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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-25 · 39 (25.9.1903) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
39 (25.9.1903)
Date
1903-09-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang XX Nr. *9 Dr. Bloch’s Centralorgan für die grfammten Intrrrflen des Iudenthums. --—^-- - ■ — i Wien, 25* Keptemder 1903. -•n- *»K' - Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adreffe: Wien, IX/1, Derggasfe 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift» Wien. 7- - — V^ugsxrei» für Oesterreich Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 56 Heller, Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 » Anzeigen: Die4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. : =» S - ■= -= =* K. ft. Postsparen ssrn-Nmk Clearing-Verkehr Nr. 610 976. Vedartion und Administration- Wien LX/1. Berggasse Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. Inhalt: Leitartikel: Delegirtentag zur Bekämpfung des Handels mit jüdischen Mädchen. — Minister v. Plehwe und die Inden — Vom Jahrmarkt des Lebens: Nach 2o Jahren. Georg von Bansen nnd Jakob Bernays. Die Patriarchengräber. Die Excesse von Zablotow. — Correspondenzen: Ans der Plenarsitzung des Cultusvorstandes vom 16. September 1903. Bertdold Auerbach-Verein. Ein schwieriges Problem. Dresden, Berlin. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Djakovar, Friedek-Mistek, Karlstadt, Kopenhagen, London. — Feuilleton „Gedenke unser zum Leben." Julian Meldohla. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Delegirtentag zur Hekiimpfimg des Handels mit jüdischen Mädchen. Bisher hat noch nie eine Versammlung von jüdischen Delegirten sich mit einer derartigen Frage zu beschäftigen gehabt. Im Gegentheil sind wir Juden bisher immer stolz gewesen auf die Reinheit unseres Familienlebens. Leider aber haben die letzten Jahre eine Reihe von Fällen an die Oeffentlichkeit gebracht, in denen mit jüdischen Mädchen der gewissenloseste Handel betrieben wurde und die armen Verführten, oft durch eine Scheinehe Verlockten der Prostitution in fernen Ländern ausgeliefert wurden. Die Zahl dieser Vorkommnisse ist bisher keine sehr große gewesen; aber umso wichtiger ist es, dem entstehenden Uebel gleich bei seinem Beginn entgegenzutreten. Unter diesen Umständen hat der Gedanke, eine Versammlung derjenigen Körperschaften zu veranstalten, welche bei der Bekämpfung dieses Uebels interessirt sind, schon seit längerer Zeit bestanden und allmählich an Popularität gewonnen. Der „Hilfsverein der deutschen Juden" hat nach mühsamen Vorverhandlungen endlich den Erfolg gehabt, diesen Delegirtentag zu Stande zu bringen, und er darf auf das Gelingen seines Werkes mit Recht stolz sein. Gemeinsam mit der Lemberger Cultusgemeinde, dem jüdischen Zweigcomite des deutschen Nationalcomitss zur Bekämpfung des Mädchenhandels und dem Deutschen Rabbinerverband hat der Hilfsverein der deutschen Juden die Einladungen erlassen, und sämmtliche Corporationen sowie viele Privatpersonen sind denselben gefolgt. Das Bedeutendste aber an der Conferenz war die lebhafte Theilnahme der orthodoxen Rabbinerelemente in Galizien, und in hohem Maße erfreulich war die Uebereinstimmung, daß man das furchtbare Uebel mit allen Mitteln zu bekämpfen habe. Zwar haben viele der Anwesenden bestritten, daß ein häufig sich wiederholender Handel mit jüdischen Mädchen stattfinde, vielmehr kämen nur einzelne Fälle vor, die eben deswegen die Oeffentlichkeit umso mehr erregten. Bon anderer Seite wurde allerdings behauptet, daß die Zahl der jüdischen Mädchen, die insbesondere durch eine Scheinehe ins Ausländ verkauft würden und dort dem Gewerbe der Prostitution anheimfielen, keine unerhebliche sei. Aber darüber herrschte vollständige Einstimmigkeit bei Allen, daß, ob das Uebel nun groß oder klein sei, man nicht früh genug daran gehen könne, es auszurotten. Auch darüber bestand nur eine Auffaffung, daß die Wurzel des Uebels in der fürchterlichen materiellen Nothlage der galizischen Juden zu suchen sei und daß eine Besserung nur dann eintreten könne, wenn diese Nothlage wesentlich gemildert werde. Es ist eine Reihe von Maßregeln in Vorschlag gebracht und zum Theil beschlossen worden, um die Besserung der ökonomischen Lage wirksam ms Werk zu fitzen. Es sind aber auch sofort Beschlüffe gefaßt worden, welche unter den gegenwärtigen Verhältnissen sich als nutzbringend gegen den Mädchenhandel erweisen werden. Bon allen Seiten ist ferner betont worden, daß es nicht allein darauf ankommt, die Verführung der jüdischen Mädchen nach Kräften zu verhindern, sondern daß auch ein Händler, der christliche Mädchen verkuppelt, verbrecherisch handelt und der Polizei zur gerechten Bestrafung überliefert werden muß. Nach dieser Richtung ist sehr bedeutsam insbesondere der auf Wunsch der Rabbiner gefaßte Beschluß, wonach dieselben sämmttich aufgefordert werden sollen, ihren Gemeindeangehörigen klar zu machen, daß das Denunciren der Mädchenhändler bei der Polizei eine, wenn auch unangenehme, so doch für die Allgemeinheit nothwendige Pflicht ist, der zu genügen jedes Gemeindemitglied gehalten ist. Wir kommen nunmehr zum Berichte selbst. In dem schönen Sitzungssaale der Israelitischen Cultusgemeinde zu Lemberg eröffnet der Präsident derselben, der Reichstagsabgeordnete Dr. Byk heute um 11 Uhr den Delegirtentag. Unter den auswärtigen Delegirten bemerkten wir Reverend Singer aus London (Jewish Protection Society for Women and Gerls), Doetor Pappenheim—Wien (Hilfsverein für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien). Dr. Sonnenschein— Troppau (österreichische Bnai Lritli-Logen), Dr. Rosenack— Bremen (Deutscher Rabbmerverband). Dr. P. Nathan und W. Bambus—Berlin (Hilfsverein der deutschen Juden), Dir. Hirschler und Frl. Pappenheim—Frankfurt (Counts für oie osteuropäischen Juden in Frankfurt), Gustav Tuch und Alfred Cohn—Hamburg, sowie Goldschmidt—Lübeck (Jüdisches Zweigcomite des deutschen Nationalcomiles zur Bekämpfung des Mädchenhandels), Paul Laskar—Hamburg (Israelitischer llnterstützungsverein für Obdachlose), D. Rotter—Wien (Jewish Colonisation Association und Alliance israelite universelle), Doctor A. Kaminka—Wien (Israelitische Allianz) re. Unter den Galiziern fallen vor Allem die markanten Gestalten der strenggläubigen Rabbiner auf, die zahlreich vertreten sind, darunter Rabbiner Schmelkes—Lemberg, Horowtz—Krakau, Schmelkes—Kolomea, Schur — Tarnow, Lewin—Rohatyn rc. Auch ihr Gegenpart ist vertreten, die beiden Prediger Dr. Caro —Lemberg und Dr. Thon—Krakau. Drei jüdische Abgeordnete sind anwesend: Dr. Byk, Rapoport von Porada und Dr. Kolischer, die Vorsitzenden der Gemeinde in Lemberg und Krakau und viele andere angesehene Persönlichkeiten aus Galizien.

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