Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 46 (13.11.1903)
- Date
- 1903-11-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 46 Dr. Bloch’s u Centralorgan für die gesammlen Interessen des Iudenthums. Wen, 18. Uovemlier 1808. -- Erscheint jeden Freitag. -, >-<- —fr- Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggaffe SS. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift» Wien. -.-...B Serugsprei» str Oesterreich: > Halbjährig S Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 , Anzeigen: Die4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. % ~ » 8t .- -U B. ft. Pofisparralsen-Amt Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Nrd.rrtion und Administration: Wien IX '1, Verggaffr Nr. 39. 7«I«pkon Nr. 14.847. Inhalt: Leitartikel: Bekämpfung des Mädchenhandels. — „Der Stmu,geselle Sokrates " — Bom Jahrmarkt des Lebens Glossen zur Tagesgeschichte. Arisch-antisemitische Erziehung Jaden auf dem Schlachtfelde. „Die Stellung des Volkes Israels in der Weltgeschichte". „Ulk": Aus einer der nächsten Verhandlungen des niederösterr. Landtages. — Der russische Jude und der amerikanische Handel. Correspondeuzen: Aus der Plenarsitzung des Cultusvorstandes vom 18. November 1908. Erklärung. Zum Schutze der Auswanderer. Zur Hebung des Tempelbesuches. Prag, Budapest, Trebüsch, Petersburg, London. Bukarest, Philadelphia, Washington. Die Eisenbahn am See Genezareth Ein Judenstaat auf Madagaskar. — Veruilschtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Wien, Holleschau, Eisenstadt, Satoralja-Ujhely. — Feuilleton: Julian Meldohla. — Llt ratur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Zur Kckämpfung des Mädchenhandels. In Lemberg hat vor Kurzem ein Congreß zur Bekämpfung des Handels mit jüdischen Mädchen stattgefundeu, au welchem sich die Delegirten zahlreicher humanitärer Vereinigungen betheiligten. Der Mädchenhandel und. all dir Greuel, die mit ihm Zusammenhängen, sind ein Schandmal unseres Jahrhunderts, und es ist ein überaus verdienstvolles Wert, ihn zu bekämpfen. Allein man würde sehlgehen, wenn uiau für den Vertrieb weißen Meuschenfleisches ausschließlich oder vorwiegend die Juden verantwortlich machen wollte. Es muß wahrheitsgemäß zugegeben werden, daß die Mehrzahl der Mädchenhändler sich aus russischen und galizischen Juden recrutirt; allein die Mehrzahl der Lupanarbesitzer in der alten und neuen Welt besteht aus waschechten Ariern. Die deutschen B'nei B'rith-Logen haben ein jüdisches Comite zur Bekämpfung des Mädchenhandels eingesetzt, welches einen Zweig der deutschen Section der internationalen Vereinigung gegen den Mädchenhandel bildet, und die unermüdliche Energie, mit welcher dieses unter der Leitung des verdienstvollen Herrn Gustav Tuch in Hamburg arbeitende Comite seine Aufgabe erfüllt, legt beredtes Zeugniß ab für den Ernst und den Eifer, mit welchem das Judenthum selbst das wuchernde Unkraut aus seiner eigenen Mitte ausreißen will. Es ist in Lemberg viel instructives Material über diese Frage zusammengetrageu worden und die Verhandlungen des Congresses werden nicht ohne dauernden Nutzen bleiben. Allerdings will uns scheinen, daß die Berathungen sich allzusehr mit einer weniger actuellen Seite der Frage beschäftigt haben: mit dem Schutze der Opfer. Schon das Programm, welches sich in der ofsiciellen Bezeichnung des Congresses ankündigte, hat diese einseitige Stellungnahme verschuldet. Man lud zu einer Delegirtenversammlung zur Bekämpfung des Mädchenhandels mit jüdischen Mädchen ein, obwohl es den Veranstaltern des Congresses nicht unbekannt sein konnte, daß die jüdischen Mädchen nur einen geringen Percents.ch der.Opfer dieses scheußlichen Handels bilden, und obwohl sie den Handel mit christlichen Mädchen gewiß nicht minder greulich finden und nicht minder austilgen möchten als jenen mit jüdischen Mädchen. Das Odium liegt ja auch nicht bei den Opfern, die durch Noth und Elend getrieben werden, sich in der einen oder anderen Form der Prostitution in die Arme zu werfen, sondern es liegt bei den Händlern, welche leider zum großen Theile jüdischer Confession sind und für deren gewissenlose Ausbeutung der Nothlage jüdischer und christlicher Mädchen unsere Gegner das Judenthum in seiner Gesammtheit verantwortlich machen wollen. Auch von dem beengten Gesichtspunkte, von welchem aus die Lemberger Verhandlungen geführt wurden, gelangte man zu der Erkenntniß, daß die Frage des Mädchenhandels nur einen Theil der großen Frage des Judenelends in Galizien bildet, und man hat mit Recht die Bekämpfung dieser wirthschaftlichrn Noth als das gründlichste und geeignetste Heilmittel zur Behebung des Specialübcls bezeichnet. So entwickelte sich dann zum Schlüsse aus dem Congreß zur Bekämpfung des jüdischen Mädchenhandels doch wieder nur ein Congreß zur Bekämpfung der wirtbschaftlichen Nothlage der galizischen Juden, und die beschlossenen Leitsätze gipfeln genau in denselben Erwägungen und Vorschlägen, welche bereits der „Galizische Hilfsverein" und andere hervorragende jüdische Vereinigungen in Oesterreich zur Linderung des Judenelends erstellt haben. Wir möchten deshalb das ausgezeichnete Referat, welches der Delegirte der „Jca", Herr D. Rotter, auf dem Congresse gehalten hat, als den Kernpunkt und als das praktisch wichtigste Moment der Berathungen in den Vordergrund stellen. Durch Erschließung neuer Erwerbsquellen, durch Errichtung weiterer Bildungsaustalten für die galizischen Juden, durch eine Ausgleichung des klaffenden Niveauunterschiedes zwischen der Bildung jüdischer Knaben und jener jüdischer Mädchen wird sich die Neigung der Letzteren zur Prostitution naturgemäß vermindern. Allein man wird zugeben. daß diese hier angedeuteten Mittel den Wirkungskreis und die verfügbaren Mittel eines kleines Comites weit übersteigen und daß mir der Errichtung von Heimstätten, Haushaltungsschulen und ähnlichen Wohlsahrtseinrichtungen nur ganz vereinzelte Erfolge zu erzielen sind, daß aber die Besserung der ökonomischen Lage der gesammten galizischen Judenschaft die Aufwendung ganz anderer Kräfte, die geeinigte Hilfeleistung der Judenschast des ganzen Erdballes erfordert.