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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-03-06 · 10 (6.3.1903) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
10 (6.3.1903)
Date
1903-03-06
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 10 Or. Bloch's WochrnfchrM. «eite ISO schlug nicht heftiger im Kampfe, aber es zitterte vor dem Blick der Ungnade. So werden die Herzen derer, die der Uebermacht dienen. Und Cestius dachte nach: Wenn ich ihr Anliegen erhöre, kann ich die Gunst Nero's verlieren, denn Florus ist gut gesehen bei Hofe und Nero hat längst vergessen, was Wahrheit und Gerechtigkeit. Laß' ich jedoch die Bitte unberücksichtigt, so wird das Maß des Leidens voll und das Volk wird sich empören. Dann wird Blut fließen und ich werde meine Legionen gegen Judäa führen müssen. Letzteres ist besser. Die Legionen sind dazu da, um zu kämpfen und zu siegen. Während er sann, streckte ihm das Volk die Arme entgegen und Florus stand dabei, hochemporgerichtet und lachte unverhohlen über die Thränen und die Hoffnung des Volkes. Er wußte, daß dasselbe keine Gerechtigkeit finden würde. Als die Judäer in ihrem Jammern inne hielten, begann Cestius zu sprechen und voller Hinterlist sagte er, sie sollten ruhig sein, er wisse, daß Florus selber die Absicht hege, sich ihnen gnädig zu erweisen. Von Gerechtigkeit sprach er nicht eine Silbe, als er aber die Stadt verließ, begleitete ihn Florus, zum Zeichen seiner Hochachtung für den Machthaber, der einen Bund mit ihm geschlossen, bis nach Cäsarea. Dann schickte er seine Kriegsleute nach Jerusalem und befahl ihnen, dem Schatze des Tempels, der in der Burg Antonia aufbewahrt wurde, siebzehn Talente zu entnehmen. So griff Florus das Allerheiligste des Volkes an, denn er strebte nach der vollständigen Vernichtung des Tempels und des ganzen Volkes. * * * Unter den Männern jedoch befand sich Einer, Namens Aulus Catule, der Befehlshaber über tausend Mann war. Dieser graubärtige Anführer hatte die Zeiten der Kämpfe und die Handlungsweise der strengen, aber vernünftigen Feldherren nicht vergessen. Da er nun die Absichten des Florus errieth, erhob er vor den Legionen seine Stimme und fragte: „Denkst du, Gessius Florus, zu welchem Zwecke du hergeschickt worden bist? Hat man dich hergeschickt, um das Volk zu drücken und selber maßlose Reichthümer zu sammeln, oder — im Gegentheil — um durch vernünftiges Regieren die Einheit des Kaiserreiches zu befestigen? Wenn das gedrückte Volk sich empört und andere seinem Beispiele folgen, welche Antwort wirst du dem Senat ertheilen?Ä Doch Florus, den die Herrschaft und die Verachtung, die er für die Judäer empfand, rrunken gemacht, lachte der Worte des Aulus Catule und sprach: „Ich kenne die Judäer, dieses verächtliche Volk sollte es wagen, gegen uns, muthige Römer, sich zu erheben? Nein, durch sie wird das römische Imperium nicht in's Schwanken gerathen, wir aber, die Muthigen, werden auf leichte Weise zu Geld und Gut gelangen. Die Judäer sind furchtsam und wenn sie' etwas vornehmen, unter einander nicht einig. Sollten sie sich aber doch empören, nun, dann wird uns der Sieg nicht schwer fallen und vor dem Cäsar und dem Senate kann die Sache uns nur zum Vortheil gereichen. Ertragen sie aber Alles mit ihrer gewöhnlichen Ergebung, so bemächtigen wir uns der Schatzkammer des Tempels und kehren als reiche Leute zu unseren Familien zurück, indem wir das Suchen weiterer Beute den neuen Legionen überlassen. Ben Muthigen wird Reichthum zu Theil, den Friedliebenden Arbeit für Andere. Du, Catull, bist kleinmüthig; es ziemt dir daher nicht, den Oberbefehl über Männer zu führen; so wirst du denn in Reih' und Glied als einfacher Krieger kämpfen und auf dem Wege zum Reichthum werden Andere den Legionen vorangehen. Da wurden unter den Römern laute Rufe vernehmbar. Zwar waren manche der Krieger dem Catull wohlgesinnt und theilten seine Ansicht, da ihre Zahl jedoch eine sehr geringe, fanden sie nicht den Muth zum Widersprechen. Catull jedoch entledigte sich der Zeichen seiner Würde und trat wortlos unter die in Reih' und Glied Kämpfenden. - (Fortsetzung folgt.) Literatur. Haläsz Nathan, ms ba ms, hebräisch und ungarisch, Budapest 1902. I. Theil 272, II. Theil 92, III. Theil 112 Seiten, 8". Als ich vor zwei Jahren, gelegentlich des Erscheinens einer Marktwaare, darauf drang, daß Erbauungsbücher von dem zuständigen Rabbinat beaufsichtigt und approbirt werden sollten (M. Ssidö Szemle XVII, 242), konnte ich nicht hoffen, daß mein Wunsch, freilich ohne mein Hinzuthun, so schnell in Erfüllung gehen werde. Die wahrhaft human wirkende und musterhaft verwaltete Pester Ehewra-Kadischa hat soeben ein Erbauungsbuch erscheinen lassen, das von dem Pester Rabbinat approbirt wurde und welches demzufolge allen gerechten Anforderungen entspricht. Mit der Bearbeitung des Werkes wurde der verdienstvolle Director der jüdischenMädchen-Bürgerschule, Nathan Haläsz, betraut, ein Mann, der^neben dem modernen Wissen auch in den alten Schriften des Judenthums sich zu Hause fühlt und der noch außerdem unter seinen Berufsgenossen — das muß einmal öffentlich gesagt werden — durch sein warm pulsirendes jüdisches Herz sich vortheilhaft auszeichnet. So war denn Haläsz der geeignete Mann dazu, ein modernes pa1 -oya, ein Friedhofs-Gebetbuch, zu schaffen. Der erste Theil des Werkes enthält rund 80 Piöcen, Gebete und Vorschriften für die Agenden beim Krankenbett, beim Todesfall, im Friedhof und im Trauerhause. Der zweite Theil ist mehr für die Ehewra-Leute und für die L a m d a n i m (jüdische Gelehrte, die im Trauerhause functioniren), bestimmt. Diesem Theil sind acht Grabschriften von Pester Rabbinern angefügt, ferner Vorschriften über die Exhumation, eine für Großstädte sehr nothwendige Belehrung, ferner ein Auszug aus den Statuten der Ehewra-Kadischa. Ich möchte bemerken, daß es einmal in der jüdischen Literatur angezeigt wäre, die Verfasser der Grabschriften, gewöhnlich Männer von Ruf, zu eruiren; in jungen Gemeinden, wie es Pest ist, ginge das noch, und manche dieser Grabschriften sind gewiß eine literarische Leistung. Zwei der hier herausgegebenen Grabschriften (S. t>0 und 61) haben in gleicher Weise die Phrase: „Tausende begleiteten ihn zum Grabe"; das weist offenbar auf denselben Autor oder doch auf eine Copie. In den beiden ersten Theilen wechseln hebräische Stücke mit ungarischen ab, auch sind die hebräischen Gebetstücke unter der Linie wenn auch frei, doch im Ganzen treu, ungarisch übersetzt. Ich vermisse die Uebersetznng des Stückes -Irma (I, 122), ferner gleich darauf die des ganzen vierten Eapitels, während die des sechsten Capitels (S. 228), eine schöne Betrachtung über die Unsterblichkeit der Seele, in den ungarischen Theil verwiesen ist, man weiß nicht warum. Der dritte Theil besteht nämlich aus lauter ungarischen Gebetstücken, darunter auch Gebete für die Wochentage und für sämmtüche Feste des Jahres: eine Neuerung, die durchaus nicht zu billigen ist; oder soll das H a l ä s z'sche Gebetbuch ein anderes überhaupt überflüssig machen? Das Werk ist im Ganzen als gelungen zu bezeichnen. Was man nicht ohne Bemerkung lassen kann, ist der voluminöse Umfang; das Werk soll ja in den Friedhof getragen werden, und da wäre ein kleines Format, wenn auch mit weniger schönen Lettern, mehr zu empfehlen gewesen. Die alten Maabar-Jabbok's waren handlicher. Sonst hat sich der Verfasser gegenüber feinen Mustern ziemlich conservativ verhalten, und das ist zu loben. Angesichts des Todes sind unsere zeitgenössischen Juden lieber conservativ und dem muß Rechnung getragen werden. Dabei galt es auch modern zu sein, und Haläsz hat sich dieser doppelten Aufgabe vorzüglichst entledigt. Die ungarischen Stücke, Products des individuellen Ermessens und hervorgegangen aus dem gläubigen Gefühl des Verfassers, will ich nicht beurtheilen; ein objectives Maß läßt sich da schwer anwenden. Die Auswahl der hebräischen Stücke entspricht dem Zweck vollkommen. Druckfehler gibt es nur sehr wenige, die auch nur in der Punktation. Auf dem Titelblatt fällt auf npin mat (nipa) baa% das eingeklammerte Wort stört den Sinn. S. 39 ist ina a'as punktirt; dieser aus dem Talmud geläufige Ausdruck ist aramäisch und bedeutet den Schwcrkranken; das zweite Wort muß Via punktirt werden, vergleiche den Plural pV'2 J'ina. Die Talmudbeflissenen sprechen das Wort richtig in der geforderten Weise aus, und es war verfehlt, daß der Verfasser davon abwich. II, 22 schreibt der Verfasser nmta, richtiger ist mna Die eben genannten drei Fälle finden sich in Ueberschriften, fallen also besonders auf, aber daneben können sich im Dickicht der Texte noch andere Fehler bergen. Ein solcher ist II, 35 l. Z. pnaa statt pnaa (=pTiana) in dem bekannten Satze R. Akiba's, ein Satz, der in den sogenannten rvnaaa schon punktirt vorkommt und bei dem es unnöthig war, auf die Suche nach Eorrectheit zu gehen. II, 51 l. Z. vvab lies wab, wie Z. 9 von unten, gleich vorher, richtig punktirt ist; auch dieses Wort kommt in dem nnsa -na in den gewöhnlichen Gebetbüchern vor, so daß das Correcte leicht zu finden war. Häufig ist der Dagesch-Punkt schlecht gesetzt, z. B. II, 6 (übrigens fehlt dort die Seitenzahl) Z. 6 nnxaa aus Exod. XV, 26; doch sind das Kleinigkeiten, die keine Rüge verdienen. Haläsz hatte es zu gutem Theile mit unpunktirten Texten zu thun, und da ist es nur seinem gründlichen jüdischen Wissen zu danken, daß die Texte mit seltenen Ausnahmen so genau vocalisirt sind. Durch die Herausgabe des schönen Werkes hat sich die Pester Ehewra-Kadischa einen neuen Ruhmestitel erworben; möchte doch ihr Zweck, die Stärkung des Glaubens und die Tröstung der Trauernden, in vollem Maße dadurch erreicht werden! Budapest. Dr. Samuel Kraaß.

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