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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-24 · 30 (24.7.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
30 (24.7.1903)
Date
1903-07-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Blocb’s MocbenscbrM, Sette 485 Meseritsch und Krasna eingefunden, die Chefs des Verstorbenen Herren Ignaz, Julius und Dr. Alfred Reich, ferner die gesammte Bürgerschaft, der sich ein langer Zug von Arbeitern und Arbeiterinnen anschloß. Se. Ehrwürden Herr Dr. Rabbinowicz hielt, bevor sich der Zug in Bewegung setzte, an die im Fabrikshofe versammelte Arbeiterschaft eine ergreifende böhmische Ansprache. Den fast endlosen Leichenzug eröffneten die Feuerwehr- und Veteranenvereine von Wallachisch-Meseritsch und Krasna, sowie die Vereine der Glasfabrik S. Reich & Co. In dem auf's Geschmackvollste mit Trauerschmuck versehenen Gotteshause widmete Se. Ehrwürden Herr Dr. Rabbinowicz dem Verblichenen einen zu Herzen gehenden Nachruf. Der Verstorbene wurde sodann auf dem Friedhofe zur ewigen Ruhe bestattet. Mit ihm ist einer der besten unserer Gemeinschaft dahingegangen. Mißlich. Am 2. Juli d. I. fand die feierliche Installation unseres neugewählten Rabbiners Sr. Ehrwürden Herrn Dr. N. S ch o r st e i n statt, woran die Vorstände der Cultus- und Jsraelitengemeinde, sowie die Vertretungen der hiesigen Wohlthätigkeitsvereine theilnahmen. Jglau. (S t e r b e f a l l.) Am 5. Juli l. I. verschied hier nach langem und schwerem Leiden der Kaufmann und Hausbesitzer Herr Maximilian M e tz l im 63. Lebensjahre. Er verwaltete in der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde das.. Ehrenamt eines Tempelvorstehers und Armenrathes (Zdokob-Gabbei) eine lange Reihe von Jahren, so zwar, daß er in dieser Richtung nicht leicht zu ersetzen sein dürfte. An dem am 7. Juli, 4 Uhr Nachmittags, stattgefundenen Leichenbegängnisse betheiligte sich corporativ die Cnltusgemeinde- Repräsentanz, der Vorstand der „Chewra Kadischa", der Vorstand des Frauenvereines, der Tempelvorstand, ferner erschienen die Cultusbeamten und Lehrer, sowie eine große Anzahl von Personen aus allen Gesellschaftskreisen der hiesigen Bevölkerung. Auf dem Friedhofe hielt unser ehrwürdiger und hochgeehrter Rabbiner, Herr Doctor I. I. Un g e r, sichtlich ergriffen, dem leider so früh Dahingeschiedenen einen ehrenden, warmen Nachruf. Die cantoralen Functionen wurden von den beiden Cantoren, Herren D. Weiß und W. Brunner in würdiger Weise ausgeübt. Prerau. Herr Abraham Pollak, Oberlehrer in Pension, erhielt im Jahre 1867 vom Rabbinate zu Proßnitz, als er diese seine Vaterstadt verlieb, eine schriftliche Morenn. Am 21. Juni 1903 bestätigte dieselbe das mährische Landesrabbinat und am Sabbath Chukoth wurde er zur Thora als Maftir mit der Morenn anfgernfen. Ans diesem Anlasse veranstaltete der Cultusvorsteher Herr Carl Löw einen feierlichen Gottesdienst, bei welchem gewesene Schüler des Herrn Oberlehrers, zumeist Akademiker, den Tempelchor bildeten, die die Gesangspiöcen vorzüglich vortrugen. Se. Ehrwürden Herr Dr. Jacob Tauber hielt eine die Bedeutung der Morenu im Judenthum beleuchtende, sehr wirksame Ansprache und ertheilte mit rührender Herzlichkeit den Segen den greisen Herrn Oberlehrer und seinen Angehörigen. Breslau. Die beiden Vorstandsmitglieder des neuen jüdischen Krankenhauses in Breslau, Eduard Sachs und Theodor Oschinsky, haben den Kronenorden vierter Tlasse erhalten. — In diesem Sommersemester erwarb sich Fräulein Clara Hamburger aus Breslau die Doctorwürde an der Universität Heidelberg. Ihre Dissertation ist betitelt „Beiträge zur Kenntniß von Iraeffelius ovum Ehrbg." Fräulein Dr. Hamburger bekleidet seit zwei Semestern die Stellung eines zweiten Assistenten am Heidelberger zoologischen Institut und Museum. Feuilleton. Kain und Artem. Novelle von Maksym Gorki. Uebersetzt aus dem Russischen von Malwina B l u m b e r g. (Schluß.) Artem's ernste Drohung hatte die gewünschte Wirkung nicht verfehlt. Man hatte sich erschrocken und hörte auf, den Juden zu quälen. Kain ward es sofort gewahr, daß auf dem dornigen Wege, den er zu seinem Grabe entlang schritt, die Zahl der spitzen Stacheln sich vermindert hatte. Es war, als ob die Leute seine Existenz gar nicht bemerken würden. Wie vormals, so glitt er auch jetzt, seine Maaren anpreisend, zwischen dem dichtesten Menschengewühl hindurch, aber Niemand trat ihm absichtlich auf die Füße, Niemand versetzte ihm, wie sonst wohl, einen Rippenstoß, Niemand spuckte in seinen Kasten . . . Obgleich man ihn, — andererseits, — ehedem nicht mit solcher Kälte und solcher Gehässigkeit wie jetzt angeblickt hatte. Wachsam auf Alles, was seine Person betraf, bemerkte der Jude diese Blicke und fragte sich, was sie bedeuten und welche Drohung sie wohl enthalten könnten? Wie oft er aber auch darüber nachdachte, er konnte nicht begreifen, warum die Leute ihn mit solchen Blicken zu betrachten begonnen hatten . . . Und es fiel ihm ein, daß sie früher, — wenn auch selten, — aber doch von Zeit zu Zeit freundschaftlich mit ihm gesprochen . . . nach dem Gang seiner Geschäfte gefragt. . . und manchmal sogar mit ihm gescherzt hatten... Und die Scherze waren gar nicht boshaft gewesen. . . Kain wurde nachdenklich. Liegt es doch schon in der menschlichen Natur, daß man geneigt ist, in der Vergangenheit das geringste Gute, das man früher gar nicht beachtet hatte, lobend hervorzuheben ... Er dachte nach, war wachsam auf jedes Wort, das er hörte, und blickte ängstlich forschend um sich. Eines Tages drang ein neues Lied, das den zerlumpten Bräutigam, den Troubadour der Straße, zum Dichter hatte, an sein Ohr. Dieser Mann erwarb sein tägliches Brod mit Musik und Singen. Als Instrumente dienten ihm acht Holzlöffel. Ec hielt sie in beiden Händen, klopfte mit ihnen an seine aufgedunsenen Wangen, auf seinen Leib, schlug sie aneinander, und brachte schließlich auf diese Weise, zum Recitiren der von ihm selber verfaßten Couplets, eine ganz anständige Begleitung zustande. War diese Musik nun auch nicht sehr angenehm, so verlangte sie dafür vom Künstler die Gewandtheit eines Taschenspielers, und Gewandtheit war eine Eigenschaft, die — in welcher Form immer — bei dem Publicum der Straße in hohem Ansehen stand. Eines Tages nun stieß Kain auf eine Menschengruppe, in deren Mitte der Bräutigam, mit seinen Löffeln bewaffnet, lustig scherzte. „He, ihr ordentlichen Leute, zukünftige Sträflinge! Ich singe euch ein neues Lied, soeben frisch gebacken, — ein warmer Bissen! Gebt eine Kopejke von der Fresse, und wer ein Gesicht hat, der zahlt mehr! Ich fange an! „Die Sonne scheint in's Kämmerlein, Wie freu'n die Leut' sich d'rob, Doch wollt' ich klettern da oben hinein . . ." „Das haben wir schon gehört!" riefen skeptisch einige Stimmen aus dem Publicum. „Das weiß ich, daß ihr es gehört habt! Aber umsonst gebe ich euch nichts! Erst Brod, dann Kuchen . . ." erklärte, mit den Löffeln klopfend, der Bräutigam und fuhr zu fingen fort: „Ach! wie bitter meine Tage! Nicht gelungen bin ich euch! Am Galgen Vater und Bruder sie schweben, Der Strick zerriß — ich blieb am Leben ..." -„Schade!" erklärte das Publicum. Aber die Kopejken regneten, denn es war allgemein bekannt, daß der „Bräutigam" immer sein Wort hielt, und wenn er ein neues Lied versprochen hatte, so würde er es daran nicht fehlen lassen. „Ein Lied — so neu wie ein Fichtenstock!" Und in gleichmäßigem Rhythmus begannen die Löffel ihr heiteres Spiel: „Ein Stier mit einer Spinne in Freundschaft that verharren, Und es befreundet sich ein Jude mit einem Narren; Der Stier auf dem Schwänze thät' tragen die Spinne Den Weibern der Jud' zu des Narren half Minne. Hört, ihr Tanten . . ." „Still gestanden. Maschine! Herrn Kain meine Hochachtung! Mit dem Stock über den Rücken! Wünschen der Herr Kaufmann das Lied zu hören? Nicht für euch gedichtet . . . Geht eurer Wege!" Kain lächelte dem Künstler mit seiner gewohnten Demuth zu, doch seufzend und Böses ahnend, eilte er davon. Der Jude hatte gelernt, die in Ruhe verbrachten Tage zu würdigen, und fürchtete, ihrer verlustig zu werden. Jeden Morgen ging er an seine Thätigkeit, in der festen Zuversicht, daß heute Niemand es wagen würde, ihn seiner Kopejken zu berauben. Und seine Augen begannen ein wenig Heller und ruhiger zu blicken. Artem sah er täglich, doch wenn der Riese ihn nicht zu sich berief, vermied es Kain, sich ihm zu nähern. Artem seinerseits rief ihn nicht häufig; geschah dies jedoch von Zeit zu Zeit, so fragte er fast immer: „Nun, wie, — Du lebst?" „O ja! Ich lebe . . . und segne euch", erwiderte Kain freudig mit den Augen blinzelnd. „Sie rühren Dich nicht an?" „Können sie etwas gegen euren Willen thun?" rief der Jude erschreckt.

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