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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-11-06 · 45 (6.11.1903) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
45 (6.11.1903)
Date
1903-11-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 45 OP. BlOCh S Jahrgang XX Centralorgan für die gesammten Intereffen des Indenthums. *=?-. =^TT-.:m=» K. ft. Pofisparcsssen-Amk Clearing-Verkehr Nr. 610.976. Drd.irNon und Administration: Wien IX/1, Berggasse Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. *t- - ■ ' % -—-—- Wien. 6. November IL-OLZ. -- Erfch eint jeden Freitag. -->.» 4 -<* «■<»- Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggasse 15:1. Teiestramm-Adresse: Dloch's Wochensüirift, Wien. «l- ' . - - . — BipigaptEja für Srstrrrrich: Hait-jährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» IluslsnS: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 » Anzeigen: Diesmal gespaltene . Petitzeile 24 Heller. M Inhalt: Leitartikel: Die Juden und die sogenüuutcn Arier. — V o m I a h rm a r k t des Lebens: Gassen zur Tagesgeschichte. Plehwe und Witte. — Zum hebräischen Unterricht.-Correspondenzen: Zur Hebung des Tempelbesuches. Tie Einweihung der spaniolischen Schule in Sarajewo. Feierlicher Gottesdienst anläßlich der Installation eines Obergespans. Judentaufen in Berlin. Hamburg, Warschau. Rede einer russischen Jüdin in Amerika. Die (^xeesse in Kischenew. Eine russische Stimme zu Gunsten der Juden. Einweihung des Gnggenheim-Hospitales in Philadelphia. — Vermischtes: Wien, Prag» Kattowitz, Floridsdorf, Pozega. — Feuilleton: Julian Meldohla. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, welche noch mit der Abonnementsgebühr im Rückstände sind, die zur Einhebung derselben von uns versendeten Postaufträge gefälligst honoriren zu wollen. Die Administration. Die Inden und die sogenannte« Arier. Völkerpsychologische Bemerkungen von einem C h r i st e n. Herr Redacteur! Sie haben tviederholt Zuschriften veröffentlicht, die von Christen kamen: anderseits haben Sie viele Artikel geboten, die für Christen sehr lehrreich waren, und darum bin ich, ein Christ, ein eifriger Leser Ihres Blattes. Vielleicht werden Sie die vorliegenden Zeilen auch der Veröffentlichung wertst erachten. Unter den Christen erhebt sich gegenwärtig eine Strömung, deren Vertreter sich gerne Arier nennen. Schon die Wahl des Namens zeigt Unklarheit und Flüäitigkeit, denn in der Wissenschaft nennt man Arier ein asiatisches Volk, das möglicherweise aus Europa stammte, aber eben Europa in der Urzeit verlassen hat; jene Männer meinen aber wohl den Geist der Germanen und ihrer nächsten Vertvandten zu vertreten. Wenn man eine Tagesgröße als. Vertreter jener Strömung nennen will, wählt man vielleicht am besten den Wiener Docenten H. St. Chamberlain. Ein Hauptsatz dieser Männer sagt, wahre Religion wäre nur bei den Ariern und fehle den Juden. Diesem Satze möchte ich entgegentreten und vielmehr behaupten, der religiöse Sinn der Masse der Abendländer sei unreifer, als der religiöse Sinn der Masse der Juden. Unter Juden verstehe ich aber nicht nur die Gemeinde des salomonischen Tempels, also ein längst untergegangenes Volk, sondern auch die Juden des Mittelalters und unserer Tage: und unter den Abendländern verstehe ich im Allgemeinen die christliche Welt seit der Völkerwanderung, in erster Linie das Gebiet römischen Einflusses, und zwar darum, weil der Protestantismus jung ist und, abgesehen von den Reformatoren, die selber aus der römischen Ideenwelt hervorgegangen sind, aus dem Gebiete der Religion erst in den letzten hundert Jahren ein hohes geistiges Niveau erreicht hat, und überdies in großen Kreisen offenbar wieder Rom zustenert. Wir wollen von der folgenden Betrachtung ausgehen. Der junge Mann hängt mit allen Fasern an der Sinnenwelt, in der zu wirken und zu schaffen ihm eine Lust ist, denn das ist seine natürliche Ausgabe. Ihm erscheint nur die Welt real, die er sieht, die Menschenwelt, und das Uebersinnliche erscheint ihm fraglich. Im Alter aber kehrt sich das Verhältniß um. Die Erfahrung macht dem Menschen immer klarer, daß hinter dem Sinnlichen das Uebersinnliche liegt, durch das - erst das Sinnliche besteht, und bald erscheint ihm das Uebersinnliche als das Reale, das Ewige, das Wahre, aus dem erst die Sinuenwelt fließt, und je nach seiner Anlage erblüht in seinem Geiste Philosophie oder Religion. Da aber die Philosophie immer mit den: Verstände arbeitet, der durchaus für die Sinnenwelt eingerichtet ist, so ist es natürlich, daß gerade geistig sehr hoch Stehende den philosophischen Systemen nicht trauen und in den Bildern der Religion die tiefere Wahrheit eingeschlossen glauben: So sagt denn das Alter, indem es die Religion schafft: daß ein Gott sei, ist offenbar! Nun wurde der Jude als Südländer immer früh reif und lebte lang, während der Germane spät reif wurde und früh seinen Tod fand*), und darum dominirte stets bei den Juden der Geist der Alten, dem die Jungen sich anpaßten, während im Abendlande, so weit Germanen lebten, der Geist der Jugend herrschte, dem selbst das schwach vertretene Alter sich fügte. Immer wieder erzählen die Schriften des Abendlandes'rühmend, tvie das Alter es der Jugend gleichgethan hätte, ein Gedanke, der dem Morgenländer gar nicht in den Sinn kommt. Der alte Jude will den besten Alten gleichen, nicht die unreifen Jungen: und wenn ich Worte der Reise hören will, spreche ich mit einem greisen Juden, nicht mit einem von der Jugend träumenden altgewordenen „Arier". Aus diesen Erwägungen ist es klar, daß der. Sinn für *) Die Kirchenbücher des Mittelalters ergeben eine erschreckend kurze mittlere Lebensdauer der Menschen.

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