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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-11-06 · 45 (6.11.1903) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
45 (6.11.1903)
Date
1903-11-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 720 Dr. Blocb’s Mocdenscdrltt. Rr. 45 lange auf der bescheidenen Grundlage weiter arbeiten müssen, die durch die im Nachfolgenden mitgetheilten bisherigen Beobachtungen gegeben ist. Die alten Schriftquellen sind, soweit sie Nachforschungen über Synagogen und Synagogengeräthe enthalten, sehr dürftig und zudem noch ungenau. Ueber Material, Form und Ausstattung der Letzteren erfährt man zumeist nur dann etwas, wenn eine Neuerung angefochten, das Urtheil eines Rabbi eingeholt wurde. Aus der Unzahl von rabbinischen Gutachten müssen zuvor alle St-llrn ausgezogen und sachlich erklärt werden, die sich auf Cultusgeräthe beziehen. Ein solches Quellenwerk fehlt zur Zeit. Ebenso ist die geschichtliche Entwicklung der Ceremonien nach Zeit und Ländern, nach Tracht und Geräthen noch nicht geschrieben. Genaue liturgische Vorschriften über die Geräthe, von einer von ollen. Juden anerkannten Stelle ausgegeben, sind nicht vorhanden. Man weiß nicht genau, welches Aussehen, sagen wir im ersten Jahrhundert der Zeitrechnung, die Geräthe haben mußten, leider aber auch nicht, welches Aussehen sie damals thatsächlich hatten; denn es fehlen, zur Zeit wenigstens, fast alle Denkmäler aus früheren Perioden. Die Lücken in der Entwicklung sind bei den Gegenständen noch viel größer, als bei den Synagogenbauten. Nur sehr wenige Objecte sind erhalten geblieben, die vor dem 16. Jahrhundert unserer Zeitrechnung entstanden find; über einige wenige aus früherer Zeit geben die Buchmalereien Aufschluß. Wenn die Zahl derer, die der Erforschung alter jüdischer Geräthe ihre Aufmerksamkeit zuwenden, eine viel größere sein wird, dann wird freilich noch mancher überraschende Fund gemacht werden. Um aber einen großen Kreis von Gelehrten und Künstlern für diese Aufgabe zu gewinnen, ist es, weil ihnen zumeist die Eigenthümlichkeiten des jüdischen Cultus ganz fremd find, zunächst überaus wichtig, wenigstens die Gegenstände aufzuzählen, die dabei zur Verwendung kommen. Es sollen in Folgendem behandelt werden: 1. Cultusgegenstände für die Synagoge, 2. Eultusgegenstände für das Haus, 3. andere in den angegebenen Formen nur bei den Juden im Gebrauch befindliche Gegenstände. Die Megillah, die Haggadah, das Omerbuch werden zwar diesmal in das Verzeichniß ausgenommen werden; die Megillah wegen des gedrechselten Griffes und der oft verzierten Kapsel, die Haggadah, das Omerbuch und andere Bücher wegen ihrer oft schönen Einbände. Allein ihr eigentlicher Platz wird in einem besonderen Heft sein, in dem der ornamentale Charakter der hebräischen Schrift und neben der verzierten Schrift auch die illustrirten Druckwerke behandelt werden sollen." Die im Doppelheft enthaltenen Abbildungen von Cultusgeräthen find mit großer Sorgfalt ausgeführt und bilden einen interessanten Beitrag zur allgemeinen Geschichte des Kunstgewerbes. Die Originale der wiedergegebenen Gegenstände befinden sich in verschiedenen deutschen und italienischen Synagogen, im Besitz von Wohlfahrtsvereinen und in Privatbesitz. Director Frauberger in Düffeldorf, Vorsitzender des Arbeitsausschusses und Herausgeber der Mitth erlangen der Ges llschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, bittet Alle, die sich für die Bestrebungen des Vereines interessicen, ihm möglichst viele Notizen über vorhandene Zeichnungen, Photographien und Originalgegenstände zuzusenden. Es ist noch nicht genug Material vorhanden, um eine Anzahl größerer Sammlungen zu schaffen, aber man darf nach den bereits vorhandenen Anfängen überzeugt sein, daß dar in absehbarer Zeit in Frankfurt a. M. zu gründende Museum jüdischer Kunstdenkmäler einen leidlichen Umfang haben wird. Die Mitgliedschaft der Gesellschaft kann entweder durch einen einmaligen Beitrag von M. 300 oder durch einen jährlichen Beitrag von M. 10 erworben werden. Herr Charles L. Eallgarten in Frankfurt a. M. ist Vorsitzender, Herr Wilhelm . Bonn Schatzmeister der Gesellschaft. Neue Bücher. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums. Begründet von Dr. Z. Frankel, fortgesetzt von Professor Dr. H. Graetz. Neue Folge, im Verein mit Profeffor Dr. David Kaufmann s. A. in's Leben gerufen und herausgegeben von Dr. M. Braun. Siebenundvierzigster Jahrgang. Neue Folge, elfter Jahrgang, Juli und August 1903. Verlag von Wilhelm K o e b n e r, Breslau. Inhalt: Dr. I. 5 ch e ft e l o w i tz : Zur Kritik des griechischen u»d massorctischen Buches Esther. (Schluß) L. Tr eitel: Der Nomos, insonderheit Sabbath und Feste, in philonischer Beleuchtung an der Hand von Philos Schrift ve Leplenario. (Fortfitzung.) Dr. Mvriz L ö w y: Die Paulinifche Lehre vom Gesetz. A. Epstein: Die ahraronidischen Geonim Palästina's und Meschullam b. Mose aus Mainz. Dr. PH. Bloch: Der Streit um den Moreh des Maimonides in der Genieinde Posen um die Mitte des 16. Jahrhunderts. (Schluß.) Dr. Feuchtwang: Märtyrergrab in Nikolsburg. Moriz Steinschneider: Purim und Parodie (Fortsetzung.) Notiz: Die Kethubba des Wolf Heidenheim. Von Dr. Samuel Poznanski. Besprechungen: Dr. S. F u n k. Die Juden in Babylonien. Von Dr. Feuchtwang. — Dr. I. Galliner. Abraham Jbn Esra's Hiobcommentar. Von Dr. Ludwig Levy. — Heinrich Laible. Der Tosefta- Tractat Berachot. Von Dr. Moses Fried. — Dr. Schlesinger Gustav. Die altfranzösischen Wörter des Machsor Bitry. Von Dr. Ludwig Levy. — Theodor I. Lereschit radda mit kritischem Apparate und Commentare. Bon Ludwig Blau. — L6k6t Midraschim. Von Dr. Samuel Poznanski. — Entgegnung. Von Dr. Herbert Meyer. — Nachwort. Bon Dr. Max Eschelbacher. „Ost und West." Jllustrirte Monatsschriftfür modernes Judenthum, Verlag von S. Calvary 6 Comp.. Berlin NW. 7. Heft, Nr. 10, October 1903. Der VI. Zionistencongreß. Inhalt: Dr. Ernst Tuch: Meine Eindrücke vom VI. Zionistencongreß. I. L. I 6 r o m e: An der Klagemauer in Jerusalem. Dr. Theodor Zlocisti: Vom VI. Zionistencongreß. Hermann Struck: Dr. Theodor H?rzl. Kurt Töppen: Das Gebiet des projectirten Judenstaates (mit 7. Illustrationen). Specialkarten von B r i t i s ch-O st a f r i k a. D r. Julius B r u tz k u s : Pro und Contra. Nathanja Sahuwi: Bor Hermann Struck's Herzl- Portrait. Dr. Max Jungmann: Revue der Presse. Dr. M. Steckelmacher, Stadt- und Conferenz-Rabbiner in Mannheim. Das Princip der Ethik vom philosophischen und jüdisch-theologischen Standpunkte aus betrachtet. Joh Wirth'sche Hosbuchdruckerei-Actiengesellschaft Mainz. Emin. Noch einmal „Babel und Bibel". Ein verspätetes, bescheidenes Laienwörtlein zu Delitzsch' gleichnamigen Broschüren. Verlag von Friedrich Luckh ardt, Berlin und Leipzig. Dr. Nahum Schornstein. Der Commentar des Karäers Jephet den' Ali zum Buche Ruth, zum erstenmale nach drei Mff. edirt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen. M. P o p p e l a u er's Buchhandlung,B e r l in, 1903. Maxim Gorky. Greuelthaten in Kischenew. Nr. 1. Russischer Verlag, Berlin-Charlottenb u r g 2, 1903. Dr. I. Rosenberg, Rabbiner in Thorn. Fe st predigten. Verlag von I. Kaufmann, Frankfurt a. M. 1903. M. Friedländer. Der Freiwillige des Ghetto. Cnlturbildec aus Verganger Heu und G ger wart. Verlag von Cäsar Schmidt in Zürich, 1903. Briefkasten. Lassner u. Ascher in Wien. Die von einem Münchener „Atelier für Kunst und Kunstgewerbe" angebotene Ansichtspostkarte, auf welcher angeblich nach einem Altargemälde ein Ritualmord dargestellt wird, wurde ebenso wie das betreffende Circular auf Antrag der Münchener Polizeidirection von der dortigen Staatsanwaltschaft und dem zuständigen Gerichte mit Beschlag belegt und gegen den Verleger das Strafverfahren auf Grund des § 186 St. G. B. für das deutsche Reich (Religionsvergehen) eingeleitet. Ebenso wurde dieses Druckwerk auch in Oesterreich verboten, und zwar am 31. October vom Landesgerichte Prag und am 2. d. vom Landesgerichte Wien. Die Confiscation erfolgte nach § 302 St. G. (Aufreizung zu Feindseligkeiten gegen Nationalitäten oder Religionsgenossenschaften). N. Wir haben bereits gemeldet, daß der Großherzog von Darmstadt, der Schwager des Czaren, sich mit einer namhaften Summe an den hiesigen Sammlungen fürdieKischenewerJuden betheiligt hat, Sammlungen, die von den Houorat'vren beider christlichen Confessionen ins Leben gerufen wurden. Ferner hat der Großherzog dem Rabbiner Dr. Marx zugesagt, den Czaren über bie^rsachen der Vorgänge in Kischenew aufzuklären.

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