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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-03-06 · 10 (6.3.1903) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
10 (6.3.1903)
Date
1903-03-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 Dr. Bloch's Wvchsnfchrifk. Sette 155 nium 1900—1902, in welchem die bedeutendsten Ereignisse aus der Chronik der Cultusgemeinde ausgenommen erscheinen. Er erwähnt darunter die am 26. December 1900 stattgefundene Einweihung des neuen Gemeindehauses, daun den im Vorjahre stattgehabten Besuch des Herrn Cultuschefs Armin Paviü im Tempel und in der Schule und dankt zum Schluffe der Landesregierung und dem Gemeinderathe der Kön. Freistadt Essek. für das der Gemeinde gegenüber an den Tag gelegte Wohlwollen. Der Bericht wird einstimmig zur Kenntniß genommen, und dem Vorstande für seine intensive Thätigkeit und Mühewaltung in der abgelaufenen Verwaltungsperiode mit Acclamation das Absolutorium ertheilt. (Unter stürmischen Ziviorufen geschieht dies.) Herr Salomon Schwarz beantragt, dem Vorstande den Dank der Generalversammlung protokollarisch zum Ausdrucke zu bringen. Herr Julius Pfeiffer beantragt hierauf, die Wahlen in den Vorstand und in die Commission per Acclamation vorzunehmen. Er möchte dadurch dem bisherigen Vorstande, mit dem verdienstvollen Vorsteher Herrn Dr. Hugo Spitzer an der Spitze, das unbedingte Vertrauen ausgedrückt wissen. (Allgemeine Zustimmung.) Ueber Antrag des Herrn Pfeiffer werden sodann gewählt: In den Vorstand die Herren Jonas Berger, Otto Fellner, Alex. Justus, Max Kraus, Josef Kumtz und Emanuel Herrman aus der ersten Wählerclasse; Leopold Berger, Dr. Rechnitz, Leopold Schwarz, Carl Schwarz, Dr. Hugo Spitzer. Bela Springer und Gjuro Weiß aus der zweiten Wählerclaffe; endlich die Herren Franz Frey, Dr. Mosin Klein, Alex. Neubauer und Jacob Wotitz aus der dritten Wählerclaffe. Zu Revisoren wurden die Herren Moritz Hirsch, Sandor Dorner und Josef Weißberger gewählt. Außerdem nahm die Generalversammlung die Wahl der 36-er Commission, der Steuerbemeffungs- und der Steuer-Reclamations- Commission vor. Nach der Proclamirung des Wahlresultates gibt Herr Pfeiffer der Hoffnung Ausdruck, der neugewählte Vorstand werde abermals Herrn Dr. Hugo Spitzer zum Vorsteher wählen, welcher es verstanden hat, das Ansehen der Gemeinde nach Innen und nach Außen zu heben und der mit anerkennenswerther Thatkraft an der Erstarkung der Gemeinde arbeite. (Allgemeine Zustimmung.) Herr Dr. Hugo Spitzer dankt für die ehrende Vertrauenskundgebung. Er übernehme das Mandat und werde nach wie vor bestrebt sein, die Gemeinde, wenn nicht zu heben, so doch zumindest auf dem bisherigen Niveau zu erhalten. Indem er noch den Mitgliedern empfiehlt, von den Statuten-Bestimmungen den ausgiebigsten Gebrauch zu machen, schließt er, unter Ävio-Rufen der Anwesenden, die General-Versammlung. Berlin. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt unlängst im Saale der Gesellschaft der Freunde seine ordentliche Mitgliederversammlung ab, die überaus zahlreich besucht war. An erster Stelle der Tagesordnung stand ein Vortrag des Herrn Justizrathes Dr. Heinrich Meyer Cohn, welcher sich über die „Racenfrage* verbreitete. In geistreicher Weise führte der Redner alle auf naturwissenschaftlichem Gebiete liegenden Gründe vor, welche gegen die Racenthevrie sprechen, die als eine Schöpfung der Philologie zu gelten hat. An der Hand zahlreicher Beispiele sucht er darzuthun, daß durch die Sprache, Einrichtungen und Gebräuche nicht auf eine Racenverschiedenheit geschlossen werden kann, daß auch die auf zoologischem und botanischem Gebiete erzielten Ergebnisse nicht zu Gunsten der Racenthevrie verwerthet werden können. In seinen Untersuchungen kommt der Redner zu dem Schluffe, daß das Vorhandensein einer bestimmten Race als nicht bewiesen anzufehen ist, womit jedoch nicht gesagt sein soll, daß die Juden nichts anderes als eine Religionsgemeinschaft bilden; sie haben als eine nationale Gemeinschaft zu gelten, die im Allgemeinen bestimmte Ideen und Anschauungen hat. Aber der lobenswerthe. Wunsch, den Namen Jude als Ehrenname zu tragen, darf nicht' dazu führen, unS zu wissenschaftlichen Ergebnissen in Widerspruch zu setzen. Von den Ergebniffen wissenschaftlicher Forschung wird es abhängen, ob man eine Race anerkennen will, nicht von dem Gefühl und dem Urtheil des Einzelnen, und die Wissenschaft wird die Frage, ob die Juden eine Race bilden, erst dann eingehender untersuchen können, wenn fie sich über die Vorfrage klar geworden ist, was überhaupt unter einer Menschenrace zu verstehen ist. Lebhafter, wiederholter Beifall folgte den interessanten Darlegungen des Redners. Alsdann erstattete, wie üblich, der Vorsitzende des Vereins, Rechtsanwalt Dr. Horwitz, den Jahresbericht. Er gedenkt zunächst der im abgeschlossenen Jahr zahlreich verstorbenen Vereinsmitglieder und weiht auch Andersgläubigen, wie Ernst Wichert, Rudolf Birchow Emil* Zola und vor Allem Heinrich Rickert,^.welche gleiche Bestrebungen wie der Verein verfochten haben, ein ehrendes Gedächtniß. Die Zahl der corporativ angeschloffenen Verbände ist von 86 auf 100 gestiegen, die Zahl der Einzelmitglieder hat seit dem letzten Herbst um 1850 zugenommen und beträgt jetzt 13.000. Bedauerlicherweise ist Berlin gemäß der Zahl seiner Gemeindemüglieder noch immer sehr schwach vertreten. Der Vorstand, in welchen der Schriftsteller Dr. John Lehmann cooptirt worden ist, hat 12 Sitzungen abgehalten, außerdem haben 20 Commissionsfitzungen stattgefunden. Die Zahl der schriftlichen Eingänge hat sich gegen die Vorjahre um 670 vermehrt. In keineswegs gleich günstigem Maße sind die Finanzen des Vereines gestiegen, welche in Anbetracht der größeren Ausgaben des Vereines mehr denn je erhöhter Zuwendungen dringend bedürfen. Einen nur kurzen Ueberblick gibt der Vorsitzende über die Rechtsschutzcommission, welche in einer großen Reihe von Fällen hat wirksam sein müssen, und über deren Thätigkeit später ein Sonderbericht erstattet werden wird. Besonders verweist Dr. Horwitz auf die vom Verein angestrebte Regelung der Paßverbältnisse in Rußland. Der Verein hat sich in dieser Frage mit einerEingabe an sämmtliche deutsche Handelskammern gewendet, doch werden unmittelbare Erfolge kaum zu erhoffen sein. Erst wenn die gesammte deutsche Kaufmannschaft ihre Rechte wahrnehmen wird, so steht zu hoffen, daß der dem Deutschen Reiche angethane Schimpf, daß einem Theile seiner Mitbürger die anderen eingeräumten Rechte versagt werden, nicht mehr andauern wird. Vom Verein ist ferner eine Vervollständigung der Criminalität der Juden veranlaßt worden. Nach dem Revisionsbericht wurde der Cassenverwaltung Decharge ertheilt. Zum Punkte Borstandswahlen wurde Acclamation beantragt und angenommen. — Die Discussion, welche sich bis gegen 1 Uhr Nachts hinzog, brachte einige nicht ganz unberechtigte Einwände gegen die Ausführungen des Vortragenden zur Frage der Racenthevrie, fie gestaltete sich im weiteren Verlauf, dank dem Eingreifen der Zionisten, die sich in großen Schaaren eingefunden hatten, zu einer sehr erregten und unerquicklichen. Einer ihrer Redner, ein junger Jurist, versuchte an der Hand seines Manuskripts darzulegen, daß die Wege des Vereins nicht die richtigen seien, verurtheitte die Thätigkeit der Rechtsschutzcommission, bezeichnete es als Gesinnungslosigkeit, daß die Liberalen, welche den § 166 des Strafgesetzbuches früher heftig bekämpft hätten, nunmehr denselben sich so häufig zu Nutzen machen, und gab die naive Empfehlung, alles Heil von einem Appell an den Reichstag zu erwarten. In kräftiger Abwehr und mit erfreulicher Deutlichkeit wurden von den Herren Dr. Hildesheimer, Justizrath Dr. Fuchs und anderen Rednern die gegen die Thätigkeit des Vereins erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen und das energische Vorgehen der Rechtsschutzcommission als eine segensreiche That bezeichnet. Berlin. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund hat das nachfolgende Rundschreiben zur Frage der Feuerbestattung an sämmtliche Rabbinergemeinden Deutschlands verschickt: „Löblicher Vorstand! Von einer größeren jüdischen Gemeinde Deutschlands ist uns die Frage nahegelegt worden, wie sich die löblichen Gemeindebehörden bezüglich der ehrwürdigen Rabbinate zu der Angelegenheit der Feuerbestattung stellen. Der Gegenstand ist von so großer principieller Wichtigkeit, und auch thatsächlich mehren sich die Fälle der Feuerbestattung derart, daß eine grundsätzliche Entscheidung sich als wünschenswerth, ja als nothwendig herausstellt. Wir gestatten uns deshalb, einen löblichen Vorstand zu bitten: er möge uns baldmöglichst über seine, beziehungsweise des dortigen Rabbinats Stellung zu der Frage der Feuerbestattung Auskunft ertheilen. Lassen Sie eine religiöse Feier bei der Feuerbestattung zu? Findet die religiöse Feier vor oder nach der Verbrennung der Leiche statt? Wie und in welcher Form findet die Beisetzung der Urne auf ihrem Friedhofe statt? Wir werden das Ergebniß unserer Rundfrage veröffentlichen und damit hoffentlich zur Klärung der bedeutsamen Angelegenheit einen wichtigen Beitrag zu liefern im Stande sein/ Frankfurt a. M. (Aus dem Literaturverein.) Am 9. Februar hielt Herr Rabbiner Doctor aus Bruchsal einen Vortrag über die Juden in Amsterdam zur Zeit Rembrandt's. Amsterdam zeichnete sich stets durch Toleranz und durch Wohlthätigkeit aus. Es besaß zu jener Zeit schon eine wissenschaftliche Freischule mit holländischer Bortragssprache, eine Bibliothek mit öffentlichem Lesesaal und 54 Druckereien, auch solche für orientalische Sprachen. Die Künste, besonders die Malerei, blühten. Einer der hervorragendsten Maler war Rembrandt,

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