Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 18 (1.5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 292 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 18 Gustav ergriff ihre beiden Händen und preßte sie an sein Herz. „Sei ruhig mein Lieb. Gleich morgen machen wir ein Ende." Sie sah in erstaunt und fragend an. Er antwortete: „Ich wickle rasch meine Geschäfte hier zu Lande ab, wir verkaufen unsere Einrichtung und schütteln den Staub Rumäniens von unseren Füßen . . . Wir bleiben hier keine Stunde länger. Noch sind wir keine verlornen Menschen, in jedem andern Lande werde ich auch nicht zu Grunde gehen. Mit Gottes Hilfe werde ich noch immer und überall im Stande sein, für Dich und unsere Kinder unser Brod zu finden . . Zenaide umschlang den Hals ihres Gatten und ein Strom von Thränen brach aus ihren Augen. Es dauerte lange, bis sie sich beruhigte. ,Wein', wein', mein Herz, das wird Dir gut thun", sagte Gustav. „D, Immanuel, mein Sohn, warum haben wir dieses Land nicht rechtzeitig verlassen^, rief Zenaide mit schmerzlicher Stimme. * Der Erzähler hatte geschloffen. Die Hörer blieben noch lange in Gedanken versunken. H. L. in Prag. Wenden Sie sich mit Ihrer Anfrage an den Hilfsverein für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien, Wien, I., Tuchlauben 17. K. Der Erzbischof Kohn hat in seinen Schriften so gehässig gegen Juden sich geäußert und läßt in seinen Organen derart antisemitische Excesse verüben, daß ihm die Behandlung, die ihm von den Christlich-Socialen widerfährt) von Rechtswegen gebührt« O. Die Tochter des gegenwärtigen Londoner Lord-Mayors und seiner Gemahlin Sir Marcus und Lady Samuel, Miß Nellie Samuel, verheiratete sich im Mansion Housc mit Mr. Walter H. Levy, und eine höchst inten ssaiite Ceremonie vollzog sich im Beisein der besten Gesellschaftskreise. Das junge Paar gab seine Erklärungen ab „gehorsam dem Gesetze Moses und Israels", trank zweimal aus einem Glase, wonach der Bräutigam es zerschmetterte, und so wurden in dem alten Mansion Honse alle die ehrwürdigen Ueberlieferungen der „auserwählten" Nation getreulich beibehalten. K. Unsere arischen Sittenrichter sind unermüdlich in ihrem Moralprotzenthum, während die Zeitgeschichte inriner interessantere Jllustrationsfacten dazu liefert. Aus Klausenburg wird gemeldet: Der griechisch-katholische Priester Anemius Moldovau stand gestern mit zwei Complicen der Wechselfälschung in acht Fällen angeklagt vor Gericht. Moldovan, der wegen eines ähnlichen Delicts bereits zu zwei Jahren verurtheilt worden war, wurde zu zweieinhalb Jahren Gefängnih, seine beiden Helfer zu einem Jahre und sechs Monaten verurtheilt. Neue Bücher. Dr. M. Braun. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums. Begründet von Dr. I. Frankel, fortgesetzt von Professor Dr. H. Graetz. Neue Folge, im Vereine n:it Professor Dr. David Kaufmanns. A. ins Leben gerufen. Verlag vou Wilhelm Koebner, Breslau. Siebenundvierzigster Jahrgang. Neue Folge, elfter Jahrgang. Jänner—Februar 1903. Inhalt: Sigmund Jampel: Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden. (Fortsetzung.) Dr. I. Scheftelowitz: Zur Kritik des griechischen und massoretischen Buches Esther. Dr. M. G ü d e m a n n: Das Judenthum im neutestamentlichen Zeitalter in christlicher Darstellung. Dr. Josef Esch elbacher: Die Vorlesungen Ad. Harnack's über das Wesen des Christenthumes (Fortsetzung.) Rabbiner Salomon B r a n n: Eine schwierige Mischnah. Dr. Theodor: Die neue Ausgabe des Seder Eliahu rabba und suta. Dr. Lewinsky: Aus dem Hildesheimer Stadtarchive. (Schluß.) M o r i z Steinschneider: Purim und Parodie. (Fortsetzung.) Besprechung: Dr. I. W e i u st e i n. Zur Genesis der Agada. Von Dr. Leopold Cohn. Dr. Mehemed Emin Efendi (Pseudonym.) Das neue Weltreich (Ein Beitrag zur Geschichte des ^0. Jahrhunderts.) Psychologische und politische Phantasien mit erläuternden Anmerkungen versehen und in 8 Theilen herausgegeben. Im Verlage von Friedrich Luckhardt, Berlin und Leipzig. Briefkasten. N. Nach dem Amtsblatt der „Wiener Zeitung" vom i9. April findet sich unter den mit einer Armenstiftung betheilten Personen ad. Nr. 86 Herr Wenzel Reimer, Gemischtwaaren - Verschleißer VIII., Tigergasse Nr. 15. Im Wiener Communalkalender für dieses Jahr ist auf Seite 312 ein Herr Wenzel Reimer, Bürger und Gemischtwaaren-Verschleitzer, VIII.. Tigergasse Nr. 15, als Bezirksrath für den VIII. Bezirk — gewählt vom III. Wahlkörper in der Josefstadt — verzeichnet. Die Identität der Person ist zweifellos. Diese Thatsache beleuchtet den Geist der Verwaltung der Wiener Machthaber. N. F. Der neue baierische Cultusminister v. W e h n e r und der Domcapitular Dr. Zimmern in Speyer sino allerdings Söhne jüdischer Eltern, wie die antisemitischen Racenschnüffler vermuthen. Allein auch der Wiener Bürgermeister darf sich jüdischer Ahnen rühmen, wie das in der „Oesterreichischen Wochenschrift" bereits constatirt worden ist. I. H. K. Beim besten Willen zum Abdruck ungeeignet. F. Die Mondesfinsterniß in der Nacht vom 11. zum 12. April d. I. war merkwürdig durch das Zusammentreffen mit dem christlichen Osterfeste und dem jüdischen Passahfeste, vermuthlich zum erstenmale wieder seit dem Osterfeste vom Jahre 33 nach Christi Geburt, jener Mondesfinsterniß, welche am April, dem Todestage Christi, stattfaud. So viel ist sicher, daß wenigstens in den letzten elf Jahrhunderten dieses Zusammenfallen der Mondesfinsterniß mit den beiden Festen wie im Todesjahre Christi auch nicht ein einziges Mal stattgefunden hat. Sch. P. in Lemberg. Der 20. Juni 1844 war Donnerstag der 3. Tamus 5604. Kundmachung. Wegen unaufschiebbar vorzunehmender Jnstallationsarbeiten für die Beleuchtui g bleibt der Leopoldstädter Tempel von Freitag den I. Mai bis Ende Mai d. I. geschlossen. Der Gottesdienst findet während dieser Zeit im kleinen Betsaale II. , Tempelgasse 3 statt. Wien, 28. April 1903. Der Borstand. der israelitischen Cultusgeineinde. Bethausverein „Beth Hachneseth“ in., Untere Viaductgasse 13. Trauungsfaxe 32 Kronen. Anmeldungen für Trauungen und Trauungsaufgebote werden entgegengenommen in der Vereinskanzlei, III., Untere Viaductgasse 13, zwischen 1—3 Uhr Nachmittags. Eine kinderlose Doctorfamilie nimmt einen oder zwei Knaben oder Mädchen in Pension. Vorzügliche Aufsicht, Erziehung und Verpflegung. (Clavier im Hause.) Volks-, Bürger-, Gymnasium- und andere Mittelschulen in unmittelbarster Nähe. Näheres in der Eedaction dieses Blattes oder Dr. F., II., Stefaniestrasse 9. Samuel W. 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