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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-04-03 · 14 (3.4.1903) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
14 (3.4.1903)
Date
1903-04-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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S-'r. 14 Vr. Bloch's Wochenschrift. Seite 223 Hermann Fuchs und Vice-Präses Herr Alajos Drechsler unter schönen Ansprachen das Porträt des Verblichenen. Sodann begaben sich die Vertretungen der Gemeinde und der verschiedenen Humanitätsvereine, sowie zahlreiche Gemeindemitglieder und die Familie des Verblichenen nach den Friedhof, um das Monument, welches die hiesige Cultusgemeinde und die Chewra-Kadischa dem Verblichenen errichtete, zu enthüllen. Herr Oberrabbiner Richter hielt dem Verewigten hier einen warmen Nachruf und zollte der Gemeinde und der Chewra-Kadischa Anerkennung, die kein Opfer scheuten, wo es sich darum handelte, für geleistete langjährige treue Dienste dankbar zu sein. Hierauf ergriff der Herr Gemeindepräses das Wort und übergab das Grab und das Monument der Pflege der Chewra-Kadischa. Herr Vereinspräses Hermann Stux versprach in kurzen Worten, das Grab, so lange die Chewra- Kadischa-Jnstitution bestehen werde, zu hegen und zu pflegen, damit der Name Dr. M. Adler den späteren Nachkommen stets als Musterbild zur Nachahmung erhalten bleibe. Nachdem Cantor Bandler Trauerchorale intonirte und das Llsnuebo-Xtzebono-Gebet verrichtet wurde, war die erhebende Feier zu Ende. Bielitz. Mittwoch den 25. März d. I. verschied der mährisch-schlesische Landesadvocat, Gemeinderath und Cultusrath Dr. Sigmund Markusfeld im 56. Lebensjahre. Der Verblichene war einer der hervorragendsten Männer unserer Stadt, deffem reichen Wissen, unermüdlichen Fleiße und selbstloser Hingebung die verdiente Anerkennung überall gezollt wurde. Bei allen öffentlichen Instituten nahm er eine führende und leitende Stellung ein. und beinahe auf jedem Blatte der Wirksamkeit der Gemeindevertretung begegnet man dem Namen Dr. Markusfeld. Durch 15 Jahre Gemeinderath, hat er besonders in der Rechtssection Bedeutendes und Unvergängliches geleistet und sich den Dank der Mitbürger erworben. Aber nicht nur als geistvoller Jurist, auch als feinsinniger Schriftsteller wurde er geschätzt. Im Interesse des Judenthums entfaltete er eine bemerkenswerthe und anerkannte Thätigkeit. Als Mitglied des Cultusvorstandes genoß er die besondere Werthschätzung seiner Glaubensgenossen. Der israelitische Frauenwohlthätigkeitsverein verliert an ihm einen hochgeschätzten Berather. Im Jahre 1898 wurde Dr. Markusfeld das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. Das Leichenbegängniß fand Freitag den 27. v. M., Nachmittags 3 Uhr, statt. An demselben nahmen u. A. die Bürgermeister von Bielitz-Biala, der ganze Gemeinderath, die städtischen Beamten, Schuljugend und Lehrer, der Cultusausschuß und eine große Anzahl Leidtragender theil. Am Grabe sprachen die Herren: Ebrwürden Rabbiner M. Steiner, Professor Feuerstein, Dr. Julius Schmetterling ergreifende Worte des Trostes. R. K. Salzburg. Von den in letzter Zeit in dem hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" veranstalteten Vorträgen ist besonders der am 23. v. M. vom Herrn Rabbiner Dr. Krengel über das aktuelle Thema „Bibel und Babel" gehaltene von Interesse. Der Redner führte unter Anderem aus, es sei selbstverständlich, daß Beziehungen zwischen babylonischer und jüdischer Cultur bestanden hätten. Dies sei durch die Stammesverwandtschaft der beiden Völker hinreichend erklärt. Unüberbrückbar dagegen sei die Kluft, welche die religiösen Anschauungen dieser Völker scheidet. Der Redner widerlegt nun in überzeugender Weise alle Argumente, die Delitzsch für seine Thesen ins Treffen führt. Er spricht dann über den Eindruck, den die Vorträge Delitzsch' in der Oeffentlichkeit zurückgelaffen haben, und führt aus, daß Diejenigen im Jrrthume seien, die da glauben, daß durch die moderne Bibelforschung vom Nimbus des israelitischen Volkes etwas verloren gehe. Das Gegentheil sei der Fall. Die Annahme, daß Israel all das Erhabene und Hohe, das uns in der heiligen Schrift entgegentritt, ohne übernatürliche Offenbarung Gottes hervorgebracht habe, könne dem jüdischen Geiste und dem jüdischen Herzen nur zu unvergänglichem, höchstem Ruhme gereichen. Ein Volk, das — um mit Delitzsch zu sprechen — gewiß nicht ohne Gottes Willen solche Leistungen aufweisen kann, dürfe jedenfalls mit Stolz in die Vergangenheit und mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Außerdem wurden in der letzten Winterperiode Vorträge gehalten von den Herren: Dr. K r e n g e l: „Ueber die Ausbreitung des Judenthums zur Zeit des zweiten Tempels"; Ludwig Pollak: „Ueber die Geschichte der Juden in Salzburg neuerer Zeit"; 8lnä. toedn. Alex. Lederer: „Ueber die Geschichte der Juden in Spanien"; Fritz L e v i: „Morris Rosenfeld"; Felix H o e f e l d: „Ueber Heinrich Heine und das Judenthum", die durchwegs reichen Beifall fanden und von dem regen Interesse, das sich für die Vorträge kundgibt, beredtes Zeugniß adlegten. Vukovar. Der plötzliche Tod des all beliebten Obergespans Peter von Iurkoviö, der am 12. v. M. im besten Alter verschied, ist nicht nur als ein Verlust für das Land, sondern auch speeiell für unsere Glaubensgenossen sehr zu beklagen. Peter von Jurkovi« zeichnete sich stets durch großen Liberalismus und strengste Unparteilichkeit aus und seinem Beispiel ist es zu danken, daß in unserem Comitate stets Einigkeit und Eintracht unter den Bekennern der verschiedenen Religionen herrschte. Bei dem in Agram stattgefundenen Leichenbegängniß vertrat Herr Ober, rabbiner D-'. I. Diamant die Judenschast des Comitates. Feuilleton. Flor«» der fjtimtev, Kaiser Agrippa und Menachem, Sah« Irhudah's. Eine Erzählung von Wlad. Korolenko. — Uebersetzt von Malwina Blumberg. (Schluß.) Und in einiger Entfernung begegnete er einer Anzahl Leuten, die müde, schweißbedeckt und voller Zorn waren. Die Wuth machte sie blind, so sahen sie denn nicht, daß es ein Engel war, der vor ihnen stand, und fragten ihn nur, ob er nicht einen Mann in Ketten gesehen habe? Mit einem strahlenden Lächeln streckte der Engel seinen Arm aus und wies auf das Haus, wo er den Flüchtling gesehen hatte. „Folget mir", sprach er, „dort ist derjenige, den ihr suchet". „Und er ging voran, und geleitete sie dorthin, wo der Aermste schlief, ein Lächeln auf den Lippen, denn feine Seele war sündenfrei. Kaum hatte jedoch sein Gastfreund die Schritte der Nahenden vernommen, als er sich rasch erhob und in das Haus eilte. Er weckte den Schlafenden und sprach zu ihm: „Genug hast du geruht, mein Bruder. Verlaß* mein Haus und eile von hinnen, denn deine Verfolger nähern sich. ..." Der Mann erschrack und sprach: „Sie werden mich im Walde erschlagen. Zu lange habe ich bei dir geschlafen und kann ihnen nicht mehr entgehen. . . Wehe mir, ich bin verloren! . . ." Doch sein Gastfreund erwiderte: „Fliehe rasch und ich werde sie hier aufhalten. Als heiliges Bermächtniß erbte ich von meinen Ahnen das Gebot, den Schlaf meines Gastes zu behüten, und noch me hat das Ruhen in meinem Hause irgend Jemandem Schaden gebracht." Der Flüchtling vertraute seinen Worten und stürzte fort in den Wald, indeß der Gastfreund mit der Waffe in der Hand auf der Schwelle seines Hauses verharrte. Mittlerweile kamen die Verfolger immer näher, und als sie ihn erblickten, traten sie auf ihn zu und sprachen: „In deinem Hause ist ein Mann, den wir suchen, um ihn zu tödten. Liefere ihn uns aus." Doch der Herr des Hauses erwiderte: „Eure Väter und Großväter verfolgten von jeher die Unschuldigen, von meinen Ahnen jedoch habe ich das Bermächtniß, den Schlaf meines Gastes zu behüten." Da entblößten die Leute ihre Schwerter. Aber der Engel stand daneben und begriff nichts von diesen Vorgängen, denn sein Name war: Unkenntniß. Und die Kämpfenden kreuzten ihre Schwerter, und das Eisen klirrte laut und bedrohte das Leben des Mannes, welcher seines Nächsten Leben beschirmte . . . Und lange klirrte und drohte das Eisen, bis es endlich, mit dem kurzen Zischen einer Natter, in die Brust des Bertheidigers sich bohrte. Und er fiel blutüberströmt auf der Schwelle seines Hauses nieder. . . Und das Blut aus seiner Wunde, es spritzte in die Höhe auf des Engels schneeweißes Gewand, und verblieb daselbst in Gestalt eines großen, purpurrothen Flecks. Und das Gehör des Engels war betäubt durch das Aechzen des Sterbenden, den er — aus Unkenntniß — dem Tode ausgeliefert . . . Die Verfolger stürzten in das Haus und fanden es leer. Da sagten sie, beim Hinausgehen, zum Bewohner desselben: „Siehe, du hast gelogen, hast die Wahrheit vor uns verborgen und jetzt stirbst du." Der Sterbende jedoch erwiderte: „Vor euch verbarg ich die Wahrheit. Gott aber kennt sie und weiß, daß, wie meine Ahnen es gethan, ich das Leben lasse in Bertheidigung eines Schuldlosen. Mein Blut jedoch werden meine Kinder rächen und die euren ..." Mit diesen Worten starb er. Aber der Engel, der Alles, was der Sterbende sprach, vernommen, hatte den Sinn der Worte nicht verstanden, denn sein Name war — Unkenntniß. Kaum jedoch war der Blick des Engels auf den pnrpurro'hen Fleck gefallen — als seine Augen, in denen das Blut

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