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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-03-13 · 11 (13.3.1903) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
11 (13.3.1903)
Date
1903-03-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 168 Dr. Vlsrh's Wochenschrisr. Nr 11 Kalbes Menschenalter hat unser Verein viele Tausende von Thränen getrocknet, unzählige Kranke unterstützt, Witwen und Waisen getröstet! Ein hohes, ideales ethisches Streben, für welches wohl jedes Mitglied dieses Vereines so viel Interesse haben sollte, diese Intentionen zu unterstützen und zu fördern! — Und wie sieht es in Wirklichkeit aus? Der Bericht constatirt, daß sich die Einnahmen mit den Ausgaben nicht mehr decken, denn die Ansprüche an den Verein haben sich unverhältnißmäßig erhöht, während die Einnahmen leider nicht jene Höhe erreichten, wie sie den gesteigerten Forderungen angemeffen sein sollten. Wieder wurden alle Einnahmen des Vereines — die Zinsen der Werthpapiere, ferner die dem Vereine zugewendeten Spenden rc. — aufgebraucht, um den Ansprüchen der Mitglieder gerecht zu werden, — mit einem Worte: der Verein prosperirt nicht in der Weise, wie es die Anstrengungen des Vorstandes verdienen würden. Woran das liegt? Die Bereinsleitung, jederzeit von den besten und edelsten Intentionen für seine Mitglieder erfüllt, hat im letzten Jahresberichte unter Aufzählung der dem Vereine anhaftenden Uebelstände einen warmen Appell an seine Mitglieder gerichtet, dahingehend, dem Vereine neue junge Mitglieder zuzuführen, um denselben in Rücksicht darauf, daß der größte Theil der bisherigen Mitglieder alt und krank geworden, zu regeneriren. Dieser Appell ist zum größten Theil ungehört verhallt. Der Vorstand hat ferner, von der Ansicht ausgehend, daß bei den meisten erkrankten armen Mitgliedern das wöchentliche Krankengeld als Aequivalent für entgangenen Verdiene dazu verwendet wird, die Mittel für den Haushalt herbeizuschaffen, dagegen das Wichtigste — d. i. den Arzt zu berufen, verabsäumt wird, auch dafür ein Mittel gefunden, und zwar hat die Vereinsleitung erprobte Aerzte gegen Jahrespauschale acceptirt, welche gegen Abzug von 20 Heller für die Visite das erkrankte Mitglied behandeln sollten. Auch diese immens wohlthätige Institution ist gescheitert, indem dem ärztlichen Pauschale von 1330 Kronen der beschämend kleine Betrag von L 40'20 für abgezogene ärztliche Intervention gegenübersteht. Der Verein krantt somit — es muß offen gesagt werden — an der Theilnahmslosigkeit seiner Mitglieder. Kann unter solchen Umständen von einer Prosperität, von einem Aufblühen des Vereines die Rede sein? Der Verein verdient rege Theilnahme und eifrige Förderung. Die Vereinsleitung hat im abgelaufenen Jahre einen Witwen- und Waisenfond gegründet, welcher bereits seine segensreiche Thätigkeit entfaltet und in drei Fällen den Hinterbliebenen den Betrag von je 400 Kronen ausbezahlt hat. Wie alljährlich, wurden auch im Vorjahre Mazzos an arme Mitglieder zur Vertheilung gebracht. Der Vorstand ist unermüdlich und nach jeder Richtung bemüht, seinen Mitgliedern im Rahmen der gegebenen Mittel die weitgehendsten Benefizien zu gewähren, und es wäre nicht nur wünschenswerth, sondern unbedingt nothwendig, daß die Mitglieder — in Anerkennung der ihnen bewiesenen Fürsorge — den Vorstand in der angedeuteten Weise unterstützen würden. Mit besonderer Genugthuung theilt der Vorstand mit, daß mit dem heurigen Jahre die Herren Jakob Mittler, Wilhelm Fantl, Julius Wottitz und Salamon Neufeld ihr 25jähriges Jubiläum als Ausschußmitglieder des Vereines feiern und ergreift die Gelegenheit, genannte Herren, die sich ein halbes Menschenalter auf dem Gebiete der Humanität hervorgethan und insbesondere in unserem Vereine stets ein warmes Herz für ihre Mitmenschen zeigten, zu dieser Gelegenheit herzlichst zu beglückwünschen. Am 19. April l. I., um 10 Uhr Vormittags, als am letzten Tage des Paffahfestes, wird, wie alljährlich, im kleinen Betsaale des Leopoldstädter Tempels, H, Tempelgaffe 3, ein Maskir-Gottesdienst für das Seelenheil der verstorbenen Mitglieder des Vereines „Obeseä Lvbel Eines" abgehalten. Wie«. Die Chewra-Kadischa Fünfhaus veranstaltete am Donnerstag den 5. d. M. im Tempel XV., Turnergaffe 22, einen solennen Trauergottesdienst für ihre verstorbenen Vereinsmitglieder. Bot schon der überfüllte Tempel an und für sich einen herzerfreuenden Anblick, so versetzte das Erscheinen des altehrwürdigen Herrn Rabbiners Dr. Schmiedl, der den weiten Weg nicht scheute, um wieder einmal in der Mitte seiner früheren Gemeinde zu erscheinen, die andächtige Versammlung in gehobene Stimmung. Unter den zahlreich erschienenen Gästen seien nur erwähnt Herr Cultusvorsteher Gottlieb Taussig, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Doctor Rosenmann, Herr Friedhofs-Verwalrer Steiner, Dr. S. Krenberger, Jacob Ripp er, Apotheker L ö w y, der Bethausvorstand für die Bezirke XU.—XV., sowie die Vorstände sammtlicher humanitärer Vereine der westlichen Bezirke Wiens. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Taglicht hielt die Gedenkrede und die Haskara über Ansuchen des Vorstandes der Chewra-Kadischa in jener erhebenden, formschönen Weise, wie sie diesem illustren Kanzelredner eigen ist. Andächtig lauschte die Versammlung seinen trefflichen Worten,. seine ausgezeichnete Rede drang in die Herzen der versammelten Gemeinde, und aufrichtigen, innigen Dank las man in den Blicken der Erschienenen. Den liturgischen Theil der Feier hielt Herr Cantor Schleifer in nicht minder erhebender Weise. Seine Vortragsart, seine mächtige klangvolle Tenorstimme, sowie das tiefe Verständniß für sein Fach, welches der Herr Cantor aufs Neue documentirte, gestaltete den Gottesdienst zu einem wahren Dienste für Gott. An die Tempelfeier schloß sich eine Chewra- Sude im Restaurant Herlinger an. Herr Dr. Bars, Obmann der Chewra-Kadischa, begrüßte in herzlichen Worten die erschienenen Gäste Se. Ehrwürden Herrn Doctor Taglicht, Doctor Bach, Doctor Rosenmann, Doctor Bloch, kaiserlichen Rath Cultusvorsteher Wilhelm Pollak, brachte ein Hoch auf Se. Majestät aus und warf zugleich einen kurzen Rückblick auf die 38jährige Thätigkeit der Chewra-Kadischa und deren segensreiches Wirken. Im Anschluß an das Brudermahl sprachen noch Herr Dr. Bach, Dr. Bloch, Dr. Rosenmann, Dr. Taglicht, kais. Rath W. Pollak und Anton Stern treffliche Worte, die begeisterten Wiederhall in den Theilnehmern fanden. Herr Cantor Schleifer rt citirte die Gebete und Mischeberachs in so ausgezeichneter Weise, daß ihm von allen Seiten Dank und Anerkennung ausgesprochen wurde. Den Schluß des gelungenen Festes bildete ein Appell des Herrn Obmann-Stellvertreters Neufeld an den Cultusvorstand Herrn kais. Rath W. Pollak, er möge bei Neuerungen des Leichenwesens, welche vom löblichen Cultusvorstande angeregt wurden, auch unserer Chewra der westlichen Bezirke gedenken und die gemachten Erfahrungen, welche sich in den Wünschen der Mitglieder vereinen, auch bei dem hochlöblichen Cultusvorstand zur vollen Geltung bringen und treu und fest Zusammenhalten, um so den Verein zu einer höheren Blüthe zu verhelfen. Wien. Donnerstag den 6. d. M. fand wie alljährlich in der dem Anlasse entsprechend decorirten Synagoge der Seitenstettengasse ein von der Chewra-Kadischa veranstalteter Trauergottesdienst für die verstorbenen Mitglieder statt. Eine große Zahl von Theilnehmern hatte sich zu der ernsten Feier eingefunden, bei welcher Herr Obercantor Singer mit den Chorpersonal in trefflicher Weise den gesanglichen Theil des Gottesdienstes leitete, während Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann eine tiefergreifende Ansprache hielt. Vor dieser Feier wurde der Sterbetag des Herrn Julius Stern, Bruder des allverehrten Vicepräsidenten Dr. Alfred Stern, in würdiger Weise begangen. Dabei wurde eine Composition des El mole rachamin von dem in Berlin lebenden Componisten Oscar Strauß, einem Neffen Dr. Alfred Stern's, zu Gehör gebracht. — Samstag Abend fand abermals ein Trauergottesdienst statt, diesmal von dem „Vereine für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten"' veranstaltet, bei welcher ebenfalls Oberrabbiner Dr. Güdemann durch eine außerordentlich sinnige Ansprache sehr ergriff, während Obercantor Singer in gewohnter Vortrefflichkeit den liturgischen Theil der Functionen leitete. E. J. Wien-Währing. (S e e l e n an d a ch t.) Aus Anlaß des 7. Adar veranstaltete der Vorstand der Chewra-Kadischa im 18. Bezirke in Wien im Sinne der Statuten für die seit 1881 verstorbenen Mitglieder eine Seelenfeier, die in Folge der in diesem Blatte angekündigten Predigt, gehalten von Sr. Ehrwürden dem Herrn Gemeinderabbiner Dr. Armin A b e l e s, von illustren Gästen und einem sehr zahlreich erschienenen Publicum besucht war. Es erschienen die Herren Cultusvorstände Dr. Berger Edler v. Mises und Em. Hoffman n. die Cultusbeamten I. Braun und Neustatl, der Vorstand der Chewra-Kadischa und des Tempels sammt den Vertrauensmännern des 18. Bezirkes, der Tempelvorstand des 3. Bezirkes, Herr Religionsprofessor Dr. Pollak u. v. A. Der gesangliche Theil wurde vom Cantor Serebrenik, unterstützt von dem Chore, ausgeführt; besonders erhebend war der Vortrag des 49. Psalms, componirt von weiland S. Sulzer, wofür auch Herrn Serebrenik nach beendeter Feier die Anerkennung zutheil wurde. Das Hauptinteresse concentrirte sich natürlich auf die Predigt. Nun, Herr Rabbinrr Dr. Abeles hat alle Erwartungen über-

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