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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-10 · 28 (10.7.1903) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
28 (10.7.1903)
Date
1903-07-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 454 Dr. Mocb's Mocbenscbrikt. Nr. 28 forderungen erfüllt, die wir unseren Statuten gemäß zu stellen verpflichtet sind. Herr E erfüllt die mit ihm getroffenen Verein« barungen auf das Sorgfältigste, besoldet das jüdische Personal, und die einzige materielle Leistung unseres Vereines besteht darin, daß der von uns bestellte Maschgiach, der von Früh bis Abends in Thätigkeit ist, von uns besoldet wird. Auf eine Polemik des weiteren Inhaltes einzugehen, haben wir keine Veranlaffung. Hochachtungsvoll »Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser", Localcomite Breslau, Wilhelm Kober, Schriftführer. London. Um dem Treiben der Londoner Missionsgesellschaft ein Gegengewicht zu bieten, hat sich dahier eine »Anti- Jewish Mission Leoque" gebildet, die zur Belehrung eine Zeitung in englischer und hebräischer Sprache herausgeben und eine Bibliothek gründen wird. Das Unternehmen verdient jedwede mögliche Unterstützung. Mitglied kann jeder Unbescholtene beiderlei Geschlechts gegen jährliche 2.60 Mark werden. Präsident des Vereines ist Henry Bernstein. Briefe, Geldsendungen sowie Bücher find an den Secretär Chaim Jsaac Persitz, London 148, St. Paul's Road Highbur y zu richten. London. Der Lordmayor Sir Marcus Samuel ist zum Baronet ernannt worden. Rom. Die Zahl unserer Glaubensgenossen in Massauah, dem Hauptorte der italienischen Colonie Erythräa (Ostafrika), ist derart angewachsen, daß dieselben eine eigene Synagoge zu errichten beabsichtigen. Unter den ersten Spendern figurirt der Kriegsminister Ottolenghi, welcher 50 Lire votirt hat. Feuilleton. Kam und Artem. Novelle von Maksym Gorki. Uebersetzt aus dem Russischen von Malwina Blumberg. (Fortsetzung.) »Höre, Kain", sprach er mit dumpfer Stimme, »vergiß daran! Nicht mit einem Finger werde ich dich jemals anrühren, und sollte es ein anderer versuchen wollen, — so werde ich ihn krumm und lahm schlagen. Hast du mich verstanden?" »Aha!" rief Kain triumphirend und mit der Zunge schnalzend, »das ist's! Ihr fühlt, daß ihr mir Unrecht gethan habt. . . Aber verzeiht! seid mir nicht böse, weil ihr euch schuldig fühlt! Ich sage nicht, daß ihr unschuldig seid, aber viel weniger schuldig als die anderen alle. Das weiß ich, o! ich weiß es recht gut, ich verstehe es! Sie alle spucken mit ihrem widerlichen Geifer nur auf mich, ihr aber spucktet auf mich und auf jene alle! . . . Ihr seid mit Vielen noch ärger umgegangen als mit mir . . . Da dachte ich: dieser starke Mann schlägt und beleidigt mich nicht, weil ich ein Jude bin, sondern weil ich ebenso schlecht bin wie die anderen, in deren Mitte ich lebe... Und... ich fürchtete und liebte euch... Wenn ich euch ansah, dachte ich immer, ihr könntet ebenfalls zerbrechen das Maul des Löwen und besiegen die Philister . . . Ihr schlugt alle... und ich sah es mit Vergnügen... und wünschte mir in solchen Augenblicken eure Kraft. . . aber ich bin schwach wie ein Floh . . ." Artem lachte mit heiserer Stimme: »Da hast du Recht", sagte er, »wie ein Floh!" Bon Kain's Reden hatte er fast nichts verstanden, doch war es ihm angenehm, die kleine Gestalt des Juden in seiner Nähe zu wissen. Auch weckte Kain's fieberhaftes Flüstern seine eigenen Gedanken: »Wie spät ist's jetzt? Wohl um die Mittagstunde... Und kein einziges von den Frauenzimmern sucht ihren Liebsten auf... Und der Jude ist gekommen ... hat mir Hilfe gebracht. . . sagt, daß er mich liebt, und ich habe ihn so häufig gekränkt... er lobt meine Kraft . . . Werde ich sie jemals wiedergewinnen? Herr, mein Gott! laß' sie mich wieder finden!" Und schwer aufseufzend, stellte sich Artem seine Feinde ebenso zerschlagen, geschwollen und verwundet vor, wie er es jetzt war. Und auch sie werden, ihrer Kraft beraubt, in irgend einem Winkl auf der Erde liegen . . . aber zu ihnen werden Freunde und Gefährten kommen . . . nicht ein Jude... Artem warf einen Blick auf Kain, und ihm schien, daß er von dem Nachdenken eine Bitterkeit im Hals und auf der Zunge empfinde. Er spuckte aus und seufzte schwer. Und Kain, das Gesicht verzerrt, an allen Gliedern bebend, hörte, fürchterlich erregt, zu sprechen nicht auf: »Und als ihr zu weinen begännet, weinte ich mit euch, so leid war es mir um eure Kraft. .." »Und ich dachte", erwiderte der Riese mit trübem Lächeln, »daß Jemand meiner spotte." »Immer bewunderte ich eure Kraft und betete zu Gott: »Herr, der du Herrschaft im Himmel, auf der Erde und in den Höhen entfernter Welten! Gieb', daß ich diesem starken Manne werden soll unentbehrlich! Möge es mir gegönnt sein, ihm zu leisten einen Dienst, damit seine Kraft sich wende zu meiner Vertheidigung! Damit diese Kraft mich beschütze vor Verfolgung und damit meine Dränger durch sie vernichtet werden! So betete ich . . . und lange Zeit flehte ich zu meinem Gotte, daß er meinen stärksten Feind verwandle in meinen Vertheidiger, so wie er dem Mordechai ließ erstehen einen Vertheidiger in einem Könige, der besiegte alle Völker . . . Und da weintet ihr . . . und auch ich weinte . . . plötzlich begännet ihr zu schreien, und vorbei war es mit meinem Gebet ..." »Konnte ich das wissen ... du sonderbarer Kerl . . .", lächelte Artem schuldbewußt. Kain jedoch hörte diese Worte kaum. Er wiegte sich hin und her, gestikulirte lebhaft, und in seinem leidenschaftlichen Flüstern klang Freude, Hoffnung, Bewunderung der unzerstörbaren Kraft dieses verwundeten Riesen, und Furcht und Trauer. »Und es ist erschienen mein Tag, und ich bin der Einzige, der bei euch ist. . . Alle haben euch verlassen, nur ich Lin gekommen. . . Ihr werdet doch gesund werden, Artem? Eure Wunden sind nicht gefährlich. Werdet ihr aber eure einstige Kraft wiedergewinnen?" »Ich werde gesund werden ... sei nicht traurig. . . und dich werde ich, weil du so gut zu mir gewesen, behüten und beschützen wie ein kleines Kind." »Artem fühlte, daß sein Zustand sich langsam verbessere — die Schmerzen wurden erträglicher, die Gedanken in seinem Kopfe klärten sich. Man muß sich Kain's annehmen, ihm kein Unrecht zufügen lassen. Warum denn auch? Ist er doch so gut und aufrichtig, und spricht die Wahrheit so ehrlich von der Seele herunter. Während Artem diesen Gedanken nachhing, lächelte er plötzlich — schon lange quälte ihn ein unbestimmbarer Wunsch, den er jetzt erst begriff. »Aber essen möchte ich. Kain, könntest du mir nicht etwas zu essen schaffen?" Mit einer so raschen Bewegung, daß er sich fast an die hervorstehenden Bretter des Kahnes gestoßen hätte, sprang Kain in die Höhe. Seine Züge waren ganz verwandelt; sie drückten Kraft und gleichzeitig eine kindliche Heiterkeit aus. Wie, Artem, dieser märchenhafte Riese, bittet ihn, Kain, daß er ihm etwas zu essen gebe! »Ich thue euch, was ihr wollt; alles, alles! Da ist das Essen, dort in der Ecke! .... Ich Hab' daran gedacht ... ich weiß . . . Wenn Jemand krank ist, so muß er essen . . Nu ja! Und als ich herging, habe ich einen ganzen Rubel ausgegeben." »Wir werden das schon berechnen! Zehn Rubel sollst du dafür wiederbekommen . . . Mir fällt das nicht schwer . . . Ist es doch nicht mein Geld. Ich sage gib! und jede Frau gibt, wie viel ich verlange . Er lachte gutmüthig. Kain, durch dieses Lachen noch heiterer gestimmt, kicherte leise. »O, ich weiß . . . Ihr sollt Alles sagen, was ihr wünscht! Ich thue euch Alles . . . Alles ..." »Nun . . . siehst du . . . wenn dem so ist, so reib' mich mit Schnaps ein! Gib mir nicht zu essen, sondern vorerst reib' mich ein . . . Kannst du? »Und warum sollte ich es nicht können? Ich werde euch einreiben, wie der beste Doctor!" »Nun, so fang' an! Denn ich will bald aufstehen!" »Aufstehen? O, nein, das könnt ihr nicht!" »Ich werde dir zeigen, wie ich kann! Was denkst du denn, du verrückter Kerl, daß ich hier liegen bleiben werde? . . . Reib' mich nur gehörig nin, und dann lauf' in die Vorstadt zur Mokiejewna ... der Kuchenverkäuferin . . . . Und sag' ihr, daß ich für eine zeitlang in ihren Speicher übersiedeln werde . . sie soll mir Stroh oder sonst etwas zUm Liegen vorbereiten. Ich bleibe

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