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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-11-27 · 48 (27.11.1903) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
48 (27.11.1903)
Date
1903-11-27
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 774 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 48 Vicepräsidenten Dr. Alfred Stern und Dr. Gustav Kohn, Dr. Spitzer, kais. Rath Pollak und die „Chewra-Kadischa" durch die Herren Heit, Steiner und Kann, sowie der Vorstand der Armenanstalt durch Herrn Josef Jellinek vertreten. Wien Der rührige Director Edelhofer hatte, um seinen Gästen eine Abwechslung zu bieten, einige sehr gute deutsche Nummern auf 6 Wochen engagirt, um den Erfolg eines gemischten Ensembles zu versuchen. Da aber der erwartete Erfolg ausblieb, so ist Director Edelhofer wieder zur alten Gepflogenheit zurückgelehrt und tritt seit heute nur mehr das polnische Singspiel-Ensemble, welches durch Neuengagements vermehrt wurde, auf. Von dickem Ensemble neunen wir in erster Linie Frau Pepi L i t t m a n n, ein weiblicher Gesangskomiker, die ihresgleichen, was sowohl Stimme als auch Spiel aubclangt, sucht. Man wird nicht müde, sie stundenlang anzuhöreu. Frau Elise Siegler, eine prächtige Bühnenerscheinung fcffelt durch ihre schöne Sopraustimme und ihren agilen Vortrag. Frau Simovier hat viel schauspielerisches Talent und ist eine gute komische Alte. Herr Simovici ist ein drastischer Komiker, der stets die Lacher auf ferner Seite hat und ist sowohl im Duo, als auch im 'solo eine schätzenswerthe Kraft. Herr Siegler ist ein Schauspieler, der stets den richtigen Ton trifft und durch ein decentes Spiel und elegantes Auftreten sich wohlverdienten Applaus erwirbt. Herr L i t t m a n n, der nur in der Comödie auftritt, verblüfft durch seine charakteristischen Masken und vervollständigt als Darsteller das Ganze Herr Rub. Silbe rg ist ein stimmbegabter sangeskundiger Tänzer, der sich durch seine kleinrussischen Tänze rasch die Gunst des Publikums erworben hat. bsst not lea^t erwähnen wir noch die aus drei Brüdern unter der Leitung des Capcllmeisters Gyula Geiger stehende Hauscapclle, die sich durch die Begleitung und hauptsächlich durch die reizende Zwischenactsmusik rasch einen guten Namen gemacht haben. Wer das jüdische Volksleben von der heiteren und ernsten Seite kennen lernen will, dem bietet das Volksorpheum die beste Gelegenheit hiezu. Dieses Etablissement gewährt auch dem Freunde jüdischer Volkskunde liefere Einblicke in die jüdische Volksseele. Das Unternehmen ist aufs Wärmste zu empfehlen. Graz. Mit dem Schnellzuge, welcher hier um die Mittagszeit fällig ist, sollten die unter Begleitung des Herrn Lehrers Belkin von Kischencw abgeholten Kinder, welche durch die dort verübten verabscheuungs'.vüroigen Verbrechen zu Waisen wurden hier durchreisen. Lange vor der Ankunftszeit war der Perron von Mitgliedern der hiesigen G:meinde, mit Prcketen und Körben auf den Armen, gefüllt; Allen voran die Vorstandsdamen des F auenvereines unter Führung ihrer Präsidentin Frau Dr. Mühsam, welche sich zur Pflicht gemacht hatten, die Kinder zu bewirthen, zu welchem Zwecke von dem Stationschef der Südbahn ein Raum gratis überlassen wurde. Weiters waren < rschienen Herr Rabbiner Dr. Mühsam, Herr Präses Bernhard Biller, Armenpfleger Herr Max Mayer. Als der Zug ftillstand, wurden die Kinder in den für sie reservirten Raum geleitet und bewirthet, währenddem sich auf dem Perron Geschenk auf Geschenk häufte, so daß nicht Alles in dem Waggon untergebracht werden konnte und ein guter Theil als Reisegepäck aufgegcben werden mußte. Beim Abschiede dankte Herr Belkin namens der Kinder, und Vieler Augen füllten sich mit Thronen bei Erinnerung der Greuelthaten, welche das Erscheinen der Kinder auffrischte. O. Prag. Aus Chotebor wird geschrieben: Auf dem hiesigen jüdischen Friedhofe wurden mehrere neue große Grabsteine umgeworfen und zerschlagen. Bisher fehlt jede Spur der Thäter, für deren Eruirung die jüdische Gemeinde eine Belohnung von 200 K ausgesetzt hat. Die gerichtlichen Erhebungen sind im Zuge. Troppau. (Jüdisch-literarischer V e r e i n.) Dienstag den 10. d. M. hielt Herr Haus Leder, ein in weiteren Kreisen als Asieuforscher bekannter Schlesier, imJüdisch-literarischen Vereine Troppau einen sehr interessanten Vortrag unter dem Titel „Aus dem Kaukasus". Während eines löjährigen Aufenthaltes in diesem noch wenig besuchten, romantischen Berglande fand Herr Leder auf seinen zum Theile im Aufträge der russischen Regierung unternommenen Reisen kurz und quer vom Schwarzen zum Kaspischen Meere wiederholt Gelegenheit, die Bewohner des Landes gründlich kennen zu lernen und wußte er dem sehr zahlreich versammelten Auditorium ein anziehendes Brld insbesonders von dem Leben und Treiben der Bergjuden des Kaukasus, von ihren Sttten und Gebräuchen, von ihrer physischen und geistigen Eigenart, wie auch ihrer socialen Stellung zu geben, an das er in gedrängter Kürze die geschichtliche Entwicklung dieses jüdischen Hirten- und Bauernvolkes anschloß. Der Vortragende, selbst Nlchtjude, verstand cs in geradezu liebevoller Art uno Weise dieses zwar unter russischer Oberhoheit, doch aber in Freiheit lebende Bergvolk jüdischen Glaubens dem zum großen Theile weiblichen Auditorium vor Augen zu führen und fand dabei die rühmendsten Worte nicht nur für den kraftvollen Körperwuchs der Männer, sondern auch ganz besonders für die geradezu claffifche Schönheit der dortigen jüdischen Frauen und Mädchen. Wie Herr Leder nach dem Vortrage im Privatgespräche äußerte, würden die Gebiete des Kmkasus und seiner Nachbarschaft für einen hebräisch geschulten Forscher wahre Fundgruben für jüdische Geschichte und Cultur bieten. Zala-Egerszeg. Im 66. Lebensjahre starb der Secretär der israelitischen Cultusgemeinde Herr Samuel I a m b o r, der sich durch ein ZZjähriges Wirken als Religionslehrer und Secretär hohe Verdienste erworben. An dem imposanten Leichenbegängnisse nahmen die Bekenner aller Confessionen theil. Die Trauergesänge executirte Herr Obercantor I. W e i ß. 1 Im Trauerhause sprach Herr Rabbiner Dr. R u d o l f e r, ein Schwiegersohn des Verstorbenen, und am Friedhofe Herr Oberrabbiner Engelsmann. Efsek. Im Laufe von nur wenigen Tagen erlitt die hiesige Cultusgemeinde durch das Ableben zweier hochgeachteter Mitglieder schmerzliche Verluste. Herr Markus Kohn und Herr Leopold Schwarz, Beide Mitglieder des Cultusvorstandes und besonders geachtete und beliebte Gestalten des hiesigen öffentlichen Lebens, segneten das Zeitliche. Herr Markus Kohn, Kaufmann und Großgrundbesitzer, Mitglied der Eomitats-Congregation und des Cultusvorstandes, erwarb sich durch seinen integren Charakter die Verehrung und Hochachtung Aller, die ihn kannten. Seine Wohlthätigkeit und sein reges Interesse für alle jüdischen Angelegenheiten machten sein Haus zu einem Sammelplatz Derjenigen, denen das Wohl der Gemeinde am Herzen lag. Er erreichte das Alter von 66 Jahren. Eine zahlreiche Familie beklagt seinen Heimgang. Der verstorbene Herr Leopold Schwarz war Großkaufmann, Mitglied des Gemeinderathes, des israelitischen Cnltusgemeindevorstandes, Handelskammerrath, Vorstandsmitglied mehrerer Geldinstitute und industrieller Unternehmungen. Er. war ein Mann von integrem Charakter, eine seltene Mischung von sittlichem Ernst und herzgewinnender Liebenswürdigkeit. Seine Krankheit versetzte alle Kreise der hiesigen Bevölkerung in angsterfüllte Theilnahme, sein Ableben rief hier eine wahre schmerzliche Bestürzung und Trauer hervor. Für seine allgemeine Beliebtheit zeugte die tiefe aufrichtige Trauer aller Gesellschaftsclassen und das imposante Leichenbegänguiß, an welchem vom Obergespan unseres Comitatcs bis herab zum ärmsten Bewohner unserer Stadt alles theilnahm. Seit dem Tode des seligen Oberrabiners Dr. Spitzer gab es hier keine derart tiefgehende und aufrichtige allgemeine Trauer um einen Bürger. In beide Fällen hielt Oberrabbiner Dr. Ungar ergreifende Trauerreden und Herr Obercantor Friedrach rührte durch seine tiefsinnigen Gesänge die Trauerversammlnngen. Unter den Trauergästen bemerkte man Herrn Obergespan L e v i n v o n C h a v r a k, Herrn Bürgermeister Constantin G r a f f an der Spitze des Gemeinderathes. Herrn Carl L a u b n e r, Handelskammer-Präsidenten, den päpstlichen Prälaten, Protonotar P f a r r e r H o r v a t, die Vorstände vieler Vereine und Unternehmungen, die Directoren der hiesigen Mittelschulen rc. Besonders ergreifend wirkte am Grabe der Gesang des hiesigen Musikvereines, dess.n gründendes Mitglied der Verstorbene gewesen. An Kranzspenden nach weiland Herrn Leopold Schwarz wurden für die verschiedenen Wohlthätigkeitsinstitutionen der Gemeinde --.8, Kronen gezeichnet und nach weiland Herrn Markus Kohn 2 »5 Kronen. Bei beiden Anlässen wurde den Hinterbliebenen die Theilnahme des Cultusvorstandes und der Chewra-Kadischa durch ihre respectiven Vorsteher zum Ausdrucke gebracht. Der Verlust der beiden Biedermänner wird hier lange betrauert werden. N. Bch. Szenitz. Einen schmerzlichen Verlust hat unsere Gemeinde leider in dem Heimgang des in seinem 85. Lebensjahre verstorbenen Herrn Lazar Mandl s. A. zu betrauern, der am 11. d. M. Hierselbst zur ewigen Ruhe bestattet wurde. Der Verewigte gehörte zu jenen immer seltener werdenden Repräsentanten gleichsam der vormärzlichen Periode jüdischreligiösen Lebens. Einen unstillbaren Wissensdrang verband er mit einer Liebe zu einem classisch-biblischen Styl, den er virtuos handhabte, und einer scharfsinnigen talmudischen Dialektik. Er war Schüler des einst berühmten rabbinischen Trifoliums R. Nehemias Trebitsch, R. Mose Soffer und des hierortigen hervorragenden R. Juda Ossad, von welchen der Erstere ihm das Zeugnis; gab: Buki b’liawajessu d’abaji so’rowu und der Letztere das Epitheton ornans: lsck b’rissi. In prägnanter Weife kamen aber seine persönlichen Qualitäten in der edlen Erziehung zum Ausdruck, die er seinen Kindern gab. Dieselben wirken zumeist in angesehenen Lebensstellungen. Nun schlummert er, Hügel an Hügel, vereint mit seiner über das Weichbild unserer Gemeinde bekannten edlen Lebensgefährtin Frau Therese Mandl, lind so wie im Leben, so wirken sie noch im Tode segensreich, indem ihre Kinder am Todestage ihres Vaters, zum ewigen Andenken desselben, eine namhafte Stiftung spendeten. Prag. (Aufruf au die Gönner der deutschisraelitischen U n i v e r s i t ä t s h ö r e r!) Von Jahr zu Jahr mehrt sich die Zahl derer, die sich dem Universitätsstudium an unserer altehrwürdigen OmoIo-b'sräillalläsL widmen. Leider ist jedoch ein großer Theil derselben, und nicht zumindest diejenigen, die sich zur israelitischen Confession bekennen, unbemittelt, so daß gar mancher nur

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