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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-03-13 · 11 (13.3.1903) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
11 (13.3.1903)
Date
1903-03-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. H Jahr«an- XX Dr. Bloch1 Centralorgsn für die gessmmten Interessen des Iudenthums. V. kr. Postsparraksrn-Amt Elraring -Verkehr Ar. 610.976. Sebartfon und Hbrainiflratfont Wien IX/1. Berggasse Nr. 39. Talephon Nr. 14.847. —^- Mi«., 18. Mär; 1908. Lrsch eint jeden Freitag. -V» •» -H- Brief-Adresse: Wien, IX/1» Berggaffe 39. Telegrnmm-Adresse: Dloch's Wochenschrift, Wien. »Ejugapret* für VrktrrrEich Halbjährig 8 Kronen, Einzekexemplare 56 Heller. Nr'» Ku»l«lld: Halbjährig IO Kronen. Banzjäürig 26 » Anzeige«: Die 4mal gespaltene Betitzeile 24 Heller. Inhalt: Leitartikel: Der Wiener Denuntius. — Die Wenzels-Vorschußcasse. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Für unsere Jugend. Der Nimbus des auserwählten Volkes. Ein Hilferuf für unsere Kranken. Antisemitische Lügen über die rumänische Judenfrage. — Eorrespondenzen: Wien, St. Pölten, Prag, Budweis, Effek-Oberstadt, Friedek, Berlin, Bukarest, Paris, Rom. Die Einwanderung fremder Elemente nach England. New-Z)ork. — Vermischtes: Kranzadlösungsspenden zu Gunsten der Ehewra-Kadischa in Wien. Wien, Raab, Olmutz, Sillein, Klattau, Prag, Brody, Berlin, Teplitz. Feuilleton: Florus der Römer, Kaiser Agrippa und Menachem, Sohn Jehudah's. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. l Der Wiener Derirmlius. Wir erhalten zu dem unter obiger Ueberschrift in Nr. 8 der „Oesterr. Wochenschrift" erschienenen Artikel folgende Berichtigung : Es ist unwahr, daß ich „däs Sacrament des Altars „Hokus-Pokus" nenn/"^ Wahr ist vielmehr, daß niemals in der „Fackel" gegen die Einrichtungen irgend einer Kirche ein ähnlich blasphemischer Ausdruck gebraucht wurde und insbesondere^von dem „Sacrament des Altars" niemals die Rede war. Nähr ist, daß lediglich der Verfasser eines in Nr. 22 der „Fackel" (Anfang November 1899) erschienenen — nicht von mir geschriebenen und darum ausdrücklich signirten — Artikels von Voltaire gesprochen hat, der „sich als Siebenzigjähriger schwer krank stellte und den Priester kommen ließ, allen Hokus-Pokus am eigenen Leib zu ersah rep";<w ah r ist, daß hiemit der Verfasser jenes Artikels nicht ein Urthleil ausgesprochen, sondern blos Voltaire citirt hat. >Es ist unwahr, daß, „von beschäftigungslosen Trafikantinnen, verschlafenen Kaffeehausbummlern und Herrn Kraus selbst abgesehen, heute kein Mensch mehr" die „Fackel" liest. Wahr ist, daß die „Fackel" nach wie vor nicht nur den größten Leserkreis, sondern auch den stärksten Absatz unter den österreichischen Revuen hat. Karl Kraus, Herausgeber der „Fackel^. Der Wiener Denuntius ließ sich, wie vorauszusehen war. die werthvolle Gelegenheit nicht entgehen, seinen geliebten § 19 zu etwas Reclame für sein Blättchen auszuschroten. Eingedenk feiner imponirenden Friedfertigkeit, mi^ der er den magersten Vergleich dem fetten Processe vorzog, * veröffentlichen wir seine Berichtigungsreclame auch ohne gesetzliche Verpflichtung und wollen nur hoffen, daß dieses unbezahlte Inserat sein Selbstgefühl und gekrümmtes Rückgrat, das er sich einst anläßlich einer Gerichtsaffaire vorsichtsweise ärztlich attestiren ließ, wieder aufrichten werde. Als kleine Gegengefälligkeit könnte der Wiener Denuntius, der in seinem Ertatendurst Voltaire für das freche Wort verantwortlich macht, uns verrathen, wo er es gefunden,^ oder doch wenigstens zur Bereicherung seiner französischen Sprach- ^.ksnntnisse uns belehren, wie Hokus-Pokus auf französisch heißt. Nur muß er die Güte haben, uns seine Antwort durch die Post zuzusenden, da wir uns nur im Nothfalle an jenen Orten einfinden, wo sein Blättchen die verbreitetste Revue ist. Die Menjels-Dorschrtßrafte. Seit Monaten lenken die Vorgänge in der Prager St. Wenzels-Vorschußcasse die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Von dem fabelhaften Moloch des jüdischen Reichthums, von der Ausbeutung durch die sogenannten „Judenbanken", von der „Tarnopoler Moral", von jüdischen Gaunern und Defraudanten sind tagtäglich die antisemitischen Blätter voll. Ihre Hetzereien haben thatsächlich schon zu Ausnahmsgesetzen gegen das jüdische Erwerbsleben, gegen die jüdische Geschäftswelt geführt. Die legislatorische Arbeit, welche unser marastisches Parlament in den letzten Monaten verrichtete, beschränkte sich fast ausschließlich auf Zwangsmaßregeln gegen den jüdischen Zwischenhandel, wenn dieselben auch unter dem Vorwände getroffen wurden, daß damit der allgemeinen Volkswohlfahrt gedient werden solle. Nun sind wir seit Monaten Zeugen des Zusammenbruches eines Creditinstitutes, das unter geistlicher Patronanz gegründet, von hohen geistlichen Functionären geleitet war und statutenmäßig keine Juden unter seinen Mitgliedern duldete. Nicht weniger als acht Millionen Kronen sind bei der St. Wenzels-Vorschußcasse gestohlen worden. Jener päpstliche Monsignore, der an der Spitze des Unternehmens stand, mauste wie ein Rabe, und mit ihm mausten all Diejenigen, deren Pflicht es gewesen wäre, die Geschäftsgebahrung der Direction einer sorgfältigen Controle zu unterziehen. Es ist die größte Defraudation, die je in Oesterreich vorgekommen ist, und die Opfer sind Tausende und Abertausende kleiner Leute, Dienstboten, Arbeiter, Handwerker, deren frommer Glauben, deren Vertrauen in das Priesterkleid der Gründer und Leiter in der frivolsten Weise mißbraucht und getäuscht worden ist. Kein jüdischer Geschäftssinn, keine jüdische Ausbeutungsgier, keine „Tarnopoler Moral" hat hier mitgewirkt; dieser Rattenschwanz von Verbrechen ist ein rein arisches Gewächs, diese Ausbeutung des christlichen Volkes ist von christlichen Männern, ja von christlichen Priestern verübt worden. Es fällt uns nicht ein, aus den Frevelthaten des Pater Drozd einen Schluß auf die Moral des katholischen Clerus im Allgemeinen zu ziehen. Aber dieselbe Gerechtigkeit im Urtheil verlangen wir für uns. Wir verlangen sie vor . i * .«r»‘v 4 iie ch. i < ÜV- *!

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