Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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»>. i Dr. Bloch’s u> Centralorgan für die grssmmten Intrrrffrn des Iudenthums. -- Wie«, 1. Jänner 1904, -«K-;- Lrsch eint jeden Freitag. -4 -<■ «■{. - Brief-Adresse: Wien, IX/1» Berg gaffe SS. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift» Wien. =. ... ■■ : - Vrprgsprei» flr Oesterreich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» LuslslNd r Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 , Anzeigen: Die4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. ^..= =r=r, ==■? * =■ - - -^=--=3* B. fr. xostsparrsffen-Amk Clearing-Verkehr Nr. 610.976. Ardartion und Bvminiflrstwn: Wien IX/1, Brrggassr Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. I. -— Inhalt: Leitartikel: Beginn des dritten Jahrzehnts für die „Oesterreichische Wochenschrift". — Tas Scheitern des Ostafrikaprojectes und die Krisis im Zionismus. — Ein Capitel über die Gleichberechtigung der Juden in Oesterreich. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Die Judenmassacres in Rußland. Rechlsaiiwatl Sokolow verhaftet. Die Inden in Bulgarien Jüdische Fahnen. — Correspondenzen: Aus der Plenarsitzung des Culmsvorstandes. Wien, Holleschau, Prag, Jglau, Jungbunzlau, Czernowitz, Paris, Moskau. Die Juden in Sibirien. Ein merkwürdiger Jugendblldner. Ein Ehrenzeugnitz. Juden in England. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien. Wien, Prag, Nikolsburg, Retz, Vrody, Györ, Karlstadt, Agram, Berlin. — Feuilleton: Waffenstillstand. — Briefkasten. — Inserate. Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der laufenden Abonnementsgebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man sich der in voriger Nummer beigelegten I*os1ei»1sgscHeine bedienen. Die Ndminisirstion der „Oesterr- Wochenschrift." Kegimr des drillen Jahrzehnts für die ^Oesterreichische Wochenschrift". Die „Oesterreichische Wochenschrift" beginnt heute das dritte Jahrzehnt ihres Bestandes. Sie ist nur um Weniges jünger als die modern-antisemitische Bewegung, die in Deutschland von Stöcker, in Oesterreich durch die Talmüdfälschungen Rohling's inaugurirt wurde. Vom ersten Tage seines Daseins trug unser Blatt das Zeichen seiner Bestimmung an der Stirne; aus dem Kampfe geboren, fand es seine Existenzberechtigung wieder nur im schneidigen, im rücksichtslosen Kampfe gegen die Bedränger und Verleumder des Judenthums. Die Menschen haben ein kurzes Gedächtuiß, zumal wenn es sich um den tausendjährigen Leidensgang eines Volkes wie des jüdischen handelt Die geistigen Führer unseres Volkes, die großen Lehrer und Vorkämpfer haben von jeher die Kelle in der einen, das Schwert in der anderen Hand halten müssen. In Noth und Drang, in Sturm und Kampf hat sich die innere Entwicklung des Judenthums und seine äußere Befreiung vollzogen. Die gleiche Aufgabe ist der „Oesterreichischen Wochenschrift" zugefallen. Als sie kurz vor dem siegreichen Ausgange des Processes Rohling- Bloch ins Leben trat, wurde ihr Erscheinen von der Gesammtheit unserer österreichischen Glaubensgenossen als eine tief empfundene Nothwendigkeit begrüßt und der frische Kampfeston, den sie anschlug, die Furchtlosigkeit und Unermüdlichkeit, mit welcher sie jeden Hieb der Gegner auffiag und zurückgav, wirkte ermuthigend und beispielgebend auf Jedermann, der sich zu der alten taktischen Maxime bekennt, daß der Angriff die beste Vertheidigung sei. Haben wir uns in. diesen zwanzig Jahren geändert? Ist in der Energie, in der Schärfe, mit der wir den Kampf führten, eine Wandlung eingetreten? Oder ist die Ausdauer unserer Feinde erlahmt, hat sich ihre Bosheit vermindert, ist die Verfolgnngswuth gegen uns geringer geworden? Nichts von alledem! Wohl aber haben wir bedenkliche Erscheinungen in den eigenen Reihen zu constatiren, die im Angesichte des Feindes eine furchtbare Gefahr bedeuten: Theiluahmslosigkeit, um nicht zu sagen Gleichgiltigkeit in den höheren Schichten, Muthlosigkeit in den unteren Schichten und dazu noch Spaltungen und Parteiungen, Gehässigkeiten und Eifersüchteleien in einem Augenblicke, wo nur durch Eintracht und festes Zusammenstehen Aller schwere Niederlagen zu vermeiden sind. Jauchzend verzeichnen die antisemitischen Blätter in ihren Spalten den Schimpf und Unglimpf, den Juden gegen Juden verüben, und schmieden daraus Waffen gegen die jüdische Gesammtheit, Das österreichische und insbesondere das Wiener Judenthum bietet der Welt das beschämende Schauspiel inneren Zerfalles, gegenseitiger Befehdung, an der unsere schlimmsten Feinde häufig genug ihre unverhohlene Freude äußern. Nichts ist leichter als Anklage, nichts ist in Zeiten einer tiefgreifenden seelischen Depression agitatorisch wirksamer, als daß man für wirkliche oder vermeintliche Mißerfolge nicht Thatsachen, sondern Personen verantwortlich macht. Die „Oesterreichische Wochenschrift" weiß sich frei von solchen Fehlern. Sie hat stets den Frieden nach Innen, den einmüthigen Kampf nach Außen gepredigt. Sie hat jederzeit die Fahne der Einheit im Judenthume hochgehalten. Dem nationalen und politischen Gezänke der Parteien wollen wir uns fernhalten, nur unsere Rechte muthig vertheidigen. Wir wiederholen es: Die Menschen haben ein krrzes Gedächtniß und darum sei es uns verziehen, wenn wir immer daran erinnern, daß die Niederstreckuug Rohlings, die Entlarvung B r i m a u's, die Vernichtung Paulus Meyer» und die Unschädlichmachung des Pfarrers Decker ruhmvolle Waffenthaten waren, die den sogenannten wissen^