Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Dr. JSlocb’s Mlocbenscbrm, Seite 13 Wien. Sehr geehrter Herr Doctor! Als Beitrag ur Erhaltung des kleinen Gotteshauses in Liesing beehre ich mich, Ihnen in der Anlage den Betrag von 10 Kronen zn übermitteln, erlaube mir jedoch hiebei z» bemerken, daß wenn bereits die execiitive Feilbietung im Zuge ist, der Bersteigernngstermin heranrncken könnte, noch bevor durch Spenden der fehlende Betrag zur Tilgung der Schuld aufgebracht wird. Es müßte daher in diesem Falle zur Hintanhaltnug der Feilbietung dieser Fehlbetrag rasch aufgebracht werden. Nachdem nun die Eultusgemeinde Wien Gott sei Dank noch Mitglieder hat, die gewiß ein paar Tausend Gulden zu einem solchen Zwecke zu widmen bereit sind, glaube ich wobl, daß mau an eines dieser Mitglieder herantreten könnte, mit dem Ersuchen, den fehlenden Betrag zur Tilgung der Schuld unverzinslich vorzustrecken, wodann durch die succefsive einlaufenden Spenden die Rückzahlung dieses unverzinslichen Darlehens erfolgen könnte und das Gotteshaus würde erhalten bleiben. Mit dem Ausdrucke meiner besonderen Hochachtung Ihr ergebener Dr. Tritsch. Z u r E r h a l t u n g des G o t t e s h a u s e s i n A tz g e r sdorf-Liesing sind uns ferner zugekommen von Frau Holzmann aus Kascha» K 4.—, „Rosa" Wien K 10.—, von Herrn M. Steiner in Horazdiowitz K 10.—, von Herrn S. Mannheit in Wien K 10.-, unter „I. L." in Wien K. 20.—, von Frau Rosa Reich in Wien X 1.—, von Freu Charl. Meller in Sopron K10.—, von Frau Helene Stränstler in Hullcin K ].—, ans einer von Herrn Rudolf Schnabl in Kgl. Weinberge, eingeleiteten Sammlung K 7.—, zu welcher die Herren: R. Schnabl, Weil, Pick, Faktor, Reiß je K 1-—/ Herren Engel K 2. - beigesteuert haben, von R. R. und L. K. in Belovar je L 1.—, von L., Esterhazygasse. K 4.— . Wien. (I. Wiener jüdischer Turnverei n ) Am 16. November I. I. fand im Turnsaale, Wien, I., Mölkerbastei 5, die IV. ordentliche Hauptversammlung statt. Nach einer kurzen Ansprache des Vorsitzenden. Herrn Earl Plowitz, wurden die einzelnen Referate erstattet. Zuerst berichtete der erste I. Turnwart, Herr Rudolf Pollak, ausführlich über den Turnbetrieb im vergangenen Jahre und betonte insbesondere den vollen Eifolg, den das am 4. April 1003 im Nonacher Ballsaale stattgefundene Schauturnen dem Vereine gebracht hatte. Sodann hielt Herr Löwy sein Referat über die Gründung der jüdischen Tnrnerschaft zu Basel und über das daselbst stattgefnndene Schauturnen. Der Verein war bei demselben durch die Herren Emerich Löwy und Dr. Egon M. Zweig vertreten. Nun folgte der Bericht des Zeugmartes, Herrn I. Löwenbein und der Cassabericht des I. Eassiers, Herrn Hugo Spitzer. Hierauf wurde gemäß dem Anträge des Herrn Siegfried Beer, dem abtretenden Ausschüsse einstimmig das Absolutorium ertheilt. Die hierauf vorgenommencn Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Obmann: Herr Dr. Ludwig Werner; Obmann-Stellvertreter: Herr Carl Plowitz; I. Turnwart : Herr Rudolf Pollak; II. Turnwart: Herr Dr. Max Jerusalem; I. Eassier: Herr Hugo Spitzer; II. Cassier: Herr Robert M. Korn; I. Schriftführer: Herr Tr. Josef W e i n r e b; II. Schriftführerin : Fräulein Bertha Korn; Zeugwart: Herr Isidor Löwenbein; Ersatzmänner: Die Herren Siegfried Beer, Gustav L ö b l und Emerich Löwy Wien. (Märchen von hente.) Samstag den 2. Jänner findet diese Veranstaltung, die der Schlager der Saison werden dürfte, zu Gunsten des „Kaiser Franz Josephs-Ferienheim" im Sofiensaale statt. Mit einem von der Hofburgschauspielerin Claire Liesenberg gesprochenen Prologe und mit vom Hofmimiker Karl Godlewski gestellten „Lebenden Bildern" wird der Abend eingeleitet. Sodann gelangen von den Damen Biedermann, Glöckner, Liesenberg, Pohl-Meiser und Theren und mit den Herren Becker, Binder, Felix, Hernfeld, Maran, Marx. Rakowitsch und Russek dargestellt die Operetten und Märchen-Parodien: „Dornröschen und der Bruder Straubinger", „Schneewittchen, das süße Mädel" und „Rothkäppchen oder der Rastelbinder", Text von Alfred Deutsch-Germarr, Musik von Ednmnd Eysler, Heinrich Reinhard und Franz Lehar, zur ersten Aufführung. Capellmeister Bertrand Sänger vom Carltheäter dingirt, Oberinspicient Heinrich Fried der Hofoper führt die Regie und Hofmimiker Godlewski hat, nebst einer reizenden, von Kindern des Opernballettes ausgeführten Einlage, sämmtliche vorkommenden Tänze einstudirt. Den höchst originellen Abend beschließt ein Ballfest Die wenigen noch vorhandenen Sitze sind bis Samstag, 7 Uhr Abends, im Bureau des Ferienheim, IX., Türkenstraße 17, erhältlich. Wien. '(T h e o l o g. V e r e i n der Hörer a n der i s r> theolog. Lehranstalt in Wien.) Am 2. Jänner um 9 Uhr beim Morgen-Gottesdieuste hält das Vereinsmitglied Herr A. Schwarz im Lstb Uawiäraseb (Tempelgasse 3) eine Predigt. Wien. Sonntag Abend fand im orthodoxen Bethause, Storchengasse 21, ein Hesped für den verstorbenen Rabbiner Jacob Hirsch s. A. Der Verstorbene war ein berühmter Talmudist, ein Jünger des Chacham Sofer s. z. L. Die Gedenkrede sprach Se. Ehrwürden S. Fürst, Rabbiner der Schiffschulsynagoge, welche einen großen Eindruck auf die zahlreichen Anwesenden machte. Herr Cautor M. Bol o g h trug in Begleitung eines Chores das El Moh Rachinim recht wirksam vor. Außer den Angehörigen des verstorbenen Rabbiners hatten sich zu der Trauerfeier eingefunden: der Ratbiner der israelitischen Eultusgemeinde Dr. M. G r u u w a l d, Cultusvorsteher Doctor Alfred Berger, die Bezirkscommission für den XII—XV. Bezirk, Börsenrath Beer, die Herren Adler, Dnschiusky, Spitzer und Haas; von der Schiffschul die Herren Schiff, Hirsch und K o h n; die Chewra-Kadischa war vertreten durch die Herren R os e u b a n m nud Dr. Enge l, ferner erschienen die Tempelvereinsvorsteher F e l s e u b u r g, Wertster, T e w e l e s, S. H o fm a n ii, Landa u. Pollak. Rabbiner Dr. Rubi n. die Eantorcn W i t t in a n n, Schleifer und Schwarz. Die Cultusgemeinde Mattersdorf entlaubte enie Minjandeputation. Der Verlauf der überaus würdigen Feier hinterUeß bei allen Theilnehmeru einen tiefen Eindruck. Wie» (Kaiserin Elisabeth L e h r m ä d ch e n-H o r t ) Zur Benachrichtigung der P. T. Mitglieder des „Leopoldstädter Franen-Wohlthätigkeitsvereincs" sei hiemit vermerkt, daß auch Heuer, wie alljährlich, im Horte das Chanukafest in sollenner Weise abgehalten wurde. Herr Obercantor Bela Guttmann halte auch diesmal wieder durch seine uueigeiinützige liebenswürdige Mitwirkung die Feier verherrlicht. Dank der Munisicenz und dem Sammeleifer des Vereinsvorstandes und der Gönner dieser segensreichen Institution war es möglich, 70 arme Lehrmädchen. „Externe" und „Interne" Schützlinge, mit neuen Schuhen, warmen Kleidern und Wäsche reichlich zu betheilen und mit einer Festjause zu bewirthen. Wien. Der H u m a n i t ä t s v e r e i n für die westlichen Bezirke Wien, Mariahilf und Neubau („Freitisch") veranstaltet Dienstag den 12. Jänner 1904 im Ballsaale „Ronacher" eine W o h l t h ä t i g ke i t s-A k a d e m i e mit anschließendem Tanzkränzchen. Das Rcinerträguiß fließt den Humanitären Zwecken des Vereines zu. Prag. Kais. Rath Siegmund Hanrowitz ist am 20. December 1903 siebzig Jahre alt geworden. Der allgemein verehrte Mann hat sich einer Feier dieses Tages fern von Prag entzogen, er konnte es aber nicht hindern, daß ihm nachträglich viele Glückwünsche zukamen. Der Jubilar hat sich durch sein kaufmännisches und humanitäres Wirken echte Verdienste um die Allgemeinheit erworben. Er ist Mitglied der Prager Handelskammer, Eensor der Oesterr.-IIngar. Bank und der Böhmischen Sparcasfa, Handelsgerichtsbeisitzer, Mitglied der Personaleinkommensteuer-Commission und leitender erwaltungsrath der Böhmischen Uni n-Bank Mit seinen Aemtern nimmt er es ebenso ernst, wie mit seiner Wohlthäligkeit, deren Aeußerungen zunieist sich ans stille Uevung beschränken; doch ist er als Mitglied der isr. Cultusgemeinderepräsentauz und als Obmann des Kren'ervereines für isr. Waifenmädchen genöthigt, seinen milden Sinn auch öffentlich wirkungsvoll zu bethätigen. Nikolsbnrg. Anläßlich des 70 Geburtstages des Cultusvorstehers der hiesigen Jsraelitengemeinde, Philipp Kohn. begaben sich Deputationen der Cuitusvertretiiug, der Gemeindevertretung »ich des Ortsschulrathes in die Wohnung Kohn's, um ihre Glückwünsche darzubringen. Die Abordnung der Eultusgemeinde überreichte dem Jubilar das Ehrenbürgerdiplom. Er gehört seit 30 Jahren der Ciiltus- und politischen Vertretung der hiesigen Jsraelitengemeinde an und wurde nach dem Tode Siegmund Blau's zum Cultusvorsteher gewählt. Netz. Am 1. Jänner 1904 feiert Herr Jakob König, hier, den vierzigjährigen Bestand seines im großen Umfange bestehenden Eisengeschäftes und der damit verbundenen Kuustschlosserei. Herr Jakob König, der. mit fast leeren Händen beginnend, sich zu einer ungewöhnlichen Höhe emporgeschwunccn, bat sich durch sein reelles und stets solides Gebühren weit über unseren Bezirk hinaus Vertrauen nud die Achtung seiner Mitbürger zu erwerben verstanden. Hilfreich zur Seite standen ihm seine beiden Söhne Theodor und Josef. Grody. In aller Stille hat auch heuer wieder, wie es seit Decennien alljährlich geschieht, die Verwaltung des Schulkinder-Bekleidungsfom es den höchst humanen Wohlthätigkeitsact geübt. 150 Mädchen wurden mit neuen Schuhe» und 96 Knaben mit Stiefeln ausgestattet. An der Spitze der Verwaltung ist der Schulinspector Herr Dr. Beruh. Groß, der mit Liebe und Sorgfalt sein Amt versieht; ihm zur Seite stehen die Damen Frau Hurwitz Friedrika, Frau Löwcnherz Karolina und Frau Schapira Miranda, die sich bemühen, die Agenden des Beklcidnngsfondes anszuführen und zu besorgen. Leider sind die Fondsmittel und die gesammelten Spenden viel zu geriug, um bei der schrecklich zunehmenden Verarmung der hiesigen Bevölkerung sämmtliche Hungernde dieser Schule selbst mit der nothdürftigsten Fußbekleidung versorgen zu können. Tie armen Kleinen der 1. Classe der Knaben- und Mädchenschule werden kaum nur mit winzigen Beiträgen bedacht und wegen mangelnder Beschuhnng bleiben dieselben vom Schulbesuche meist weg. Wie herzzerreißend und mitleiderregend ist es, diese armen Schüler und Schülerinnen mit einer spärlichen Fußbekleidung versorgt in der Strenge des Winters in leichten, zerfetzten Mäntelchen zähneklappend zur Schule eilen zu sehen, wo viele, ja sehr viele hungernd, 'elbst ohne Frühstück, bis zum Mittage weilen und erst dann in der hiesigen Volksküche blos ihren ei »geschrumpften leeren Magen durch eine warme Mahlzeit laben und stärken. Ich appellire hiemit an alle Gönner und Freunde der hierortigen Kleinen,' ihre Wohlthaten in reichlichem, erhöhtem Maße denselben zuzuwenden, wovon ein regelmäßiger Schulbesuch, ein Lernerfolg und Fortschritte abhängen, die einzige Zukunft der orn.cn Kinder, die nach Beendigung der Schule zumeist in die Lage ko.nn cn, sich dem Handwerke zu widmen, oder das Studium fortzusctzen. — Möge es mir auch an dieser Stelle gegönnt sein, im Namen der bedachten Kleinen den edlen Wohlthätern den tiefgefühlten empfindlichsten Dank anszusprechen M. M a r k st e i n.