Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-06-05 · 23 (5.6.1903) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
23 (5.6.1903)
Date
1903-06-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021493-3021517--12739-3037350
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

v eite 378 Dr. Bloches WochVNfttzrM.?lr. 23 den zahlreichen Deputationen der Vertreter der verschiedensten christlichen Kirchen und Riten empfing Se. Durchlaucht auch die Vertreter der hiefigen israelitischen Cultusgemeinde, bestehend aus Sr. Ehrwürden dem Oberrabbiner Herrn Dr. Abraham Löwy, dem Cultusvorsteher Herrn JUDr. Adolf Finkler und dem Vicevorsteher Herrn Samuel H e l l m a n n. Se. Durchlaucht unterhielt sich in freundlichster Weise, fragte eingehend über die Verhältnisse der Cultusgemeinde und betonte, daß er die Emancipation der Israeliten bei jeder Gelegenheit zur praktischen Durchführung gelangen lassen werde. An Herrn Oberrabbiner Dr. Löwy richtete er Fragen, die Seelsorge betreffend, und als derselbe ihm unter Anderem wittheilte, daß wir es der Energie des Cultusvorstehers Herrn Dr. Finkler zu verdanken haben, daß die hiesige Haupt-Synagoge so renovirt wurde, daß sie allen modernen Anforderungen der Neuzeit entspricht, versprach Se. Durchlaucht, Nachmittags die Synagoge zu besuchen. Seinem Versprechen gemäß besuchte Se. Durchlaucht die in Acetylenbeleuchtung hellstrahlende Synagoge und wurde vom Cultusvorsteher Herrn Dr. Finkler und von Sr. Ehrwürden dem Oberrabbiner Herrn Dr. Abraham Löwy ehrfurchtsvoll begrüßt. In der Ansprache, die Herr Oberrabbiner Doctor A. Löwy hielt, knüpfte er an die Rede, die Se. Durchlaucht beim Dejeuner hielt, an, nämlich, daß die Stadt Suczawa sowohl historisch als ehemalige Residenz, als auch gegenwärtig, weil sie in jeder Beziehung mit dem Zeitgeiste fortschreitet, von Wichtigkeit ist, und'betonte, daß diese prachtvolle, modern eingerichtete Synagoge einen Beweis der fortschrittlichen culturfreundtichen Gesinnung der Israeliten Suczawas bildet. Nachdem der Herr Landespräsident seiner Bewunderung über die Synagoge Ausdruck verliehen hatte, verabschiedete sich derselbe in wohlwollender Weise.' Paris. Der in den letzten Artikeln über den Dreyfushandel von Herrn Brision und Anderen mehrfach in die Debatte gezogene, aber im Allgemeinen recht gimpflich behandelte ehemalige Kriegsminister General Zurlinden hat es für nothwendig erachtet, im .Gaulois^ eine lange Abhandlung über seine Stellung im Dreyfushandel und seine Rolle in ihm vom Stapel zu lassen. Wie alle diese militäristischen Erklärungen, ist auch die Zurlinden's überaus ärmlich, sobald es sich darum handelt, eine Begründung für seine Ueberzeugung von der Schuld Dreyfus' beizubringen. Er sagt nur kurz und bündig, daß das Studium der Acten nach der Entdeckung der Fälschung Henry's ihm keinen Anhalt für die Unschuld Dreyfus' geboten habe. Das genügt dem Herrn General. Er hält es für völlig überflüssig, mitzutheilen, weshalb er denn an die Schuld glaube. Denn das, was er darüber sagt, ist wirklich zu kindisch, als daß der sonst verständige Mann wirklich daran glauben sollte. Bon einigem Interesse ist nur der Punkt, daß er recht glaubhaft darstcllt, nicht er habe als Militärgouverneur von Paris auf eigene Verantwortung den Oberstlieutenant Picquart den Militärgerichten überliefert, wie man das seinerzeit annahm, sondern auf Anordnung seines Vorgesetzten und Nachfolgers General Chanoine gehandelt, der seinerzeit es unterlassen hatte, hierzu die Genehmigung seiner Collegen nachzusuchen. Als Antwort auf die Ausführungen des Generals Zurlinden hat Alfred Dreyfus ein berichtigendes Schreiben an den „Gaulois" gesandt, der dieses aber im Einverständniß mit dem General Zurlinden nicht abdruckt. Dieses Schreiben lautet: An den Herrn General Zurlinden. In einem Schreiben, das der „Gaulois" veröffentlicht, sagen Sie, daß das Studium der Acten von 1894, das Sie im Jahre 1898 vorgenommen, Sie von meiner Schuld überzeugt hat. Sie lassen meine Schuld aus den angeblichen Geständniffen hervorgehen, die durch den Cassationshof im Jahre 1899 und dann durch mich in Rennes gründlich widerlegt worden sind. Sie sprechen nicht mehr in Ihrem Artikel von dem Bordereau, der einzigen Grundlage der Anklageschrift, auf Grund deren ich verurtheilt wurde; Sie müssen es wissen, daß es von Esterhazy stammt. Sie sprechen auch nicht von den geheimen Aktenstücken. Auch hier müssen Sie wissen, daß sie sich nicht auf mich beziehen und zumeist Fälschungen sind. Sie haben wiederholt erklärt und geschrieben, daß Sie, sobald Sie zu der Erkenntniß gelangten, daß ich unschuldig bin, keinen Augenblick zögern würden, für die Revision einzutreten. Das hat der Cassationshof nach einer eingehenden Untersuchung gethan, und seine sämmtlichen 45 Mitglieder waren in dieser Entscheidung einig. Sie fahren aber fort, mich des schändlichsten Verbrechens für^ schuldig zu erklären, ohne indessen irgend einen Beweis anzuführen, ohne es zu wagen, eine einzige der Lügen und der Fälschungen, die gegen mich zusammengehäuft wurden, auf Ihre Rechnung zu nehmen. Wirkt etwa das von dem deutschen Kaiser mit Randbemerkung versehene Bordereau bestimmend auf Ihre Ueberzeugung ein? Weshalb zeigen Sie daun dieses Aktenstück nicht? Welchen Werth kann denn eine Ueberzeugung haben, die sich auf Documente stützt, welche man nicht vorzuweisen wagt? Es liegt gegen mich kein Beweis vor, der auch nur einen Augenblick eine Prüfung ertragen könnte. Mein ganzes Leben, alle meine Schmerzen, die Forschungen des Cassationshofes, die Verworfenheit Esterhazy's, Alles kündet laut meine Unschuld, und in meinem unverdienten und über alle Beschreibung grausamen Unglück beklage ich Sie, daß Sie nicht den Muth haben, das offen zu erklären, was Sie als Wahrheit kennen müssen. Alfred Dreyfus. New-Pork. Die Jahresversammlung des New-Iorker jüdischen Waisenhauses fand am 26. April d. I. statt. Präsident Louis Stern begrüßte die zahlreich erschienene Versammlung und legte seinen Jahresbericht vor, welcher zeigte, daß das Asyl sich rapid der Grenze seiner Fassungskraft nähere, da es für 1100 Kinder bestimmt, bereits 980 beherberge. Der Finanzbericht weist ein Deficit von 20.000 Dollars auf. Die Einnahmen betrugen 160.000 Dollars, die Ausgaben 180.000 Dollars. Das Deficit entstand durch Neubauten und wurde in der Versammlung von den Mitgliedern gedeckt. — Am 21. April veranstaltete die Justice Loge Nr. 532 B. B. eine öffentliche Versammlung im Educational-Gebäude (Ecke East Broadway und Jefferson Str.), in welcher das Ost-Seite-Problem und namentlich die Ueberbevölkerungsfrage verhandelt und über die Vertheilung der neuankommenden Immigranten berathen wurde. Redner des Abends waren 'der Präsident der B. B.-Loge, L. N. Levy, Isidore Strauß. L. L. Sulzberger und Andere. Das Auditorium war gedrückt voll. — Das neue jüdisch-theologische Seminar wurde im eigenen Prachtbau eröffnet. Derselbe ist mit allem modernen Comfort ausgestattet, ein Geschenk des Philanthropen Herrn Jacob Schiff und soll seine Errichtung 280 000 Dollars gekostet haben. Außerdem spendeten die Herren Schiss, Levinsohn und Guggenheimer 200.000 Dollars, damit von den Interessen dieser Summe der Lehrkörper besoldet werde. Nach der Ueberreichungsrede des Herrn Schiff sprach der Leiter des jüdisch-theologischen Seminars Dr. Salomon Schechter, der von der Cambridge- Universität aus London berufen wurde. Richter Sulzberger aus Philadelphia schenkte dem Institut eine werthvolle Bibliothek von 10.000 Hebraica. Dr. Marcus Jastrow aus Philadelphia sprach das Schlußgebet. — Am 26. Mai d. I. feierte die Stadt New-Jork den 250. Jahrestag ihrer Gründung. Bei dieser Gelegenheit wurde von der Schuljugend eine Hymne gesungen, welche die fünfzehnjährige Jda Primoff gedichtet hat. Jda Primoss ist das zweite der sechs Kinder des Gewürzkrämers Aron Primoff; sie kam als dreijähriges Kind nach Amerika und besucht jetzt bereits die School of Law, da sie Advocatin werden will. Jda Primoff's Gedicht ist von klassischer Einfachheit und bestrickt durch Inhalt und Form. Taussig. New-Pork. Der Bericht der amerikanischen Prudential Lebensversicherungsgesellschaft schreibt: „Es ist das Gesetz menschlichen Lebens, daß rechte Lebensweise und langes Leben stets Zusammengehen. Wenn wir ein kurzlebiges Volk, wie die Neger, mit einem langlebigen, wie Juden und Quäcker, vergleichen, dann haben wir die Erklärung dafür: die Unmoralischsten gehen früh zu Grunde, die Moralischsten erreichen ein hohes Alter. Der Geist des Judenthums hat von Anfang an das größte Gewicht gelegt auf ein rechtes Verhalten in den socialen Beziehungen, und dieses Gesetz rechter Lebensführung ist es, dem das Volk Israel seine unzerstörbare und unbändige Lebenskraft verdankt, trotz einem im Allgemeinen gebrechlichen Körper und trotz schwacher Constitution. Die ganze Geschichte des jüdischen Volkes beweist die Hinfälligkeit der modernen Lehre, daß bessere materielle Lebensbedingungen erforderlich sind zu besserer Moral und Geistesbildung. ... Es gibt kein lehrreicheres Capitel in der Wissenschaft oder Moral, als die Lebensstatistik des Volkes Israeli __ Kranzablösunasspender, zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien I.» Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Jg. Zucker: Von Herrn S. Jpsen K 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Max Q u i t t n e r: Von Herrn Johann Heinrich Offermann K. 50.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Ernestine Weiß: Von Herrn Joachim Weiß, II., Czerningasse 9, K 10.—; von Herrn Doctor Max Weiß und Frau, I., Universitätsstraße, K10.—; von Familie Beer, XVIII., Witthauergasse, K 10.—; von Familie Oppenheim,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.