Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 51 (18.12.1903)
- Date
- 1903-12-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. Bl Dr. Blocb s MocbenscvrM. Seite 825 Frajde läßt jetzt ihrem Manne keine Ruhe. Wenn er mit leeren Händen heimkommt, macht sie ihm immer herbere Bor- Würfe. „Im Kaffeehause", klagt sie, „würde Rachel nicht Hungerleiden, wie bei ihrem Vater, und obendrein hätte sie schon ein hübsches Sümmchen erspart." Nach Verlauf mehrerer Wochen kam eines Tages eine Stellenvermittlerin, erzählte Frajde ein Langes und Breites, dann ging sie in Gesellschaft votl Frajde und Rachel fort, und nach einer Stunde kehrte Reb Wolf's Frau allein nach Hause zurück. „Wolf! hörst du, Wolf? Rachel ist im Kaffeehaus geblieben ..." Wolf gab keine Anttvort. Er beschloß, Rachel nicht aufznsuchen, um die Dinge, die dort Vorgehen, nicht mitansehen zu müssen, aber eine unwiderstehliche Kraft zog ihn hin. Wie hungrig und müde er des Abends auch sein mochte, nicht ginn Essen, nicht zum Ausruhen trieb es ihn, nein! nur dorthin! dort ... zu seiner armen Rachel! Und wieder sitzt Reb Wolf an einem Tisch in der Ecke des Kaffeehauses. Er blickt auf Alles, aber sehen will er nichts! Er legt die Hand über die Augen, doch die Erscheinung verschwindet nicht. Er hört das muthwillige Lachen der Jugend, deren Späße sein Blut in Gährung bringen, er unterscheidet Rachel's Stimme... Jemand hat Rachel in den Arm gekniffen, daß sie vor Schmerz aufzischt: aber Alle lachen, und auch sie selber lacht, des Schmerzes vergessend . . . - Aber Reb Wolf wirft keinen Tisch mehr um, stürmt nicht mehr, gleich einem mitten ins Herz getroffenen Löwen mit lautem Brüllen auf seine Tochter zu. Leise verläßt er seinen Platz und unbemerkt schleicht er-sick^ hinaus: weit fort aus dem Kaffeehause . . . Und eine Thräne rollt sein bleiches Antlitz entlang Aber die Nacht ist sehr dunkel; so wird denn die Thräne von Niemanden gesehen; sie bleibt ein Geheimniß der dunklen Nacht ... Ende. Briefkasten. K. Die Unterhandlungen zwischen Dr. Herzl und der „Jca" wegen Unterstützung des ostafrikanischen Unternehmens haben sich zerschlagen, weil die „Jca" als erste Bedingung für ihre Betheiligung das Princip aufstellte, daß dem Colonisatlonsunternchmen jede wie immer geartete politische Tendenz ferngehalten würde. K. Sieben jüdische Abgeordnete gibt es jetzt im preußischen Abgeordnetenhause Außer den Herren Aronsohn, Cassel, Hirsch, Pcltasohn, Rosenow, Wolf, ist Stadtrath M ü n st e r b e r g (Danzig) gewählt worden. — Fünf Mitglieder ans der Reihe unserer jüdischen Mitbürger zählt derzeit das ungarische Magnatenhaus, und jeder von ihnen verkörpert und vertritt eine Specialität. Schwab ein Mitglied des Großgrundbesitzes, Sigmund Brody der Vertreter der Bndapester Presse, Dr. Franz Chorin der bedeutende Gesetzgeber, Sigmund Kornfeld der erste hervorragendste Finanzmann Ungarns. Zu ihnen gesellt sich nun Alexander Hatvani-Deutsch in seiner Eigenschaft als Großindustrieller. F. Ein Bauer des Saranskaer Kreises (Gouvernement Pensa> wurde verhaftet und unter Anklage gestellt, weil er zum Judeuthum Ubergetreten ist. Der Bauer besuchte seit einiger Zeit die Synagoge, hielt streng die jüdischen Gebräuche und gab seinem Sohne den Nanien David. Die „Abwendung vom rechten Glauben" wird in Rußland als schweres Verbrechen betrachtet. (Sibirien!) F. Die Vorgänge in der Politik, der Kampf der Parteien, gehen uns Juden derzeit nichts an. Je weniger wir versuchen, auf den Lauf der Ereignisse einen Einfluß auszuüben, und je mehr wir uns zurückhalten, über den Gang der Dinge eine Meinung zu äußern, desto eher ist auf eine Gesundung der öffentlichen Memung und einen Umschwung der Volksstimmung zu hoffen. ffintlftlfl Prachtstück hervorragender Firma, billig zu verkaufen. flCIIIIllv VI., Gumpeudorferstrasse 99. I. Stock, Th. 14, Steiner. Emer. Districtsarzt Univ. Med. Dr, Bernliard. IEZxa.3m.er übt nunmehr seine ärztliche Thätigkeit in Wien, II., Taborstrasse 33 aus und ordiuirt täglich von 2—3 Uhr. Per Vorstand des TewpeWereines Josefstadt zeigt an, dass der Obercantor Kwartin von seinem Urlaub znrückgekehrt und seine Functionen wieder übernommen hat. Concurs. Bei der israelitischen Cultusgemeinde in BiSChofteinltZ ist die Stelle eines autorisirteu Rabbiners der zugleich Chasen, Koreh und Schochet ist, zu besetzen. Gehalt 1200 Kronen, garantirtes Erträgniss der Schechita 200 Kronen, freie Wohnung und sonstige Emolumente. Der Religionsunterricht an Volks- und Bürgerschuleu mit einer derzeitigen Remuneration von 200 Kronen. Eintritt am 1. September 1904. Reisespesen werden nur den Accept>rten vergütet. Offerte zu richten an den Gultusgemeinds-Vorsteher Simon Steiner. Concurs. Bei der israelitischen Cultusgemeinde in LlSbeSChltZ bei Saaz gelangt der Posten eines Rabbiners der gleichzeitig Religionslehrer. Kantor, Koreh, MatrikenfOhrer. eventuell auch Schochet sein muss, zur Besetzung. Jahresgehalt 1200 K, eventuell auch das Erträgniss der Schechita circa BOOK, freie Wohnung, Remuneration der Wegentschädigung und die üblicheuEmolumente. Bewerber wollen ihre Offerte bis 15. Jänner 1904 hierorts einbringen. Eintritt kann nach Uebereinkunft erfolgen. Reisespesen werden nur dem Acceptirten bewilligt, auch Uebersiedlungskosten werden vergütet Emanuel Samte! 1495 Cultusvorsteher. ^©früüFSr—-- In der israelitischen Cultusgemeinde zu K o s t e 1 in Mähren ist die erledigte Stelle eines BSa.'b'biDa.exs zu besetzen. Bewerber, welche nicht über 40 Jahre alt sein dürfen, haben ihre Gesuche mit dem documentarischen Nachweise der gesetzlich vorgeschriebenen Bildung und ihrer Autorisation als Rabbiner zu belegen, sowie ihren Familienstand anzugeben. Der Anzustellende hat nebst den Functionen als Rabbiner und Prediger auch den hebräischen Unterricht in der hiesigen Volksschule zu ertheilen. Das Honorar beträgt 2000 K jährlich nebst freier Wohnung und den üblichen Nebenemolumenten. Nur documentarisch belegte Gesuche werden berücksichtigt und sind dieselben bis längstens 31. J ä n n e r 1904 beim gefertigten Vorstande einzubringen. Kostei am 6. December 1903. Der ßUltUSVOrStand: 1496 B. K o h n. F«fo«s junges jKädche« s?ÄÄSi: als Vorleserin oder Qesellschatterfn bei Damen oder jungen Mädchen. Zuschriften an I. N, XVIII., Gürtelstrasse 59, Th. 7. Es wird hei einer alleinstehenden Frau Intelligenter, älterer Herr ln Wohnung, auch mit Pension, ausgenommen. „M. W.“ postlagernd Brigittenau „Wallensteinplatz“. w*rc* bei alleinstehender Witwe in Wohnung und | Verpflegung genommen. Marie Wodak, XX., Traunfelsgasse 6, I. Stock Heinrich Kunstadt & Bruder Etablissement für Gruft- und Grabmonumeots Wien, II., Grosse Schiffgasse Nr. 2—4 (nächst der Stefaniebrücke).