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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-12-04 · 49 (4.12.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
49 (4.12.1903)
Date
1903-12-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Blocbs Mocbenscbrttt. Sette 791 der Leichnam im Trauerhause gehoben und nach dem Tempel überführt. An der 1kt6 des Zuges schritt die vom Schulleiter Frank geführte israelitische Schuljugend, nach derselben Deputationen der Feuerwehren von Meseritsch und Krasna, hierauf folgte der mit den herrlichsten Blumenguirlanden und Kränzen gezierte Leichenwagen, dem die Gattin, vier Söhne und die Tochter des Verblichenen folgten. Von den Söhnen ist der älteste k. k. Gerichtsadjunct in Friedek,derzweiteAssistenzarzt am Rudolssspitale in Wien, der dritte Techniker und der vierte stank. jur. in Wien. Den Leidtragenden folgte der k. k. Bezirkshauptmann Herr Dr. Velisch mit Suite, Herr Jg. Reich, Ritter der Ehrenlegion, Herr Regieruugsrath Rosmael, Herr kaiserl. Rath Dr. Ernst, der Stadtrath von Meseritsch und Krasna, die Räthe der Cultusgemeinde, anderen Spitze Herr Landesadvocat Dr. Solomon Heller, das Gremium der Kaufmannschaft, der Eultusvorsteher von Teschen Herr I. Ph. Glesinger, eine Abordnung des Wsetiner Cultusvereines rc. Im Tempel, der Trauergala angelegt hatte und mit Cypressen und gigantischen Blattpflanzen geziert war, hielt nach erfolgter Execution des Trauerchorals Se. Ehrwürden Herr Dr. Jakob Ratbinowicz dem Unvergeßlichen einen tiefempfundenen Nachruf, in dem er denselben als Vorsteher, Gatten, Vater und Bürger in schwungvoller, formvollendeter Rede feierte. Hierauf wurde der Sarg abermals gehoben und der Zug bew'gte sich in derselberr musterhaften Ordnung nach dem Friedhofe. Hier ergriff der Vorstand-Stellvertreter Herr Dr. S. Heller das Wort und rief dem Scheidende» mit vor Erregung vibrirender Stimme das letzte Valet nach. Er schilderte des Verewigten unvergänglichen Verdienste um das cnltuelle und culturelle Gedeihen der Gemeinde, dankte ihm namens der Beamten für die Fürsorge, die er ihnen stets gewidmet, und vergaß auch nicht seines getreuen, wahrhaft edelsinnigen, großherzigen Mitarbeiters des Herrn Directors Jakob Haas lobend und dankbar zu erwähnen. F r a n k. Lemberg. Herr Julius H o ch s e l d, der für das Judenthum jederzeit mit seiner ganzen Begeisterung sich eingesetzt hat, ist vergangene Woche nach schwerem Leiden in Wien verschieden. Die Leiche wurde nach Lemberg überführt und unter großer Betheiligung aller Gesellschaftskreise vom Centralbahnhose nach dem jüdischen Friedhöfe geleitet, wo die Rabbiner Schmelkes und Dr. Caro Trauerreden hielten. Der Verein „Schomer Israel" und die zionistische Parteileitung hatten Traueranzeigen veröffentlicht. Klattau. Der verflossene Mittwoch war für den hiesigen „Ehorgesangs- und Geselligkeitsverein" ein wichtiger Zeitpunkt. üO Jahre waren seit Gründung des obengenannten Vereines verflossen und einem gefaßten Beschlüsse gemäß wurde dieser Tag auch durch ein Bankett feierlichst begangen. Der schöne Saal im «Hotel Menschik", wo der Verein sein Domicil aufgeschlagen hat, war prachtvoll decorirt und die weißgcdeckten Tische, geschmückt mit exotischen Gewächsen, gewählten einen gar anmuthigen Anblick. Gegen halb 9Uhr- Abends wurde der Obmann des Vereines Herr Rudolf Fleischer und seine Ehegattin Frau Theresia in den Saal geleitet und mit einem „Tusch" empfangen. Herr Med. Dr. N. Reiser, Obmann-Stellvertreter, begrüßte den Obmann mit einer stylvollen Ansprache und enthüllte dann das Ehrengeschenk, das ihm vom Vereine gewidmet wurde. Dieses besteht aus einer silbernen Lyra, umgeben von einem silbernen Kranze, auf dessen Blättern die Namen sämmtlicher Mitglieder und der Ehrenmitglieder — Josef Porges, Klattau, und Simon Lux, Prag — prangen. Das Ganze ruht in einem großen Etui von Leder und ist ein Erzeugnis; aus der Silberwaarenfabrik des Herrn Adolf Pollak, Prag. Auch der Oberlehrer M. Berka, der durch 20 Jahre das Schriftamt im Vereine bekleidet, wurde mit einer Ansprache beehrt und ihm ein prachtvoller goldener Siegelring mit Monogramm und Widmung als Ehrengabe überreicht. Derselbe ist nach neuester Fcwon und stammt aus dem bestbekannten Juwelengeschäft I. Spitz, Pilsen. Eine Deputation der Chordamen — Fräulein I. Löwy und Fräulein M. Krauskopf — überbrachte der Frau Theresia Fleischer, Gemahlin des Herrn Obmannes, einen herrlichen Blumen- - strauß. Nach dem ersten Speisegange — und nachdem die Geschenke allgemein bewundert worden wären — ergriff der Obmann das Wort und sprach tiefergriffen seinen Dank für die herrliche Ehrengabe aus; mit beredten Worten entwickelte er die Geschichte des Vereines und betonte die Wichtigkeit desselben für unser Gemeindeleben. Seine Ausführungen ernteten großen Beifall. Der Schriftwart dankte gleichfalls für die ihm am heutigen Tage abermals erwiesene Auszeichnung; der Eultusvorsteher Herr I. U. Dr. Isidor Fleischer dankte im Flamen des Vorstandes für das Wirken des Vereines in Bezug auf unseren Gottesdienst; Herr S. I. Krauskopf als Obmann der „Chewra - Kadischa". Höchst gelungen und originell waren dre gereimten Ergüsse des „Hauspoeten" (Leopold Schleißner), vorgetragen von dessen Gemahlin Frau Wilhelnüne Schleißner. Mit dem Kaisertoaste, ausgebracht vom Herrn Obmann und der Kaiserhymne, welche von der Musik intonirt und von den Anwesenden stehend und voll Begeisterung mitgesungen wurde, endete — weit nach Mitternacht — das in allen seinen Theilen höchstgelungene Bankett. Um das Zustandekommen desselben und um die Durchführung des herrlichen Festes haben sich Herr M. Dr. N. Reiser, Herr R. Katz und das Vergnügungscomitö ganz besondere Verdienste erworben. Die koschere Küche besorgte Herr Restaurateur Hendrich. — a.— Madno. Fräulein Camill a S ch w a r z, Tochter des Herrn Rabbiners I. H. 2 ch warz in Kladno, hat sich mit Herrn H u st 0 R 0 s e n a u e r, Disponenten der Firma 5. Haurovitz in Prag, verlobt. St. Pölten. Es fanden hier die Neuwahlen des Cultus ausschuffes statt und es wurden gewählt: als Vorsteher Herr- Carl Frank, Fabriksbesitzer; Vorsteherstellvertreter Herr Samuel Mandl, Kaufmann; Beirath Herr Leopold Reininger, Lederhändler: Ausschüsse die Herren Siegmnnd Allina ‘■2t. Pölten', Moritz Mautner (Pöchlarn), Ignatz Welisch (Wiesenfeld), Leopold Wollner (Purkersdorf). 'Als Ersatzmänner die Herren Siegmnnd Allina jun. (St. Pölten), 'Alois Brumlik (LoosdorrV In den verstärkten Cultusausschuß wurden gewählt die Herren Julius Kohn (St. Pölten), Eduard Frischer (St. Pölten), Moritz Reis; (St. Pölten), Heinrich Spitz (Wilhelmsburg), Moritz Schanzer (Pöchlarn), Ludwig Soffer (Neulengbach), Adolf Greger ' Erlauft. Glogau. Der V e r e i n z u r F ö r d e r u n g d e r W i s s e n s ch ci f t d e s I u d e n t h u m s hält Mittwoch den 6. Jänner 1904 und Donnerstag den 7. Jänner 19« >4, Vormittags 10 Uhr, im Logensaal Berlin iS. W. Wilhelm straße 118 die Mitglied e r v e r s a m >n l n n g ah. T a g e s ordnung, Mittwoch den 6. Jänner 1904: 4 Ueber die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilosophie an den jüdisch theologischen Lehranstalten. Referent: .Herr Ge heimrath Pros. Dr. C 0 h e n, Marburg. ID Jahresbericht, Rechnungslegung des 'Ausschusses, Erlheilung für Decharge. III. Endgiltige Festsetzung der Satzungen. D 0 n n e r st a g, den 7. Februar 1904: I. Entwurf einer Geschäftsordnung. II. Propaganda besonders für persönliche Mitglieder. III. Anträge aus der Mitte der Gesellschaft. IV. Wahlen. Feuilleton. Josef Schlesinger. Ein jüdischer Künstler am serbischen Hofe. Original-Feuilleton von atml. jur. Lav 0 slav Schick. (Schluß.) Am 1. Juni 1839 dankte Fürst Miloä zu Gunsten seilles ältesten Sohnes Milan ab, sich von Schlesinger mit den Worten verabschiedend: „Dlt Joses bleibe hier und diene meinen Sohri so treu, wie du mir gedient hast." Gleich den anderen Rath gebern Miloä wurde bald nach dessen 'Abreise Schlesillger vo.: einem Volkshaufen aus seiner Belgrader Wohnung geschleppt, hinter einen Wagen gebunden, so daß er dein nun in Galopp hinsausendem Gespanne Nachfolgen mußte. Halbtodt in Kragujevae angelangt, wollte ihn die erbitterte Menge bei lebendigem Leibe verbrennen llnd nur die zufällige Ankunft des Belgrader Metropoliten Peter Jovanoviü rettete Schlesinger das Leben. Es folgt nun eine rasche Ablösung von verschiedenen RegenlschaNen ia Serbien, bis endlich am 2. September 1842 Fürst Alexander Karagevrgjevie, der Vater des jetzigen König Peter, den serbischen Fürstenthron bestieg. Er bestätigte Schlesillger in 'Amt und Würden und gewährte ihn; ein größeres Reisepauschal für jährliche Kunstreisen in'S 'Ausland. Während der itt Jahre, die Alexander in Serbien regierte, füllt die fruchtbarste Periode Schlesingers künstlerischen Schaffens. Fürst Alexander widmete er 1843 zwei „Serbische Nationalmärsche", ferner eomponirte er zahlreiche, noch jetzt oft gespielte serbische Märsche, soioie größere dramatische Werke, Potpourris aus fremden Opern und führte durch eigene Compositioneu die damals in Wien austauchenden neuen Tänze, Polka und Quadrille, all dein serbischen Fürstenhofe ein. Als im Jahre 1859 Alexander das Land verließ und der greise Fürst Miloä mit seinem Sohne Michael nach Serbieri zurückkehrte, überreichte ihm Schlesinger eine Jubelhymne, die der Fürst mit den Worten annahm: „Tanke, mein lieber Capitän, für dein Geschenk! Es ist schön von dir, daß du aus deinem Platze treu verharrt bist! Wären dir alle Serben gleich!"

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