Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 3 (15.1.1904)
- Date
- 1904-01-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 44 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Nr. 3 Besonders interessant ist die Nachricht, die wir dem Privatbrief einer hochstehenden Persönlichkeit entnehmen, daß die Stellung des Ministers Plehwe vorübergehend auf das Aeußerste erschüttert gewesen ist. Plehwe sah sich gezwungen, am 12. November seine Entlassung einzureichen. Der Czar hat dieselbe damals jedoch nicht angenommen. Wie der „Lokalanzeiger" aus Petersburg von zuverlässiger Seite erfährt, ist der Minister des Innern v. Plehwe amtsmüde und beabsichtigt, mit Rücksicht auf seinen leidenden Zustand einen ungefähr einjährigen Urlaub zu nehmen, um im Auslande seine Gesundheit wiederherzustellen. Nach dieser Zeit sei sein Rücktritt wahrscheinlich. Als sein Stellvertreter wird der jetzige Gehilfe Plehwe's, General v. Wahl, fungiren, den Plehwe selbst und auch der Fürst Meschtscherski vorgeschlagen haben. Letzterer ist momentan persona grata beim Czaren und wurde dieser Tnge von demselben zu sich berufen. „Die Juden in'Bulgarien". Der in Ihrer geschätzten Zeitung vom 18. December 1903, Nr. 51, und vom 1. Jänner 1904, Nr. 1, gebrachte ausgezeichnete Aufsatz des Herrn Dr. Bernard Lauby über „Die Juden in Bulgarien" hat hierzulande, wo man sich unendlich freut, über die Lage unserer Stammesbrüder in den andern benachbarten südslavischen Ländern etwas Näheres zu erfahren, sehr angenehm berührt. Doch muß ich zu einer Bemerkung des in Rede stehenden Autors, der mit den jüdischen Verhältnissen in Bulgarien sehr gut vertraut zu sein scheint, Stellung nehmen. Herr Dr. B. Lauby sagt unter Anderem: „In Bulgarien herrscht das allgemeine Stimmrecht pure 6t simple sogar für die Analphabeten, wie es.die Bauern und Zigeuner sind. Die Mehrzahl der Türken und Juden kennen nur ihre Muttersprache. Die Stimmen der Zigeuner werden erkauft, die der Bauern erpreßt; die Masse der Juden gibt sie freiwillig her. Dafür sorgen schon die Gabaim und die reichen Gemeindevorsteher, mit denen die Regierung manchesmal persönlichen Interesses halber oder auch ohne Gegendienste verhandelt". Des Weiteren führt der Verfasser des Artikels aus, welche Nachtheile dieses Gefügigsein der Regierung gegenüber während der Sobranjewahlen in der Folge uach sich zieht. Der Jdeeugang des Verfassers ist nämlich, daß, während die jüdischen Wähler in Bulgarien seitens der von ihnen selbst gewählten Volksvertreter keinen Dank zu erwarten haben, sie sich noch den Haß der oppositionellen Parteien zuziehen. Und ganz vorwurfsvoll meint Herr Dr. Lauby, daß jede Regierung die Stimmen der jüdischen Wählerhecrden als politische Erbschaft bekomme. Es ist eine merkwürdige, aber keineswegs unnatürliche Erscheinung, daß dort, wo die jüdischen Stimmen bei gesetzgebenden Vertretungskörpern in die Waagschale fallen, man gerade dem jüdischen Wähler den Vorwurf macht, daß er mit der Regierung gehe. In seinem geschichtsgeographischen Werke über die Balkanländer (Slike iz obcega zemljapisa. Knjig peta. Zagreb, 1900) tadelt auch der gelehrte kroatische Schriftsteller, Dr. Ivan Hoiö, die spaniolischen Juden darob, daß sie in Bulgarien stets für die Regierung stimmen. Um auszudrücken, daß diese Abstimmung keine freiwillige sei, sagt er: Kod izbora glasuju svi za vladu i to u velikim broju po komandu (S. 52). „Bei den Wahlen stimmen sie alle für die Regierung, die meisten thun dies jedoch auf Commando". Der die Verhältnisse in Bulgarien kennt, wer da weiß, daß die meisten Vertreter der Regierungspartei in Sofia in der That von echt demokratischem Geiste durchtränkt sind, der wird zugeben müssen, daß die bulgarischen Juden sehr unklug und auch nicht patriotisch handeln würden, wenn sie bei den Wahlen mit den oppositionellen Parteien gemeinsame Sache machten und gegen die Regierung stimmten. Ueberhaupt ist es Pflicht eines jeden bulgarischen Juden, die jeweilige Regierung des Fürsten Ferdinand auf das Thatkräftigste zu unterstützen, da gerade dieser Fürst, abgesehen von seiner hohen diplomatischen Begabung, dem jüdischen Volke als solchem sehr vorurtheilslos gegenübersteht, wie selten ein Herrscher der Gegenwart. Und gar oft ergriff er die Gelegenheit, seine Sympathie dem Mischen Volke gegenüber zu bekunden. Die Juden seines Fürstenthums zeichnet er bei jeder Gelegenheit aus und wacht eifersüchtig darüber daß keines ihrer Rechte in seinem Lande geschmälert werde. Uebrigens vertragen sich die spaniolischen Juden mit der einheimischen Bevölkerung, welcher Partei diese immer angehören möge, auf das Trefflichste, was auch Hoid zugibt. Nur meint dieser, daß die Bulgaren russische, polnische, deutsche und ungarische Juden nicht leiden können. Hoi6 hat aber ganz vergessen, anzugeben, daß die westeuropäischen Juden nicht deswegen von der bulgarischen Bevölkerung gehaßt werden, weil sie Juden seien, sondern lediglich deswegen, weil der Bulgare in ihnen den Deutschen (Svabac) sieht. Virovitica. Rabbiner Dr. Kaufmann. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zn Gunsten derChewra-Kadischain Wien l., Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Friedrich Birnbaum: Bon den Kindern K. 500.—; Carl Heller K 5.—; Ingenieur ©runter K 10.—; Commercialrath Karl Kraus X 40.—. Zusammen K 555.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn James Egon Werthei mber: Von Karl und Julius Schütz X 40.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Ignaz Lustig: Von M. L. X 10 —. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Hermann Fröhlich: Von Adolf Auerbach X 2.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Alexander Josef Leblang: Von der Familie K 6.—; S. Blüh X 10.—. Zusammen X 16.—. Wien. (Vorträge aus jüdischerGeschichte.) Montag dm 18. Jänner 1904, präcise 7 Uhr Abends, im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, I., Eschenbachgasse 11, Herr Dr. MaxHrunwald: „Geschichte der Juden-in Deutschland und Oesterreich" (Fortsetzung). Mit Vorführung von Lichtbildern. Der Eintritts st frei. Wien. (Oesterreichisch - Israelitische Union.) Donnerstag den 21. Jänner, präcise Vz8 Uhr Abends, findet im Saale des „Hotel Guth", II., Stephaniestraße 14, eine Vereinsversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" mit folgender Tagesordnung statt: 1. Mittheilungen des Präsidiums. 2. Vortrag des Landesrabbiners Dr. A. Tänzer aus Hohenems: „Die Selbsthilfe — ein Naturgesetz". 3. Discussion. Wien. Am verflossenen Donnerstag fand das Leichenbegängniß des so jäh dahingeschiedenen Herrn Bernhard K a n i tz statt. Die ungemein rege Betheiligung seitens des allen Schichten der hiesigen jüdischeti Bevölkerung angehörigen.Publicums legte ein beredtes Zeugniß ab für die besondere Theilnahme, welche der betrübende Todesfall allenthalben hervorgerufen, sowie für die außerordentlichen Sympathien, deren sich der Verblichene dank seinem edlen Charakter und seinem wahrhaft humanen Wirken in den weitesten Kreisen erfreute. Im Trauerhause hatten sich u. A. eingefunden: die Rabbiner Doctor Schmiedl, Dr. Feuchtwang und Dr. Gelbhaus, seitens des Cultusvorstandes die Herren Dr. Alfred Berger, Salo Cohn und Dr. Markus Spitzer, sowie die Herren Secretäre kais. Rath Dr. Lieben und Dr. Adler; die Chewra-Kadischa war vertreten durch die Herren Vorsteher S. Heit und Kann, die Armenanstalt durch die Herren Felix K a tz a u und Alexander P o l l a k. Ferner waren erschienen die Herren Börsenräthe Theodor Kantor, Steinhübel und S o b o t k a, seitens der „Oesterr.-Jsrael. Union" die Herren Dr. Zins und Secretär S. Fleischer, sämmtliche Vorstandsmitglieder der Vereine rGomle Chesed“, „Choiten Dalim“ und „Chesed schel emes“, Lector Friedmamn, Jnspcctor Dr. Langfelder u. v A. — Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Schmied! widme!e im Trauerhause dem Dahmgeschiedenen einen ergreifenden Nachruf, worauf sich der Conduct nach dem Central-Friedhofe in Bewegung setzte. In der Ceremonienhalle hielten Oberrabbiner Dr. G ü d em a n n und Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g warmempfundene Trauerreden, in denen sie die vortrefflichen Charaktereigenschaften, sowie das gemeinnützige Wirken des Verblichenen in das Helle Licht rückten. Namens der „Union", der Bernhard Kanitz seit ihrer Gründung als Vorstandsmitglied angehört hatte, sprach Herr Dr. Zins rührende Worte des Abschiedes, worauf Herr Religionslehrer Wilhelm Breuer namens des Vorstandes als Secretär des Krankenunterstützungs- und Humanitätsvereines „Gomle Chesed“ die überaus segensreiche Thätig-