Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 13 (27.3.1903)
- Date
- 1903-03-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021493-3021507--12565-3037166- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite LOS Nr. IS Dr. Blvch's Wochsnschrifk. Arrfr«f a» alle ehemalige» Schüler und Schülerinueu der Uuterrichtsstelleu der israelitische» Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main. Fünfzig Jahre werden am 1. April des kommenden Jahres verflossen fein, seit die Unterrichtsanstalten der Israelitischen Religionsgesellschaft ins Leben getreten sind. In diesen 50 Jahren haben unsere Anstalten entgegen allen Zweifeln, die ihre Entstehung begleiteten, ihre Existenzberechtigung in glänzendster Weise dargethan. In den ihnen bei der Gründung vorgezeichneten Bahnen haben sie Generationen von Schülern und Schülerinnen heranzubilden das Glück gehabt, die den dreifachen Leitsatz des ersten Programms „Gewinnung des Geistes für die Wahrheit, des Herzens für die Gottesfurcht, die Ertüchtigung aller Kräfte für den künftigen Beruf" im Leben zu verwirklichen sich bemühen. Der Tag, an dem die Schule einen so bedeutungsvollen Abschnitt ihrer Entwiklung beschließt, soll daher nicht Vorbeigehen, ohne daß ihre ehemaligen Zöglinge den Gefühlen des Dankes gegenüber der Bildungsstätte ihrer Jugend, wie die Freunde und Gönner unserer Anstalten der warmen Theilnahme, die sie beseelt, einen sichtbaren, bleibenden Ausdruck verleihen. Bon diesem Gesichtspunkte geleitet, find die Unterzeichneten zusammengetreten, um mit vereinten Kräften für die Errichtung einer Jubiläums-Stiftung zu wirken. Die geplante Stiftung soll den Namen des Mannes führen, dessen hehre Gestalt mit unseren Anstalten unauflöslich und für immer vereint ist: Samson Raphael Hirsch. Sein Feuergeist war es, der dem Gedanken der „Jüdischen Realschule" im Sinne inniger Verschmelzung universeller nnd jüdisch-religiöser Bildungselemente das Leben gab, seinem Organisationstalente verdantt die Anstalt ihre Lehrverfaffung und die Grundlagen ihres umfassenden Lehrplans, sein eiserner Wille, seine unermüdliche Schaffensfteude endlich waren es, die ihn, unterstützt von gleichgesinnten Mitarbeitern, unter den schwierigsten Verhältnissen die Mittel zur Ausführung des großen Werkes erlangen ließen. So soll denn, da er selbst nicht mehr unter uns weitt, diese Stiftung unter seinem Namen dazu beittagen, unsere Anstalten für alle Zeiten auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit zu erhalten und sie in den Stand setzen, den vielfachen neuen Aufgaben, die an sie herantreten — wir nennen beispielsweise nur die zeitgemäße Ausgestaltung der allgemeinen und beruflichen Fortbildung — in vollkommenerer Weise zu entsprechen. Es ergeht daher unser Ruf an alle ehemaligen Schüler und Schülerinnen der Unterrichtsanstalten der Israelitischen Religionsgesellschast. an alle, die in Samson Raphael Hirsch die große Persönlichkeit verehren, wie nicht minder an jene, die, ohne selbst durch unsere Schule gegangen zu sein, durch Gleichheit der Ueberzeugung zu ihren Freunden gehören, unseren Plan durch Spendung eines der Wichtigkeit des Unternehmens wie der Seltenheit der Feier angemessenen Bettrags zu unterstützen. Frankfurt a. M., März 1903. Das Eomite ehemaliger Schüler: Louis Feist, l. Vorsitzender. Max Altbeimer, Hch. Benjaniin, Js. Benjamin, Jul. Bier, Jos. Bender. H. Birnbaum, Nath. Bock, Dr. S. Bamberger, Ludwig Baer, Carl Baer, Emil Carlebach, Hermann Cramer, Berth. Cassel, Jac. E. Eisenmann, Meier Elsemann. Gabriel Elkan, Max Emanuel. Edm. Ettinghausen, Louis Feist, Ed. Feist. Herm. Friesläuder, Gers. Frohmann, Dr. S. Fromm. Harry Fuld, E. Fürth. Adolf Gans, Julius Gans, Emil Goldschmidt, Jul. Goldschmidt, Meier Selig Goldschmidt. Max D. Goldschmidt, Sally Goldschmidt. Dr. Jos. Gugenheim, Siegd. Hamburger, Jos. Hackenbroch, Nath. Heß, Marcus Hirsch, Dr R. Hirsch, Dr. W Hirsch. Nath. Hombu ger, Isaak Jgersheimer, B. Jeidel, Jos. Japhet, Max Joseph, Jgn. Kauffmann, Mor. A.Loeb, N. H.Loeb, Beruh. Loewcnstein, Siegfr.Locwenthal, Jsaac M. Mainz. Mich. M. Mainz, Sam. M. Mainz, Felix Marx, Felix Mayersohn, Albert Mayer, Leop. Merzbach, S. Mo'es, Carl Mosbacher, Meier Nußbaum, Jac. Ochs, Hugo Oppenheimer, Jac. L. Posen, Jac. S. Posen. Mich. Rapp, Dr. Sally Rosenbaum, Jacob Rosenheim, Meier Rothschild, Gabriel Rothschild Herm. Rothschild, Hugo I. Rothschild, Albert Schames, Moses Schneck, Leop. Schwab, Siegd. Schwab. Mich. Schwabacher, Siegfried Schwarzschild, Siegm. Schwarzschild, Emil Seligmann, Lyon Seeligmann, Lazar Seckbach, Nath. Sondheimer, B. Sonnenberger, Maier Stern, Felix Strauß, Js. Sulzbach, Sam. Well, Jos. Wohlfarth, Eli Wildberg. Herm. Posen, Berlin; Rabbiner Dr. Zivi, Winzenheim; Jacob Bollvg, Basel; Jacob Eisenmann, Antwerpen; Bertr. Schwarzschild, Pest; Aby S. Marburg, Hamburg; Sally Mainz. Hamburg; Josua Jaffa. Hannover; Adolf Guggenheim, New-Iork; Prov.-Rabbiner Dr. Sal. Bamberger, Hanau; Leop. Löwenstein, London; Jos. H. Schames, Paris. DasComitL ehemaliger Schülerinnen: Lina Benjamin, Thekla Bamberger, Veilchen Elkan, Rosa Joseph, Auguste Levis, Nanny Levis, Bab. Kulp, Fanny Mainz, Hannchen Mosbacher, Flora Posen, Charlotte Rosenheim, Flora Schwarzschild, Gella Stern, Jacobine Wohlfarth. Geldspenden sind zu richten an Herrn Leop. Merzbach, Schillerstraße 1v, Frankfurt a. M. Eine Aenderung des Statuts der „Jca". Der Verwaltungsrath der „Jca" hat sich an das englische Parlament mit der Bitte gewendet, durch eine Statutenänderung den Bereich seiner Thätigkeit auszudehnen. Die von Baron Hirsch im Jahre 1894mit einem Capital von 50 Millionen Frcs. begründete und bei feinem Tode mit einem Legat von 200 Millionen Frcs. beschenkte „Jca" soll nach der ursprünglichen Absicht ihres Gründers die Juden aus den Ländern. in welchen sie keine Gleichberechtigung haben, nach Ländern verpflanzen, in den ihnen dieselben politischen und bürgerlichen Rechte, wie allen andern Confeffionen, eingeräumt werden. In einem mit Rußland im Namen der von ihm ins Leben gerufenen Gesellschaft abgeschlossenen Vertrage verpflichtete sich Baron Hirsch, unter Stellung einer großen in russischen Staatspapieren hinterlegten Ca.ution, alljährlich mehrere Tausend russische Juden nach Argentinien übersiedeln zu lassen, das der edle Philanthrop irrtümlicher Weise für das Eldorado der Emigration hielt. Die in den darauf folgenden Jahren gemachten Erfahrungen haben aber zur Evidenz bewiesen, daß die Voraussetzungen des Baron Hirsch leider in keiner Hinsicht zutreffend waren. Weder erwies sich Argentinien als das erhoffte Eldorado, noch waren die Juden, die seit mehr als tausend Jahren keinen Ackerbau mehr treiben, fähig, ohne langjährige Trainirung eine auf Ackerbau beruhende Colonisation in großem Style einzuleiten und durchzuführen. Die Auswanderung nach Argentinien mußte sistirt werden und die gegenwärtige Verwaltung der „Jca" sah sich außer Stande, der von Baron. Hirsch Rußland gegenüber eingegangenen Verpflichtung nachzukommen und alljährlich 10—25.000 Juden aus Rußland zu exportiren. Da einerseits der Verlust der an Rußland hinterlegten, auf viele Millionen sich belaufenden Caution drohte, andererseits aber die „Ica4 statutarisch verpflichtet ist. ihre Revenuen nicht zu capitalisiren, sondern zu dem bestimmten Zweck zu verbrauchen, so entschloß sich der Berwaltungsrath der ,Jca", die Jahreseinnahmen der von ihm geleiteten Gesellschaft einstweilen den armen Juden in Rußland, Galizien, Rumänien und Palästina zugute kommen zu lassen, um durch Errichtung von billigen Wohnungen, Gründung von technischen und landwirtschaftlichen Schulen, sowie Schaffung von neuen Industrien ihnen das schwere Dasein zu erleichtern. Durch die Verwendung eines großen Theiles der Gelder in Rußland selbst dürfte man zunächst hoffen, die russische Regierung soweit beschwichtigen zu können, daß sie nicht länger auf die pünktliche Erfüllung, des Vertrages beharren werde. Dann aber würden durch Errichtung von Anstalten, in denen die Juden auf theoretischem wie praktischem Wege den Ackerbau erlernen, diese befähigt, dereinst in großen Massen auch nach schwach bevölkerten Ländern auszuwandern. Nur so dürfte die - „Jca" hoffen, die ihr von ihrem Gründer, dem seligen Baron Hirsch, gestellte Aufgabe, die große seit 2 Jahrtausenden das Judenthum bewegende Emigrationsfrage zu lösen. Freilich involvirte der vom Berwaltungsrath der ,Jca" eingeschlagene Weg eine Ueberschreitung des Statutes, allein man glaubte sich dieselbe umsomehr gestatten zu dürfen, als ein anderer Ausweg wirklich kaum vorhanden war und man bei dem Mangel eines Klägers auch keinen Richter zu fürchten brauchte. Leider hat sich aber dieserKläger im Schoße des Berwaltungsrathes der „Jca4 selber gefunden. Den englischen Herren, welchen nach der testamentarischen Verfügung des Baron Hirsch im Verwaltungsrath einige Sitze haben eingeräumt werden müssen, haben gegen die nach ihrer Ansicht statutenwidrigen Ausgaben iür Rußland und Rumänien lebhaft und energisch protestirt. Den Herren aus England, welche jedenfalls sich mehr