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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-03-06 · 10 (6.3.1903) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
10 (6.3.1903)
Date
1903-03-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 156 Nr. 10 Vr. Bloch's Wochsnschrifk. Vorschriften für die Beobachtung und Heilighaltung des christlichen Sonntags nicht zu beobachten brauchen und ihre Geschäfte schließen oder öffnen können, wie sie wollen. Der Oberpolizeimeister von New-Iork, General Greene, versetzte den Polizeicommiffär im östlichen Stadttheil von New-Iork, wo die meisten Juden wohnen, zur Strafe, weil derselbe die Sonntagsheiligung durch die Juden erzwungen hatte. Feuilleton. Florus der Römer, Kaiser Agrixpa und Meaachem, Kotz« Iehudah's. Eine Erzählung von Wlad. Korolenko. — Uebersetzt von Malwina Blumberg I. Zu jener Zeit hatte Roms Macht ihren Höhepunkts erreicht und seine Herrschaft erstreckte sich von einem Ende der Erde zum andern. In Europa hatten die Römer über die Gallier, die kräftigen Germanen, über die Briten, — die nicht nur durch den Ocean, sondern obendrein durch eine Mauer abgegrenzt waren, — und über das bergige, von Meeren umspülte Spanien den Sieg davongetragen. Auch Griechenland und die am Pontus lebenden nnd viele andere Völker hatten die Oberherrschaft des Adlers anerkannt. Ganz Afrika, von den Säulen des Herkules bis zum Rothen Meere, war der Herrschaft des Schwertes erlegen, und die Karthager und zahllosen Aethiopier hatten sich verpflichtet, Borräthe herbeizuschaffen, die den Römern für die Dauer von acht Monaten genügen sollten. In Asien hatten fünfzig Städte sich unter Roms Scepter gebeugt und blickten ehrfurchtsvoll auf die Ruthenbündel der die Consuln umgebenden Viktoren. Egypten und Arabien, die Völker Indiens und die Midianiter, und die Parther. und die stolzen Cyrenäer, die ihre Abstammung von den Lakedämoniern herleiteten, und die Marmaren, und die grausamen Syrien, und die Nasamonier, und die Mauren, und die Numidier und viele andere Völker hatten ihre Waffen gestreckt, ihr Haupt unter das Joch gebeugt und zitterten . . . Nicht mehr vor dem Schwert der Besieger zitterten sie, sondern vor den Ruthenbündeln der Viktoren, welche die Völker an die Schmach ihrer Sclaverei erinnerten. Und kein Widerstand mehr war vorhanden; die Arme der Kämpfer hatte die Ohnmacht des Todes gelähmt; sie hatte die Augen, die zur Freiheit emporgeblickt, für immer geschloffen, die Stimme, die laut zum Widerstand gerufen, zum ewigen Schweigen verurtheilt . . . Ueber der in Trauer verstummenden Welt schwang sich der römische Adler in die Höhe und die Herrschaft Roms lagerte über der unterjochten Erde ... Und eine Zeit lang war Friede in der Welt. Doch nicht frisches Aufblühen brachte er mit sich, sondern Unglück. Nicht Olivenhaine breiteten sich aus, sondern Disteln und Dornen, denn kein segenspendender Regen befruchtete das Feld des Lebens, sondern der blutige Schweiß des Sclaven, und von einem Saum der Erde zum andern erscholl lautes Jammern der Geknechteten... Und das stolze Rom nährte sich von der Frucht der Sclaverei, wie der Adler vom Aase sich nährt. Und diese Nahrung verbreitete im Volke ein böses Gift, dessen Wirkung in erster Reihe die Unterdrücker kennen lernen sollten. * * * Als die ersten Cäsaren auf den Widerstand der Völker stießen, welche ihre Freiheit nicht vergessen konnten, nahmen sie häufig den Verstand zu Hilfe und suchten Diejenigen, deren Arme noch die Freiheit mit dem Schwerte zu vertheidigen im Stande waren, durch sanfte Maßregeln für sich zu gewinnen. Die Ketten der Knechtschaft verbargen sie unter Blumen der Menschenliebe, um bei den stolzen Söhnen der Freiheit den Wunsch, für diese Freiheit ihr Leben zu opfern, nicht aufkommen zu lasten. Darum auch ließen sie, als Judäa erobert, dem Volke die Lehre seiner Väter, den Glauben an einen Gott und eigene Gesetz-. Und das Eindringen in das Innere des Tempels war den Kriegern bei Todesstrafe verboten. Und siehe! allenthalben verstummten die Rufe nach Freiheit, der Widerstand gegen die Uebermacht der Eroberer hörte auf, die ohnmächtige Welt fügte sich, nur hie und da kraftlos ihre Ketten schüttelnd, in das, was sie nicht ändern konnte. Und so vergingen Jahre. Die Römer gewöhnten sich an das Befehlen, die Welt gewöhnte sich an das Gehorchen. Im Herzen Roms jedoch wuchs der Stolz und die Selbstüberhebung. „Wer wird sich an mich heranwagen?" fragte es. Und die Antwort, die rs sich selber gab, lautete: „Niemand". Denn in der ganzen übrigen Welt hatte, — in Folge der Knechtschaft — die Gewohnheit der Furcht und niedriger Kriecherei tief Wurzel gefaßt. Und in dem Schweigen der allgemeinen Knechtschaft brüllte Rom. wie der auf Raub ausgehende Löwe des Nachts in der lybischen Wüste brüllt. Und das Weltall vernahm, wie die Wüste, voll Angst das Gebrüll des Gewaltigen. Es gedachte der Leiden seiner Väter, an deren Tapferkeit jedoch hatte es vergessen. Und in dem gleichen Maße, in dem bei den Völkern das heilige Gefühl des Zornes verstummte, begann in Rom stufenweise der Verstand zu schwinden. Nach den Cäsaren Julius und Augustus bestieg der grausame Tiberius den Thron; auf ihn folgte Casus Caligula, ein Rasender, dessen Traum es war, die ganze Menschheit, Rom inbegriffen, mit einem Schlage enthaupten zu können, dann der schwachsinnige Claudius und zuletzt der mit den Menschen seinen Spott treibende Nero, der auf der Höhe seines kaiserlichen Thrones, angesichts der ganzen Welt, die Gesetze Gottes und der Natur mit Füßen trat. „Auf den Gipfel des Berges stellte er das Lager der Unzucht", lachte über das Gute und sättigte die zitternde Erde mit dem Blute Unschuldiger. * * * Der sanfte Petronius herrschte längst nicht mehr über Judäa und auch nicht Pilatus, der einst, um das Gefühl des Volkes nicht zu verletzen, das Bild des Cäsaren aus der heiligen Stadt hatte entfernen lasten. Albinus, der gegenwärtige Statthalter, ein habgieriger und gewaltthätiger Mann, glich einem Räuber, und behandelte die Wehrlosen mit solcher Grausamkeit, daß es kein Verbrechen gab, welches er nicht vollführt hätte. „Seiner Lanzenträger, die ihm zum Aufrechthalten der Ordnung beigegeben worden waren, bediente er sich zum Plündern der ruhigen Einwohner. Die Freiheit des Wortes wurde verboten und Niemand traute sich, — angesichts so zahlreicher Herrscher — die Stimme zu einem Tadel oder einer Klage zu erheben*)". Die Möglichkeit der gerechten Gegenwehr war vernichtet, und wer nur im Besitze der dazu erforderlichen Macht war, der raubte und plünderte nach Herzenslust. So wuchs das Leiden des Volkes, dem das demüthigende Joch war auferlegt worden. * * So wuchs das Leiden des Volkes, doch seinen Höhepunkt hatte es noch immer nicht erreicht. Der auf Albinus folgende Gessius Florus bewies, daß im Vergleich mit ihm sogar sein Vorgänger sanft genannt werden konnte. Während nämlich Albinus seine Raubthaten im Geheimen zu vollführen suchte war Florus, der Nero nachzuahmen bestrebt war, stolz auf dieselben. In Angelegenheiten, die Nachsicht erforderten, war er mitleidslos, indessen er scheußliche Verbrechen ungestraft ließ, ja, selber an ihnen sich betheiligle und sie beschützte. So sproßte der Baum des Unrechtes auf dem Boden der Schwäche und der Uebermuth auf dem Boden des Friedens. Und das Volk verlor die Hoffnung auf Rettung, denn es wußte nicht, wo Gerechtigkeit zu finden. Da, am Feste des ungesäuerten Brodes, geschah es, daß Crstius Gallus, der in Rom sehr angesehene Statthalter von Syrien, nach Jerusalem kam. Zahlreich strömte das jüdische Volk dem Mächtigen entgegen und unter Jammern und Thränen bat es um Schutz und Gerechtigkeit. Und Cestius stand auf einer Anhöhe inmitten des die Arme zu ihm emporstreckenden Volkes und dachte nach. Er war ein strenger Kriegsmann und fürchtete nicht den Tod, doch fürchtete er den Zorn feiner Vorgesetzten. Sein Herz *) Josephus Flavins: „Jüdischer Krieg".

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