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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-01-08 · 2 (8.1.1904) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
2 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seile 32 Dr. Mocb's Mocbenscbrm. Wr. 2 vte in Rumänien herrschende Unsitte der Erziehung jüdischer Kinder in Klosterschulen energisch Front inacht. In der kurzen Rede: „Das Lichtfest und die Lichtgestalten", die seinerzeit in diesem Blatte veröffentlicht wurde, zeigt der Verfasser, der zu den Führern der rumänischen Zionisten gehört, seinen vom orthodoxen Zionismus abweichenden Standpunkt, indem er sowohl den jüdischen Egypter Josef, als auch den Makkabäer als Ideale hinstellt. Tendenzen finden sich fast in allen Predigten des Autors, selbst in den so stimmungsvollen „Korath" und „Dajem". Die sociale Entwicklung und den Classenkampf behandelt trefflich der Aufsatz „Chad Gadja". Geistreiche Draschaskizzen sind in „Sinaigedauken" und der „Stab des Judenthums" gegeben. Die ganze Tragik des bejammernswerthen Loses unserer rumänischen Glaubensgenossen entrollt sich vor uns in der Predigt: „Traurige Erinnerungen und neue Leiden " Das trotz allen Druckes hervortretende Streben der rumänischen Juden nach einer f-sten, inneren Organisation einerseits und das Einwirken der Philanthropie des Auslandes andererseits werden in vollendeter Weise gezeichnet in der Eröffnungsrede anläßlich des Communitätscongresses und in den „Antheil am 01ew habn" betitelten Vorträgen. Diese Reden wirken umso mächtiger, als jeder Redner für die culturelle und sociale Entwicklung der Juden in Rumänien viel geleistet. Was er in seiner zielbewußten Antrittspredigt versprochen, hat er ja bekanntlich im vollen Maße gehalten. Die Sammlung enthält noch neben einigen schwächeren Reden, deren Wegfall den Werth des Buches nicht beeinträchtigt hätte, einige aus Trauerreden entstandene biographische Skizzen, die in concisea Form das Leben und Wirken hervorragender Persönlichkeiten, wie Hildesheimer, Lazarus, Steinthal, Rülf, Baron von Rothschild u. s. w., wiedergeben. Alles in Allem können wir sagen, daß es erfreulich ist, die homiletische Literatur auch durch einen in Rumänien wirkenden wichtigen Prediger bereichert zu wissen, und können wir die vorliegende Sammlung Men, die sich für Predigten überhaupt und für rumänische Verhältnisse insbesondere interessiren, aufs Wärmste empfehlen. Berlin, 27. December 1903. Dr. B. M. Neue Bücher. Dr. jur. M. de Jouge. Jüdische Schriften. I. Höret Rathenau und Genossen! Kritik des Dogma s vorr der assinailatip' gojfea. II. J^r usale nt oder Mombassa? Eine ungehaltene Rede zum sechsten Zionistencongreß. Verlagsbuchhandlung Hugo S ch i l d b e r g e r, Berlin N.W. 1903. Ahrou Mareus. Geschichte der jüdischen Tradition slehre. Vortrag, gehalten am 28. October im Verein Talmud-Thora in Hamburg. Glauben und Wissen im Iud ent h um. Vortrag, gehalten am 2. November im Israelitisch-wissenschaftlichen Verein zu Altona. Hamburg 1903. Briefkasten. L. Jene, aus den Kreisen des großen zionistischen Actionscomites in Wien verbreitete und nach Außen beförderte Meldung, daß die englische Regierung ihr Anerbieten, in Ostafrika ein Territorium zur Gründung eines autonomen Gemeinwesens den Juden zu überlasten, zurückgezogen habe, wird vom Londoner „llenüsh Chi «miete" auf das Bestimmteste dementirt. Der Regiernngsvertreter Hill theilt dem erwähnten Blatte auf eine Aufrage mit, „daß die Angelegenheit bis heute keine Aenderuug erfahren hat." Herrn Simon Geiringer, Wien X/3. Sie theilen uns mit, daß in den Geschäftslocalitäten Gerngroß, Mariahilferstraße, „sich thatsachlich oberhalb der Zahlstelle der Spitzeuabtheilung ein Muttergottesbild mit dem Jesuskindlein, geschmückt mit einem Zweig von Tannenreisig, befindet." Wir geben diese Mittheilung weiter. Eine weitere „Beleuchtung" ist wohl nicht nothwendig. K. Eine solche V.rauftaltung hat jüngst in Amerika stattgefunden. Im Opernhause zu Detroit hielten die Priester von neun verschiedenen Culten und Secten einen gemeinsamen Gottesdienst ab. Der Rabbi und der katholische Priester, der Prediger der Unitarier, ein methodistischer Geistlicher, Pastoren der Presbyterianer, Baptisten, der Episcopal- und der Congregational-Kiiche lobten den Herrn in einem gemeinsamen Dankgottesdienst. Das Opernhaus war anläßlich dieses Gottesdienstes überfüllt. Charakteristisch ist, daß der Rcv. S. S. Marquis von der Episcopalkirche in seiner Predigt u. A. sagte: „Mir scheint, daß, wenn irgend etwas klar zu Tage getreten ist, es das ist, daß Gott unsere Scparctansprüche zurückgewiesen hat. Es hat sich herausgcstellt, daß Gott wirken kann ohne Rücksicht auf eine kirchliche Maschinerie und daß uns das allmählich einleuchtet". Gingefrndrt. Geehrte Redaction! In der letzten Zeit brachten Sie in Ihrem sehr geschätzten Blatte eine Reihe von interessant, n Aufsätzen, in denen der leider so schwache Tempelbesuch besprochen wurde, und gaben auch Anregungen, wie dieser traurigen Thatsache — wenigstens theilweise — abzuhelfen wäre. Gestatten Sie mir, Ihnen heute einen von mir selbst beobachteten Fall mitzutheileu, der gewiß nicht dazu beitragen wird, den Tempelbesuch zu heben. An einem der letzten Freitag-Abende wohnte ich in einer hiesigen Synagoge dem Gottesdienste bei und neben mir nahm ein schon älterer Herr — dem Dialect uach zu schließen ein Deutscher — Platz, hatte jedoch kein Gebetbuch bei sich. Derselbe winkte nun dem Tempeldieuer, der, an eine Bank gestützt, sich die Zeit damit Vertrieb, daß er den Plafoud bewunderte, und ersuchte ihn in sehr höflicher Weise um ein Gebetbuch. Als nun der Tempeldiener ihm nach einiger Zeit das Gewünschte brachte, übergab er es mit den Worten: „Run, deshalb hätten Sie mich nicht stören müssen, ich wäre ja so wie so bei Ihnen vorübergegaugen und da hätten Sie mir doch auch sagen können, was Sie wollen, gar so wichtig war das nicht, daß Sie mich rufen", und sich umwendcnd sprach er daun so laut, daß es einige Herren hören mußten: „Nicht einmal ein Balbos möchte sich so etwas erlauben, mich wegen so einer Dummheit zu rufen." Ich möchte mir denn doch die Frage erlauben, wozu ein Tempeldieuer eigentlich da ist? Oder hat vielleicht nur ein Balbos, das heißt Jemand, der auch etwas Klingendes dem Herrn Schames in die Hand drückt, das Recht, von demselben etwas zu verlangen? Der mir bedauerlicher Weise unbekannte Herr wird es sich wohl überlegen, noch einmal dieses Gotteshaus zu besuchen. Wien, 4. Jänner 1904. Hochachtungsvoll S. W. Kitter Viele Hunderte israelitische Kinder in der Brigittenau sind der bittersten Noth preisgegeben. Sie leiden Hunger und frieren. Wir bitten unsere Glaubensgenossen: Nehmet Euch dieser armen zarten Kinder an und helfet nach Eueren Kräften, damit die im Locale XX., Kluckygasse 7, bereits begonnene Ausspeisung im nothwendigen Umfange fortgeführt werden könne. Spenden nimnt entgegen das gefertigte Comite für die Verköstigung israelitischer Kinder in der Brigittenau und die Cassa der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, I., Seitenstettengasse 4. Dr. Alfred Berger, Cultusvorsteher, I., Judenplatz 8. Heinrich Weiner, Obmann „Der Brüder", XX., Wintergasse 29. Samuel W. Fascheies, Verlagsbuchhandlung, Prag, Zeltnergasse 4, nächst dem Ring, offerirt in reichster Auswahl Professor Kompi's allgemein beliebte Brautgebetbüchcr und deutsche Andachtsbücher für israelitische Frauen und Jungfrauen in elegantesten Einbänden, ferner Seiden- und Woll-Talesim Gold- und Silber-Borten. Als Barmizwah-6eschenk eignet sich vorzüglich das isarHi-ßmte Pracht Professor Pr. Julius Fiirsfs- -= illttstrirfe fünf Bücher jfloses m. deutsch. öebersetzung, erläuternd. Anmerkungen u. 223 Illustr. Preis in Prachtband statt fl. 8.50 jetzt nur fl. 3.50. Zu haben in jeder grösseren Buchhandlung oder gegen Einsendung des Betrages direct zu beziehen - von Samuel M, Pascheies, Prag, Zeltnergasse 4. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIII.

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