Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 40 (2.10.1903)
- Date
- 1903-10-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ihr. 40 Dr. Bloch’s Jatzrga«- IX Centralorgan für die gesammten Intereffen des Iudenthums. «- M- K. ft. Pofisxarrsffen-Aml Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Ardartion und Administration: Wien IX/1, Berggaffe Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. m= Wie«. 3. Ortot.ee 10UU. Lrfch eint jeden Freitag. -■>—. -n—- Brief-Adreffe: Wien» IX/1» Berggaffe 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. SrrngsPrri» fltr Oesterreich: Halbjährig 8 Aronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Axonen. Ganzjährig 20 » Anzeigen: Die4malgespaltene Petitzeile 24 Heller. M- Jnhalt: Leitartikel: Dem Czare». — Die Priester des Renegatenthums. — Kaiser Nicolaus II. i: Wien. — Korrespondenzen: Zum Delegirtentag in Lemberg. Wie Ritualmordmärchen entstehen. Budapest, Mähr.-Ostrau, Berlin. Ein Jude Gouverneur von Hongkong. New-York. Jüdische Feiertage betreffend. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Wien, Brüx, Budapest, Klattau, Frankfurt, Tachau, Malmö. Die Judenexcesse in Homel. London, Washington. — F e u i l ie1 o it: Kol nidre. Julian Meldohla. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der laufenden Abonnementsgebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man sich der beigelegten Posterlagscheine bedienen. Die Administration der „Oesterr. Wochenschrift." Dem Czare«. Die unermeß'nen Reiche dienen Dir, Dein Thron beschattet unerhörte Fernen. Und ragt gen Himmel. Deine Krone funkelt, Als ob des Firmamentes ewige Sterne Darin verflochten wären. Weite Steppen Und ragende Gebirge eignen Dir. Es ist mit Allem, das wir köstlich heißen, Dein Reich gesegnet. Edelstes Gestein Gibt Dir der Erde Schoß. Kostbares Rauchwerk Zinst Dir die Wüstenei und ganz unendlich, Der Meerfluth gleich, bringt Dir der „schwarze Boden" Das gold'ne Korn. Und alle Zonen kennen Dich, Deine Herrlichkeit. Der Sturm erlahmt, Will er Dein Reich durchfliegen aus dem Süden, Wo Palmen nicken, bis zum starren Nord, Da stätes Eis den Lauf der Ströme bändigt, Und Schollen hoch wie Berge sich erheben, Als frost'ge Marken alles Seins. Es wird Für Dich gebetet wohl in tausend Zungen, In stolzen Kirchen, deren hohe Kuppeln Vom Golde gleißen, deren helle Glocken Zur Andacht rufen; und der Muezzin Eintönig und psallirend ruft des Koran Bekenner zum Gebet vom Minaret In die Moschee. Der Parst Flammensäule Entbrennt für Dich. Schamanen rufen heiser Die Götzen ihrer öden Wüsteneien In Deinem Namen auf; und auch der Jude, Das Stiefkind Deines Reiches und Deiner Liebe, Gekettet an die Schwellen Deiner Lande, Dem Hunde gleich, dem man das Haus verweigert, Betet für Dich in ururalten Weisen Der Rabbi wie der fromme Priester Buddahs, Wie der Brahmane und der Sohn des Fo. Er thut's. Allein ein Schluchzen hemmt die Stimme, Gedenkt er seiner Brüder, die man schlachtet, Gedenkt er der Verwandten, die man hetzt, Die man in dumpfe Ställe pfercht, an Allem Bekargt, darnach die müde Seele hungert. Die keine Scholle dieser weiten Reiche Zu Eigen haben sollen, deren Hunger Nach Licht und Luft und Bildung unbefriedigt, Die man verthiert, um Thiere fie zu schelten, Zu jagen auch in frevelhafter Laune. Sprich, weißt Du drum, erhabener Czar der Reussen, Sprich! Billigst Du's? Es ist unmöglich, Unglaubhaft ist's, daß Deines Auges Spannkraft, Und stärkte fie ein Gott, Dein ganzes Reich Durchmesfen könnte. Ganz undenkbar ist's, Daß solches Leid die Seele Dir nicht rührte, Erkenntest Du's. Es haben schlimme Freunde Den Zugang abgesperrt zu Deiner Brust, Dem Volke des Ewig-Einzigen. Oh scheuche Arglistige von Dir! Vernimm' dies Klagen. Du bist kein Götzenbild, das sich nicht regt, Umdampst's der Opfer Blut, Du bist ein Mensch, Und menschlich edeln Wollens voll. Bekund' es! Sei gnädig Herr! Führ sie ins Freie, Herr, Die nach der Freiheit dürsten und der Bildung. Thu' eine That, wie jener Deiner Ahnen, Den man den Czarbefreier nennt, und sei Ein Czarerlöser. Nimm' von ihrem Arme Die Ketten ab, die also lang fie drückten, Und staune ob des ungewohnten Anblickes, Wenn dieses Volk der Juden seine Hände In stummen Dank — der Jubel hemmt das Wort — G'en Himmel hebt für Dich, für Deine Kinder Und Deiner Reiche Herrlichkeit; wenn Deine Krone Sich in den Thränen heißen Dankes spiegelt. Entströmend' Augen, sonst nur Schmerz gewöhnt . . . Die unermeß'nen Reiche dienen Dir. Dein Thron beschattet unerhörte Fernen — Gönn' einen Raum in seinem Schatten Herr! Dem Volk des Ewig-Einzigen . . .