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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-11-27 · 48 (27.11.1903) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
48 (27.11.1903)
Date
1903-11-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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U». 48 » BlOCh S Jahrgang XX Centrslorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. m =■■ =» K. k. Postsparcasten-Amr Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Redaction und Administration: wir« IX/1, Berggalle Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. X- - ■ -.——=£ - — - ——-— Wien, 27. November 1908. ->-»-«. —<- Erscheint jeden Freitag. - - Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggaffe 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. M- ~ - =* Bc|ußBprtia für Srftrrrrtch: Halbjährig 8 Aronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ao»l«nd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 . Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. % ^— m Inhalt: Leitartikel: Der Aerztekrieg. — Die Inden und die sogenannten Arier. — Die Gesellschaft zur Forderung der Wissenschaft des Judenthums. — Vom Jahr markt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Ueber Wöchnerinnenpflege. — Der Arbeitsvermittlungsverein. — Der Historiker Mr. Lecky über Juden und Judenthum. - Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Cultusvorstandes. Eröffnung einer israelitischen Volksküche im XX. Bezirke. Das Cabinet Giolitti. Zur Ostafrikafrage. Wien, Leitmeritz, Bozen, Prag, Gleiwitz i. S. Unsere russischen Glaubensgenossen und wir. Plehwe wackelt. Die Judenexcesse in Homel. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien. Wien, Graz, Prag, Troppau, Zala-Egerszeg, Essek, Szenitz, Prag, Nikolsburg, New-Pork. — Feuilleton: Josef Schlesinger. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Der Aerztekrieg. Wir erhalten folgende Zuschrift: Seit einiger Zeit ist der Aerztestand in lebhafter Erregung und mit ihm auch alle jene Kreise, die diesem Stande ihre Sympathien zuwenden. Wenn auch dumme oder böswillige Menschen an diesem Stande nörgeln — er ist und bleibt doch der edelste, menschenfreundlichste. Kein anderer Stand weiht wie dieser Leben und Gesundheit, Gut und Blut dem Wohle der Mitmenschen, kein anderer ist so unermüdlich, so aufopferungsvoll, so hingebend und selbst so uneigennützig, so unausgesetzt Tag und Nacht, jahraus, jahrein im Dienste der Gesammtheit thätig wie er. Jedem denkenden und fühlenden Menschen muß es nahegehen, wenn diesem Stande der Friede nach Innen und nach Außen geraubt wird, und wer es mit seinen Mitbürgern ehrlich wohlmeint, muß dahin wirken, daß der Krieg ein Ende nähme. Der Krieg ist aber ein dreifacher. Er ist ein interner, indem ein Theil der Aerzte aus konfessionellen Motiven, hinter denen freilich nur der gemeinste Egoismus sich verbirgt, die eigenen Collegen bekämpft; und er ist ein externer nach zwei Richtungen, indem einerseits die Partei, welche das Kuownothingsthum vertritt, gegen die ärztliche Forschung und Fortbildung, sowie gegen den Aerztestand ankämpft und andererseits die Aerzte wieder in Verkettung der Verhältnisse gegen die Regierung einen Kamps führen. Daß in dem „internen" Kriege die Sympathien nicht auf Seite der Angreifer, das ist der Antisemiten, stehen können, muß wohl als selbstverständlich angesehen werden. Aber es genügt nicht, daß man dies den Aerzte« sage, sie müssen selbst die Augen offen halten und sich nicht dazu hergeben, ihren Feinden den Steigbügel zu halten, damit sie sich auf das Pferd setzen und dann erst recht den Kampf gegen ihre eigenen Collegen führen. In dieser Gefahr aber befinden sie sich, wenn sie Denjenigen Folge leisten, welche mit der gewohnten „geschickten" Führung mit aller Absicht die Aufmerksamkeit von dem wahren Streitgegenstand ablenken wollen. Die von der angeblichen „Beleidigung der Aerzte durch den Statthalter" geblendeten Aerzte sollen in der Aufregung wegen der ihnen vermeintlich zugesügten Unbill nicht sehen, daß der Führer, der sie gegen den Statthalter ins Treffen bringt, eigentlich unter einer Decke steckt mit denselben Leuten, die im Landtage gegen die Aerzte und die Wissenschaft in ebenso pöbelhafter wie dummer Weise zu Felde zogen. Man durfte nie und nimmer außer Augen verlieren, daß die Gruß und Consorten nur Fleisch vom Fleische der Lueger, Steiner, Schneider sind, vielleicht sogar, weil sie dem ärztlichen Stande selbst angehören, noch widerwärtiger sind als die Bielohlawek und Gregorig. Diese Aerzte sind es aber, die den Streit vom Zaune gebrochen haben. Wir halten es deshalb für dringend geboten, den Aerzten und deren Freunden den wahren Sachverhalt objectiv zu reproduciren und sie dringend zu warnen, sich von den Gruß und Consorten auf Abwege führen zu lassen. Wie und wo ist der Streit entstanden? Im Landtage? Nein! In der Aerztekammer selbst! Und weshalb? Aus Anlaß eines speciellen Falles hat der Statthalter der Aerztekammer eine Mittheilung zukommen lassen, in welcher diese aufgefordert wurde, den Aerzten nahezulegen, in ihren Zeugnissen sich strenge an die Wahrheit zu halten. Die Aerztekammer, resp. der antisemitische Obmann des Disciplinarraths, wollte aber gegen den Director des Spitals, den Urheber oder Veranlasser jener „Miltheilung" — einen Juden oder Judenstämmling — disciplinariter Vorgehen, obwohl ihr gegen Amtsärzte kein Disciplinarrecht zusteht, und als ihr dies verwehrt wurde, schien ihr Anlaß genug, eine Kampfstellung gegen den Statthalter einzunehmen. Daß die Aerztekammer dem Statthalter ihr Mißtrauen ausspricht, ihm Belehrungen ertheilt, über seinen Kops mit dem Landessanitätsrath correspondirt, die Aerztekammern von ganz Oesterreich in ihren ausschließlich localen Streit hineinzerrt, das sind Dinge, mit denen wir uns nicht beschäftigen. Mit Gewalt wurden aber Neuwahlen herbeigeführt - zu wessen Gunsten? Haben die Aerzte denn vergeffen, wer die Leute waren, die den „jüdischen" Einfluß aus den Aerztekammern, aus den Spitälern, aus den Universitäten hinausdrängen wollten? Wissen sie nicht, daß es dieselben Gruß und Andere waren? Sehen sie also nicht, wessen Korn sie mahlen, wenn

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