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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-25 · 13 (25.3.1904) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
13 (25.3.1904)
Date
1904-03-25
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Llocb's Mocbenscbrm. Sette 211 mein schweres Leid, und die brave, gute Frau half. Sie ging ins Nachbarhaus zu dem Sohne des reichen Hausbesitzers Nachum Glaser, dessen Herzensgüte sie kannte, und diesem jungen Manne erzählte sie niein trauriges Geschick und er erlegte für mich die nicht unbedeutende Prüfungstaxe. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Fritz Wittels: „D e r T a u f j u d e." Preis 40 kr. M. Breitensteiil's Verlag. Ich kenne den Verfasser der kleinen Schrift nicht, die mir mit den anderen Blättern aus dem 'Walde jnngjndischer Literatur der frische Wind, der nicht znm Schaden des jüdischen Volkes seit einiger Zeit unseren Wald dnrchbraust, auf den Tisch geweht hat. Nicht zum Schaden des Volkes, sage ich. Denn manch alter Baum mußte es schaudernd mitansehen, wie ihm im Sturm seine teueren Früchte entführte, weit weg in das fremde Land der Taufe Und von der Taufe spricht das kleine Büchlein, das uns in seinem roten Gewände mit jugendlicher Frische fast keck entgegenlacht. Es ist schon viel über das Thema gesprochen und geschrieben worden, Kluges und Dummes, und in der sicheren Erwartung, nichts Neues zu erfahren, hätte ich wohl nach den paar ersten Zeilen das Heftchen achtlos beiseite gelegt, wenn mich nicht der jngendfrische, fast übermütige Ton, in dem das ernste religiöse Problem behandelt wird, und noch mehr das gute Deutsch des Autors gefesselt hätten. In klarer objektiver Weise bespricht der Verfasser die Zivitterstellung, die der Taufjude in der Gesellschaft eiunimmt, und weiß er uns die Vorgänge vor Augen zu führen, die sich im Innern dessen abspielen, der um äußerer Vorzüge willen einen Meineid schwört, denn das ist und bleibt die Taufe bei all den Juden, die ihren Glauben verlassen, nur weil er ihrem Fortkommen hindernd entgegenstrht. Mit scharfen Hieben werden die Ueberlänfer gegeißelt, die egoistisch in der Taufe eine — nur allzu trügerische — Hoffnung erblicken, die Judenfrage auch nur für ihre Person zu lösen. Im ersten Kapitel analysiert der Autor die Psyche des Taufjuden, um im zweiten Abschnitt eine eingehende Betrachtung über den Wert des Eides bei der Taufe anzustellen. Das dritte Kapitel, das wohl das interessanteste ist, weil es die individuellen Anschauungen des Verfassers am besten wiedergibt, behandelt unter der Ueberschrift „Vom Kampf ums Recht" die Mittel, die man gegen die Ursache der Abfallsbewegung, die Zurücksetzung der Juden zu Gunsten selbst minderbefähigter Arier hätte anweuden können und sollen, wobei, wie mir scheint, der Autor etwas zu engherzig an die spezifisch österreichischen Verhältnisse denkt, und klingt schließlich in die beherzigenswerten Worte aus: „Alle Knechte sollen austreten, und wenn nur zehn Mann zurückbleiben, zehn jüdische Gentlemen, dann ist nichts verloren!" Nicht in feiger Erniedrigung vor denen, die dem Judentum längst im Herzen abgewendet sind, nicht in dem „wieviel" nur im „wie" der Juden, die nach der reinlichen Scheidung übrigbleiben, sieht der Verfasser des „Taufjuden", sieht jeder, der ernst die Frage überdacht hat, ihre Lösung. Und in diesem dritten Kapitel sieht man auch, für wen in erster Linie das Werkchen bestimmt ist: Nicht an den alten Gelehrten wendet sich der Autor, der aus dem toten Buchstaben eine Wiederbelebung des jüdischen Volkes erhofft, nicht an die glaubensstarken Eltern eines zweifelnden jungen Geschlechtes, nein, an dieses selbst wendet er sich, um ihm die ganze Verwerflichkeit der überzeugungslosen Taufe zu beweisen. Kein Vater, nicht nur der, dessen Kinder Taufgelüste zeigen, wird es unterlassen, das frisch und voll Kampfesmut, ja, soweit es der Ernst des Themas erlaubt, selbst humorvoll geschriebene Büchlein seinen Söhnen und Töchtern auf den Tisch zu legen. S. D o r y. Anmerkung der Redaktion: Auch wir möchten die treffliche Schrift: „Der Tanfjude" von Fritz Wittels unfern Lesern wärmstens empfehlen. Nur eine kleine Bemerkung, betreffend eine einzige Stelle, müssen wir notieren. Seiten schreibt der junge Verfasser: „Man wird dem entgegenhalten, daß kein Volk so viele Blutzeugen hat wie die Juden; aber Märtyrer sind Fanatiker des Glaubens, sie fahren im feurigen Wolkenwagen zum Himmel und sterben nicht um Freiheit und Würde. Ich wollte, die Juden hätten weniger Märtyrer und mehr Makkabäer. Die Geschichte der Juden heißt also Knechtsinn." Diese Behauptung widerstreitet der Geschichte. Schon L e c k y (Gesch. der Aufklärung) konstatiert in Bezug auf die Juden: „Gewiß erblaßt der Heroismus der Verteidiger jedes anderen Glaubens in Nichts vor diesem Märtyrervolk, das dreizehn Jahrhunderte lang allen den Leiden die Stirne bot, welche der wildeste Fanatismus erdenken konnte, das lieber Schmach, Beraubung, Verletzung der teuersten Bande und die Auferlegung der schrecklichsten Qualen erduldete,. als seinen Glauben verließ. Denn die Juden waren keine asketischen Mönche, abgestorben allen Hoffnungen und Leidenschaften des Lebens, sondern Menschen, welche die weltlichen Vorteile, die sie aufgaben, in hohem Grade würdigten, und deren Liebe dafür, wegen des engen Kreises, auf welchen sie beschränkt waren, um so lebhafter geworden war. Enthusiasmus und die sonderbaren Erscheinungen von Ekstase, welche ihren so großen Einfluß in der Geschichte der Verfolgung geltend gemacht, welche so viele Märtyrer mit übermenschlichem Mut gestählt und die Angst vor so vielen fürchterlichen Torturen gescheucht oder vernichtet haben, waren hier fast unbekannt." Also die Juden starben tatsächlich wie nüchterne Kämpfer für Freiheit und Ehre! _' Srirfkasterr. K. Unter den Gelehrten» welche eingeladen wurden, auf dem während der Weltausstellung in St. Louis stattfindenden „internationalen Künstler- und Gelebrtenkongreß" Referate zu übernehmen, befinden sich folgende Juden: M. Bergson, Mitglied des Instituts in Paris über „Philosophie",. Professor Levi vom College de France über „Geschichte der Sprachwissenschaft", Professor Goldzither-Budapest über „Geschichte und Religion", Professor Levy von der Levis Lihre des Sciences Politigues in Paris über „Nationalökonomie", Professor Jellinek-Heidelberg über Rechtslehre". Die englische Regierung hat die Leitung der britischen Kunstabteilnng der obgenannten Ausstellung Isidor Spielmann, einer Autorität auf dem Gebiete des englischen Kunstwesens, übertragen. Dav. B. in Budweis. Der 7. September 1891 war Montag am 4. Llal 5651, welcher in diesem Jahre auf Montag den 15. August fällt. K. Die Berliner „Post" meldet aus Amerika: „206V russische Bauern, meistens in jugendlichem Alter stehend, die ihr Vaterland verlassen hatten, um sich der Einstellung in das Heer in Ostasien zu entziehen, trafen gestern mit dem Dampfer „Graf Waidersee" hier ein. Die meisten von ihnen haben ihr gesamtes Eigentum im Stich gelassen. Die Russen wurden sämtlich in den Detentionsräumen in der Bucht von New-Aork untergebracht, wo sie verbleiben sollen, bis die Erhebungen darüber, ob ihnen die Einwanderung zu gestatten ist, abgeschlossen sind". Die antisemitische Lügenpresse verschweigt diese Tatsache, daß die orthodoxen Ruffen vor dem Militärdienst sich flüchten, während Juden und Polen das „Vaterland" verteidigen müssen S. Fried in P. Der 21. Mai 1870 war Samstag den 20. Ijar 5630. I. S. Ad. 1. Nein, ad. 2. Geburtsscheine, Zeugnis über erfüllte Militärpflicht werden der ungarischen Staatsbehörde behufs Bewilllgling einer Eheschließung im Auslande vorgelegt. 8stLuac1srsrL!Lvos-L»1s1l6 am städt.. vkksntl. Xrankenhause in Banjalukä (Bosnien). Diese Stelle gelangt provisorisch zur Besetzung und ist mit einem Jahresgehalt von K 2000.— und freier Wohnung im Spitale oder in dessen nächster Nähe verbunden. Bewerber österr.-ung. oder bosn.-herzeg. Landesangehörigkeit haben ihrem Gesuche (mit 80 h bosn. Stempel versehen) folgende Nachweise (mit je 20 h bosn. Stempel versehen) beizuzuschliessen: Diplom, Geburtsschein, Zeugnisse Uber die bisherige ärztliche Verwendung, den Gesundheitszustand und die Sprachkenutnisse (Deutsch, Landessprache oder eine andere slavische Sprache). Bewerber mit Spitals , namentlich chirurgischer Praxis werden bezorzugt Der Sekundararzt hat den Stadtarzt im Bedarfsfälle zu vertreten und kann in seiner dienstfreien Zeit Privatpraxis ausübeu. Arme sind selbstverständlich unentgeltlich zu behandelu- Die Gesuche sind bis längstens 30 April L J. an die Stadt, gemeinde Baujaluka einzureichen. Banj aluka, am 15. März 1904. Der Bürgermeister: H. Sellm bea D2In!c. Maroth-Preise pro 1904. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde gibt den geehrten Gemeindemitgliedern bekannt, daß mit der Bereitung und dem Verkaufe des Osterbrotes (Mazzoth) Herrr Adolf Schmidt betraut Worden ist und stellt an jene p. t. Parteien, Welche ihren Mazzothbedarf noch nicht angemeldet haben, das Ersuchen, ihre Bestellungen daldnlöglichst entweder im Verkaufslokale: I., Franz Josefs-Quai Nr. 33 (Hotel Metropole) oder im Backhause XX., Marchfelderstraße Nr. 21 zu machen, da spätere Anmeldungen kaum nach Wunsch berücksichtigt werden könnten. Die vom Vorstande genehmigten Preise sind: für Mazzoth 1. Sorte per Kilo K 1.60 it n 2. „ „ „ «88 „ Mehl, Gries 1. Sorte per Kilo X 1.80 „ „ „ 2. „ „ „ „ 1-10 Zur Verhütung von Mißbräuchen ist jedes Paket mit dem Siegel der hiesigen israelitischen Kultnsgemeinde versehen. Wien im März 1904. Der Borstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien.

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