Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 40 (2.10.1903)
- Date
- 1903-10-02
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 4Ö Dr. Blocks MocbenscbrM, Seite 647 ihre großen Fehler. Sie sind stolz auf ihr Gesetz, selbstzufrieden, eingebildet auf ihre Werkheiligkeit. zittern vor Strafen, leben in der Furcht vor Gott, geizen nach Lohn, stellen sich mit Gott auf den Fuß des Feilschens, üben ihre reiche, fast übertriebene Wohlthätigkeit in hochmüthiger Weise aus, die Tugenden sind nicht allgemein, bei einigen sogar pure Heuchelei, und ihr müsset einsehen, daß man auch beim Leben unter dem Gesetze nicht so ganz zum Rechten kommt. Darum möget ihr ja leichten Herzens euer Gesetz preisgeben. Wäre nun Paulus ebenso prophetisch wie ideal gewesen, so hätte er, der späteren Entwicklung vorgreifend, sagen können, lebet in der Gnade, damit ihr erfahret, daß es auch bei Jesus Gnade, Dogma und Glaube gerade so wie beim Gesetze und im Heidenthume gute, mittlere urd niederträchtige Menschen gibt. So stehen wir thatsächlich nach mehr als 1700 Jahren noch immer vor der großen Weltfrage, welchen Werth haben Frömmigkeit, Religion und Glauben, da die Menschen doch mit denselben oder ohne diese in gleicher Weise verschiedenartig bleiben. Darum glauben die Juden noch immer nicht, daß der allerletzte Messias schon gekommen sei, sondern daß er noch kommen muß. Sie glauben aber auch, daß E^kenntniß, Pflege und Erforschung der Natur-, Geistes-, Moral- und Gottesgesetze die Ankunft des Messias sicher mindestens nicht aushalten und vielleicht doch eher näher bringen werden. Rabbiner Dr. M. L. Stern, Triesch. KriefKasten. Innsbruck. Jene Dame, welche in unserer Nedaction über Religionslehrer W. Informationen sich geholt, wird um Mittheilung ihrer Adresse ersucht. K. Aus Wien klangen dem Czaren folgende Grüße entgegen: Das „Deutsche Volksblatt" jubelt ihm zu „als dem Haupt einer antisemitischen Regierung" und „bedauert, daß der Czar nur einen halben Tag in den Mauern unserer Stadt weilen kann". Die „Arbeiter-Zeitung" schreibt: „Der bleiche Mann aber, den sie als Friedens-Czaren grüßen, die Völker der Welt kennen ihn als den Würge-Czaren, den blutigen Henker der Nationen, den Repräsentanten aller wahnwitzigen Despotie, aller grausamen, völkerverderbenden List und Brutalität. Das Volk, das verdammt ist, sein Joch zu tragen, windet sich in Qualen, um es zu erleichtern. Alles, was denkt, was gut, tapfer und gesund ist im russischen Volke, haßt das Czarenthum als den Mörder seines Lebens. Von Tolstoi, dem großen, guten Greise, bis herab zur armen Arbeiterin, die in ihrer Fabrik eingepfercht ist, alle kennen nur ein Ideal, ein Sehnen, ein Ziel, dem ihr Leben gehört: Empörung gegen diesen Czaren." Der Arbeiterführer S k a r e t sagte in einer „Begrüßungsrede": „Bebt nicht unser ganzes Inneres, wenn wir erkennen: ein solcher Maffenschläckter beschmutzt den Boden, den er betritt, verdirbt die Luft, die wir athmen müssen. Sein Besuch ist ein anderer als der Eduards und Willis. Wie er sich seiner Verbrechen am eigenen Volke bewußt ist, zeigt am besten sein persönliches Leben. Knieschlotternd, zitternd am ganzen Leibe lebt er daheim, reist er. Die Straßen, die er berühren soll, werden acht Tage früher untersucht; jedes Mauseloch im Bahndamm wird durchforscht. Von seinem Einzug werden nicht einmal die im Stiefellecken allergeübtesten Zeitungen schreiben können, daß Jubel damit verbunden war; Militärcordons werden die Gaffer fernhalten. Wie ein Dieb, ein mit dem Brandmal des Verbrechens Behafteter wird der Czar durch die Wiener Straßen geschleppt werden." „Christlich-Social." Jlger ist das Musterbild eines Antisemiten als Gatte und Bürger; das militärische Ehrengericht hat es ihm schriftlich bestätigt, als es ihm auftrug, den Officiersrock abzulegen. I. CH. Kränner, Czernowitz. Der 30. December 1890 fiel auf den 19. Tebeth 5651, er fällt auf Donnerstag den 7. Jänner 1904. G. K. H. Die ungarischen Abgeordneten Bela Barabas und Zoltan Lenghel sind keine Juden. „Wette." Der Friedhof IX., Seegasse, ist der älteste jüdische, der in Wien bekannt ist. Danksagung. Für die freund!. Glückwünsche und sonstigen Beweise sreundl. Erinnernd anläßlich des jüdischen Neujahrsfestes danken unter herzl. Erwiderung derselben. Dx. Gustav Kahn und Frau. Notiz. Palästina Orangen, Marke „Pardeß", sind in ganz vorzüglicher Qualität soeben eingetroffen und preiswerth zu haben in der Kommanditgesellschaft Karmel. (Siehe Inserat.) Israelitische Cnltusgemeinde Wien. 2. 9855 ex 1903. Kundmachung. Es wird hiermit zur Kenntniß gebracht, daß ausschließlich die nach benannten Verkaufsstellen für Koscherfleisch unter der besonderen Aufsicht des Rabbinates der Cnltusgemeinde stehen: Im I. Bezirk, Ignaz Weinstein, Seitenstettengasse Nr. 3; „ H. „ I. Axelrad, Krummbaumgaffe Nr. 2; „ „ „ I. Reiß» Leopoldsgasse Nr. 31; „ V. „ Johann Fleischhacker, Schönbrunnerstraße Nr. 15 „ XIV. „ Ernst Fuchs, Sechshauserstraße Nr. 35; „ XVI. „ Franz Swadosch. Hofferplatz Nr. 10; „ XVII. „ Heinrich Kohn» Ottakringerstraße Nr. 86; „XVIII. „ Thomas Schwaiffer, Schulgasse 25; „ XX. „ Elo Kalter» Jägerstraße Nr. 22. Nur für die hier genannten Verkaufsstellen übernimmt da? Rabbinat die Verantwortlichkeit in Betreff des Kaschrus. Wien, im Juli 1903. Der Vorstand _der israelitischen Cultusgemeinde. Concurs. Auf Grund des Beschlusses der hiesigen Cultusgemeinde vom 13. d. M. wird behufs Besetzung der Stelle eines Secretäis bei der israelitischen Cnltusgemeinde in Tarnow folgender Conenrs ausgeschrieben. Mit der Bekleidung dieses Amtes ist ein Gehalt von 2000 Kronen jährlich verbunden. Die Candidaten sind gehalten, folgende Qualifieationen zu beweisen, 1. dass sie das 40. Lebensjahr nicht überschritten haben; 2. dass sie österreichische Unterthanen sind; 3. vollständige Beherrschung der polnischen und deutschen Sprache; 4. Kenntuiss der Buchhalters! und Verwaltungsvorschriften; 5. Kenntniss der hebräischen Sprache. Die Stelle wird auf ein Jahr provisorisch besetzt, nach Ablauf des Jahres kann die Stabilisirung erfolgen. Die Gesuche sind zu Händen des Cultusvorstandes spätestens bis zum 1. December 1903 einzureichen. Die Uebernahme des Amtes erfolgt am 1. Jänner 1904. Tarnow im September 1903. Israel. Cnltusvorstaud. J. Maschier. ♦ ♦ ♦ ♦ Steinkohle, Holzkohle und COAKS EN BROS. EN DETAIL. TELEPHON Nr. 17.146. FERD. LIBAN, Wien IX. BEZIRK, CLUSIUSGASSE Nr. 11. la Preuss. 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