Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 9 (26.2.1904)
- Date
- 1904-02-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Triiwiw' amwmsam Nr. 9 Wien. Am 1. März l. I. veranstaltet das Tanzschnlinstitut Heimann und Singer in den Blumensälen der k. k. Gartenbaugesellschaft einen Festabend unter dem Titel: „Ein Strandfest an der Riviera". Karten sind im Tanziustitute, II., Praterstraße 48, erhältlich. Brünn. (Todesfall.) Am 16. d. M. verschied in Stanislau nach kurzem schwerem Leiden Frau Charlotte Ekstein in ihrem 8). Lebensjahre. Die genannte Dame, die Mutter des Brunner Tuchhändlers Lazar Ekstein, erfreute sich wegen ihrer besonderen Frömmigkeit und der Lauterkeit ihres Charakters allgemeiner Sympathien und Wertschätzung, die auch in der lebhaften und zahlreichen Beteiligung an dem Leichenbegängnisse zum Ausdrucke kamen. Holleschau. Am 20. d. M. verschied in Kremsier nach achttägiger schwerer Krankheit der Abiturient Herr Julius Zwillinger, Bruver des gewesenen Bürgermeisters, Herrn Salomon Zwillinger. Der Verblichene, ein selten talentierter und fleißiger Student, hat das Gymnasium von der untersten bis zur VIII. Klasse mit Vorzug absolviert, war der Primus am ganzen Gymnasium und hat zu den allerschönsten Erwartungen Hoffnung gegeben. Sonntag Nachmittag fand in Holleschau das Leichenbegängnis unter großer Beteiligung statt. Unter den Anwesenden bemerkte man Herrn k. k. Bezirkshauptmann Dr. Hloschek; 2 Professoren und sämtliche Mitschüler waren erschienen, um den geliebten Schüler, beziehungsweise Mitschüler das letzte Ehrengeleite zu geben. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Freiman hielt eine tiefergreifende Trauerrede. Ani offenen Grabe widmete ein Mitschüler, Herr Bruno Kornfeld, namens der Kollegen warme Worte des Abschiedes. Die Trauergesänge wurden von Herrn Kantor Braunfeld vorgetragen. Prag. Ueber Ephraim Moses Lilien, den modern-jüdischen Künstler, sprach Herr Viktor Fleischer über Einladung des hiesigen Vereines jüdischer Hochschüler „Bar Kochba" im Saale des „Hotel Bristol" vor einem zahlreichen Publikum. Der Vortragende erklärte es zu Beginn seines Vortrages für falsch, Lilien als einen Illustrator zu bezeichnen. Lilien sei Buchkünstler. Um diese Behauptung zu begründen, gab Redner einen Ueberblick über die Geschichte des deutschen Buchgewerbes im 19. Jahrhundert. Lilien war einer der ersten Mitarbeiter der Münchner „Jugend". Von diesen! Augenblicke an verfolgt sein Leben eine aufwärts steigende Linie. Was aber davor liegt, ist eine traurige Geschichte von Not und Leid. Vor zirka 30 Jahren in Drohobycz als Sohn eines Drechslers geboren, hat Lilien seine ersten Jahre in diesem Milieu jüdischen Elends verbracht. Dann ging er nach Wien. Dort war er Gymnasiast, dann Lehrling bei einem Schildermaler und später Realschüler. Dann trat er in die Kunstgewerbeschule bei Professor Griepenkerl ein. Nach kurzer Zeit verließ er durch seine Armut gezwungen — er konnte nicht das Schulgeld aufbringen — Wien und wandte sich nach München ohne Mittel und ohne Hoffnungen. In München geriet er in die deutsche Buchgewerbebewegung. Vom ersten Augenblicke an beschränkte er sich auf das Gebiet der Schwarzweißkunst und die Buchkunst. Die „Jugend" und eine süddeutsche Arbeiterzeitung brachten ein Paar Blätter von ihm. Schließlich wurde er mit der Illustration des Wildenradtschen Romans „Der Zöllner von Clausen" betraut. Diese Bilder sind wichtig für seine technische Entwicklung. Sie zeigen seine ganze Eigenart, doch fehlt dem Schaffen die zusammenfassende Einheitlichkeit, die innere Beseelung. Da tritt in das Leben Lilien's ein neues Element: Der Zionismus. Der junge Künstler ist einer der ersten, die sich der Bewegung anschließen. Er erkennt auch alle die künstlerischen Möglichkeiten, die gebunden in dieser nationalen Bewegung ruhen, und wandelt sie in eine bedeutsame Tat: Die Ausschmückung der Gedichtesammlung „Juda" von Börries Freiherrn von Münchhausen. Der Dichter erneuert in diesem Werke die klingende Sprache der Bibel, nuanziert durch seine deutsche Persönlichkeit. Lilien hat im Buchschmuck ausschließlich Symbole der neuen Bewegung in Anwendung gebracht. Künstlerisch bedeutend höher als „Juda" steht das neueste Werk, das Lilien geschaffen hat, die Illustration der „Lieder des Ghetto" von Morris Rosenfeld. Während in „Juda" mancher Rahmen noch rein ornamental ist, schließt sich in den „Liedern des Ghetto" Bild und Rahmen zu einem organischen Ganzen zusammen. So hat sich Lilien schon in jungen Jahren zu einer ganz eigenartigen Meisterschaft durchgerungen. Dazu genügte nicht seine Begabung und die technische Fähigkeit, das Gesehene nachzubilden. Es mußte ein rastloses Studium hinzutreten. Seine Arbeiten legen denn auch Zeugnis ab von diesem Seite 139 Studium und von dem Bestreben, die geschauten Dinge auch organisch zu fassen und zu. verstehen. Er stilisiert die Natur. Er unterwirft sie seiner künstlerischen Idee und unterordnet sie einem ornamentalen Zweck, ohne sie jedoch zu vergewaltigen. Ebenso gebietet er auch über die menschliche Körpergestaltung in der Schönheit der weiblichen und männlichen Körper. Auch die Exlibris Lilien's illustrieren das Zusammenwirken von Bild und künstlerischer Idee. Der Vortragende besprach sodann eingehend einzelne Blätter des Künstlers. Lilien's Schaffen, sagte der Vortragende schließlich, ist das versöhnende Bindeglied zwischen der bildfeindlichen jüdischen Orthodoxie und den modernen künstlerischen Bestrebungen. (Lebhafter Beifall.) Budapest. Der Wohltäter Josef Feigenbaum, der den Tempel der Gemeinde in Iglo erbauen ließ und für die jüdische Schule eine Stiftung von K 20.000 errichtet hat, ist gestorben. Feigenbaum vermachte verschiedenen Vereinen ohne Unterschied der Konfeffion testamentarisch X 50.000. Rzeszow. (Auflösung des israelitischen Kultusrates.) Mit Erlaß vom 16. März 1903 hat die galizische Statthalterei den israelitischen Kultusrat aufgelöst, wogegen der gewesene Obmann desselben rekurrierte. Der Rekurs wurde später zurückgezogen und die Bezirkshauptmannschaft in Rzeszow hat jetzt mit Erlaß vom 29. Jänner 1904 den Advokaten und Gemeinderat Dr. Josef Fechtdegen als Regierungskommissär eingesetzt und ihm die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde mit einem aus sechs Mitgliedern bestehenden Beirate übergeben. Basel. Der II. Internationale Kongreß für allgemeine Religionsgeschichte, der in Basel vom 30. August bis 2. September 1904 stattfinden wird, soll, wie man uns mitteilt, wie seine Vorgänger in Paris 1900 und Stockholm 1897 durchaus wissenschaftlichen Charakter tragen und der rein historischen Erforschung der Religion dienen; alle konfessionelle Polemik soll grundsätzlich unterlassen bleiben. Es find vorläufig folgende Sektionen vorgesehen: 1. Religionen der sogenannten „Naturvölker" mit Einschluß der Peruaner und Mexikaner; 2. Religionen der Chinesen und Japaner; 3. Religionen der Egypter; 4. Religionen der Semiten; 5. Religionen Indiens und Irans; 6. Religionen der Griechen und der Römer; 7. Religionen der Germanen, der Kelten und der Slaven; 8. Christliche Religion. Der Mitgliederbeitrag ist auf 20 Francs festgesetzt. Die Mitgliedskarte berechtigt auch: 1. zum fteien Bezug der Kongreßakten, welche in zusammenfassender Gestalt die gehaltenen Vorträge samt der Diskussion enthalten sollen; 2. zum Bezug von Teilnehmerkarten ä 10 Fr. für weibliche Angehörige. Anmeldungen zur Teilnahme am Kongreß, sowie zu Vorträgen werden schon jetzt entgegengenommen und find an Herrn Professor Alfred Bertholet (Leonhardtstraße 8) zu richten. Dabei ist die Bezeichnung der Sektion, der die Teilnehmer beizutreten gedenken, sehr erwünscht. Bukarest. Sonntag den 28. Februar l. I. um halb 4 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel (St. Vineri) die Trauung des Fräulein Angela Schwarzfeld, Tochter des Herrn M. Sch w arzfe ld,mitHerrn Dr. Adolphe Steuerm a n statt. ZfemUeton. Alle Rechte Vorbehalten. Jüdische Kntlurbildrr. Von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komärom. (Fortsetzung.) Es war das übrigens kein Wunder. War doch der Vater — nicht wie der Lehrer in einer öffentlichen Schule, der' nur der Vorgesetzten fachkundigen Schulbehörde Rede zu stehen hat — jedem einzelnen Vater gegenüber verantwortlich für das Kind. Da vermaß sich jeder, seinen eigenen Schulplan, seine eigene Lehrmethode dem Vater zu empfehlen. Gibt es Dr. Wlocb's Mlocbenscbrikt.