Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 7 (12.2.1904)
- Date
- 1904-02-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021547-3021555--13355-3038002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
r-FrJZGS&mU Nk. 7 iOi*■ 181 OCh 8 Jahrgang XII MtM l. Centrslorgan für die gefsmmten Interessen des Iudenthums. «- — — =X A. k. Pofisparrssten-Arnk Clearing-Verkehr Ar. 810.976. . Ledaction und Administration: wir» IX/1, Brrggay'r Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. »- — --G—- Wien^ 12. Februar 1L1O4. -n. —-— Lrsch eint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, IX/1,Berggasse 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift» Wien. X - =^Hk SrprgLPrri» für V-st-rrrich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller, Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 , Anzeigen: Die4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. % ~ - =- =* Inhalt: Leitartikel: „Europäer und Asiaten." — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Die jüdischen Elemente in der russischen Volkspoesie. Die Juden in Japan.- Mommsen und Maeterlinck über den Nationalismus. Felix Dahn über Juden und Germanen. Felix Dahn über getaufte Juden. — Die Philosophie Kant'S und die biblisch-talmudische Weltanschauung. — Correspondenzen: Wien, Brody, Budapest, Berlin, Danzig, Argentinien. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischä" in Wien. Wien, Floridsdorf, Brünn, Jglau, Troppau, Agram, Antwerpen, Buenos-Aires. — Feuilleton: Waffenstillstand. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. „Europäer nnd Asiaten." Die „Europäer" sind selbstverständlich die Repräsentanten der Zivilisation, die erlesenen Erziehungsresultate zweitausendjährigen Christentums. Die „Asiaten" sind unzivilisierte Horden, unchristliche Heiden, auf welche der Europäer mit Verachtung herabblickt. Zwischen Rußland und Japan ist ein Krieg ausgebrochen, das ostasiatische Jnselvolk, als es sah, wie Rußlands Staatsmänner mit ihm verfahren, hat seinen Vertreter aus Petersburg abberufen und zum, Schwerte gegriffen. Das offiziöse Blatt der russischen Regierung die „Nowoje Wremja", welches bis nun jede Gewalttätigkeit der russischen Despotie gegen die Finnländer, gegen die Polen, ja selbst die grausamen Judenmassakre in Kischenew verteidigt und verherrlicht hat, dieselbe „Nowoje Wremja" erklärte in einem Extrablatt: „Die Asiaten zeigten sich als Asiaten, sie vermochten nicht einmal den äußeren Anstand zu beobachten. Die Geschichte kennt keinen Fall eines ähnlichen Betragens." In . der Tat, das Verhalten der christlichen Völker gegenüber nichtchristlichen und vice versa bildet ein lehrreiches Kapitel zur Geschichte der Zivilisation und einen interessanten Maßstab für den inneren Gehalt der sogenannten christlichen Kultur. Ohne an China einen Krieg zu erklären, hat Rußland eine seiner wertvollsten Provinzen in der Größe des Deutschen Reiches besetzt, der Zar hat sein Wort verpfändet und in einem Vertrage sich verpflichtet, diese Provinz zu räumen und dem Eigentümer zurückzuerstatten. Rußland hat sich aber um solche Vertrüge noch nie viel gescheert. Das ist also europäisch. Wenn aber Japan sich dieses Verfahren nicht gefallen und mit leeren Worten und Hinterhältigkeiten sich nicht abspeisen läßt, so handelt es „asiatisch". Rußland, das in seinen eigenen Gemarkungen jeden Ausländer und jeden Andersgläubigen verfolgt und mißhandelt, hört nicht auf, christlich zu sein. Es sandte seine Heere aus, um China, welches sich vor dem Eindringen der Europäer schützen wollte, die Lehren der „Gastfreundschaft" und des „Fremdenrechtes" zu predigen. Solche Geschehnisse haben wir erlebt. Daß Rußland nun aber auch gegenüber Japan die Rolle des „Europäertum" übernimmt und an die Sympathien der europäischen Gemeinschaft für den Kampf gegen das „Asiatentum" appelliert, ist das stärkste Wagnis, welches dem gesunden Menschenverstand zugemutet wird, und beinhaltet eine verletzende Unterschätzung des Denkvermögens der führenden Geister Europas. Die japanische Nation unternahm diesen blutigen Krieg zum Schutze seiner Selbsterhaltung, seiner bedrohten Freiheit; echt „asiatisch"! Rußland führt Kriege wegeu seiner unersättlichen Ländergier; das ist „europäisch". Geographisch gehört Rußland zum Teil wohl nach Europa, ebenso wie Japan zweifellos ein ostasiatisches Juselland ist. Was aber Gesittung und Zivilisation anlangt, so verkörpert in diesem Streite das „Asiatentum" die Idee der Völkerfreiheit und der Gerechtigkeit, während das kulturmörderische Rußland die Verwünschungen aller Männer der Freiheit auf sich geladen hat. Japan ist ein konstitutionell regiertes Land, in welchem nicht allein das Volk sich selbst regiert, nicht allein jeder Untertan nach Recht und Gesetz behandelt wird, sondern auch jeder Fremde den Schutz der Staatsgewalt genießt. Als der jetzt regierende Mikado im Fahre 1867 den Thron seiner Väter bestieg und den Schwur auf die Verfassung leistete, fiel in dieser Eidesformel allgemein der Satz auf, der gleichzeitig als eine Verheißung späterer Reformen mit allgemeiner Freude begrüßt wurde: „Wir geloben und schwören, im Einklänge mit der öffentlichen Meinung und gemäß den Volksbestimmungen regieren zu wollen." In diesem in dem feierlichen Moment der Thronbesteigung gegebenen Versprechen lag der Keim und die Grundlage der