Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 5 (29.1.1904)
- Date
- 1904-01-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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dii. o Dr. Biocb’s TRUocbenscbnft* Seit; 77 IX. Bezirke ist, erliellt am eklatantesten ans dem reqeil, stets zn- -!'-l)me»de:> Besuch der Schüler, welche .seitens der Bewohner dieses Bezirkes dieser Anstalt zugefülirt werden, was wohl anderseits gewiß "’:r dem Vertrauen, welches sich diese Schule in der kurzen Zeit ihres Best indes erworben, zu',uschreiben ist. Sonntag den L4. d.M. wurde nun diese Schule von dem Inspektor für den israelitl'chen Religionsnnterl icht der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Pros. M. K a tt i tz einer '»ehr als einstündigen, eingehenden und umsichtigen Inspektion nnterwgen. Nachdem sich derselbe von dem Leiter der Schule Herrn Reliaionslehrer D. H. Oesterreicher über die regelmäßige Frequenz der -chüler t:i den "erschiedencn Abteilnugeu genaue Angaben geben ließ, 'uurde die Abteilung, die gerade unterricht.t wurde, einer eingehenden Brüsuug unterzogen. Die Lchüler beantworteten die an sie gerichteten Fragen ui p-äziicr und exakter Weise, was ans den Herrn Inspektor den . üiistigae» Eindruck machte. Mit dem Bemerken, gelegentlich auch aie höhere Abteilung zu inspizieren, verließ der Herr Inspektor Pros. K a :i l tz sichtlich befriedigt die Schule. Wien Dienstag den 2. Februar 1904, abends halb 8 Uhr, findet im Saale Ehrbar der Liederabend Grethe Modlinger unter Mitwirkung der Pianistin Fräulein Selma L i b o w i tz und des Herrn Fritz N e u s e l d statt. Karten sind zu haben bei der Konzertgeberin, I.'/2, Wittelsbachstraße 4 und im Kartenbureau Kehlendorfer, 1., Krügerstraße 5, und ani Konzertabende an der Kassa. Bade r. Auf Anregung der Herren Se. Ehrwürden Rabbiner W. Reich, Juda Jnseld, sind. med. S Deutsch, eaml. jnr. Hrinrid, \liu-ti t ui int Herbste vorigen Jahres ein „Jüdischer Bildnugsverein" ins Leben, dessen Zweck ist, wöchentlich zweimal Geschichts- und Grammatikkurse abzuhalten. Bei der kürzlich abgebalteneu koustiluie-eiid’N Bersammlung wurden i» die Bereinsleituna folgende Herren gewählt: Obmann Se. Ehrwürden Rabbiner W. Reich. Obmannstellvertreter Simon Mandl, Schriftführer Juda Jnseld, Kassier David Schey, Bibliothekar eaml jur L)einrich Kurt!; als Beiräte die Herren Professor Dr -.anmel Hahudel mid Leopold Weißmann. In Durchführniig des oben angegebenen Zweckes finden min schon fett längere: Zeit regelmäßig zweimal inöchentlich die Geschichts- und Sprachkurse in deni von der- Badener israelitischen Kultnsgemeilide in entgegenkommendster Weise zur Verfügung gestellten Lokale statt. Setter Die'cr Kurse tft Herr I. Jnseld, der sich in ulieigennützigster und aufopferuligsvoller Weise dem Bereine zur Verfügung gestellt hat und durch seine interessanten Vorträge jedesmal aufs Nelle den Dank seiner zahlreichen Zuhörer erwubt. Von ganz besonderer Bedeutung waren zwei von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner W. Reich innerhalb kurzer Zeit vor zahlreichem Publikum im Sitznngssaale abgehaltene, ebenso geistvolle wie formvollendete Vorträge über „Die Makkabäer in Bezi bung auf unsere Zeit" nnd „Indische Zeitrechnung". Nicht ininder interessant gestaltete sich der am Sonntag den 24. d. M. veranstaltete l. Diskussionsabend über „Prophetie". Wieder war es Herr Rabbiner W. Reich, der als Referent in seiner geistreichen, anregenden Weise die zahlreichen Zuhörer für das nicht leichte Thema fesselte. An der Diskussion beteiligten sich vor allem die Herren I. Jnseld und Professor Dr. S Hahndel, über dessen Anregung schließlich auch der nächste Diskussionsabend, welcher Sonntag den 7. Februar a. e. staltsindet. dem Thema „Prophetie" zur Erschöpfung desselben Vorbehalten ivurde. Inngbunzlau. In der am 24. Jänner abgehaltenen Sitzung des erweiterten Kultusvorstandes wurde dem Rabbiner Herrn Phil. Dr. Max Hoch das Definitivum debattelos und mit Stimmeneinhelligkeit verliehen. Prag (Kün st l erstist un g.) Die sreiherrlich von Rothschild'sche Stiftung in Wien wurde in Würdigung der bisherigen hervorragenden Leistungen auf musikalischem Gebiete dem strebsamen Chordirektor des Prager Tempels Herrn David Rubin mit lv 800 — verliehen. Herr Rubin hat viele Kompositionen, insbesondere seine synagogalen Gesänge, Psalmen und Festtagsgebete, mit und ohne musikalischer Begleitung, in einem Bande gesammelt in Druck erscheinen lassen. Dieselben sowie die Nachträge werden von vielen Gemeinden in Oesterreich, Deutschland, in letzter Zeit auch in Amerika vom Eigentümer verlangt. Budapest. Aus der' Generalversammlung der „Chewra- Kadischa" ist zu berichten: Der Verein zählt 2082 Mitglieder. Eingegangen sind an Beitrittsgebühren 1< 156.595.—, Spenden für das Siechenhaus K 5868.—, für die Angestellten K 5612.—, zusammen iv 168.075.—. Malacska. (Das Begräbnis eines illustren Arztes.) Vor einigen Tagen verschied hierorts der weithin berühmte lwchfürsitich Palffy'sche Leib- und Herrschaftsarzt, Houorar-Komitats- Pbysikns Med. Dr. Abraham Oehler im «8. Lebensjahre nach sehr k irzer Krankheit. An dem Begräbnisse beteiligte sich der ganze Bezirk, die gesamte Intelligenz, sowie die Aristokratie der Umgebung, ohne Unterschied der Konfession. Wir sahen da im Trauerhause kondolieren: Fürst Palffy Miklos. Hunderte von Juden und Christen geleiteten den berühmten Arzt, welcher 40 Jahre hindurch hierorts ruhmvoll wirkte, znm israelitischen Gottesacker. Hier war das gesamte Stuhlrichteramt, königl. Bezirksgericht, viele Herrschaftsbeamte der Aristokraten im Malaczkaer Bezirke: sämmtliche Advokaten, Aerzte des Malaczkaer Sanitätsrayons. Am Friedhofe widmeten Dr. Lewin. Oberrabbiner von Malaezka, und Dr. Steinitz Adolph, Kreisarzt von Bur-Szt.- György, dem edlen Verklärten herzliche, innige Gedenkreden. Ehr-- würden Dr. Lewin sprach markig, gehaltvoll. Dr. Steinitz Adolph verabschiedete sich vom edlen Verblichenen im Namen des Aerztekorps des Preßburger Komitates in warmer, herzinniger Weise. Letzterer lobte es öffentlich, daß der edle Verklärte, trotzdem er hochfürstlicher Leibarzt war, sich nicht schämte, seinen Glauben zu befolgen (wie so mancher junge Doktor in seiner Naseweisheit seinem Glauben ausweicht); er rühmte dessen schönes religiöses Heim und würdigte seine Tugenden als Arzt und edler Menschenfreund. Breslau (S t a d t v e r o r d n e t e n v o r st e h e v.) Gehe i in e r Justizrath Dr. Freund ist znm 19. Mal von den Stadtverordneten zum Vorsteher gewählt worden. Posen (S t a d t v e r o r d n e t e n v o r st e h e r.) Herr Justizrath Julius Salz ist von der Stadtverordnetenversammlung zum Vorsitzenden gewählt worden. Herr Justizrath Lewinski, der dieses Ehrenamt bisher bekleidete, hat infolge seiner Nichtwiederwahl sein Stadtverordnetenmandat niedergelegt. Feuilleton. Waffenstillstand. No elle von Babette Fried Prag. (Fortsetzung.) Straffer nahm aufs Geratewohl ein Buch aus dem Schranke und begab sich damit in seilt Zimmer, mehr um in der Einsamkeit desselben den freudigen Gedanken, die in ihm entstanden'waren, nachzuhängen, als um zu lesen. 'Nachdem er sich am offenen Fenster behaglich niedergelassen halte, warf er einen Blick aus das Buch, das er genommen hatte; es war ein in hebräischer Sprache, dem Urtexte, ohne jede Uebersetzung geschriebener Psalter (Thillim). So viel er wußte, war weder Fanni, noch deren Mutter des Hebräischen so iveit mächtig, um die Psalmen in der Ursprache lesen, eigentlich verstehen zu können und mußte das Buch daher noch von dem seligen Baker stammen. Wie pietätvoll war es von Fanni, so sagte er sich, das ihr unverständliche Buch, das sich in seinem plumpen, ganz abgegriffenen Lederbande so recht unvorteilhaft ausnahm und von den in zierlichen Einbänden prangenden anderen Büchern so abstach, ihrer kleinen Büchersannnlung darum einznverleiben, »veil es ein Andenken an ihren seligen Pater ist! Immer neue, schöne Geistes- und Herzenseigenschasten entdeckte er an diesem einfachen, ländlichen Mädchen. Für ihn, den Kenner der hebräischen Sprache und Literatur, der das Studium der heiligen Bücher und deren Kommentare zum Lebensberus erwählte, der die Thora ulld die andern Bücher der Bibel betrachtete als sein Leben und die Erhaltung seiner Tage, für ihn war das Buch kein fremdes. Ja, diejenigen seiner Kapitel, »velche den gottesdienstlichen Gebeten eingereiht sind, tonnte er fast wörtlich auÄvendig. Und dennoch drängte es ihn, dieses altertümliche Buch aufzuschlagen und die Herzensergüsse des gekrönten Sängers »vieder durchzulesen. Da gleich ans das erste leere Blatt hatte der verstorbene Hirsch Aufzeichnungen über Familienereignisse gemacht. Ta war der Sterbetag seiner und Frau Doras Eltern genau verzeichnet unter dem Gesamttitel: Feld der Tränen. Dann weiter unten mit roter Tinte das Datum seines Hochzeitstages, dann die Geburtstage seiner Kinder und da hieß es auch: „Am 5. Tamuz wurde mir eine Tochter geboren, schön von Gestalt und lieblich von Angesicht, welche ich und mein Weib mit dem Namen meiner Mutter benennen ließen, Fradl, in der Sprache der Völker Franziska, abgekürzt Fanni." Deni in der rauhen Schule des Lebens und im Schlachtengewühle abgehärteten Soldaten traten beim Lesen dieser Aus-