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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-07-03 · 27 (3.7.1903) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
27 (3.7.1903)
Date
1903-07-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 436 Dr. Llocb's MocbenscbrLtt. Nr. 27 Tabor. (Goldene Hochzeit.) Am 20. v. M. feierten der ehemalige Landwirth, derzeit Privatier und Hausbesitzer, Herr Josef Stern und seine Gattin Eleonore, geborene Popper in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Stern, besten Familie seit 3 Jahrhunderten in Tabor eine geachtete Stellung einnimmt, hat sich um die hiesige Gemeinde, der er mehr als 50 Jahre als Ausschußmitglied diente, besondere Verdienste erworben, was auch Herr Rabbiner Dr. WeisloWitz in seiner trefflichen Festrede hervorhob. Aus diesem Anlasse wurde auch Herrn Stern der Titel eines Morenu verliehen. Frau Eleonore Stern, die als Präsidentin des jüdischen Armenunterstützungs-Vereines seit 3o Jahren segensreich wirkt, erfreut sich ebenfalls allgemeiner Verehrung auch in nichtjüdischen Kreisen und sind anläßlich der Jubelfeier dem würdigen Paare zahlreiche Gratulationen zugekommen. Wsetin. Im Laufe des Monats Mai hielt der Secretär der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" in Wallachisch-Meserltsch einen Vortrag über die Ziele und Nothwendigkeit des Beitrittes aller Israeliten zu diesem Vereine. Diesem Vortrage wohnte auch eine Abordnung des Cultusvereines Wsetin bei und veranlagten die lichtvollen und überzeugenden Ausführungen des verehrten Herrn Redners die Mitglieder der Cultusgemeinde Wall.-Meseritsch zum sofortigen Beitritt zur „Union". In Wsetin unterzog sich Herr Moritz Donath der löblichen Bemühung, unsere Gemeindemitglieder für die „Union zu gewinnen. Zu gleicher Zeit veranstaltete Herr Ignatz Graus, Obmann der „Ehewra-Kadischa". eine Sammlung für unsere unglücklichen Brüder in Kischenew. Das Ergebniß der beiden Sammlungen war: für Kischenew 100 Kronen und die Mitgliedsbeiträge für die „Union" 106 Kronen. Nikolsburg. Bei den Cultuswahlen wurden gewählt: Franz Deutsch, Jacob Ferl, Rudolf Lampel, Dr. Lederer, Julius Teltscher, Karl Glogau, Josef Pater, Philipp Kohn, Moritz Abeles, Nathan Oser. Gustav Pisk, Bernhard L. Teltscher, Leopold König und Dr. Siegfried Fehl. In einer demnächst emzuberufenden Sitzung wird die Wahl des Vorstehers und der Räthe vorgenommen werden. Die neue Vertretung wird sich zunächst mit der Rabbinerfrage befassen. Tesche«. Der k. k. Landesschulrath in Troppau hat auf Grund der Ernennung des schlesischen Landesausschufses in Gemäßheit des § 9 des neuen Schulgesetzes vom 6. November 1901 den Herrn Joachim Gutmann als definitiven israelitischen Religionslehrer an der Knaben-Bürgerschule in Teschen bestätigt. Preßburg. (Eine phonographischeProbepredigt.) Die „Zeit" berichtet: „Die ungarisch-israelitische Gemeinde in Chicago wandte sich an den Preßburger Oberrabbiner mit der Bitte, ihr einen streng religiösen Rabbiner zu empfehlen, der in der Chicagoer Gemeinde ungarische Predigten halten soll. Nachdem jedoch infolge der großen Entfernung auf ein persönliches Erscheinen des Eandidaten behufs Abhaltung einer Probepredigt nicht reflectirt werden könne, erbat sich die Gemeinde phonographische Probereden. Dem Wunsche wurde Genüge geleistet, indem der Preßburger Oberrabbiner Herrn M. Fischer, einen Sohn des Raaber Rabbiners I. Fischer, empfahl. Der erhaltenen Weisung gemäß sprach der in Vorschlag gebrachte Rabbiner eine ungarische und deutsche Predigt in den Phonographen, worauf der Apparat nach seinem Bestimmungsort gesendet wurde. In Chicago gefielen die beiden vom Phonographen getreulich reproducirten Kanzelreden so gut, daß Herr M. Fischer sofort mit beträchtlichem Jahresgehalt zum Prediger erwählt wurde. Lemberg. Dienstag den 30. v. M. fand hier die Trauung des Herrn Dr. Julius Albert Wittels, Arzt in Stanislau, mit Fräulein Regine Herzig aus Przemysl statt. Manchester. (Berufung des Rabbiners Doctor Landau.) Die jüdische Gemeinde von Johannesburg in Südafrika hat den bisher hier im Amt befindlichen Rabbiner Dr. I. L. Landau zu ihrem Rabbiner berufen. Ein aus Londoner jüdischen Gelehrten und Geistlichen bestehendes Comite — der Chiefrabbi Dr. Adler, der Chacham Dr. Gaster, Rabbiner Professor Dr. Gollancz und die Herren S. L. Heymann und Ben Lazarus — war vom Vorstand der Johannesburger Gemeinde damit betraut worden, die Eignung ihres Candidaten fiir den schwierigen und verantwortungsvollen Posten zu prüfen. Vor sechs Wochen hat dieses Comite Herrn Dr. Landau nach London eingeladen und hat nach Prüfung seiner Diplome und nach eingehender Berathung mit ihm seine Candidatur empfohlen und ihm jetzt seine Anstellung angekündigt. Vor einiger Zeit war einem Mitglied des Eomites, dem Professor Gollancz, die Rabbinerstelle in Johannesburg angeboten worden; er hat aber trotz der großen äußeren Vortheile das Amt abgelehnt, um in seiner bisherigen Londoner Stellung zu bleiben. Feuilleton. Kai« ««dl Artem. Novelle von Maksym Gorki. Uebersetzt aus dem Russischen von Malwina B l u m b e r g. (Fortsetzung.) Dies geschah auf folgende Weise: Eines Tages, nach einem Spaziergang und oem auf denselben als Abschluß folgenden Schmause, ging Artem mit seiner Dame ziemlich unsicheren Schrittes durch eine der öden schmalen Straßen der Vorstadt. Hier erwartete man ihn schon. Mehrere Männer stürzten sich aus ihn und warfen ihn zu Boden. Artem durch den Rausch geschwächt, wehrte sich ungenügend, so daß die Leute fast eine ganze Stunde lang Rache nahmen für die zahllosen Beleidigungen, die sie von ihm erlitten. Artem's Gefährtin entfloh; die Nacht war finster, der Ort öde — lauter günstige Bedingungen, um Abrechnung mit dem Riesen zu halten. So arbeiteten sie denn auch mit Aufgebot all' ihrer Kräfte. Als si-, ermüdet, inne hielten, lagen zwei regungslose Körper auf der Erde. Der eine derselben war der schöne Artem, der Andere ein Mann, genannt der rothe Bock. Nachdem die Männer Rath gehalten, was mit den Kö pern zu thun, beschlossen sie. Artem unter einen durch Eisschollen zertrümmerten, mit dem Boden nach aufwärts liegenden Kahn zu verbergen, den Rothen Bock jedoch, der ächzte, mit sich zu nehmen. Als sie Artem die Straße entlang zum Ufer schleiften, brachte der Schmerz ihn zur Besinnung; da der Verwundete jedoch muthmaßte, es sei besser für ihn, wenn er als todt gelte, verhielt er sich, sein Aechzen mit aller Kraft unterdrückend, vollkommen stumm. Sie zerrten ihn, fluchten und lobten sich voreinander ob der Schläge, die sie ihm so reichlich hatten zu Theil werden lasten. Artem hörte, wie Michel Wawilow den Gefährten erzählte, wie er sich immer Mühe gegeben habe, ihrem Opfer einen Stoß mit der Faust unter's linke Schulterblatt zu verfitzen, um ihm das Herz zu zerreißen. Suchomilow wieder behauptete, er habe in einemfort über den Leib gehauen, da es bekannt, wenn man die Eingeweide beschädige, könne das Esten, und wenn es selbst in den größten Mengen genosten würde, dem Menschen keine Kraft verleihen. Lomakin lobte sich ebenfalls, er sei ihm zweimal aus die Brust gesprungen. Die Uebrigen hatten sich gleichfalls ausgezeichnet und priesen ihre Heldenthaten, bis sie, am Boot angelangt, ihren Feind unter dasselbe schoben. Artem hatte ihr ganzes Gespräch gehört und zum Schluß vernahm er noch, wie sie, im Weggehen, einmüthig behaupteten, daß er diesmal schon nicht mehr aufstehen würde. Und so blieb er allein, im Finstern, auf einem Haufen feuchten Sandes, den die Wellen unter das Boot getragen hatten. Es war eine frische Mainacht und die Kühle weckte Artem aus seiner Betäubung. Sobald er es jedoch versuchte, zum Fluß hinabzuklettern, verfiel er in Folge der schrecklichen Schmerzen, abermals in eine tiefe Ohnmacht. Und wieder kam er zu sich, weinend vor Qual, von brennendem Durst gefoltert. Es war. als ob der Fluß, leise murmelnd und in seiner unmittelbaren Nähe an das Ufer plätschernd, seiner Kraftlosigkeit spotten würde. So verbrachte er die ganze Nacht. Er konnte kein Glied rühren und fürchtete sich, einen Laut der Klage vernehmen zu lassen. Einmal jedoch, als er wieder aus einem dieser Ohnmachtsanfälle erwachte, fühlte er, daß etwas Gutes, etwas seine Schmerzen bedeutend Linderndes mit ihm vorgegangen war. Mit Mühe gelang es ihm, ein Auge zu öffnen und die blutenden, geschwollenen Lippen ein wenig zu bewegen. Es war Tag, denn durch die Ritzen der Barke drangen die Sonnenstrahlen, Artem jedoch schien es, als wenn ein Nebel ihn umgebe. Nach einer Weile, als er die Hand zum Gesicht erhob, ward er gewahr, daß dasselbe mit nassen Tüchern bedeckt war. Ebensolche nasse Tücher lagen auf seiner Brust und seinem ganzen Körper. Er war vollkommen entkleidet, und die erfrischende Kühle der Lust linderte seine Qualen. »Trinken . . / flüsterte er, in dem unklaren Bewußtsein, daß irgend ein menschliches Wesen in seiner Nähe sich befinden müste. Eine bebende Hand erstreckte sich über seinen Kopf und schob ihm den Hals einer Flasche in den Mund. Die Flasche zitterte in der Hand des Unsichtbaren, so, daß sie mehrmals an

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