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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-03-13 · 11 (13.3.1903) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
11 (13.3.1903)
Date
1903-03-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Str. 11 Ar. Blori^s WochenjÄrrist, «ette 165 die Sittenlehre des Judenthums anderen Bekenntnissen gegenüber. Straßb. 1678 und Lazarus Ethik. Cap. HI; für das Mittelalter und die Neuzeit: Hoffmann, der Schulchan-Aruch und die Rabbinen über das Verhältnis der Juden zu Andersgläubigen. 2. Aufl. Berlin 1894). An dieser Stelle sei nur hervorgehoben, daß es keine Stufe gibt, die nach der Lehre des Judenthums von Heiden nicht gleich den geborenen Israeliten erreicht werden könnte. Heidnische Propheten werden den israelitischen, Moses sogar dem Bileam gleichgestellt. (Sifrö II Ende Bamidbar r. 146). Heidnische Könige wie heidnische Gelehrte werden mit Segenssprüchen begrüßt. (Berach 58a; Schulchan-Aruch O. Eh. 224). Und auch die künftige Welt ist ihnen nicht verschlossen (Sanhedr. 105a). Der Begriff „Nationalität" im modernen, exclusiven Sinne war den Juden überhaupt fremd; sie kannten nur eine durch das göttliche Gesetz geregelte Gemeinschaft. Wer sich zu diesem Gesetze bekannte, war Jude, Vollblutjude wie der Sohn Abrahams. Selbst der Heide, der diese Gesetze beobachtete, wurde — wie R. Meier sagt — dem Hohepriester gleichgestellt. Das Volk der Juden war darum vielleicht auch das einzige Volk, das sich damit begnügte, vom Menschen abzustammen. Es verherrlicht nicht die Thaten seiner Ahnen, die sind ihm keine Halbgötter, nichteinmal Heroen. Moses wird von keiner Wölfin gesäugt; die Wanderzüge der Väter haben nichts von einer Odysseischen Irrfahrt an sich. Selbst Abraham, der Urahn ist, nur ein stiller friedliebender Heerdenbesitzer. Nicht einmal das Priesterthum wird ihm zuerkannt. In aller Bescheidenheit gibt er dem Priester Malkizedek, der gleich ihm dem höchsten Gotte dient — so zu lesen nicht auf einer von Delitzsch entdeckten Thontafel, sondern Genesis 14,20 — „Den Zehnten von Allem." Nur die Altäre, die er erbaut, an welchen er den Namen Gottes gekündet, zeugen von dem heiligen Ernst, mit welcher er die ihm gewordene Aufgabe, die Lehre Gottes zu verbreiten, erfüllt hat. Und wenn daher an den Bund der Väter erinnert, wenn auf Abraham hingewiesen wird, so geschieht dies nicht, um in den Herzen der Epigonen den Ahnenstolz zu wecken, sondern um die späteren Nachkommen zu mahnen, daß sie ihren Ahnen nachstreben und das Werk der Väter fortsetzen. Die heilige Verpflichtung, die Lehre Gottes zu verbreiten, für diese zu leben, zu leiden und wenn es sein muß, wie Abraham auch zum Wanderstabe zu greifen, war die „Auserwähltheit" die das Haupt des alten Volkes auf seinen Wanderzügen mit keinem Nimbus umgab, sondern mit einer Dornenkrone schmückte. Ein Hilferuf für unsere Kranken. Streiflichter auf die Krankenpflege in Oesterreich. II. Von. der notorischen Nothwendigkeit jüdischer Krankenpflegerinnen ausgehend, hat die ausgezeichnete Verfasserin. Frau Henriette Weiß, ihre Monographie geschrieben und in die Welt gesetzt. Sie hat den Mangel an jüdischen Krankenpflegerinnen am eigenen Leibe empfunden, aus eigener Erfahrung mitgemacht, sie, die ihren an Lungentuberculose dahinsiechenden unvergeßlichen Gatten jahrelang in aufopfernder hingehender Weise wartete und betreute. Frau Weiß plaidirt mit einem der Sache würdigen Feuereifer für die Errichtunq einer Anstalt zur Heranbildung jüdischer Krankenpflegerinnen, sie gemahnt hiebei an ein edles Vorbild, an Baronin Suttner, denn so wie Letztere für die Friedensidee, setzt sie ihr ganzes Wollen und Können für die sich gestellte Aufgabe ein, jedoch mit dem Unterschiede, daß Frau Weiß es bei platonischer und akademischer Propaganda nicht bewenden läßt, sondern mit persönlicher Aufopferung und Hingebung die finanzielle und moralische Förderung in unermüdlicher, unerschrockener Weise propagirt. Man erinnert sich wohl noch allenthalben, wie eifrig, unentwegt und rastlos sie agitirte, Vorträge in den verschiedensten Vereinen Wiens hielt und die Propaganda auch auf die Provinz erstreckte, und zwar mit glänzendem Erfolg, denn es war ihr geglückt, weite Kreise dem Unternehmen zuzuwenden, die Herzen zahlreicher Menschenfreunde zu gewinnen, die mit offener Hand sich bereit gefunden hatten, die Gründung einer Schule für jüdische Krankenpflegerinnen thatkräftigst zu unterstützen. Ein begeisterter Anonymus allein spendete zwanzigtausend Kronen, viele Andere folgten mit namhaften Beträgen, so daß es nach kurzer Zeit Frau Weiß möglich geworden war, weitere zwanzigtausend Kronen dem edlen Zwecke zuzuführen. Der humanitäre Verein „Providentia", der die Angelegenheit zu seiner eigenen zu machen beschlossen hatte, widmete gleichfalls zwanzigtausend Kronen, demnach ein beinahe für ausreichend befundener Baufond von sechzigtausend Kronen zur Verfügung steht. Die projectirte Krankenpflegerinnen'Schule war aber nur in Verbindung mit einem Spitale ralionell durchführbar. Mit Rücksicht darauf, daß die Wiener Cultusgemeinde das Rothschildspital aushält und verwaltet, weiters, daß der Wiener Cultusvorstand schon im Jahre 1898 beschlossen hatte, als Kaiser- Jubiläumsstiftung eine Krankenpflegerinnen-Schule zu errichten und die letztere mit jährlich zehntausend Kronen zu dotiren, wandte sich Frau Weiß mit ihrem Projekte an den Wiener Cultusgemeinde-Borstand, scheint jedoch nicht ein geneigtes Ohr und die gebührende Förderung gefunden zu haben, trotz kräftigster Unterstützung der Präsidentin des israelitischen Siechenhauses, die in sorgsamen Eifer für ihre Schützlinge, intelligente, verläßliche Pflegerinnen heiß ersehnt. Man hat vielmehr die Empfindung, daß der Verfasserin allerhand Hindernisse erwuchsen, die ihr keinen andern Ausweg übrig ließen, als sich mit ihrer Monographie in die Oeffentlichkeit zu flüchten. Wenn nur ein kleiner Theil der ins Treffen geführten Argumente und der vorgebrachten Gravamina den Tatsachen entspricht, wird der apostrophirte Vorstand nicht umhin können, Rede und Antwort zu stehen. Der Oeffentlichkeit genügt der Umstand allein schon, daß die Errichtung der Krankenpflegerinnen-Schule seit fünf Jahren auf der Tagesordnung steht, für Frau Weiß Partei zu ergreifen. Der Wiener Cultusvorstand sollte sich aber auch mit Rücksicht auf die tiefeingewurzelten patriotischen Gefühle der Wiener Jude nfchaft bemüffigt erachten, den im Jahre 1898 anläßlich des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums Seiner Majestät des Kaisers gefaßten Beschluß auf Errichtung der Kraukenpflegerinnen-Anstalt endlich in die That umzusetzen; dies ist ein Gebot sowohl des Patriotismus, der Loyalität gegenüber der Oeffentlichkeit, als auch eine Pflicht vis-ä-vis der Gemeinde, die dem Jnslebentreten der erwähnten Anstalt mit berechtigter Ungeduld harrt. In der Cultusgemeinde verwendet man viel Aufmerksamkeit und Energie für ausgreifende Actionen, für die Klernarbeir dagegen fehlt leider das erforderliche Berständniß. Zu dieser Kleinarbeit, die in der Zeit der Bedrängniß. des Racenhaffes, der materiellen Nothlage weiter jüdischer Bevölkerungskreise von tiefeinschneidender Wichtigkeit ist, gehört aber gewiß die Creirung einer Lehranstalt für Krankenpflege, in welcher jüdische Wärterinnen nicht nur für Wien, sondern für ganz Oesterreich ausgebildet werden könnten. Der Architekt versieht die hohe Mauer des stolzen Gebäudes mit kleinen, eisernen Klammern, die der aufstrebenden Wand Halt verleihen, ohne welche nicht nur die Wand, sondern auch das ganze Gebäude dem Einsturze geweiht wären. Die Kleinarbeit, zu welcher auch die Errichtung genannter Anstalt gezählt werden darf, verdient daher mehr Würdigung, als ihr bislang zutheil geworden. Normal befindet sich die jüdische Familie ganz von Ariern umgeben, die Dienstboten, weiblich und männlich, die Präceptoren der Kinder, deren Musik-, Sprach- und sonstigen Lehrer find arisch — die beste Vorbereitung für die Affimilirungstheorie, wenn nicht gar für die Apostasie — man ermögliche es daher, zumindest in Krankheitsfällen zu jüdischen Pflegerinnen greifen zu können. Eduard Beer. Wir erhalten nachstehende Zuschrift: Hochwohlgeboren Herrn Dr. Bloch! Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift". Mit großer Befriedigung habe ich den Aufruf behufs Errichtung einer Krankenpflegerinnen-Schule in der „Oesterreichifchen Wochenschrift" gelesen, welch letztere ich seit.ihrem Erscheinen beziehe, deren Lectüre mich immer hoch erfreut. Ich bin von der Idee der Vorkämpferin für jüdische Krankenpflege, der verehrten Frau Henriette Weiß, derart begeistert, daß ich mich bereit erkläre, den schönen Zielen und edlen Zwecken derselben hundert Kronen zu widmen. Ich bin auch fest überzeugt, daß sich in Wien und in der Provinz Hunderte, ja Tausende jüdische Frauen finden dürften, die sich beeilen werden, die projectirte, einem tiefgefühlten Bedürfnisse entspringende Schule für Mische Krankenpflegerinnen thatkrästigst zu fördern. Hochachtungsvoll Frau Heinrich Blumberg.

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