Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-12-11 · 50 (11.12.1903) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
50 (11.12.1903)
Date
1903-12-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021493-3021544--13204-3037842
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 804 Dr. Blocb's TKRocbenscbrttt. Nr. 50 Cascticr Hermann Krämer eine opulente Jause verabreicht wurde und ihnen außerdem noch Packete mit Backwerk, Würsten, Obst rc. verabreicht wurden. Nach einer kurzen Ansprache des Obmannes, worin er hcrvorhob, daß die Bekleidung nunmehr beim „Rudolfsbund" eine stille sei und an die Vereinsmitglieder und Gönner den Appell richtete, trotzdem in ihrem Eifer nicht zu erlahmen, da gerade durch die stille Wohlthätigkeit das Gemüth der Eltern und Kinder geschont werde, und die Kinder in warmen zu Herzen gehenden Worten ermahnte, ihren Eltern und Lehrern zu gehorchen, sowie gute Patrioten zu werden. Die Rede klang in ein begeistertes Hoch aus Seine Majestät den Kaiser aus, welches begeisterten Widerhall fand; die Kinder, sowie alle Anwesenden sangen sodann die Volkshymne. Ein Kind dankte — trotzdem es vom Obmann hiezu nur ungerne zugelassen wurde, allen Gönnern des Vereines in warmen Worten für die in so schöner Weise dargebrachten Spenden und rührte mit seinen einfachen Worten alle Anwesenden. Die -anwesenden Gäste, die Herren Ortsschulrath Macak, Bezirksrath Mensch, die Armenräthe Hoffmann und Hußerl, ferner Herr Weinwurm in Vertretung des Krankenvereines „Montcfiore", Herr Elias Weiß in Vertretung des Waisenvereines „Montefiore", eine Vertretung des humanitären Vereines „Armenvater" sprachen sich überaus lobend über die Art des Spendens aus und empfahlen das Vorgehen des Vereines auch anderen Vereinen. Herr Armenrath Josef P o l l a k, der den Verein schon durch so viele Jahre mit dem größten Erfolge leitet, kann mit der Einführung der stillen Kinderbekleidung auf einen schönen Erfolg blicken. Wien. (T e m p e l w e i h e.) In feierlicher Weise wurde der vom hiesigen Minjanvereine stylvoll erbaute Tempel vom Bezirksrabbiner Dr. Rosenmann aus Floridsdorf eingeweiht. In der Festrede wies er auf die Mission des israelitischen Glaubens hin, „nicht durch Menge und nicht durch Macht, sondern durch den Geist allein" zu wirken. Bemerkenswerth war auch der historische Nachweis, daß bereits im frühen Mittelalter im Bezirke Korneuburg-Stockerau jüdische Ansiedlungen vorhanden gewesen. Der cantorale Theil wurde von Herrn Werdisheim unter Chorbcgleitung versehen. Der Feier wohnten bei: Statthaltereirath Nagel, Oberstlieutenant Baron Vogelfang in Vertretung des Regimentsobersten, Landesgerichtsrath Dr. Keipper, Bürgermeister Schaumann, Vicebürgermeister Weinek und mehrere Gemeindevertreter, die Doctoren Spielmann und Hiller als Vorstände der Sparkasse, Stationsvorstand Baumgart, Schuldirector Prantner, Cultuspräsident Dr. König und Vicepräsident Em. Grünwald aus Floridsdorf u. v. a. Die Feier fand ihren Abschluß durch eine Ansprache des Statthaltereirathes. Nagel, in welcher er den Patriotismus der Juden mit warmen Worten anerkannte. Wie«. D er Bri g itten alter israelitische Tempel» verein hält Dienstag den 17. December, 7*7 Uhr Abends, in den Saallocalitäten des Cafä Neptun, XX., Mathildenplatz 7, die Generalversammlung ab. Wie». Der jüdische Schulverein für den IX. Bezirk (IX., Pramergafse 5) veranstaltet auch Heuer wie im Vorjahre, mit dem Geselligkeitsvereine eine Chanukafeier mit Kinderbekleidung am 17. December d. I im Restaurant Stroblhof, IX., Porzcllangasse 50. (Buffet nrs.) Reichhaltiges Programm. Gäste herzlich willkommen. Wie«. Der theologische Verein der Hörer an der israelitischtheologischen Lehranstalt veranstaltet anläßlich seines zehnjährigen Bestandes im Festsaale des „Hotel Post" am 15. December eine Dezcnnar- und Chanukafeier. Aus dem reichhaltigen Programme seien folgende Punkte erwähnt: Begrüßung durch den Präsidenten Herrn Gustav Sicher. Anzünden der Chanuka-Lichter durch den Herrn Obercantor Bela G u t t m a n n. Prolog, verfaßt und vorgetragen vom Vereinsmitgliede Herrn V. K u r e i m. Liedervortrag des Herrn Obercantor B. G n t t m a n n. Deutsche F e st r e d e des Herrn Johann Stößler. Recitation jungjüdischer Dichtungen von Herrn Gustav T e l l h e i m, Mitglied des k. k. privilig. Theaters in der Josefstadt. Hebräische Festrede von ***. Lieder, gesungen vom Quartett des Männergesaugvereines ..Schir Zion" (Herren L. Rosen, B. Ullmann, Dr. Liewer, M Löhner). Hebräische D e c l a m a t i o n von Herrn H. S ch w e n g e r. Dem officiellen Theile folgt ein gemüthlicher, mit Gesang, humoristischen Vorträgen, Bierzeitung und einem Ulke „Der Probccandidat". Das Comitä behält sich Bereicherung des Prograinincs vor. Gäste herzlichst willkommen. Entree frei. „Küche Herlinger". Wien Das Amtsblatt der „Wiener Zeitung" meldet daß Se. Majestät der Kaiser dem Rabbiner Dr. I. Ziegler in Karlsbad das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen hat. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria".) Sonntag den 13 d. M. wird ein Vortrag des Herrn Arthur Freud mit anschließender intimer Chanukafeier stattfinden. Beginn präcise 37-2 Uhr Nachmittag im Congreßsaal IX., Türkenstraße 9. Gäste herzlich willkommen. Wien. (Humanitärer Verein „M a r p e L a n ef e s c.h“.) Im Bethause Narps Imuokosed, II. Bezirk, Glockengafie 4, wird der Obercantor Herr Jacob Nagler aus Galatz Samstag den 12. d. M. einen Gastvortrag abhalten. Der Gottesdienst beginnt Freitag Abends um 4 Uhr, und Samstag 9 Uhr Vormittags. Wien (Heinrich Nierenstein.) Durch den Heimgang des Herrn H. Nierenstein hat die Wiener israelitische Cultusgemeinde und die galizische Colonie in Wien einen ihrer vornehmsten Repräsentanten verloren. Die allgemeine Verehrung, die der Verstorbene in weitesten Kreisen genossen, zeigte sich in der zahlreichen Betheiligung an der Beerdigungsfeierlichkeit. Ueber sein humanitäres und cultuelles Wirken wird uns aus Brody geschrieben: Die Hiobspost von dem Ableben des edlen Philanthropen,^ des Herrn Heinrich Nierenstein erfüllte unsere airch diesmal heimgesuchte Stadt mit tieffter Trauer und aufrichtiger Theilnahme an den derben Schlag, welchen die hochangesehene und weitbekannte Familie erlitt. Sein Hinscheiden ist auch für unsere Stadt ein unersetzlicher Verlust, was die verschiedenen Kundgebungen deutlich bezeugten. Solange der Verblichene hier lebte, war sein Streben und Wirken stets ein humanitäres: bei allen wohlthätigen Stiftungen war er Mitbegründer und legirte dieselben reichlich; er vergaß nie" der Armen und Elenden; selbst in den letzten Jahren, als er nach Wren übersiedelte. Auch dort übte er Wohlthaten in reichstem Maße für hiesige Hilfsbedürftige; armen Studenten, verlassenen Waisenkindern, hilflosen Witwen war er eine Stütze, ein liebevoller Freund und väterlicher Rathgeber. Einen großen Theil seines Lebens dem Kaufmannsstande zugehörig, blieb er immer seiner innersten Neigung zufolge Philanthrop. Seine humane Bethätigung galt zunächst dem Kreise der jüdischen Leidenden, doch kannte er eigentlich weder konfessionelle noch nationale Schranken, wofür er auch zum Ehrenbürger unserer Stadt seinerzeit ernannt wurde. Viele Jahre stand er als Präsident der hiesigen Cultusgemeinde vor, er war ein wahrer Gönner und Beschützer des hiesigen Waisenhauses, der Volksküche, des Spitals, der Schule und aller anderen wohlthätigen Anstalten, die sein Hinscheiden beweinen und beklagen. Möge daher auch der Herr dem in ein besseres Jenseits Dahingeschiedenen den ewigen Frieden verleihen, uns aber die Gnade, sein Andenken zum Wohle aller Anstalten zu bewahren, deren Förderer, Freund und Gönner er war! M. Markstein. Brak«. Unter sehr starker Betheiligung aller Gesellschaftskreise von Bielitz und Biala fand am Montag den 51. v. M. das Leichenbegängniß des der hiesigen Cultusgemeinde allzufrüh verstorbenen Herrn Moritz Knopp, welcher kaum das 47. Lebensjahr erreichte, statt. Der Verblichene wirkte 15 Jahre als Cultus-Ausschußmitglied, ferner als Obmann-Stellvertreter der Chewra-Kadischa sehr ersprießlich. Ein sehr tragisches Geschick verfolgte die brave, strebsame Familie, da es kaum 5 Monate sind, daß seine Frau vor ihm in den Tod ging und nun vier klüne Kinder Vater- und mutterlos zurückgeblieben sind. Am Grabe hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. G l a ß e r dem Verblichenen einen wohlverdienten Nachruf; ferner nahm Herr Cultuspräses Moritz Kohn in ergreifenden Worten namens des Cultusvorstandes von dem Verblichenen Abschied. Unter den nach vielen Hunderten zählenden Leidtragenden bemerkte man den Präses der israelitischen Cultusgemeinde in Bielitz, Herrn Salomon Pollak, mit vielen Cultusansschußmitgliedern, ferner den Vorstand der Chewra-Kadischa von Bielitz. Nach dem Leichenbegängniß fand in dem sehr stark besuchten Tempel ein Trauergottesdienst statt, wobei Se. Ehrwürden Dr. Glaßer neuerdings ergreifende Worte sprach. R. K.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.