicher erhielt kürzlich von einer hochgestellten Dame einen Brief, in dem es heißt: „Man trifft in Gesellschaft noch so viele Leute, die die Juden verächtlich behandeln." Dieses Zeugnis beweist, wie viele Personen der oberen Klasse noch ungebildet sind, in ganz dummen Vorurteilen befangen und gänzlich ungehorsam der Religion von Christus, die sie bekennen. Wie kann man von den großen Volksmassen des Kontinents ein gerechtes Verhalten gegen ihre jüdischen Brüder erwarten, wenn die sogenannten gebildeten Klassen in England sich nicht von den Vorurteilen des Barbarentums frei machen können. Ueberlegen sie jemals, wie der Kontrast zwischen dem Bekenntnis der Christen und ihrem Betragen gegen die Juden jedem billig denkenden Juden auffallen muß? Im freien Amerika sind nach einem Ausspruch von Zangwill „die Juden vom allgemeinen gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen". In England hat die anglikanische Kirche eine mittelalterliche Beleidigung der Juden andauern lassen, indem sie alljährlich das Gebet wiederholte: „Habe Erbarmen mit allen Juden, Türken, Ungläubigen und Abtrünnigen und nimm von ihnen alle Unwissenheit, Herzenshärte und Verachtung deines Wortes!" Auf dem Kontinent gibt es Menschen, die den gotteslästerlichen Aberglauben ermutigen, daß der barmherzige Gott durch die Vermittlung mörderischer Menschen eine Art Blutrache gegen die Juden aufrecht erhält und daß er heutigen Tages durch Bedrückung und durch Abschlachten unschuldiger Männer, Frauen und Kinder den Anteil rächen will, den einst die herrschenden Klassen Jerusalems am Märtyrertum Jesus genommen haben. Das Benehmen der Christen hat den ironischen Erfolg gezeitigt, daß sich der Jude als der bessere Mensch erwiesen hat im Vergleich zu den sogenannten Christen, die ihn verachten wollten. Wenn die Christen sich nicht in ihrer religiösen Ehrlichkeit und Geradheit bessern, werden die Juden eher imstande sein, sie in der wahren Bedeutung der christlichen Religion zu unterrichten, als es umgekehrt sein kann. Unwissenheit ist die Quelle der Unliebenswürdigkeit gegen die Juden. Die zivilisierte Welt muß die Juden sehr lieb haben, mn ihnen für alles zu danken, was sie ihnen schuldig ist. Manche ganz aufrichtige Leute glauben, den Juden etwas Gutes zu erweisen, wenn sie ihnen die Rückkehr nach Palästina erleichtern. „Würden Sie nicht gern in Ihr Vaterland Palästina zurückkehren", fragte eine enthusiastische Engländerin einen Juden. „Würden Sie in Ihre germanischen Urwälder zurück wollen?" war die prompte Antwort. Es wäre besser, wenn alle zivilisierten Leute in die Wälder des Barbarentums zurückgingen, als daß sie die Menschlichkeit und Kultur beschämen, indem sie den Juden die Kameradschaft im gesellschaftlichen, bürgerlichen und religiösen Leben weigern, zu der sein ehrlicher Gottesglaube, seine hoch entwickelte Intelligenz und sein Patriotismus ihn berechtigen. Vermischtes. Wien. Die „Gesellschaft für Sammln n g und Konservierung von Kunst- und historisch e n D e n k m ä l e r n des I u d e n t u m s", die bekanntlich die 10. Wiederkehr des Todestages durch eine glanzvolle Veranstaltung festlicb beging, bei welcher Hofschauspieler Oberregisseur Adolph Ritter v. Sonnenthal eine biographische Skizze Sülze r's, sowie die in stetem Angedenken verbleibende Rede Dr. Adolf I e l l i n e k's am Sarge Sülze r's zum Vortrage brachte, wird auch den 100. Geburtstag des Meisters in festlicher Weise begehen, und zwar veranstaltet die Gesellschaft ein großes Festkonzert, bei dem ausschließlich Werke aus dem „Schir Zion" zur Wiedergabe gelangen und das Mittwoch den 13. April d. I. im kleinen Musikvereinssaale stattfinden wird : ferner bleibt die S u l z e r - A u s st e l l u n g, welche durch die Aufstellung des Bildes von Frau Manzi Kestel- Bauer eine kostbare Bereicherung erfahren hat, bis Mitte April geöffnet und sind die Besuchsstunden des Museums, das sich II., Praterstraße 23, I. Stock, befindet, bis auf Weiteres wöchentlich zweimal, und zwar Samstag von 11—1 Uhr mittags und Ostersonntag und -Montag von 3—5 Uhr nachmittags. Für Gesellschaften oder größere Vereine ist das Museum auch zu anderen früher zu vereinbarenden Stunden zugänglich. Wien. (Zur Sulz er fei er.) Die bisher solch schönen, erhebenden Verlauf gehabten, aus Anlaß des Centeuariums des unvergeßlichen Altmeisters des Synarogengesauges, weil. Oberkantor Professor Salomon S ul ze r, veranstalteten Festlichkeiten wurden bei dem letzten Samstag nachmittags abgehaltenen Jugendgottesdienste an der Stätte der langjährigen Wirksamkeit Sülze r's, im Stadttempel, um eine tiefen Eindruck hervorrufende Gedenkrede bereichert; Herr Religionsschulinspektor Professor Dr. M. K a n i tz, der die Exhorte hielt, kam auf den 100. Geburtstag Sulzer's zu sprechen, indem er darauf hinwies, daß Sulzer es gewesen, der in den bei der Einweihung der Synagoge damals herrschenden Gottesdienst Ordnung brachte, und als er schilderte, wie Sulzer das Glaubensbekenntnis, das „Schema Israel", am Ausgange des Jom Kippur vortrug, da bemächtigte sich aller Anwesenden, die sich gleich zu Beginn der vorzüglichen Ausführungen von ihren Plätzen erhoben hatten und hiedurch den Manen des Dahingeschiedenen den Tritut der Pietät zollten, eine feierliche Stimmung, und die Erwachsenen zumal, die Sulzer noch gekannt, glaubten für einen Augenblick sich in die Nähe des Meisters gerückt, sie wähnten sich in die Tage versetzt, an welchen der gottbegnadete und menschenerfreuende Sänger vor den geöffneten Himmelspforten Gebete zum Allmächtigen richtete! . . . Professor Kanitz wurde nach Schluß des Gottesdienstes allseitig beglückwünscht, die Kinder, denen die Ausführungen niemals aus dem Gedächtnisse entschwinden werden, eilten zur Gedenktafel, die am Eingänge in die Synagoge den Namen des Verewigten für alle Zeiten den Besuchern vergegenwärtigen soll! E. I. ^ren. Das schon seit längerer Zeit nicht gegebene, effektvolle Schauspiel „Heimat" von Hermann Sudermann gelangt Ostersonntag im Deutschen Volkstheater als Wohltätigkeits-Matinee, veranstaltet von dem Kranken-, Witwen- und Waisen- Unterstützungs-Verein „Chesed schel eines", unter Mitwirkung von Fräulein Adele S a n d r o ck und der ersten Kräfte dieser Bühne zu volkstümlichen Preisen zur Aufführung. Ter Karten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.