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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-10-23 · 43 (23.10.1903) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
43 (23.10.1903)
Date
1903-10-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 686 Dr. Llocb s MocdenscbrLtt. Nr. 43' akademie ausgeschieden. Nach dieser Richtung sind somit die von uns erhobenen Recriminationen nicht ohne Erfolg geblieben. Wien. Sonntag den 18. October 1903, halb 3 Uhr Nachmittags, fand in der neuerbauten Synagoge, VIII., Neudeggergasse 12, die Trauung des Fräulein Margarethe Beck, Tochter des verdienstvollen Vorstandsmitgliedes des genannten Tempels Herrn!. u. k. Hoflieferanten Adolf Beck, mit Herrn Ern st Langfelder statt. Ein distinguirtes Publicum hatte sich bei dieser Gelegenheit im Tempel eingefunden. Man bemerkte n. A : Die Herren Cultusvorsteher Salo Cohn, Architekt Max Fleischer und Herulann E l t b o g e n, Lektor Friedmann, Baron Hubl, kais. Rath Central-Jnspector Felsen st ein, Dr. Bloch, Fabrikant Bukovicz, den Gesammtvorstand des Tempelvereines, an der Spitze Herr Michael Straßer, eine Abordnung des Vereines zur Hebung der Gewerbe mit den Herren S. Brod und Alfred Kisch, den Gesammtvorstand des Josefstädter Frauen-Wohlthätigkeitsvereines, an der Spitze Frau Amalie Beck. Den gesanglichen Theil der Feier leitete Herr Obercantor Kwartin unter Affistenz des Herrn Cantor Edelmann und des Chores. Die Traurede hielt Se. Ehrwürden Rabbiner Dr Bauer. In derselben hob er in kurzen Worten die Verdienste des Herrn Adolf Beck und dessen Gattin Frau Johanna Beck, welche seit vielen Jahren beim Josefstädter Frauenvereine ersprießlich wirkt, weiters die Achtbarkeit der Familie des Bräutigams hervor. Die Gratulation fand nach der Trauung im .Hotel Metropol" statt, woselbst das Brautpaar und deren Angehörige Gegenstand herzlichster Ovationen waren. Wien. (E i n g e s e n d e t.) Der renommirte Cafetier Heinrich N e u f e l d, Besitzer des Kaffeehauses „Schwenderhof", XIV., Mariahilferstraße 189, hat anschließend an sein großes Kaffeehaus eine rituelle Restauration eröffnet» und die Rührigkeit dieses Mannes verspricht, das Beste aufzubieten, um seinen Gästen einen angenehmen Aufenthalt in den lichten, freundlichen Localitäten zu verschaffen. Da Speisen und Getränke vorzüglich sind, so darf derselbe auf allgemeinen Zuspruch seitens unserer Glaubensgenossen der westlichen Bezirke rechnen. Baden. (Ehrung des Obercantors.) Angesehene Mitglieder der hiesigen Cultusgemeinde bereiteten am ersten Tage des Sukkothfestes dem beliebten Obercantor Herrn Mayer Seifert für seine ausgezeichneten Leistungen wahrend des ganzen Jahres und haupffächlich an den hohen Feiertagen eine wohlverdiente Ehrung. Eine Deputation, bestehend aus Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Wilhelm Reich, dem Präses der Cultusgemeinde Herrn Moriz L e i t n er, den Vorstandsmitgliedern Herren Dr. Emil Raab, Simon Mandl, Moriz Daniel und Heinrich Lemberger, sowie mehreren Mitgliedern des verstärkten Cultusausschuffes, der sich noch viele andere Gemeindeangehörige anschlossen, begab sich unter Führung des Herru Ignatz Fleischmann in die Wohnung des Herrn Obercantors. Herr Fleischmann gab in einer Ansprache der Anerkennung für die ausgezeichneten künstlerischen Leistungen des Geehrten in warm empfundenen Worten Ausdruck und überreichte ihm als äußeres Zeichen dieser Anerkennung einen silbernen Pocal. Herr Präses Leitner und Herr Mandl gaben die Freude kund, daß sich Männer in der Gemeinde gefunden haben, die ihrem alles Lob verdienenden Beamten eine Freude bereiteten und daß so das wahre Verdienst zur Geltung kam. Falkenau a. d. Eger. Dienstag den 13. October l. I. fand hier im Gasthause „zum Hufeisen" ein Zimebastdora-Kränzchen statt, welches sich eines überaus zahlreichen Besuches erfreute und einen äußerst animirten Verlauf nahm. Auch von Auswärts, so von Eger, Franzensbad, Dürmaul, Karlsbad 2c. war die tanzlustige Jugend herbeigeeilt, um Terpsychorens Kunst bis zum Morgengrauen zu huldigen. Besonderer Dank gebührt dem rührigen Comite, dem die Herren Ernst Steiniger, Hugo Löwy. Ludwig Maier und Adolf Löwy angehörten. Die Musik besorgte wie immer die Privatcapelle Lössl unter der bewährten Leitung des Capellmeisters Herrn Lössl. Innsbruck. (Schutz gegen Aufreizung zum Bo ycott.) Die Innsbrucker jüdischen Geschäftsleute haben durch das Rechtsschutzbureau der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union am 10. Sevtember eine Eingabe an den Ministerpräsidenten Dr. v. Körber als Leiter des Justizministeriums überreicht. In derselben wird die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß in der „Tiroler Post" nicht allein den Juden das stäatsgrundgesetzlich gewährleistete Recht der Freizügigkeit der Person und des Vermögens bestritten, sondern auch direct gegen die jüdischen Geschäftsleute der Boycott gepredigt wird mit den Worten: ^Christen, kauft bei Christen! Deutsche, werdet nicht zu Verräthern an Eueren Stammesgenossen! Die jüdischen Kaufläden mögen von allen christlichen Käufern, besonders den Frauen, gemieden werden." Dieser Artikel konnte ungehindert erscheinen, obwohl mittelst Plenarentscheidung des Obersten Gerichtshofes vom 27. October 1896 der Boycott als eine strafbare Handlung im Sinne des § 302 Str.-G. erklärt wurde und obwohl seither dieselbe höchste Gerichtsstelle die angestrebte Scheidung der Confeffionen auf Gebieten, die mit ihren religiösen Jntereffen gar nichts zu thun haben, als Anlaß zu feindseligen Parteiungen zwischen den Einwohnern des Staates, als .Feindseligkeit" im Sinne des § 302 Str.-G. bezeichnet hat. Es wird Malier Beschwerde gegen die Duldung solcher Angriffe auf die physische und moralische Existenz seitens der k. k. Staatsanwaltschaften in Tirol erhoben und von der Gesetzestreue und Gerechtigkeitsliebe des Ministers erwartet, daß er die zuständigen Staatsbehörden anweisen werde, gegenüber künftigen derartigen Rechtsverletzungen pflichtgemäß ihres Amtes zu walten. Eibenschitz. (Einweihung einer Ceremonienhalle.) Den altehrwürdigen Friedhof zu Eibenschitz ziert seit kürzer Zeit ein im schönsten Styl errichteter Prachtbau. Es ist die Ceremonienhalle. die die Cultusgemeinde mit großen Opfern erbaute. Es war geradezu eine zwingende Nothwendigkeit, diese Halle erbauen zu lassen, da hier thatsächlich kein Raum und Platz vorhanden war, wo die Ceremonien bei Leichenbestattungen vor sich gehen sollten. Und so wurde denn nach einjährigem Baue vor Kurzem die Halle eingeweiht. Gediegene, von echt jüdischem Geiste beseelte Ansprüchen und Reden hielten bei dieser Gelegenheit der Cultusvorsteher Herr Isidor M. Sinaiberger und namens der politischen Gemeinde Herr Bürgermeister Samuel Jellinek. Den rituellen Theil der Einweihung besorgten Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. H. Handel, der eine dieser Feierlichkeit angemessene, warmempfundene Predigt hielt, und Obercantor W. Löwensohn unter Assistenz des Chores bei persönlicher Leitung des Cantors Wilkowisch. Bei dieser Gelegenheit wollen wir durch dieses verbreitete, vielgelesene Blatt allen jenen edlen Spendern, die, trotzdem in der Fremde wohnend, aus alter Anhänglichkeit an ihre Vaterstadt in wahrhaft generöser Weise beisteuerten, um den Bau der Halle zu ermöglichen, den besten Dank ausdrücken und endlich das Verdienst jener Männer erwähnen, die in selbstloser, aufopfernder Weise, keine Müh' scheuend, Alles daran setzten, daß der lang gehegte Plan der Erbauung einer Leichen- und Ceremonienhalle zur realen Wirklichkeit wurde. In erster Reihe nennen wir nebst dem verdienstvollen Vorsteher Herrn Isidor M. Sinaiberger, den I. Cultilsrath Herrn Jsaias Steiner, der seit Decennien seine gereifte Erfahrung, sein Wollen und Wirken der Cultusgemeinde widmet, unermüdlich arbeitet, um die Institutionen der Gemeinde stets aufrecht zu erhalten, er war der eigentliche Initiator. Ihn unterstützte hiebei mit dem unermüdlichen Eifer einer jungen Kraft das Mitglied des Cultusausschuffes und Schriftführer der Chewra-Kadischa Herr Gustav Neubaue r-S a m e k. In seiner zwiefachen Eigenschaft als Delegirter der Cultusgemeinde im Baucomite, wie als Vertreter der Chewra-Kadischa, arbeitete er mit doppeltem Eifer an dem Gelingen .dieses Werkes. Nun dies Werk vollbracht, sei ihnen hiemit der Tribut der Anerkennung gezollt. Klattau, 16. October. Das Leichenbegänguiß des verstorbenen Rabbiners Dr. M. L. Wolf fand am Schlußfeste um 2 Uhr Nachmittags statt und gestaltete sich dasselbe zu einer Trauerkundgebung der würdigsten Art. Der Tempelvorhof war ganz schwarz drapirt und die Leiche auf einem Katafalk aufgebahrt. Herr Obercantor Leo Kornitzer intonirte einen Trauerchor, der die Anwesenden ergriff. Die Leiche wurde sodann gehoben und in den bereitstehenden Galawagen gestellt. Die Schuljugend unter Leitung des Oberlehrers M. Berka und des Lehrers A Baum eröffnete den Zug. Dem Sarge folgten die trauernde Witwe und die vier leider unversorgten Kinder; die Mitglieder der Chewra-Kadischa mit dem Obmann S. I. Krauskopf und dessen Stellvertreter S. Hahn bildeten beim Wagen Spalier und dann sormirte sich ein unendlich langer Zug der Trauergäste, wollte doch jedes Gemeindemitglied, dem geliebten Rabbiner die letzte Ehre erweisen. Unter diesen seien hervorgehoben: Der Cultusvorsteher Herr Jur.-Dr. Js. Fleischer mit dem ganzen Vorstand, die Chewra-Kadischa, Herr R. Fleischer, Obmann des Chorgesangs- und Geselligkeitsvereines, dessen Stellvertreter Herr Med.-Dr. N. Reiser nebst sämmtlichen Mitgliedern, Frau M. Feigl, Präsidentin des hiesigen Frauenvereines, Frau I. Brummel, Frau A. Treichlmgcr und die Ehrendamen, die Cultnsgemeinden Kolinetz, Janowitz Drosau, Neuern betheiligten sich durch Abordnungen, Herr Pacak, k. k. Vezirkshauptmann mit mehreren Herren dieses Amtes, Herr Dr. Hostasch, Bürgermeister- Stellvertreter und mehrere Mitglieder des Stadtrathes, Herr Director Lorenz des hiesigen k. k. Realgymnasiums mit mehreren Professoren, Herr Director Pavlik der Knaben-Bürgerschule und mehrere Lehrer, auch die sonstigen Aemter hatten ihre Vertreter gesandt. Doch von der hiesigen Garnison hatte sich keiner der Officiere eingefunden, trotzdem der Verblichene bei der Kaiser-Feier auch für sie feurige Worte gesprochen. Am Gottesacker hielt Herr Rabbinats-Candidat Herr G. Sicher — ein ehemaliger Schüler — eine, heißempfundene Trauerrede, die von allen Anwesenden — worunter zahlreiche Nichtisraeliten waren — mit spannendster Aufmerksamkeit angehört, wurde. Er schloß mit den Worten: Azeret ist wohl, aber für Dein Andenken, Du Beweinter, ist kein Azeret, Du wirst lange im Herzen Deiner Gemeinde fortleben. Am offenen Grabe nahm Herr Dr. I. Fleischer mit folgenden Worten Abschied: „Im Namen der Vertretung unserer heiligen Gemeinde nehme ich. Du Theuerer, Abschied von Dir. Du warst nicht blos ein treuer und aufrichtiger Bote Gottes,. Du warst uns ein gütiger und unverdrossener Freund und aus. tiefster Seele bedauern wir Deinen Abgang. Ich danke Dir für alle uns geleisteten Dienste, welche wir Dir nicht anders vergelten können, als durch das heilige Versprechen, daß die israelitische Cultusgemeinde Deine Witwe und Deine Kinder nicht verlassen wird. Ziehe ein in Frieden in Deine Ruhestätte und die Erde sei Dir leicht." Hiemit war die Leichenfeier abgeschlossen. — a -

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