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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-01-08 · 2 (8.1.1904) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
2 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dr. Bloclvs Jahrgang XXI 4 Centralorgsn für die gesammten Interessen des Iudenthums. « . R. ft. Postsparraffen-Anrk Tlearing-Verkehr Nr. 810.976. Lrdartion und Administration wie» IX/I, Berggasse Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. Wien, 8. Jänner 1ÜO4. Lrsck eint jeden Freitag. -■>.» ■» 4» -- Brief-Adresse: Wien, IX/1» Berggafse SS. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. X : : - rr- =..=% Berugsprei» für Oesterreich: L'albjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller, Mr'» Ausland: Halbjährig 10 Leonen. Ganzjährig 20 . Anzeigen: Die4mal geipattene Prtitzeile 24 Heller. 3$ =X Cvnlialt: Leitartikel: Rücktritt des Präsidenten kais. Rathes Klirger. — Pbaraonische Gesetze in Rnmänien. — Boni Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Keine Ausschreitungen in Kischenew. Bekenntnisse e'nes getauften Juden. Ter Ursprung der Kischenewer Excesse. Kindeiraub in Russland. Jüdische Faliuen. Generalversauliulung des israelitischen Tempr!- vereiues für Mariahilf und Neubau. — Die Juden in Bulgarien — C o r r e s p o u d e n ' i u: Ans der Plenarsitzung des Gultnsvorftandes iir Wien. Eine Synagoge von der F-ilbietung bedroht. Wien, Marienbad, Wagstadt. Berlin, Bukarest, Ncw-Aork. Cinciuuati. — Vermlschtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien. Wien, Tachau, Nikolsburg. Bilin, Neu-Sandez.— Feuilleton: Waffenstillstand. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Rücktritt des Präsidenten Kais. Rothes Klmger Mit dem Wechsel des bürgerlichen Jahres hat sich in Wien ein Ereigniß vollzogen, welches sämmtliche Mitglieder der Wiener Gemeinde aufrichtig bedauern, nämlich der definitive Rücktritt des kais. Rathes K l i n g e r von seiner Stelle an der Spitze der Wiener israelitischen Cultnsgemeiude. Wiederholt hat Präsident Kling er diesen Schritt in Erwägung gezogen, wiederholt war er nahe daran, von dem Amte, welches er so viele Jahre hindurch segensreich verwaltet, zu scheiden. Immer wieder haben Einwirkungen seiner Vorstandscollegen, sowie hervorragender Persönlichkeiten und Corporationen außerhalb des Vorstandes ihn vermocht, das Opfer zu bringen und dos Amt zu behalten. Nunmehr aber haben seine Aerzte ein strenges Veto dagegen eingelegt, daß kais. Rath Kling er das mit vielfacher Arbeit und Aufregung verbundene Amt weiterbehalte, so daß alle vom Vorstandscollegium neuerdings unternommenen Versuche, den verehrten Präsidenten zur Zurücknahme seiner Resignation zu bewegen, erfolglos blieben und bleiben mußten. Als Oberhaupt der Wiener Judenschaft genoß kais. Rath K l i n g e r die Liebe und Verehrung nicht blos seiner Vorstandscollegen, sondern auch der gesammten Gemeinde ohne Unterschied der Partei und der religiösen Richtung. Ein leuchtendes Vorbild humaner Gesinnung, verband er mit seinem strengen Pflichteifer die liebenswürdigsten Umgangsformeu, eine Milde des Urtheils, eine väterliche Güte für alle Beamtenkategorien der Gemeinde und eine Autorität, welcher sich die verschiedensten Fractioneu des Cultnsvorstandes willig unterordneten. Sein eifrigstes Bestreben war darauf gerichtet, den Frieden in der Gemeinde zu erhalten und das Ansehen der Gesammtheit nach Außen zu wahren. Seine Amtswirksamkeit hat in der Geschichte der Wiener Judenschaft dauernde Spuren zurückgelasseu. Die Wiener Cultusgemeinde hat während dieser Zeit gewaltige Umgestaltungen erfahren. Nene Schichten der jüdischen Bevölkerung wurden der Cultusgemeinde angegliedert und auch der innere Verwaltungsapparat mußte entsprechend den Bedürfnissen einer neuen Epoche im modernen Sinne umgestaltet werden. Eine der schwierigsten Aufgaben, welche die Repräsentanz des Wiener Judenthums unter seiner Führung in den letzten Jahren zu lösen hatte, war die Ausgleichung des Mißverhältnisses zwischen den Einnahmen der Gemeinde und den weit über diese hinausgewachsenen Ausgaben. Früher pflegte mau in solchen Fällen Anleihen aufznnehmen, selbst wenn es galt, laufende Ausgaben zu decken. Da auf die Dauer eine ordnungsmäßige Finanzverwaltung mit derartigen Mitteln nicht aufrechterhalten werden kann, so mußte eine umfassende Reform der Eultusbesteuerung vorgenommen werden. Und hier hat sich die Autorität, der Tact und die Concilianz des Präsidenten in erfreulichster Weise bewährt. Es ist selbstverständlich, daß durch eine Steuerreform, wie sie von der Wiener Cultusgemeinde durchgeführt werden nrußte, mannigfache Interessen berührt, vielfache Reibungen hervorgerufen wurden. Dem milden, klugen Wesen des Präsidenten war es zu danken, wenn schließlich alle Kreise der Wiener Judenschaft sich ohne Widerstreben der Nothweudigkeit fügten und die Steuerreform ohne ernstere Erschütterungen zu Ende geführt werden konnte. Kaiser!. Rath K l i n g e r hatte seine Stellung an der Gemeinde von großen Gesichtspunkten aufgefaßt, er gehörte nicht einer Koterie, einer Partei, einer religiösen oder politischen Richtung an, nicht einen Augenblick ist aus seinem leuchtenden Auge die Thatsache geschwunden, daß er das Oberhaupt der gesammten Gemeinde ist und daß alle Schattirungen und Gruppen innerhalb der Gemeinde, welcher Richtung sie immer zugehöreu mögen, auf ihn, seinen Schutz, sein Wohlwollen, seine Theilnahme und seine Hilfe rechnen und zu rechnen berechtigt sind. So ist er der populärste Präsident der Wiener israel. Cultusgemeinde geworden, den Alle, Hoch und Niedrig, mit aufrichtigem Bedauern aus dem Amte scheiden sehen, deren Segenswünsche ihn in das stille Heim, dahin er sich znrückzieht, begleiten. Nach seiner Resignation hat kaiserl. Rath Klinger mit folgendem Schreiben von jedem der Borstandscollegeu sich verabschiedet:

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