Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 28 (10.7.1903)
- Date
- 1903-07-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 452 Dr. Dlocb's Mocbenscbrirt. Nr. 28 frage aufmerksam gemacht worden, und wir werden es hoffentlich noch Alle erleben, daß ein die Gleichberechtigung der Juden anerkennender Mas erscheinen wird. Zum Schluffe fordert der Lord-Mayor die Londoner jüdischen Massen auf, Vertrauen zu ihm und den übrigen Führern der jüdischen Gemeinde zu haben, da diese sehr gut wiffen, was sie zu thun und zu unterlassen haben. Im gleichen Sinne und am selben Tage (am 28. Juni) hat sich in der Sitzung des Board of Deputies Leopold de Rothschild geäußert: Er sowohl, wie Sir Samuel Montagu als namentlich auch Lord Rothschild sind Alle der Ansicht, daß ein von der jüdischen Bevölkerung Londons so stürmisch verlangtes Protestmeeting mehr schaden als nützen würde. Ein dahingehender Antrag des Mr. Bentwich wurde darauf mit 30 gegen 1 Stimme abgelehnt. Warschau, 21. Juni. Vor der Warschauer Gerichtskammer fand vor einigen Tagen die Appellverhandlung statt in Sachen der durch das Petrikauer Kreisgericht am 20. December v. I. wegen Plünderung jüdischer Geschäftshäuser in Czenstochau verurtheilten vierundfünfzig Personen. Wie erinnerlich, haben im September v. I. in Czenstochau einige hundert Personen bei helllichtem Tage Juden überfallen, mißhandelt und deren Läden geplündert. Das Militär mußte von der Feuerwaffe Gebrauch machen, wobei zwei Personen erschossen und sieben schwer verwundet wurden. Bon den 71 Angeklagten wurden vom Kreisgericht in Petrikau 17 Personen ganz freigesprochen, dagegen 29 in die Strafcompagnien gesteckt. 20 zu Grfängnißstrafen und 5 zu Haftstrafen verurtheilt. Die Angeklagten wurden von zwölf Advocaten vertheidigt und das endgiltige Urtheil lautet: 4 Personen neuerdings freigesprochen, 8 zu zwei Monaten Gefängniß, einer zu 4 Monaten, drei zu 6 Monaten, drei zu 6 Wochen verurtheilt. Das Urtheil gegen die übrigen 33 wurde bestätigt. Amsterdam. 12. Juni. Unter der Ueberschrift „Philosemitisches" äußert sich die hier erscheinende „Deutsche Wochenzeitung in den Niederlanden" wie folgt: „Der entsetzliche Judenmord in Kischenew hat hier die Gemüther tief ergriffen, und die Beweise der Barmherzigkeit haben dargethan, daß hier nicht wie in anderen Ländern die sociale und politische Stellung der Juden scharf umgrenzt ist. Man muß aber auch zugeben, daß die gesellschaftlich von einander getrennt lebenden portugiesischen und deutschen Juden ihre Machtstellung niemals mißbrauchen, ja im Gegentheil, in ihrem Auftreten die größte Bescheidenheit beobachten. Die jüdischen Bankiers, welche hier den Geldmarkt so ziemlich beherrschen und sich den Luxus einer Equipage leicht gestatten könnten, kann man täglich per peäes apostnloruw durch die Straßen wandeln sehen; höchstens bei schlechtem Wetter gestatten sie sich eine Droschke. Ihre Presse, das „^.iAemeen Lanäelsblaä" an der Spitze, vermeidet mit großem Tact jegliche religiöse Reibung, die im Uebrigen auch weder von den führenden katholischen, noch von protestantischen Blättern gesucht wird. Im ganzen Land hat man überhaupt nur einen officiellen Judenfreffer, den Pastor T h i s s e n, Redacteur des katholischen „Limburger Koerier", der sich jeden Morgen zum Frühstück einige Juden leistet. Aber auch er schwieg nach dem Bekanntwerden der Kischenewer Greuel. Selbst von den Herzen der Patricier und der Vertreter des geschästslosen Hochadels schmolz die Eisrinde, die sich — allerdings nicht vor der Oeffentlichkeit — gegenüber dem Judenthum gebildet hatte. Vertreter aller Stände, jeden Glaubens reichten sich die Hände zu gemeinsamen Wohlthun, allen voran' die protestantische Geistlichkeit mit Dr. V i s s e r an der Spitze. Herr Dr. Viffer nimmt hier ungefähr dieselbe Stellung ein, wie Hofprediger Stöcke r in Deutschland. Er ist die linke Hand des Premierministers Kuyper, de Savornin Lohman die rechte. Und dieser selbe Dr. Viffer, Mitglied der zweiten Kammer und Leiter der protestantischen Bewegung, trat Hand in Hand mit einem Rabbiner und andern jüdischen Rednern gegen die russischen Büttel in die Schranken. Mit flammenden Worten geißelte er das barbarische Vorgehen der russischen Behörden gegen die Juden und die freiheitliebenden Finnen und das selbstsüchtige Treiben der russischen Kirche, welche die absolute Monarchie um der eigenen Macht willen zu handhaben suche. Niederlandens Volk würde seinen Charakter verleugnen, seine Geschichte zu Schanden machen, wenn es hiergegen nicht seine Stimme erhöbe. Auch Herr I. A. Wormser, Verleger des protestantischen Hauptorgans „Os Standaard“, mit welchem Premierminister Dr. Kuyper eng liirt ist, constatirte die jahrhundertelange Frermdschast zwischen Christen und Juden hier zu Lande. Man habe hier wohl Hexen verbrannt, aber an den Ritualmord der Juden habe man nie geglaubt. Gewiß ein deutlicher Beweis dafür, daß man in Holland den Menschen nicht nach dem Glauben, sondern nach dem Werth schätzt." Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadifcha in Wien I.» Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Simon Ob st an der: Von Herrn Ignaz Obständer X 4.—, von Herrn Josef Eichner X2 —, von Herrn Salomon Landau X 2.—, von Herrn Josef Obständer X 2.—, von Herrn Hermann Steiner X 1.—, von Herrn Mendl Fischer X 1.—, von Herrn Hermann Lupelnitz X 1.—, von Herrn Moritz Bondy X 2.—, von Herrn Zacharias Beldegrün X 1.—; zusammen X 16.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Dr. Felix von M i s e 8': Von Frau Anna von Mises. IV., Schwindgasse 14, X 30.—; von Herrn Heinrich und Margarethe von Mises, IV., Schwindgasse 17, X 30.—; von Herrn Arthur von Mises, I., Friedrichstraße 4, X 20.—; von Herrn Emil Mises aus Lemberg X 20.—; von Herrn Dr. Moriz Rosenstock. I., Doblhofgasse 3, X 20.—; von I. C. N. X 30.—. Zusammen X 150.—. Zum Andenken für den sel. Herrn Josef Hock: Von Frau Johanna Hock X 30.—; von den Töchtern X 50.—.. Zusammen X 80.—. Wien. (Trauung.) Dienstag den 7. d. M. fand im israelitischen Tempel der Seitenstetten gaffe die Trauungder Schriftstellerin L. Isaye, der Tochter des Herausgebers der „Oesterreichischen Wochenschrift" Herrn Dr. I. S. Bloch, mit Herrn Direktor I. H. T a r l a u aus Hamburg statt. Die Trauung vollzog Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann, den gesanglichen Theil versah Herr Obercantor Singer. Wien. (Befähigungsprüfung für Kindergärtnerinnen.) An der mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen und mit der israelitischen Kinderbewahranstalt verbundenen Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien, I!., Schiffamtsgosse 15, fand am 30. Juni unter dem Vorsitze des k. k. Landesschulinspectors Dr. Karl Rieger die Befähigungsprüfung statt, bei welcher sämmtliche Condidatinnen approbirt wurden. Anmeldungen für den 36. Jahrescurs der Anstalt werden bei der Direktion entgegengenommen,. welche auch über Wunsch Prospekte versendet. -Im nächsten Schuljahrewird mit - .hem Kindergärtnerinnencurse auch ein Bonnencurs verbunden, in welchem Mädchen nach bereits zurückgelegtem 14. Lebensjahre Aufnahme finden. Wien. (Jugend-Schlußgottesdienst.) AmSabbatb LbuLas (4. Juli d. I.) wurde im Tempel des 9. Bezirkes (Müllnergasse) der diesjährige Schlußqottesdienst in wahrhaft erhebender Weise abgehalten. Gegen 700 Knaben und Mädchen, viele in Begleitung ihrer Eltern, füllten unter Führung ihrer Lehrer das herrliche Gotteshaus in allen seinen Räumen. Wer Gelegenheit hatte, dieses schöne Bild zu betrachten, mußte zur Ueberzeugung gelangen, daß sich der Jugendgottesdienst tatsächlich zu einem integrirenden Bestandtheile des Religionsunterrichtes herausgebildet hat und daß diese Institution der Jugend geradezu ein Bedürfniß geworden ist. Die Feier erhielt dadurch ihr officielles Gepräge, daß sich zu derselben der Tempelvorstand des 9. Bezirkes, mit seinem verdienstvollen Präsidenten Herrn G. Bettelheim an der Spitze, eingefunden hatte und Herr Schulinspector Prof. M. Kanitz dieselbe mit seiner Anwesenheit beehrte. .Einen besonders festlichen Charakter erhielt die Feier durch die Munificenz des Herrn Präsidenten Bettelheim, der gleichwie in früheren Jahren auch heuer wieder jedem Kinde ein Blumensträußchen — gleichsam als ein duftiges Erinnerungszeichen an das abgelaufene Schuljahr — verabfolgen ließ, wofür an dieser Stelle namens der Kinder der herzlichste Dank ausgesprochen sein soll. Herr Obercantor Kläger besorgte mit seinen prächtigen Stimmitteln in Begleitung des von Herrn C. Pekarek vorzüglich dirigirten Tempelchors den gesanglichen Theil der Feier, die durch Absingung des „Gott erhalte" bei offener Bundeslade ihre besondere Weihe empfing. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus richtete hierauf in seiner formvollendeten Weise an die Jugend eine der Feier gemäße Ansprache und ermahnte sie, vom Bibelwort „ali w’er" ausgehend, dem Beispiele der Väter zu folgen und insbesondere die Tugend der Dankbarkeit „den Tropfen aus dem Brunnen", den „Fürsten gegraben", jederzeit zu pflegen. Mit den Segensworten „dorueb atob bezesecho, boruch atob bewoScbo" schloß Se. Ehrwürden die sabbathlichen Andachtsübungen des heurigen Schuljahres. Wien. (Kaiser Franz Josefs-„Ferienheim".) An das Präsidium des Vereines „Ferienheim" zu Händen der Präsidentin Frau Sofie Grünfeld ist das nachstehende Schreiben gelangt: Seine k. u. k. Apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 27. Mai l. I. die vom Vorstande des Kaiser Franz Josefs-„Ferienheim" anläßlich seines zehnjährigen Bestandes herausgegebene „Denkschrift" der huldreichsten Annahme für die k. u. k. Familien-Fideicommiß-Biblio-