Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 49 (4.12.1903)
- Date
- 1903-12-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 Dr Dlocb's Mocbenscbrttt. Seite 79» und speciell einer, die sich aus der eigenen Initiative und Kraft ihrer Mitglieder gebildet hat. Herr Richard T e w e l e s empfiehlt die Veranstaltung von Wanderversammlungen in den einzelnen Wiener Bezirken. Außerdem regt er die Einführung der Teppichknüpferei in Galizien neuerdings an. Herr Ferdinand L ö w y, sowie Herr Dr. Jacob Bauer wünschen besonders eine lebhaftere Agitations- Thütigkeit seitens der Wiener Ortsgruppen. Förmliche Beschlüsse werden über die geäußerten Wünsche und Anregungen nicht gefaßt, sie werden jedoch der Vereinsleitung zur Berücksichtigung und Würdigung empfohlen. Als Vertreter der Wiener Ortsgruppen bei der am 8. December d. I stattfindenden General-Versammlung des Hilfsvereines werden gewählt: Für die Ortsgruppe „Wien I" die Herren Heinrich K l i n g e r. Präses der Wiener Cultusgemeinde, Siegfried Lemberger, Dr. Josef Pollak. Gustav S t i a ß n y und Dr. Bela T a u s s i g. Für die Ortsgruppe „Wien II" die Herren Dr. Arnold Ascher, Hermann Eltbogen und Dr. Adolf Schwarz. Für die Ortsgruppe „Wien III" Herr Dr. Leo F e n i ch e l. Für die Ortsgruppe „Wien IV" die Herren Dr. Jacob Bauer, Herman B r u st und Richard T e w e l e s. Für die Ortsgruppe „Wien V" die Herren Gottlieb Bettelheim, Dr. Wilhelm L ö w y und Dr. Sigmund Zins. Für die Ortsgruppe „Wien VI" Herr Max Eiduschitz. In den Vorstand ver Ortsgruppe „Wien I" wurden gewählt dre Herren Dr. Gustav L a n g st e i n als Obmann, Dr. Josef P o l l a ck, Univ.-Docent, als Obmann-Stellvertreter, Dr. Alois P o l l a k als Schriftführer, Siegfried Lemberger als Schriftführer-Stellvertreter, Gustav S t i a ß n y als Cassier, Dr. Bela T a u s s i g als Eassier-Stellvertreter. Die Ortsgruppe „Wien II" wählte die Herren Dr. Wilhelm Knöpfmacher als Obmann, Dr. Arnold Ascher. Obmann-Stellvertreter, Hermann Schreiber, Schriftführer, Rudolf Klaus, Schriftführer-Stellvertreter, Josef Kowan'ttz, Cassier, Sigmund C h i tz, Cassier-Stellvertreter^ Für die Ortsgruppe „Wien III" die Herren Dr. Leo Fenichel, Obmann. Sigmund Seiler, Obmann-Stellvertreter, Franz Frankl, Schriftführer, Otto Ernst Frankl, Schriftführer-Stellvertreter, Salo T e d e s c o. Casiier, Siegfried Ratzersdorfer, Cassier-Stellvertreter. Die Ortsgruppe „Wien IV" wählte in den Vorstand die Herren Dr. Jacob Bauer als Obmann, Dr. Alfred Baß als Obmann-Stellvertreter. Max Fleischner als Schriftführer, Rudolf Winternitz als Schriftführer-Stellvertreter. Ernst Schüller als Cassier. Ludwig Mahler als Cassier-Stellvertreter. Die Ortsgruppe „Wien V" wählte die Herren Julius Granichstädten zum Obmann, Gottlieb Bettel- Heim zum Obmann-Stellvertreter, Rabbiner Dr. Sigm. Gelbhau s zum Schriftführer, Alfred W a i z n e r zum Schriftführer- Stellvertreter, Wilhelm Heller zum Cassier und David R o t t e r zum Cassier-Stellvertreter. Die Ortsgruppe „Wien VI" wählte die Herren Max Eibuschitz rum Obmann, Carl S e l i g m a n n zum Obmann-Stellvertreter, Dr. Philipp Schwarz zum Schriftführer, Dr. Moritz Kraus zum Schriftführer-Stellvertreter. Moritz Bruckner zum Cassier und Gustav Schwarz zu dessen Stellvertreter. Lemberg, lieber die Gründung eines Seminars für jüdische Religionslehrer, welche hier am 19. Oetober vorigen Jahres stattfand, hat meines Wissens kein einziges jüdisches Blatt berichtet. Jetzt, wo die Anstalt ihre ersten Zöglinge entlassen hat, wäre es an der Zeit, sie der Oeffentlichkeit vorzustellen. Das Seminar ist von der hiesigen jüdischen Cultusgemeinde mit Unterstützung des Staates und des Landes ins Leben gerufen worden. Einige Cultusgemeinden des Landes, besonders Krakau, haben sich mit jährlichen Beiträgen betheiligt. Die Frequentanten bestehen aus Zöglingen des k. k. Lehrerseminars. Zur Reifeprüfung werden nur Candidaten zugelassen, die sich mit dem Maturitätszeugnisse eines staatlichen Lehrerseminars ausweisen können. Das Curatorium der Anstalt besteht aus den Herren Samuel Edlen v. Horowitz, Landesadvoeat Dr. Josef Czerzer, Salomon Buber in Lemberg und Landesadvoeat Dr. Leon Horowitz in Krakau. Die Leitung ist dem Herrn Rabbiner Dr. Caro anvertraut. Die ehemaligen Zöglinge der Wiener theologischen Lehranstalt: die Herren Dr. Guttmann, Dr. Hausner und Dr. Schorr sind als Lehrer thätig. Bon den 18 Zöglingen des vorigen Jahrganges haben Einer, Hirsch Bad, im Juni d. I., drei andere, Zoller, Rubenzahl und Czermak, sowie 2 Externisten, Hochman und Pomeranz, am 1. November d. I. die Reifeprüfung abgelegt und sind sofort zu Lehrämtern in Volks- und Bürgerschulen berufen worden. Ilm die Gründung der so lange schmerzlich entbehrten Anstalt haben sich der Herr Präsident der Cultusgemeinde Reichsrathsabgeordneter Dr. Emil Byk und der Schulreferent im Vorstande Dr. Josef Czerzer sehr verdient gemacht. Wir hoffen, Ihnen noch oft und viel Erfreuliches über die segensreiche Wirksamkeit des Lehrkörpers und über das Gedeihen der ganzen Anstalt mittheilen zu können. Ein gedruckter Jahresbericht, der das Organisationsstatut und den Lehrplan enthält, wird ehestens erscheinen. Die Affaire. Die Regierung des Herrn Combes unternimmt das Wagniß, die Affaire Dreyfus wieder auszurollen. Das von Dreysus gefertigte Gesuch um Wiederaufnahme des Verfahrens ist vor vier Tagen dem Justizministerium überreicht worden, und werden der Revisionscommission außer diesem Gesuche auch die mit der Affaire in Zusammenhang befindlichen Documente, vor Allem die verschiedenen geheimen Dossiers zugehen. Sowohl der Justizminister Balle, wie der Kriegsminister General Andre stehen zweifellos mit dem Schritte in Verbindung. Zwar hat Dreyftls seinerzeit angekündigt, daß er mit allen Kräften seine vollständige Rehabilitirung anstreben werde, aber er hätte ohne Kenntniß neuer Thatsacheu nichts thun, hätte ohne diese das Revisionsgesuch nicht einbringen können. Die nonveaux faits wurden ihm von der Regierung selbst, vom Justizminister und vom Kriegsminister geliefert. Der Proceß in Rennes, die letzte Berurtheilung des Angeklagten von der Teufelsinsel und seine unmittelbar darauf folgende Begnadigung fanden unter dem Cabinet Waldeck- Rousseau statt. Von den maßgebenden Persönlichkeiten dachte zu jener Zeit keine einzige daran, daß die Affaire jemals wieder ausgerollt werden solle: > hatte sie doch ein Tagesbefehl des Kriegsministers endgiltig ftir abgeschlossen erklärt. Aber es scheint nun einmal dem Cabinet Combes beschieden zu sein, zu vollenden, was das ftühere Ministerium nur halb gethan hat. Der Affaire Dreysus liegt ein fiirchterliches und weit ausgebreitetes Gewebe niedrigster Gemeinheit, unerhörtester Schurkereien, schändlichster Verbrechen zugrunde. Von dem ersten Tage, da der Verdacht des Hochverrathes aus den sale jiiif gelenkt wurde, bis zum letzten, bis zum Schuldspruche von Rennes waren Gemeinheit, Schurkerei und Verbrechen am Werke, um einen Unschuldigen büßen zu lassen, was ein Anderer verbrochen hatte. Bis zum Schuldspruche von Rennes! Denn unter den nonveaux fail8 befindet sich auch die ungeheuerliche Thatsache, daß in Rennes genau so geschwindelt worden war, wie bei der Verhandlung vor dem ersten Kriegsgerichte. Auch in Rennes wurden dem Kriegsgerichte vertrauliche Documente unterbreitet, von denen — jetzt erst — zwei als falsch erkannt worden find, während andere Documente, welche die Unschuld des Angeklagten hätten darthun können, dem Militärgerichtshose nicht vorgelegt wurden. Noch mehr, die Aussage jenes famosen Cernuschi, eines Oesterreichers, ist, wie General Andre nunmehr weiß, nicht freiwillig abgegeben worden und falsch gewesen. Was braucht es mehr, um zu erweisen, daß auch das Kriegsgericht zu Rennes eine Farce, sein Schuldspruch ein Justizmord war. Aber dem Cabinete Combes handelt es sich begreiflicherweise nicht in erster Linie um die Person des unglücklichen Helden der Affaire. Es mag jedem einzelnen der Minister eine Genugthuung sein, wenn durch die neue Revision unwiderleglich festgestellt werden sollte, daß Dreysus wirklich unschuldig an dem ihm zur Last gelegten Verbrechen sei: den Ministern als Corporation, als dem mitten im grimmigsten politischen Kampfe stehenden Ministerium Combes ist an der Person Dreysus nichts gelegen, ihnen ist es um nichts Anderes zu thun, als durch die Aufdeckung der verbrecherischen Umtriebe, zu denen sich eine große Gruppe von Officieren hergegeben hat, eine neue, wirksame Waffe in dem Feldzuge gegen den Clericalismus zu gewinnen. Wie gesagt, gelingt es, den Schleier, der die Affaire noch immer verhüllt, zu lüsten, dann ist es aus die drastischeste Art bewiesen, was der geistliche Unterricht werth ist und wohin eine Corporation, in welcher der Clericalismus die herrschende Geistesrichtung ist, schließlich gelangen muß. An der Affaire Dreysus hat sich in Frankreich der Anticlericalismus entzündet. Herr Combes will ohne Frage mit eben dieser Affaire die Campagne schließen.