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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-02-12 · 7 (12.2.1904) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
7 (12.2.1904)
Date
1904-02-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 7 Dr. Mocv's Mocbenscbrlkt. Sette rn Kollektivität befasse. Innerhalb des Judentums hange der Verein» ebenfalls nicht mit dieser oder jener Gruppe zusammen, er stehe als» wissenschaftliche Organisation jenseits aller Parteien. Der Geschäfts-» bericht faßte die aus den früheren Mitteilungen bekannten Tatsachen« der Ausbreitung des Vereines in den verschiedenen Ländern zusammen.' Aus dem Rechenschaftsbericht ging hervor, daß in dem Zeiträume vom t 1. Mai 1902 bis 31. Dezember 1903 die Einnahmen des Vereines ' 6173*33 Mark, die Ausgaben 4855-75 Mark betrugen, woraus sich am Jahresschlüsse ein Ueberschuß von 1317 58 Mark ergibt. An dem Ankäufe der ersten Vereinspublikation „Jüdische Statistik B. 1" nahmen die jüdischen Organisationen und Großgemeinden in folgender Weise teil: llenüsd Colonisation Association 2800 Mark, Alliance Isra61ite Universelle 200 Mark, Bnei - Brith Logen Deutschland 376-65 Mark, Bnei Brith Logen Oesterreich 100 Mark, Deutsch- Israelitischer Gemeindebund 120 Mark, Jüdische Gemeinde Warschau 350 Mark, Jüdische Gemeinde Berlin 140 Mark, Jüdische Gemeinde Wien 100 Mark, Israelitische Allianz Wien 70 Mark. In der Diskussion über die Tätigkeit des Vereines gab zunächst Sanitätsrat Dr. Maretzki unter warmer Anerkennung des bisher Geleisteten wichtige Anregungen betreffs des weiteren Arbeitsplanes. Er wies namentlich auf die Gesundheitsstatistik als jenes Gebiet hin, auf welchem das reichhaltigste Material bereits vorliege und durch eine systematische Bearbeitung gehoben werden müsse. Ferner betonte er die Notwendigkeit, auf die landes- und reichsstatistischen Aemter einzuwirken, damit dieselben der jüdischen Statistik schon in ihren Fragebogen größere Aufmerksamkeit zuwenden mögen. Herr Eliasberg sprach von der Wichtigkeit der jüdisch-statistischen Arbeiten in Rußland, wobei er auf das einschlägige Werk des Etaatsrats Bloch hinwies. Ueber denselben Punkt äußerten sich Dr. Heinrich Meyer-Cohn und Herr Leo Motzkin. Dr. Nossig teilte mit. daß der Vorstand sich bereits bemüht hatte, in dem vom Sanitätsrat Maretzki angegebenen Sinne die offiziellen statistischen Arbeiten zu beeinflussen. Daneben halte jedoch der Verein an seinem Hauptprogramme fest, welches darin bestehe, zunächst auf Grund des vorhandenen Materials eine Gesamtstatistik des Judenthums herzustellen. Nach Erteilung des Ahsolutoriums wurden die vom Vorstand entworfenen Satzungen des Vereins verlesen und mit geringen Aenderungen angenommen. Es folgte nun eine längere und angeregte Debatte über die sinanzielle Vasierung des Vereins zum Zwecke der Schaffung dauernder Aemter für Statistik der Juden und Anstellung fachmännisch gebildeter Beamten. Das diesbezügliche Referat des Vorsitzenden gipfelte, nach kritischer Prüfung verschiedener Projekte, in dem Gedanken, daß die Organisation für jüdische Statistik eine gemeinsame Schöpfung aller jüdischen Vereinigungen und Großgemeinden werden müsse. Dr. S. Bernfeld unterstützte in beredter Ausführung diesen Vorschlag, der hierauf von der Versammlung einhellig angenommen wurde. An der Diskuffion über die Durchführung des Projektes betheiligten sich insbesondere Doktor Klee und Dr. Alfred Waldenburg. Man beschloß, zur Verwaltung der für die Jüdische Statistik bestimmten Fonds ein Kuratorium aus Berliner Notabel« zu wählen und entwarf eine Liste der Herren, denen Sitze im Kuratorium anzubieten sind. In den darauffolgenden Wahlen wurde die Mehrzahl der Mitglieder des abtretenden Vorstandes wiedergewählt: zum Vorsitzenden Dr. Alfred Noffig. zum Generalsekretär Louis Leopold, zu Beisitzern Bertold Feiwel, Doktor Martin Buber, Davis Trietsch, Dr. Theodor Zlocisti. Ferner wurde S. Eliasberg zum Schatzmeister gewählt und dem Vorstand aufgetragen, nach Bedarf weitere Beisitzer zu kooptieren. Bis jetzt wurde Ingenieur Stefan Perez kooptiert. Zu Revisoren wählte man S. Cassel und Dr. Robert Hautke. Mit Dankesworten des Vorsitzenden an die Erschienenen schloß die äußerst zahlreich besuchte Versammlung, welche den erfreulichen Beweis erbracht hatte, daß die Vertreter der verschiedensten jüdischen Parteien ein gleich lebhaftes Interesse an der Statistik nehmen und sich auf dem Boden dieses Vereines zu gemeinsamer Arbeit zusammenfinden. Im Laufe der Versammlung trugen sich viele Anwesende als tätige oder unterstütz-nde Mitglieder ein. Danzig. (Eine Sammlung jüdischer Altertümer.) Der hiesigen Synagogengemeinde hat Herr L. Gieldzinski eine aus zirka 120 Nummern bestehende Sammlung alter kunstvoller jüdischer Kultusgegenstände geschenkt und daran die Bedingung geknüpft, daß sie der Oeffentlichkeit nicht entzogen werden darf, auch soll kein Eintrittsgeld erhoben werden. Die Sammlung wurde von Herrn Gieldzinski in einem Zeitraum von dreißig Jahren zusammengetragen und ist die vierte, die besteht; die anderen sind in dem Besitze des Kensington- Museums in London, des Müsse Cliny in Paris, des Museums in Frankfurt a. M.; außerdem ist noch eine Sammlung Mathias Berssan in Warschau vorhanden. — Es handelt sich um in Silber, Kupfer und Messing getriebene Gegenstände sowie um buntbemalte, auf Pergament geschriebene Gebetbücher u. s. w. Die Sammlung, von der nächstens ein Katalog erscheinen wird, soll im sogenannten Brautzimmer der hiesigen Synagoge zur Aufftellung kommen und dürfte eine hervorragende Sehenswürdigkeit für Danzig und Umgegend bilden. M Buenos - Aires. (Israelitischer Arbeiter- Uv e r e in.) Auch hier, in der Hauptstadt Argentiniens, hat sich | ein israelitischer Arbeiterverein gegründet und hielt der Rabbiner | Dr. Hoffmann in demselben am vergangenen 2. September 1903 > den angekündigten Vortrag über die Rechte und Pflichten der Leistungsveräußerer und Leistungserwerber nach den nationalsozialistischen Grundsätzen des Mosaismus. In dem zirka zweistündigen Vortrag führte der Redner u. a. aus, daß dem mosaischen Arbeiterstatut nur ein Produzent bekannt sei, der seine Leistungen einem Produktenhändler verkaufe, nur müsse der Produktenmarkt gesetzlich feste Preise haben. Der Sozialismus habe nicht die Ausgabe, gesunde Existenzen zu vernichten, sondern neue reale Existenzen zu schaffen. Die Sozialisten dürsten keinen blinden Kamps um das individuelle Dasein führen, sondern sie müßten die Gemeinwohlfahrt fördern. Der Vortrag war von zirka 800 Personen besucht. Aus Argentinien geht dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nachstehender, der argentinischen Zeitung „La Provincia” (in Ros&rio de Santa Fe) entnommener Bericht eines staatlichen Reise-Korrespondenten über die der Jewish. Colonisation Association unterstehende Kolonie Moisesville zu: An den Direktor der Provinz Rosürio. 13. Mai 1903. Ich hatte Gelegenheit, mich einige Stunden in der Kolonie Moisesville auszuhalten, welche durchgängig aus ruffischen Familien jüdischer Religion besteht. Diese Kolonie der J. C. A. umfaßt 50 Quadratmeilen, wovon die Hälfte kolonisiert ist, die andere Hälfte der Entwicklung entgegengeht. In der Kolonie wohnen 500 Familien, welche bei ihrer Ankunft mit je einem Wohnhause und 100 Hektaren Land versehen wurden; außerdem versorgt man sie noch mit den nötigen Materialien und Gerätschaften zum Ackerbau, wie 8 Ochsen, 10—15 Milchkühen, 2 Pferden, 2 Pflügen, 2 Harken, Wagen mit Zubehör, sowie Samen für Weizen, Flachs und Klee. Um die neuen Kolonisten bis zur ersten Ernte zu unterhalten, vergütet ihnen die J. C. A. ie nach Beschaffenheit des von ihnen zu kultivierenden Landes 2—5 Pesas pro Hektar. Zur größeren persönlichen Sicherheit der Kolonisten haben sich Wachdienst-Kolonnen aus benachbarten in Straßenviertel eingeteilten Revieren gebildet. Dort befinden sich die Schulgebäude, worin zahlreiche Kinder den Unterricht genießen, welcher obligatorisch ist. Die Gesamtbevölkerung der Kolonie zählt etwa 5000 Einwohner mit. 5 Schulen, 1 Arzt, 1 Apotheke, von der Administration unterhalten, da sowohl der Unterricht, wie die sonstige Versorgung unentgeltlich gewährt wird. Das Gros der Bevölkerung konzentriert sich auf Moisesville-Centro. Hier befindet sich auch die Administration unter Leitung der Herren Arthur Bab und Ernst Löwenberg, ferner die Synagoge, das Hospital, die Hauptschule, das Gerichtsgebäude re. Ein Schienenstrang der Eisenbahn dehnt sich bis hierher aus und bildet eine Station mit bedeutendem Verkehr für Getreideversand. Herr A. Horwitz widmet sich speziell dieser Tätigkeit, indem er einen großen Speicher verwaltet, worin Vorräte angehäuft werden bis zu 1000 Tonnen Viehfutter in Ballen, sowie auch große Mengen von Weizen, Flachs, Mais, wodurch eine große Anzahl Leute Beschäftigung finden. Zmn Einballen bedient man sich der Pressen (5 Dampfpressen und 18 Handpressen), welche fast das ganze Jahr hindurch arbeiten und täglich bis 500 Ballen fertigstellen. Die Weizen- und Flachs-Ernte ist in den letzten drei Jahren sehr spärlich ausgefallen, aus welchem Grunde sich auch die Kolonie noch nicht auf der Höhe befindet, aus welcher fie sonst schon sein müßte. Der Klee ist eines derjenigen Erzeugnisse, welches die besten Resultate geliefert hat, da der Boden, speziell für die Entwicklung dieser Pflanze besonders geeignet ist. Die damit besäten Felder umfaffen zirka 6000 Hektar, und ist deren Stand ein vorzüglicher. Der Mais, welcher dieses Jahr zum erstenmale in mäßiger Ausdehnung gesät war, hat ein Ergebnis von 15—18 Quintale pro Hektar geliefert. Aber die heftigen und anhaltenden Regengüsse richteten großen Schaden an, so daß bedeutende Ausfälle infolge der Feuchtigkeit eintraten.

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