Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 26 (26.6.1903)
- Date
- 1903-06-26
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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SW 424 Dr. Blvch's Mochsnschrifl. Nr. SS L. S. Religiöse Ethik des Alten und Neuen Testaments. .Evncordia", Deutsche Verlagsanstalt, Berlin. A. Sulzbach. Dichterklänge aus Spaniens besseren Tagen. Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M. Dr. Bernhard Ziemlich. Rabbiner. Der Kampf um die Bibel und ihren Gottesbegrisf. Drei Festreden, gehalten in der Synagoge zu Nürnberg. Zum Besten der Unglücklichen zu Kischenew. Commissionsverlag der Friedrich Korn'schen Buchhandlung, Nürnberg, 1903. Briefkasten. Germanicus. Der politische Antisemitismus in Deutschland hat bei den diesjährigen Wahlen eine gewaltige Schlappe erlitten. Nur ein einziger Candidat — der bisherige Abgeordnete Liebermann von Sonnenberg — ist in der Hauptwahl in seinem alten Wahlkreis Fritzlar-Homberg-Ziegenhain wiedergewählt worden. Endgiltig beseitigt worden sind bei den diesjährigen Wahlen: Köhler in Gießen, Zimmermann in Marburg, Lotze in Pirna, Gabel in Meißen und last not least Ehren-Ahlwardt in Neustettin. In die Stichwahl kommen: Bruhn in Arnswalde, der gegenüber Ahlwardt eine Abnahme der antisemitischen Stimmen zu verzeichnen hat, trotzdem mit großer Majorität gewählt wird. Böckler in Schlochau-Flatow, dessen Wahl nur dann Hintertrieben werden kann, wenn, was nicht anzunehmen ist, Centrum und Nationalliberale geschlossen für den Polen in der Stichwahl stimmen. In Sternberg steht der Antisemit Stadtverordnete Fröhlich-Potsdam, der sich durch seinen Schächtverbotantrag und die bekannte Sil berstein-Affaire bekannt gemacht hat, in wenig aussichtsvoller Stichwahl mit dem Conservativen, der bisher stets im ersten Wahlgange gewählt wurde. In Pyritz-Saatzig kommt Pfarrer Krösell-Kloxin mit dem Conservativen Nicolai in Stichwahl. Seine Wahl ist ziemlich aussichtslos: Nicolai 7466, Krösell 432«, ferner 3403 liberale und 2233 socialdemokratische Stimmen. Es ist nicht anznnehmen, daß ein wirklich Liberaler oder gar ein Socialdemokrat einen Krösell die Stimme geben wird, obwohl wir auch in diesem Wahlkreis die Unsicherheit mancher sogenannter Liberalen in Bezug auf die Judenfrage werden constatiren können. Außderdem hat der konservative Gegencandidat einen viel zu großen Vorsprung. Der Abgeordnete Werner, der noch im Jahre 1898 im ersten Wahlgang in Hersfeld gewählt wurde, ist in eine Stichwahl mit dem Centrumscandidaten gedrängt worden, auch ein erfreuliches Zeichen. Der ehemalige Abgeordnete Böckel schreibt in seiner „Hochwacht": ^Deutschland ist eben noch nicht reif für eine große antisemitische Partei." Bernhard Hescheles. Das betreffende Werk wird gebührend behandelt werden. ,,Treuer Leser". Den Namen eines Einsenders, der nicht genannt sein will, dürfen wir unter keinen Verhältnissen verrathen. Als Bürgschaft für die Wahrheit tritt in solchem Falle die Redaction selber ein. „Ein Abonnent". Anonyme Mittheilungen dürfen wir nicht beachten. M. F. Der Conflict zwischen dem ruffischen Kaiser, welcher die Bestrafung der Königsmörder von Belgrad fordert, und der serbischen Regierung ließe sich am leichtesten in der Art schlichten, datz man die ruffischen Richter von Kischenew nach Belgrad delegirt, um im Aufträge des Czaren Gericht zu halten und Urtheil zu sprechen. Damit wäre allen Parteien geholfen. K. Die Niederlage der fteisinnigen Partei in Deutschland ist zum Theil eine selbstverschuldete. Die Voraussetzungslosigkeit der Parteileitung in den confeffionellen Fragen wurde ernstlich angezweifelt, em weitgehendes Mißtrauen machte sich bemerkbar. Natürlich wird Niemand behaupten wollen, die Leiter der freisinnigen Partei hätten dem Antisemitismus gehuldigt. Aber es geschah doch Manches, das man mit „auf die herrschende Strömung Rücksicht nehmen" bezeichnen kann. In der That ging mm in dieser Rücksichtnahme auf den Antisemitismus in der freisinnigen Volkspartei ziemlich weit. Dadurch erhielt die antisemitische Strömung erst recht eine wirksame Förderung, in der antisemitischen Presse wurde auf diese Zustände oft genüg mit Hohn und Schadenfreude angespielt. Dies mußte in jüdischen Kreisen große Verstimmung Hervorrufen und das Vertrauen zu der Parteileitung erschüttern. Im 5. Wahlkreis von Berlin wurde als freisinniger Candäat Dr. Zwick aufgestellt. In diesem Kreise spielt das jüdische Element eine bedeutende Rolle. Nun wurden aber dem fteisinnigen Candidaten antisemitische Neigungen nachgesagt. Die Parteileitung stellte dies in Abrede, aber es war weder klug noch rücksichtsvoll, eine solche Candidatur in diesem Kreise aufzustellen. Warum mußte es gerade Dr. Zwick sein? Für den dritten Berliner Reichstagswahl' kreis soll ursprünglich der Stadtverordnete Leopold Rosenow, der Leiter der fteisinnigen Wahlagitation in diesem Kreise, in Aussicht genommen gewesen sein. Doch ist schließlich Herr Jäger aufgestellt worden, obwohl er selbst in freisinnigen Kreisen nicht besonders bekannt ist. Auch int Kreise Görlitz-Lauban, wo der bisherige Abgeordnete verzichtete, war man von freisinniger Seite nicht geneigt, den im Kreise eingesessenen Führer aufzustellen, und zwar wegen seines Jndenthums. Dort fand man indeffen einen originellen Compromißcandidaten in der Person des Berliner Arztes Dr. Mugdan, der vor einigen Jahren vom Judenthum zum Protestantismus übergetreten ist. Dr. Mugdan sollte anfänglich für den zweiten Berliner Wahlkreis candidiren, doch trat schließlich dieser Bewerber zurück, da die jüdischen Wähler erklärten, eher für den socialdemokratischen Candidaten, als für den getauften Juden zu stimmen! Da ist denn die schließliche Niederlage nicht zu verwundern. Danksagung. Für die uns anläßlich der am 16. d. M. stattgefundenen Trauung unserer Tochter I a n k a mit Herrn Michael S t r i k s so zahlreich zngekommenen Beweise von theilnehmender Sympathie und Freundschaft gestatten wir uns, allen Freunden und Bekannten vorläufig hier unseren verbindlichsten Dank abzustatten. Insbesondere danken wir dem verehrten Herrn Rabbiner Dr. I. Freimann für seine ergreifende, uns ehrende Ansprache, dem hochgeschätzten Obercantor Herrn Bela Guttmann ans Wien für den schönen weihevollen Vollzug des Trauungsactes, den vorzüglichen Wiener Tempelchorsängern für ihre freundliche Assistenz bei der Traunngsceremonie. H o l l e s ch a u am 20. Juni 1903. _Adolf Braunfeld und Frau. Junger Mann, Israelit mit schöneu Jahreszeugnissen der Schuhbranche, bittet die Herren Chefs um Posten als Hilfsarbeiter, Diener oder dergleichen hei noch so kleinem Gehalte, um nur das dürftige Lehen zu fristen, da er schon 10 Monate ohne Posten ist. Gefällige Zuschriften unter „Schuhbrancbe“, postlagernd X. Beziik, Staatslahnhof. Gymnasiast, rk,2i:5 4^ Stenographie, Englisch und Französisch, will über die Ferien bei jüdischer Familie auf dem Lande als Instructor Unterkommen. Hofbauer Adolf, Wien, II/5, Nordwestbahnstrasse 47. Distinguirte, streng religiöse Familie wäre geneigt, jungen Hann oder Mädchen in Pension zn nehmen. Comfortables Heim in gesunder Lage mit Bad, Clavier etc eventuell Unterricht in modernen Sprachen und Mittelschulfächern durch Mitglieder der Familie. Erstclassige Referenzen. Gefällige Antiäge IX., Porzellangasse 13, II. Stock, Thür 18. Bethausverein „Beth Hachneseth“ HI., Untere Viaductgasse 13. Trauungstaxe 32 Kronen. Anmeldungen für Trauungen und Trauungsaufgebote werden entgegengenommen in der Vereinskanzlei, III., Untere Viaductgasse 13, zwischen 1—3 Uhr Nachmittags. Samuel W. Pascheies, Verlagsbuchhandlung, Prag, Zeltnergasse 4, nächst dem Ring, offerirt in reichster Auswahl Professor KSmpf's allgemein beliebte BrautgcbetbScher und deutsche AadacbtsbScher für israelitische Frauen und Jungfrauen in elegantesten Einbänden, ferner Seiden* und Woll-Talesim __Gold- und Silber-Borten. Als Barmiz wall-Geschenk eignet sich vorzüglich das benütimte Prachtwerk Professor Dr. Julius Fürst’s lllustrirte fünf Bücher Moses m. deutsch. Uebersetzung, erläuternd. Anmerkungen u. 223 Illustr. Preis in Prachtband statt fl. 8.50 jetzt nur fl. 3.50. Zu haben in jeder grösseren Buchhandlung oder gegen Einsendung des Betrages direct zu beziehen von Samuel W, Pascheies, Prag, Zeltnergasse 4. Herausgeber und verantwortlicher Redaeteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VHI.