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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-01-29 · 5 (29.1.1904) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
5 (29.1.1904)
Date
1904-01-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Rr. 5 Dr. Dlocb's Mocbenscbritt. Seite 75 zeugung aus eigener Erfahrung gebildet und — wie er sagt — erklären es die Bauern rund heraus. Sie bedauern das Verschwinden des Juden aus dem Dorfe, da sie mit ihm ihre kleinen Geschäfte gut abzuschließen pflegten und mit ihm im besten Einvernehmen lebten. Im Allgemeinen war der Jude auf den Dörfern ein lvichtiger ökonomischer Faktor und sein Fehlen macht sich immer mehr fühlbar. Bezüglich der Militärdienstfrage äußerte sich Professor Radu wie folgt: Wenn man die Hindernisse sieht, welche im deutschen und österreichischen Heere den Juden in den Weg gelegt werden, so ist es leicht, den Schluß zu ziehen, daß cs unstatthaft sei, Juden im Heere aufzu 'ehmen. Ich verabscheue aber diese Argumentation. Im Gegenteil glaube ich, daß jeder Einheimische der Militärpflicht Nachkommen muß und daß gerade die Armee ein starker Assimilationsfaktor ist. Bezüglich des berüchtigten Art. 7 der Verfassung meinte der Jassyer Professor: „Ich habe meine Meinung bereits dahin geäußert und wiederhole dies auch jetzt, daß die Frage der einheimischen Juden, je eher desto bester, gelöst werden muß. Die Verschleppung dieser Frage in der heutigen Situation ist eine wirkliche Gefahr, denn sie lähmt unsere ganze ökonomische und finanzielle Tätigkeit. Die Lösung der Judenfrage bedeutet einen Riesenschritt nach vorwärts und die Sicherung des ökonomischen Fortschrittes des Landes." Herr Professor Torgu Radu gab diese Erklärungen dem Jassyer Korrespondenten des „Adeverul" und fügte hinzu, er werde diese seine Meinung vom Katheder lehren. Daß gerade in Jassy, der viel verrufenen Juden- und Antisemitenstadt, zwei der hervorragendsten Professoren solche Ansichten vertreten und ihren Schülern einstößen möchten, ist erfreulich, aber auch bezeichnend. Es wäre nur zu wünschen, daß ihre mutvolle Tat ihnen den einzigen Lohn einbringt, den sie erstreben, das ist, die Jassyer Jugend wieder von der Bahn der Reaktion auf jene einer freisinnigen und fortschrittlichen Demokratie zu bringen. Es wäre aber auch zu wünschen, daß die Regierungsleute etwas davon lernen. Josef Israels. Z u s e i n e m 80. Geburtstag a m 27. I ä n n e r. Josef Israels achtzig Jahre alt? Das ist ein Widerspruch in sich! Wenn wir vor seinen zuletzt gemalten Bildern stehen oder wenn wir in sein kluges, lebendiges, bewegliches und doch festgefügtes Gesicht schauen, so glaubt man Israels sein Alter nicht. Als vor kurzem die loskonmaLtsebappsi im Haag eine Ausstellung von Aquarellen ihrer Mitglieder veranstaltete, fiel ein Bild „Die Ankerträger" auf. Kein anderes Bild im Saal, dessen Farben bei gleicher Kraft und Sicherheit so weich, so ausgeglichen, vornehm in einander übergingen. Kein ähnliches Werk, dessen Figuren in ähnlicher, selbstsicherer, anspruchsloser, innerer Größe dastanden. Das Aquarell war von Israels. Der nahezu A/.tzigjährige übertraf bei weitem die Jungen um ihm her. Wie man weiß, wurde Israels als Kind orthodox-jüdischer Eltern (sein Vater war Effektenhändler) in Groningen geboren. Was er in Groningen, Ende der 30er Jahre, zeichnen lernen konnte, als er das Kontorpult mit der Staffelei vertauschen durfte, war sehr wenig. Und als er um 1840 nach Amsterdam kam grassierten dort Pieneman und Kruseman, deren langweilige Süßmalereien sich in einigen Exemplaren heute noch an vereinzelten Stellen des Reichs- und des städtischen Museums in Amsterdam vorfinden. Bei seinem Aufenthalt in Paris geriet er in die Schule der David-Nachfolger. Israels malte damals Historienbilder: „Prinz Moritz vor der Leiche seines Vaters", „Wilhelm der Schweigsame und Margarete von Parma" und ähnliche Vorwürfe, wobei sich ein paar würdige Figuren zu einen: dramatischen Vorgang vereinigten. Niemand würde heute ein solches Stück für einen Israels halten. 'Aber zwischendurch kam das Bild einer „alten Frau", die Widerspruch erweckte, weil sie nicht gerade sehr den in dieser Zeit des Kunstverfalls beliebten Seifenengelgesichtern ähnelte. Das war schon damals ein Vorauseilen vor den andern, wenn auch Farben und Auffaflung noch weit entfernt von dem waren, was Israels später als richtig erkannte. Als er in Zandvoort während der Rekonvaleszenz von einer Krankheit bei einer Fischerfamilie wohnte, sah er ein neues markiges Leben von der Nähe aus. Es vrschwanden die Historieupuppen. Nie mehr hat er sie gemalt. „Mir scheint, daß es unmöglich ist, Historienbilder zu malen, wenn man ehrlich bleiben will", sagte uns Israels noch vor einigen Wochen. Er schilderte nun die Fischer, die Bauern, ihre Hütten und das Meer. Die Farbe hatte sich aus den braunen harten Tönen zu einer lichten, hellen, sonnigen Klarheit herausentwickelt. Es entstanden die zahlreichen Bilder „Kinder in der See", „Ein Tag vor dem Abschied", „Schiffbrüchige" u. s. w. Stets mehr wurde auch ein großer Toter sein Lehrmeister, der immer noch der Lebendigste, Lebenswärmste aller Niederländer ist: Rembrandt. Israels, dem anfangs nichts von der Bitternis erspart geblieben ist, die das große Publikum dem großen Künstler auf dem Lebensweg bereitet, wurde jetzt gewürdigt und leider auch populär. In gewissen Bildern liegt eine gefällige Anekdote. Und diese hübsche oder traurige Geschichte von der „Ersten Liebe" oder dem „Gram um den verstorbenen Vater" war der Menge verständlich. Gerade deshalb mischte sich die billige „poetische Geschichte" störend in die wundersame Rembrandt'sche Farbenstimmung manchen Gemäldes. Denn es sah aus. als sollte vor der Menge eine Verbeugung gemacht werden. Als wir Israels vor Kurzem aufsuchten und diese zähe, arbeitsame, rasch zugreifende, durch und durch gesunde Künstlerpersönlichkeit sahen, frugen wir uns erstaunt: Welchen neuen Entwicklungsgang behält sich dieser unerklärliche Greis noch vor? Wie immer an den Nachmittagen — die Samstage ausgenommen — malte er. Seine Weise ist eigentümlich. Vorsichtig tupft er seine Striche mit dem langen Pinsel, kratzt aus. wischt mit dem Finger. Er scheint mit dem Bild verwachsen. Herzensfrische, lebensstarke Augen blitzten feurig hinter den Brillengläsern bevor, als Israels begeistert von einem neuen Buche sprach. Und sie lachten vergnügt und boshaft, als er uns zeigt', wie eine belgische Akademie Briefe noch immer an den „Historienmaler" Israels adressiert, und wie ein braver Oksterreicher den Mann, der alles Akademische in tiefster Seele haßt, mit der Aufschrift ehrt: „Se. Hochwolge' oren Herrn Josef,Israels, akademischer Maler". New-Uork. Ein schmerzlicher Verlust hat den unabhängigen Orden Bne Brith, hat das ganze Judentum betroffen. Leo N. Levi der Präsident des über die ganze Welt verbreiteten U. O. B. B. ist nach kurzem Krankenlager im Alter von 48 Jahren gestorben. Trotzdem er nur wenige Jahre als Nachfolger des um den Orden hochverdienten Julius Bien in seinem Ehrenamt tätig gewesen, hat er es in dieser kurzen Zeit seiner Amtsdauer verstanden, dem Orden in der ganzen Welt die ihm gebührende Stellung zu verschaffen. Er war es gewesen, der die Anregung zu der seinerzeit von den Juden Amerikas dem Präsidenten Roosevelt übermittelten Petition in der Kischenewer Affaire gegeben, er selbst war der Verfasser dieser Petition, er selbst gehörte zu den Führern der Deputation, die in der erwähnten Angelegenheit vom Präsidenten Roosevelt empfangen wurde. Levi wurde geboren am 15. September 1856 in Viktoria (Staat Texas), wo er zuerst die Elementarschule besuchte. In New-Pork zunächst kaufmännischem Beruf obliegerd, wandte er sich bald dem Studium der Rechtswissenschaft zu, die er später praktisch als Advokat ausübte. Dem Interesse des Judentums hat er sich olle Zeit gewidmet. Viele Institutionen verdanken seiner Initiative ihre Entstehung. Auch literarisch war er mehrfach tätig. Mit dem U. O. B. B. beklagt das gesamte Judentum seinen allzufrühen Heimgang. Präsident Roosevelt sandte den Angehörigen eine herzliche Beileidsdepesche. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Guusteu der Chewra-Kadi schal» Wien I., Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Hermine Schüler: Bon Herrn Hermann Hochsinger X 10.— . Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Arthur Flaschner: Von Herrn Jakob Jaiteles X 10.—; Albert Winterberg K 10.—; Sandor Flaschner K ho.—; Samu Wellesz K 20.—; Eduard Rittermann und Frau X 20.—; Moriz Breitner X 10.—; Julius Mittler. Prag X 20.—; Reg -Rat Dr. Bachrach X 20. -; W Knbics K 10.—; Wr. Kanfmannshalle X 20.—; Mathilde Munk X 10.—; Max Samek X 20. -; Dr. Gustav Kohn X 10.—; Hugo Popper und Sig. Reich X 10.-; Emil Früh K 10.—; Dr. M. Blau X 10.—; N. S. X 10.—. Zusammen X 250.— . Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Sarah Berger: Von Herrn Sigmund Almoslino X 5.—; Isidor Schwarz X 2. -; Familie Josef Feitler X 10.—; Moriz Pozsony X 5.—; Alois Kohn X 5.—; Leopold Herzog X 5.—; Alexander Herzog X 20.—; Weiß Ferencz. Szabatka. X 10.—; Adolf Berger X 4.—; Andor Bruck X 4—. Zusammen X 70—. Anläßlich oes Ablebens des seligen Herrn Jakob Ebstein: Von Frau Therese Ebstein X 10.; Familie Sachs in Eger X 20.—; Familien Unger und Klein X 20.—; Johanna Ebstein X 10.—; Hermann Engel X 10.--; Dr. Ludwig Ebstein X 20.—; Josef Unger X 10.—; Frau Hirsch und Weiß X;0.—; Dr. Isidor Lederer X 10.—. Zusammen X 120.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Moriz T o ch: Von Herrn Gustav Planer X 2.—; Sigmund Planer X 4.—; Singer X 1.—; Dr. Johann Toch, Mistelbach, X 10.—; Alfted Fränkel X 10.—; Leopold Herzog X 10.—; Johanna Krakauer X 2.—; Isidor Schwarz X 10.—. Zusammen X 49.—.

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