Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 13 (27.3.1903)
- Date
- 1903-03-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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K, r Nr. 13 Dr■ Bloch’s Iahrgaa«l XX Centralorgsn für die gefammten Interessen des Iudenthums. Wien. 27. MSrr 1SV3. Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggasse 39. Telegramm-Adresse: Dloch's Wochenschrift, Wien. * ■■■=■ - -m N. ft. Pofisparcaffen-Rmt Clearing-Verkehr Nr. 810.976. NrdarUon und AdministraUorv ÜOitn IX/1, Berggssse Nr. 39. Talophon Nr. 14.847. * »eiugspret» flir Sestrrrrlch Halbjährig 8 Krone«. Einzelexemplare SO Heller, Wr'» Nn»l and: Halbjährig 10 Kronen. Ban,jährig 20 » Anzeigen: Die4malgespaltrne Delitzeile 24 Heller. Inhalt: Leitartikel: Ein Wort für die rumänischen Juden. Juden als „Connationale" der Deutschen. — Vom Jahrmarkt desLebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Altes und Neues Testament. — Die innere Befreiung. — Lieder des Ghetto. — Correspondenzen: Moritz Karpeles, Wien, Baden. Der Schwindel mit dem Blntmärchen. Lemberg. 2njähriges Jubiläum des Kreuzervereines in Prag. Prag, Friedek. Die rumänische Judenfrage im deutschen Reichstage. Aufruf an alle ehemaligen Schüler und Schülerinnen der Unterrichtsstellen der israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main. Eine Aenderung des Statutes der „Jca." Petersburg. —Vermischtes: Wien, Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Wien, Györ, Nachod. — Feuilleton: Florus der Römer, Kaiser Agrippa und Menachem, Sohn Jehudah's. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Gj« Morl für die rumänische« Juden. Daß unsere Glaubens- und Stammesbrüder in Rumänien den schwersten Kampf ums Dasein zu bestehen haben — wer vermöchte es in Abrede zu stellen! Der Staat, der in feierlicher Weise vor Europa versprochen hat, den Pflichten eines Gliedes der europäischen Civilisation gerecht zu werden und die bürgerlichen und politischen Rechte vom Religionsbekenntniß und der Abstammung unabhängig allen Landeskindern zu verleihen, hat schnöde sein Wort gebrochen und mit Verleugnung geschichtlicher Thatsachen, Diejenigen zu „Fremden" gestempelt und entrechtet, die er selbst durch die ihnen auferlegte Blutsteuer als Heimatsgenossen behandelt; in willkürlichster Weise hat er ihren Aufenthalt beschränkt, ihrem Erwerbe die allerengsten Grenzen gezogen, und das allergeringste Gebiet, innerhalb welches sie noch einen Hungerlohn finden könnten, wird ihnen durch die Willkür roher und gewissenloser Beamten so eingeschnürt, daß das russische Ghetto dagegen als ein begehrenswerthes Ziel erscheint. Europa, das mit der Anerkennung Rumäniens den Preis für die Gleichberechtigung im Vorhinein bezahlt hat, wurde belogen und betrogen. Aber mit ihren inneren Angelegenheiten allzusehr beschäftigt, haben die europäischen Staaten es unterlassen, die Gegenleistung einzufordern. Rumäniens als eines Balancegewichtes in Balkanfragen sich bedienend, haben sie nicht den moralischgeringen Werth dieses Staates in Anschlag gebracht, sondern höchstens wie viel Soldaten es eventuell zur Schlachtbank zu führen vermöchte, und auf dieses Kriterium sich stützend, haben sie alle beide Augen zugedrückt, um nicht zu sehen, wie viel Unrecht seit nun mehr als 25 Jahren in Rumänien aufgehäuft wird, wie wenig dieser Staat den Bedingungen eines europäisch-civilisirten Gemeinwesens entspricht. Das Jubiläum der Unabhängigkeit, das Rumänien im Vorjahre feierte, war ein Jubiläum der Ungerechtigkeit, ein Jubiläum der Schmach, ein Jubiläum der Lüge. So. geduldig auch die europäischen Cabinete sich die Rechtsverhöhnung seitens der kleinen „Staatsmänner" des jüngsten Königreichs gefallen ließen, der Schmerzensruf pon Hunderttausenden gequälter Menschen blieb nicht ganz ungehört. Hie und da bricht sich doch die Stimme des Gewissens auch außerhalb der jüdischen Presse Bahn und sowie wir mit Befriedigung jenen ernsten Schritt verzeichneten, den vor Monaten die amerikanische Regierung unternahm, die Rumänien offen der Pflichtverletzung anklagte und die europäischen Cabinete beschämte, so dürfen wir auch unsere Genugthuung darüber nicht verhehlen, daß im österreichischen Parlamente sich Stimmen unabhängiger und freisinniger Abgeordneter erhoben, welche ihrem Urtheile über Rumäniens Gebühren offen Ausdruck gaben und die Erwartung aussprachen, daß die Regierungen ihre Pflichten erfüllen werden. Hoffentlich werden die Delegirten nicht hinter den Abgeordneten zurückstehen. Und wenn nun einmal selbst im österreichischen Parlamente das Wort zu Gunsten der Unterdrückten und Entrechteten laut wurde, in dem Parlament, auf welches die hochmüthigen Nachbarn mitleidsvoll herabblickten, seine Lebensfähigkeit unterschätzend, nun dann werden sie, auf den Vollbesitz ihrer Lebenskraft pochend, vielleicht noch stärker ihre Stimme erheben, um dem Unrecht zu steuern und sich als Hüter des Rechts aufzuwerfen! Hat man im französischen Parlamente angefangen, sich der „armen Macedonier" anzunehmen, hat man einen Congreß zu Gunsten der vergewaltigten Armenier abgehalten, nun so gebe man doch auch dem Rechte die Ehre, das Rumänien mit Füßen tritt! Bereits erhebt England seine Stimme und nennt die „roumanian atroeitiss^ bei ihrem wahren Namen, es läßt sich nicht mehr irreführen und belügen, und es gereicht uns zum größten Stolze, oaß wir in der österreichischen Tagespreffe ein großes, das größte politische Organ besitzen, das unbekümmert um Diplomatenkniffe den Rumänen ein wahres Spiegelbild vor Augen hält. Es ist dies die „Neue Freie Presse", in der erst in den allerletzten Tagen ein Mann, dessen Herz nicht nur warm für das Judenthum schlägt, sondern der auch stets mit Wort und That, mit der Feder, wie mit seinem ganzen Können für die Rechte der Juden, für jedes Recht, eingetreten ist auf Grund seiner genauen Kenntniß der Thatsachen in Rumänien, sich für unsere Glaubensgenossen eingesetzt hat. Er knüpft an die Interpellation des Dr. Skedl im Abgeordnetenhause an, um dann aus \ > I X *