Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-08-14 · 33 (14.8.1903) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
33 (14.8.1903)
Date
1903-08-14
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021493-3021527--12912-3037533
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 33 Dr. Dlocb's Mlocbenscbritt. Seite 535 »Nun wohl, wenn es Ihnen beliebt, unsere Bekanntschaft auf einer Basis vollständiger Offenheit aufzubauen, mir ist es erfreulich; aber wäre es nicht etwas gewagt von mir gewesen, zu — nun denn — zu sagen, daß wir einander beobachtet haben? Eine Person von Ihrer sorgfältigen Erziehung und launenhaften Veranlagung hätte mich voll Erstaunen ansehen und die Idee mit Verachtung zurückweisen können." »Launenhaft!" Edith fing an sich belustigt zu fühlen. »Ich wußte nicht, daß Sie mit meiner Tante gesprochen hatten." »Ich wußte nicht, daß Sie eine Tante haben, aber ich bin nicht so dumm, als daß man mir die augenscheinlichsten Dinge sagen müßte." (Fortsetzung folgt.) Kiteratnr. UeberdenLiterarhistoriker Adolf Bartels und die Deutsche Shakespear e-G esellschaft wird der »Frankfurter Zeitung" (30. Juli) geschrieben: »Zu der katholischen Wissenschaft, die bekanntlich zu unseren Zeiten in Deutschland blüht, scheinen wir nun auch noch eine jüdische zu bekommen. Zwar, wir haben sie vielleicht schon lange, nur dünkte es ihren Vertretern bisher wohl nicht ersprießlich, den Schein der Zugehörigkeit zu der großen einen und untheilbaren Wiffenschaft, die trotz der katholischen Abzweigung immer ncch existirt, aufzugeben — sollte dies jetzt anders werden und eine reinliche Scheidung eintreten, so haben wir Deutsche jedenfalls keine Ursache, darüber böse zu sein, und die Wiffenschaft an sich kann nur dadurch gewinnen." Diese Sätze stehen nicht etwa in einem geschäftsantisemitischen Leitartikel, sondern sie leiten im letzten Bande des Jahrbuches der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft (Herausgeber Alois Brandl und Wolfgang Keller) eine Besprechung des Buches »An der Grenze zweier Zeiten. Freie Reden über Shakespeare" von Adolf Gelber ein. Der Verfasser dieser Kritik ist der sattsam bekannte Herr Adolf Bartels. Bisher pflegten wiffenschaftliche Publikationen in Deutschland confessionellen Fragen nach Möglichkeit aus dem Wege zu gehen. Das Shakespeare-Jahrbuch, an dessen Wissenschaftlichkeit kein Kundiger zweifeln kann, scheint mit diesem löblichen Brauch brechen zu wollen. Wenigstens hat es ihn in diesem Falle ganz eclatant gebrochen. Denn die Kritik des Herrn Bartels brüstet sich zwar wiederholt mit ihrer »Wissenschaftlichkeit" — wieviel unlautere Nebenabsichten bergen sich oft in diesem faltenreichen Mantel! — ist aber in Wirklichkeit nur ein neuer Beweis dafür, daß die zufällige Zugehörigkeit eines Schriftstellers zur jüdischen Religion auf den Mann wirkt wie der Anblick eines rothen Tuches auf den Stier. Die vergiftende Methode des Herrn Bartels ist in der »Frankfurter Zeitung" schon wiederholt gekennzeichnet worden. Es läge also wirklich kein besonderer Anlaß vor, sie auf's Neue zu beleuchten, hätte er diesmal nicht seinen Geifer in die Spalten des Shakespeare- Jahrbuches gespritzt. Wie kommt überhaupt Herr Bartels auf das englische Sondergebiet? Er unter den Anglisten, in Reih und Glied mit den Üniversitätsprofessoren. die zum Theil aus dem Studium Shakespeare's eine Specialität machen! Hai man je von den Verdiensten des »Shakespeare-Forschers" Bartels gehört? Wenn ihn trotzdem die Herausgeber des Jahrbuches zu einem Wäffengang einluden, so wäre es nur ein Act der Gerechtigkeit gewesen, ihm keinen jüdischen Gegner zu geben — wenn anders das wiffenschaftliche Jahrbuch vor tendenziöser Besudelung hätte bewahrt bleiben sollen. Gleich im ersten Absatz seiner Kritik, die alle übrigen des Bandes an Länge weit übertrifft und in keinem Verhältniß zur Wichtigkeit des Gegenstandes steht — gleich zu Anfang bekennt Herr Bartels offen Farbe. Der »außerordentlich scharfe jüdische Verstand" wird anerkannt, aber dann heißt es weiter: »Kenner des Judenthums behaupten freilich, daß er einerseits durch eine Neigung zur (talmudischen, sagt man gewöhnlich) Spitzfindigkeit und andererseits durch blinden Fanatismus sehr oft beirrt werde . . . aber, mag dies auch wahr sein, so hindert es doch nicht, jedes Werk jüdischer Wiffenschaft auf seine Bedeutung für uns zu prüfen und es selbst in dem Falle, daß wir es ablehnen müssen, als mehr oder minder werthvollen Beitrag zur Selbstcharakteristik des Judenthums anzusehen." Läßt sich eine größere Infamie denken? Also alles, was jüdische Männer mit reinen Händen der Wissenschaft darbringen, hat nur ein secundäres Interesse, zählt unter den schmutzigen Händen der Racenhaffer blos als Beitrag zur Selbstcharakteristik des Judenthums". Und diese »Staatsbürgerzeitung"- Weisheit wird von den beiden Herausgebern des Jahrbuches der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft sanctionirt? Im Einzelnen kühlt dann Bartels namentlich an dem Aufsatz »Dreihundert Jahre Shylock-Schimpf" sein Müthchen. Adolf Gelber mag die vielen Ansichten immer vortragen: sie sind jedenfalls nicht so beschaffen, daß ihn sein Widersacher einer bewußten Fälschung zeihen könnte (er redet nur von einer Fälschung der Phantasie). Eben darum hat er aber nun und nimmer das Recht, alle Gesetze des literarischen Anslandes mit Füßen zu treten. Wenn Gelber einen Satz wie den niederschreibt: »Es gibt so vieles, das unsäglich schlimmer ist als der Bruch der Gattentreue", so mag man dagegen jeden beliebigen Standpunkt einnehmen; es ist jedoch perfid, hier den tiefgreifenden Unterschied religiösen Gefühles feststellen zu wollen: »Freilich, man darf nie vergeffen: Gelber ist Jude, er sieht anders wie wir, er fühlt auch anders." Auch an einer früheren Stelle wird eine ganz nebensächliche Verschiedenheit der Auffassung — denn darauf läuft doch das ganze Geschrei hinaus — mit einer ähnlichen Motivirung abgethan: » . . . eine verblüffend einfache Erklärung, die aber wohl nur der jüdischen Seele eingehen wird." — In keinem anderen Culturland der Welt wird eine solche Kampfesweife geübt. Wir möchten nur wissen, was die Engländer und Amerikaner, wenn sie das Jahrbuch der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft läsen, dazu sagen würden. Da sie Herrn Bartels wahrscheinlich nicht kennen, müßten sie die Sache weit ernster nehmen, als wir es vermögen. In letzter Linie bleibt der Makel nicht an dem gleichgiltigen Recensenten des Jahrbuches, sondern an der deutschen Wiffenschaft hängen. Neue Bücher. Dr. M Gübemann, Oberrabbiner zu Wien. Das vorchristliche Judenthum in christlicher Darstellung. Sonderabdruck aus der »Monatschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums". Wilhelm Ko ebner, Breslau 1903. Karl Hans Strobl. Der Buddhismus und die neue Ku n st. Hermann Seemann Nachfolger. Leipzig. Jsaae Hirsch. Meine Glossen zum zweiten Bortrage des Professors Delitzsch über Babel und Bibel. I. Hasenfratz, Wiznitz a. Cz. 1903. Richard Peter Gaumfeldt. Das klagende Lied. Märchen. Hermann Seemann Nachfolger, Leipzig 1903. Heinrich Grünau. Gedichte und Lieder. Verlag Agudath Zion, Antwerpen 1903. Dr. Wilhelm Sternberg, Specialarzt für Berdauungs- und Zucker-Kranke in Berlin W. und Neuenahr. Sie Judenkrankheit, d i e Zuckerkrankheit, eine Folge der rituellen Küche und orthodoxen Lebens-weise der Juden? Joh. Wirth'sche Hofbuchdruckerei-Actiengesellschaft, Mainz 1903. Mathias Acher. Ach ad ha-am. Ein Denker und Kämpfer der jüdischen Renaissance. Vortrag. Jüdischer Vertag, Berlin 1903. Krieskasten. K. Die große Feuersbrunst in Nikolsburg vom Jahre 1720, bei welcher 700 Häuser eingeäschert worden, fand am 3. August statt. Dr. F. Der Artikel war zur Publikation ungeeignet, auf Retournirung von Manuscripten lassen wir uns nicht ein. M. G. Orthodoxe Juden pflegen eine Orgelsynagoge zu besuchen. R. Der 13. Juli 1824 war der 17. Thamus 5584. M. Ein Brief des Leopold Hilsner aus der k. k. Männer- Strafanstalt Stein a. D. an seine Mutter betheuert in rührenden Worten seine Unschuld und bittet sie, Alles äufzuwenden zum Zwecke einer Wiederaufnahme des Processes. Wenn der „Bluthund von Polna" von einem „geständigen Mordbuben" spricht, so will er blos neuerdings seinen Ruhmestitel sich verdienen. »Renegat". Wir können Ihnen blos mit den Worten Lessing's in den „Theologischen Recensionen", 143. Stück, antworten: „Auf was gründet sich das Neue Testament? Auf die Propheten. Und die Propheten? Auf den Moses. War also Moses nicht von Gott gesendet, so waren es auch nicht die, die sich auf den Moses bezogen." Jos. Schwarz aus Wien, dz. V ö s l a u. Die Mittheilungen der Dame haben ihre Richtigkeit, der Verein unterstützt arme jüdische Schulkinder.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.