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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-04-24 · 17 (24.4.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
17 (24.4.1903)
Date
1903-04-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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fit. 17 Dr. Bloch's Wochensthrift. Sette 27S Wien. (Druckfehler-Berichtigung.) In Nr. 16 unseres Blattes in dem Berichte über die Armen-Anstalt der israelitischen Cultusgemeinde Wien ist die Summe der Geldunterstützungen an hiesige Arme irrthümlicherweise mit K 24.000 angegeben worden, während es richtig K 62.467 heißen sollte. Wien. Der Verein „Tomech Ewjonim“ hat am abgeiaufenen Pessachfeste 684 Personen mit Freitisch und zum Theile auch mrt Geldunterstützungen bedacht. Der Seder fand im Restaurant Bibrich, II., Malzgasse, statt. In Verhinderung des Obmanns begrüßte der Obmann-Stellvertreter Herr F. Figdor die Theilnehmer und Gäste. Am 2. Sederabend erschien der Obmann Herr Obercantor Schorr und richtete an die Anwesenden eine erhebenoe Ansprache. Der Verein verdient eine rege Unterstützung. J. S. Wien. (S e d e r f e i er). In seiner diesjährigen geistnnd gemüthvollen Pessachrede im Leopoldstädter Tempel erwähnte Herr Rabbiner Dr. Schmiedl, daß ein Glaubensgenosse, der den Seder- und Kolnidrä-Abend in seinem Elternhause vor sich gesehen, niemals seiner Religion untreu werden könne. Wir schocken dies voraus, um die Sederfeier recht würdigen zu können, die der Verein zur Verbreitung der Handwerke unter den inländischen Israeliten heuer zum 63. Male seinen.Zöglingen, die sonst nicht Gelegenheit hätten, einen Seder mitzumachen, veranstaltet hat. Die Verwaltung der Frucht- und Mehlbörse gab wieder — es muß dies mit besonderem Danke für dieselbe hervorgehoben werden — den großen Saal zu dieser Feier her, der 400 junge jüdische Handwerker beiwohnten. Die Vorstandsmitglieder, die Herren Dr. Reis, Brandeis, E. Karner, Hirsch, Julius Stern und mehrere Honoratioren wohnten der Feier bei, die allseits den besten Eindruck machte. Den Festvortrag, dem der Text aus Maleachi: „Den Gottesfürchtigen gehl eine Sonne der Gerechtigkeit auf" zugrunde lag, hielt Professor A n t s ch e r 0 dessen Worten die mehrhundertköpsige junge Zuhörerschaar mir Spannung lauschte. Den gesanglichen Theil besorgte Herr Cantor P e k a r n i k in würdiger Wrise und auch die jungen Seder-Theilnehmer sangen wacker mit. Nur schwer trennten sich die Geladenen nach Schluß des Festabends vom Seder, bei dem ihnen für die Feier im Elternhause Ersatz zu bieten gestrebt wurde. Wien. (Coucert zu Gunsten des Kaiserin Elisabeth-Denkmalfonds.) Das Donnerstag den 16. April im großen Musikvereinssaale unter dem Protektorate der Gräfin Kielmansegg stattgefundene Concert hatte einen glänzenden künstlerischen und materiellen Erfolg. Die Vorträge wurden durch eine stimmungsvolle, Anklänge an die Volkshymne enthaltende Improvisation, welche Professor Joseph Sulz er auf der Orgel ausführte, eröffnet. Dann betrat Hofschauspieler Reimers das Podium und trug überaus wirkungsvoll einen warm empfundenen, schwungvollen Prolog von Paul A l t h o f und ein herrliches Gedicht „Dem Andenken unserer Kaiserin" von Alfred v. Berger unter stürmischen Beifallsbezeugungen vor. Hierauf folgten Violoncellvorträge Joseph Sulz er's, welcher mit herrlichem Tone innig beseelte, an die besten italienischen Sänger erinnernde Vorträge und mit vollendetster Technik Compositionen von Schuhmann, Weber, Dawidoff und eigener Tactur (Sommernacht!) unter wahren Beifallsstürmen zu Gehör brachte. Den lebhaften Applaus des Publicnms mußte der Künstler mit imma neuen Zugaben quittiren. Rauschende Ovationen wurden auch deni Meisicrsänger Demuth für seine wundervollen gesanglichen Leistungen und dem Kammervirtuosen A l f r e d G r ii n f e l d für seine künstlerisch vollendeten Elaviervorträge zutheil. Beide Künstler mußten ihr ursprüngliches Programm durch Zugaben erweitern. Großen Beifall fanden auch die Lieder und declamatorischen Vorträge der Frau Kammersängerin Brandt- F o r st e r und des Fräuleins Lene Schölle r. Der Saal war bis auf den letzten Platz durch Vertreter des allerh. Hofes (die Herren Erzherzoge Ludwig Victor und Otto) der Aristokratie, Diplomatie und der besten Bürgerkreife besetzt und bewies diese ebenso patriotische wie pietätvolle Veranstaltung, deren glänzender Erfolg hauptsächlich den Bemühungen der Protectoren des Denkmalcomitös, Obmannes Kammerjuwelier Joseph M a y e r und des artistischen Leiters Hofmusiker Professor Jos. S u l z e r zu danken ist, wie unvergänglich treu die Liebe und Verehrung für unsere unvergeßliche Kaiserin alle Wiener beseelt. Wien. (Mädchen- und Frauen-Verein„Bikur- C h a u l i m".) Ohne Phrase rufen wir unsere Glaubensgenossen zu einer Pflicht auf. Der jüdische Kranke ist der ärmste Kranke. Wer kennt die Gestalten des Elends nicht, die sich mit letzter Kraft zur Hoffnungsstätte geschleppt haben, wo der letzte Kampf um den Familienerhalter geführt wird. Gequälte Menschen, seufzen sie endlich drinnen in.Schmerzen des Körpers, in Schmerzen und Sorgen des Herzens. Und der Judenhaß flieht selbst vor dieser Elendsstätte nicht. Wir helfen ihnen in ihrem Kummer. Diese Aermsten der Armen, wie erwarten sie die Stunde, in der sie ihr Leid klagen können ihren d Glaubensschwestern, die kommen, um ihnen Trost zu bieten, und sind wir erst da, dann vergessen sie all ihr Leid, all ihre Klage, sich nur der Freude hingebend, sich aussprechen zu können. Wenn wir sie wieder verlassen mit innerer Befriedigung darüber, ihr Leid doch wenigstens für eine Stunde gelindert zu haben, dann müssen sie zehren an dieser Stunde bis zu unserer Wiederkehr. Wir richten mw an alle Juden vom Herzen die Bite, uns für die Kranken gelesene Bücher, Zeitschriften, Broschüren, Jugendschriften (auch Jargon), ferner außer Verwendung stehende Wäsche und Kleidungsstücke jeder Art (vorwiegend für Erwachsene) schenken zu wollen. Die kleinste Gabe wird mit wärmsten Danke empfangen. Sendungen beliebe man zu richten an Frl. Helene Halberthal, II., Haasgasse 4. Wien. Am 28. März d. I. verstarb hier Herr k. und k. Major Leopolo Pick. Derselbe diente, nachdem er die juridischen Studien verlassen hatte, durch mehr als zwanzig Jahre als Officier beim 60. Linien-Jnfanterie-Regimente Freiherr von Appel. In dieser Eigenschaft schrieb er die Geschichte des genannten Regimentes, ein umfassendes glänzend redigirtes Werk, durch welches er in militärischen Kreisen allgemeines Aufsehen erregte. Der König von Sachsen, als Oberst-Inhaber des genannten Regimentes, verlieh dem Verfasser das Ritterkreuz erster Classe des sächsischen Albrecht-Ordens. Der Verblichene, welcher dem Glauben seiner Väter treu geblieben war, besaß ein reiches militärisches Wissen und ein treuherzig conciliantes Wesin und erfreute sich bei seinen Vorgesetzten, seinen Kameraden und seinen Untergebenen einer allgemeinen Beliebtheit, so daß sein Ableben in den ihm nahestehenden Kreisen mit großer Wehmuth vernommen wurde. Bei seinem Leichenbegängnisse, welches zwar den jüdischen Traditionen entsprechend, dennoch mit militärischem Gepränge stattfand, rückten unter Vorantritt der Regimevtsmusik drei Compagnien Infanterie aus, um dem Verblichenen das letzte kameradschaftliche Geleite zu geben. Sämmtliche Officiere des 60. Infanterie-Regimentes, Generäle, eine Unzahl Officrere aus diversen Truppengattungen und eine große Schaar trauernder Freunde aus dem Civilstande folgten unter den Klängen eines Trauermarsches dem Sarge, und als die Dccharge abgegeben, das „Gott erhalte" verklungen war und das Militär unter klingendem Spiele znrückkehrte, da mochte wohl mancher Gefährte des Verblichenen sich an die Weise des Uhland'schen Liedes erinnert haben: „Ich halt' einen Kameraden"; „Einen besseren find'st Du uit." „Die Trommel schlug zum Streite"; „Er ging an meiner Seite" „In gleichem Schritt und Tritt." vr. A. Krakau. (Trauung.) Dienstag den 28. April l. I. um 4 Uhr Nachmittags findet in Krakau, Grodgaffe 60, die Trauung des Fräulein Karola Lustgarten, Tochter des Herrn Dr. Ludwig L u st g a r t e n, mit Herrn Dr. Josef D r ob ner statt. Lerpnik. Der greise Rabbiner und bekannte Orientalist K u l k a ist dieser Tage eines sanften Todes verschieden. Der Heimgegangene war durch seine gelehrten archäologischen Arbeiten uud seine gelstreichen Vorträge bekannt und zählte zahlreiche Verehrer, die ihm ein treues Andenken bewahren. Mährisch-Auffee. Ein schönes Fest war es, welches unsere Gemeinde am 2. Tage Peffach zu feiern Gelegenheit hatte. Herr Alt-Vorsteher S. A. P v l l a k, der bis vor Kurzem durch mehr als 40 Jahre an der Sp.tze unserer Gemeinde gestanden, beging an diesem Tage seinen 85. Geburtstag, und wurden demselben aus diesem Anlässe von allen Seiten gebührende Ehrungen dargebracht. Bor dem Muff^f-Gottesdienste degab sich eine Abordnung in die Wohnung des Jubilars, wo Vorstandsmitglied und Tempelvorsteher Herr Samuel Wolf in Vertretung des in Mährisch-Schönberg domicilirenden Vorstehers Herrn Jacob Stern namens des Cultusausschuffes, Herr Tempelvorsteher Wilhelm Löwenkopf und Herr Rcligionslehrer Herzka gralulirten. Herr S. A. Pollak war durch diese Ehrung sichtlich gerührt und dankte in bewegten Worten den Gratulanten. Als der Jubilar das Gotteshaus betrat, wurde er durch einen schön vorgetragenen Psalm begrüßt. Ihren Höhepunkt erreichte die Festesstimmung, als der ehrwürdige Greis zur Thora aufgerufen wurde und unser Cantor und Religionslehrer Herzka nach dem Borlesen einen eigens von ihm zu diesem Anlässe verfaßten Mischeberach vortrug und im Anschlüsse daran an die Gemeinde eine kurze, für die Gelegenheit sehr paffende, höchst beifällig aufgenommene Ansprache richtete, die auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Am 1. Eßol-eiiLvrosä-Tage erschien eine Gemeinde-Deputation, bestehend aus dem in Mährisch- Schönberg domicilirenden Herrn Rabbiner Dr. M. E. P r o ß n i tz. Herrn Vorsteher-Stellvertteter Julius Frö hli ch aus Hohenstadt und Herrn Beirath Siegmund Berger aus Mährisch- Schönberg im Hause des Herrn P o l l a k. Herr.Rabbiner Doctor P r o ß n i tz richtete an den Jubilar eine Ansprache, in der er hervorhob, daß der Jubelgreis durch mehr als 4 Deceunien als Vorsteher gewirkt und durch seine Gelehrsamkeit, durch seiü jüdisches Bewußtsein und sein geistiges Berständniß das Ansehen der Gemeinde gehoben und zu Ehren gebracht hat. Die Herren Fröhlich und Berger überreichten nach einer Ansprache eine künstlerisch ausgestattete Adreffe, in welcher die Verdienste des Gefeierten zum Ausdruck gelangen. 0.

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