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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-03-06 · 10 (6.3.1903) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
10 (6.3.1903)
Date
1903-03-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Iahrqa«, XI Ur. 10 Dr. Bloch’s Centralorpan für die gelammten Interelfen des Iudenthnms. 8k- =1* A. ft. Pofifparraffen-AmI js > Clearing-Verkrhrf Nr. 810 976. I Eetmrttnn und Administration: Viru I lX.'l, Serggaffe Nr 39. j! Telephon Nr. 14.847* W=--^==r=z -~ Wen. 6. Miirr 19«3. Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien. 1X1, Berggaffe 39. Telegramm-Adresse: Dlc-ch's Wochenschrift. Wien. Bezugsprei» für Seftrrrrich!> Halbjährig 8 fronen. Einzelexemplare 50 Heller. jl Mr'» »u»l«ad: j Halbjährig 10 Kronen. \ Ganzjährig 20 » t Anzeige«: Die 4mal g»spalteae I Vetitzeile 24 Heller. Inhalt r L e i t a r t i k e l: Das Ende des „Bibel und Babel"-Rummels. — VomJahrmarkt desLebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Hofrath Sigmund Taussig. Die Juden in der conservativen Partei. Ein Hilferuf für unsere Kranken. Die Gesetze Hammurabi's. Die Darmstädter Haggadah. — The Jewish Encyclopedia. — Eorrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Eultusgemeinde in Wien. Wien, Bibel und Babel. Brünn, Böhmisch-Leipa. Prag, Effek-Oberstadt, Berlin. Frankfurt a. M., New-York. Jüdische Wahlen in Amerika. — Vermischtes: Wien. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Ehewra-Kadischa in Wien. Wien, Kaaden, Vukovar, Jägerndorf, Olmütz, Budapest. Böhm.-Aicha, Dobrisch, New-York. Feuilleton: Florus der Römer, Kaiser Agrippa und Menachem, Sohn Jehudah's. - Neue Bücher. — Briefkasten. — Notizen. - Inserate. Das Ende des „Kidel ««d Hadet"- Rummels. Der „Bibel und Babel"-Bortrag von Friedrich Delitzsch ist nunmehr im Buchhandel erschienen, und wenn man den Wortlaut mit den verschiedenen Zntungsreferaten vergleicht, so ahnt man, warum die Drucklegung des Heftes sich verspätet hat. Der Vortrag hat zweifellos wesentliche Correcturen erfahren. Schon unmittelbar nach dem Vortrag selber sah Delitzsch sich genöthigt, seine Ausführungen nach bedeutsamer Richtung zu dementicen. Es heißt, daß die zahlreichen jüdischen Mitglieder der Deutschen Orient-Gesellschaft, in deren Sitzung der Bortrag gehalten wurde, und vor Allem ihr verdienter Förderer, James Simon, unzufrieden mit diesen Angriffen, unter Drohungen, sich, resp. ihr Geld der Gesellschaft in Zukunft fernzuhalten, jenen seltsamen Widerruf verursacht hätten. Allein der Vortrag zeigt noch andere Spuren entschiedener Rückwärtscoucentrirung. Wenn man aber von dem Inhalt Kenntniß nimmt, wie er seit zehn Tagen gedruckt vorliegt, dann merkt man zunächst, daß der „gute Herr Professor" von der alten Bibel nur eine oberflächliche Kenntniß besitzt, daß ihm selbst die B i b e l t e x t e, die er citirt und abfällig kritisirt, nicht geläufig sind, und man ist erstaunt, daß man ihn überhaupt ernst genommen hat. Die „Zeit" vom 27. Februar brachte eine Unterredung ihres Correspondenten mit Professor Delitzsch. Da ist nun wichtig, daß der Herr Professor erklärt: „Das Gebiet des „Neuen Testaments" betritt er nicht, und er versteht es nicht, wie man in seinen Vorträgen Angriffe auf das „Neue Testament" erblicken könne. Das komme daher, weil die Theologen, vor Allem die Geistlichen, Altes und Neues Testament nicht genügend auseiuanderzuhalten vermöchten." Sein Wahrheitseifer erkaltet somit bei der Pforte des Christenthums. Entweder es ist die Pflicht der Wissenschaft, das religiöse Empfinden und die religiösen Traditionen zu schonen, dann muß er auch das Alte Testament respectireu, oder die Wissenschaft ist voraussetzungslos, dann muß das Neue Testament dem Schicksal des Alten verfallen. Professor Delitzsch sagte weiter: „So wenig ich als ein Mann strenger Wissenschaft es wagen werde, mich auf das Gebiet des Neuen Testaments, speciell der neutestamentlichen Dogmatik zu begeben, welches meinen wissenschaftlichen Studien durchaus fernliegt, ebenso verlange ich von Jedem, der sich über die von mir angeregten Fragen ein competentes Urtheil gestatten will, daß er das Alte Testament in allen feinen Theilen und nach allen Richtungen hin sprachlich, sachlich, historisch, religionsgefchichtlich durchgearbeitet hat und unter Verwerthung aller in unseren Tagen verfügbaren Hilfsmittel, obenan umfassender keilschriftlicher Studien, sich in den Geist der alttestamentlichen Schriftsteller zu versenken gelernt hat." Um das Alte Testament — bemerkt Dr. Delitzsch noch — insbesondere den jetzt immer wieder ins Feld geführten „Geist des Prophetenthums" nach Gebühr würdigen zu können, verstehen unsere evangelischen Geistlichen nicht ausreichend Hebräisch. Unter je hundert Theologen, die alljährlich die Universität verlassen, befindet sich im Durchschnitt vielleicht einer, der sich durch die harte Schule der alttestamentlichen Sprache vollkommen durchgearbeitet und überdies mit den übrigen semitischen Sprachen und Literaturen dermaßen bekannt gemacht hat, um als wirklicher Kenner des alttestamentlichen Schriftthums und berufener Zeuge der alttestamentlichen „Heilswahrheiten" gelten zu können." Der Borwurf, den der Herr Professor gegen die jungen christlichen Theologen erhebt, trifft ihn selber in hohem Maße. W is nützt es. wenn man in die Welt hinausruft: „Ein Gelehrter, der seit einem Vierteljahrhundert unablässig auf dem Gebiete der semitischen Sprachen arbeitet, der eine Uebersetzung und Erklärung des Buches Hiob herausgegeben hat und dessen Hauptwerk die Herausgabe eines hebräischen Wörterbuches zum Alten Testamente ist, scheint zu einer Beurtheilnng alttestamentlicher Fragen gewiß zumindest so berufen, wie die große Mehrzahl aller derer, die nun über ihn herfallen." Entscheidend bleibt aber trotzdem der I n h a l t des Vortrages. In demselben ist, S. 26. wörtlich Folgendes zu lesen: „Nicht anders verhält es sich mit der Gesetzgebung von Sinai, der sogenannten Bundesschließung Jahves mit Israel. Ist doch der rein menschliche Ursprung und Charakter der israelitischen Gesetze noch leicht genug durchschaubar! Oder sollte Jemand wagen, zu behaupten, daß der dreimal heilige Gott, der mit seinen eignen Fingern „1 o t i qt ol“ „Du sollst nicht tödten" in die Steintafel geschrieben, im selben Athemzug die Blutrache sanctionirt habe, die bis heute wie ein Fluch auf den Völkern des Ostens lastet?" In der ganzen Bibel kommt der Imperativ: „Lo tiqtol“ (Du sollst nicht tödten!) gar nicht vor, im Pentateuch ist überhaupt das Verbum „katal“ nicht vorhanden. Das sechste Gebot in den Zehn-Geboten (2. Buch M. 20 13 und 5. Buch M. 5, 17), lautet aber: Le tirzach! (Du sollst nicht morden!). Blutrache, „die bis heute wie ein Fluch auf den Völkern des Ostens lastet", kennt das Judenthum nicht. Herr Doctor Bernfeld hat ihn öffentlich im „Generalanzeiger" darüber interpellirt, allein „unser gute Professor" schweigt. Meint Herr Delitzsch die Todesstrafe, die auf verschiedene Verbrechen und auch aus den Mord mit Absicht und Vorsatz gesetzt war — nun, diese „Blutrache" lastet nicht nur auf den

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