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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-02-20 · 8 (20.2.1903) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
8 (20.2.1903)
Date
1903-02-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 126 Dr. Bloch's Wochrnsttzrifl. Str 8 Pozega (Slavonien). Am 5. d. M. wurde der im Alter von 59 Jahren verschiedene Seelsorger der hiesigen Cultusgemeinde, Herr Moses Schwarz, zu Grabe getragen. Während der Beerdigungs- Feierlichkeiten waren alle Geschäfte der Stadt geschloffen und Alles wetteiferte hier in dem Bestreben, dem jüdischen Seelenhirten, der sich in Folge seiner 25jährigen segensreichen Wirksamkeit in PoLega der Beliebtheit und Hochachtung sämmtlicher Stadtbewohner erfreute, die letzte Ehre zu erweisen. In dem schwarz drapirten Cultustempel, in welchem der Sarg mit dem Leichnam aufgebahrt stand, waren unter Anderen erschienen: Der Cultusvorstand unter der Führung des Vice- Präsidenten Dr. P o l l a k, die städtische und die Comitats-Beamtenschast unter der Führung des Bürgermeisters C i r a k y und des kgl. Vice-Gespans C u v a j, kgl. Gerichtspräsident D a v i l a, Stadtpfarrer v. Kraljeviö, Finanzdirector Oreskovio, die Professoren aller Schulen u. A. Die Feier begann mit dem Vorträge des „Michtom ledovid“ durch Obercantor Rendi aus Agram, der nach den Reden im Tempel auch das „Adonoj moh odom“ und „Joschew bessesser“ und auf dem Friedhofe das „Hazur tomim" und „El mole racliamim“ executirte. Die Trauerreden im Tempel hielten Rabbiner Dr. B r e t t h o l z aus Siffek und der Sohn des Verblichenen Doctor Gabriel Schwarz, kgl. Professor für den Religionsunterricht an den Mittelschulen in Agram. Ersterer beklagte den unersetzlichen Verlust der Gemeinde, der Stadt und der Schuljugend, schilderte die seltenen Vorzüge des Verstorbenen, dankte allen Erschienenen im Namen der Gemeinde str die Theilnahme und richtete Worte des Trostes an die Gattin und Kinder, welche die Bahre umstanden. Dr. Schwarz verdolmetschte — von den Worten der Sidra „mah soss ossisso lonu“ ausgehend — das Leidwesen und den Schmerz der Familie, unter dem Hinweise, daß er durch den Heimgang seines Vaters auch einen mustergiltigen Lehrer und treuen Berather verliere. Auf dem Friedhofe hielt Seelsorger Stern aus Brod an' der Save ein Gebet für das Seelenheil des Verblichenen und Seelsorger Tauber aus Pakrac einen Nachruf im Namen seiner Gemeinde. Am offenen Grabe nahm Eultusvorstandsmitglied Steiner im Namen der Vertretung der Cultusgemeinde und Abiturient Krauß im Namen der corporativ erschienenen Schuljugend von dem Dahingeschiedenen Abschied. Feuilleton Die Vierte Dimerrfiorr. Von Samuel Gordon. Aus dem Englischen übersetzt von Hedwig Bergmann. „An diesem Tage bin ich ein glücklicher Mann in Israel geworden. Gepriesen sei der Name des Herrn", so ertönte Tarphon's jubelnder Ruf. Der Ausdruck seines Jubels lag auch auf seinen Zügen, der Grund dafür aber lag in seinen Armen — ein flüchtig in Windeln gewickeltes Häufchen, ein zwei Stunden altes Kind. „Es ist ein Knabe, das ist schön, Mirzah; jetzt ist doch Jemand da, der nach uns Kaddisch sagen wird, wenn wir nicht mehr sein werden." „Was ficht Dich an, Tarphon?" sagte Mirzah und blickte ihn mit ihren bleichen Augen vorwurfsvoll an, denn sie hatte nicht Kraft genug, den Vorwurf in ihre Stimme zu legen; „Warum denkst Du in der Stunde, da neues Leben uns geschenkt ward, an den Tod? Du weißt nicht, was Du in Deiner Erregung sprichst. Gib mir das Kind zurück, ehe Du es mit Deinen Augen verschlingst." „Da, nimm es, selbstisches Weib", war die gutmüthige Antwort. „Darf ich das Kind nicht einen Augenblick halten oder berühren? Du mißgönnst mir die Freude der Vaterschaft und doch ist es das erstemal in den 10 Jahren seit unserer Hochzeit, daß ich fie fühle/ „Tarphon!" und die aus den dicken Augen hervorbrechenden Thränen sagten noch mehr. „Närrchen, ich habe ja nur gescherzt;" und Tarphon streichelte die welke Hand, die sich nach der seinen ausgestreckt hatte. „Ich bin sehr zufrieden mit Dir; unser Kind wird ein berühmter Schüler werden und sein Ruf soll sich durch die ganze Welt verbreiten, — das gefällt Dir, siehst Du, Du lächelst schon — und nicht weniger als zwei Ochsen und 10 Schafe sollen bei seiner Hochzeit gegessen werden. Ach, ich weiß kaum mehr, was ich spreche, ich will fortgehen und die freudige Nachricht in der Stadt, unter unseren Freunden und Verwandten verbreiten. Laß mich nur noch einen Augenblick das Kind anseheu — ich werde ihm gewiß nichts Böses thun." Kein Wunder war es, daß Tarphon ein wenig wonnetrunken war. Er war ein Mann, den Gott mit Gütern aller Art gesegnet hatte. Er hatte Knechte und Mägde und seine Herden weideten auf seinen Triften manch einen Morgen in der Runde. Und jetzt hatte Gott sein Glück gekrönt und Tarphon war nur ein Mensch und man kann es ihm verzeihen, wenn er sein Glück nicht mit stoischer Gleichgiltigkeit trug. Seine Aufregung hielt ihn bis zum späten Nachmittag auf den Beinen, und als er nach Hause kam, war er sehr müde. „Nicht vom Gehen", sagte er seiner Frau, sondern von der Last der Glückwünsche, die ich für Dich brachte". Und dann setzte er sich an ihr Bett und dachte eine geraume Zeit nach. „Was sagst Du dazu, Mirzah? Ich halte es für richtig, der Gemeinde ein Geschenk zu machen, damit sich kommende Geschlechter noch an die Geburt von Tarphon's Sohn erinnern." „Sobald ich gesund bin, werde ich mit meinen Schwestern eine Decke für das Pult des Thoravorlesers sticken", warf Mirzah ein. „Die kann in einigen Jahren abgenützt sein", so überlegte Tarphon, „und die Gabe ist nicht werthvoll genug." „Dann vielleicht einen goldenen Weinbecher." „Der könnte gestohlen werden. Nein, ich weiß schon, was das Richtigste wäre. Ich habe heute viel davon sprechen gehört, daß Benish, der große Thoraschreiber von Gostoneen, die Thorarolle beendete, die, wie er behauptet, das beste Werk seines Lebens ist; er fordert dafür eine große Summe — ich weiß nicht wieviel; aber die Ernte war gut und unter den Schafen herrschte keine Krankheit. Ich werde ihm geben, was er verlangt, es wird mir nicht fehlen." Am nächsten Morgen begab sich Tarphon zu Benish, um mit ihm zu unterhandeln. Als er in sein Schreibzimmer trat, saß der Schreiber über ein altes Pergament gebeugt, das der Ausbesserung bedurfte. „Ich bin wegen der Thorarolle zu Euch gekommen, die ein Weltwunder sein soll", begann Tarphon. „Es ist so", entgegnete Benish. „Die Gemeinde Wilna hat mir 1150 Rubel dafür angeboten." „Ich werde Euch 1200 geben", sagte Tarphon. „Es gibt nur einen Mann, der das thun kann, und das ist Tarphon von Stihelno." „Ich bin Tarphon, und gestern wurde mir ein Sohn geboren. Ich will der Gemeinde die Rolle zum Andenken daran schenken." „Das Geschenk ehrt den Geber und ist der Gelegenheit entsprechend", sagte Benish. „Ihr werdet fie bekommen. Und jetzt kommt und laßt sie mich Euch zeigen." Und aus dem innersten Raum seines Bücherspindes nahm er die kostbare Rolle. Sie war von mittlerer Größe und Umfang, doch nicht so plump und schwer, wie manche Rollen, die den Arm des Trägers ermüden, wenn sie am Feste der Gesetzesfreude beim Umzuge getragen werden. Und Benish's Augen glänzten, als er ihre Vorzüge klar legte. »Zehn Jahre habe ich daran gearbeitet und jetzt ist jede Verzierung an ihrem Platze und die Abstände zwischen den Zeilen sind auf ein Härchen gemessen. Sieht die Griffe an — sie sind aus echtem Ebenholz aus dem Lande Kush und die seidenen Mäntelchen können die Inder nicht besser machen." Und dann zeigte er Tarphon die Ausstaffirung und die Zugehöre, wie in den Brustschild aus schwerem Silber das Bild des Salomonischen Tempels mit den schönen Säulengängen und Vorhöfen hineingearbeitet war. Und die schweren Glocken hatten die Form von Kronen und die Klappern darinnen tönten wie Cymbeln. Den oberen Theil des Zeigers bildete ein Palmzweig, der nach der Spitze hin in eine schön ciselirte Hand mündete. „Und alles das hat mein Sohn, der Silberschmied, gearbeitet", fügte Benish stolz hinzu. „Ich versichere Euch, keine schönere Rolle existirt; es sei denn die, aus der die Patriarchen im Paradiese am Sabbath den Wochenabschnitt lesen, und Euch gehört sie für die 1250 Rubel, die ihr versprochen. Tarphon stand staunend und mit offenem Munde vor all der Pracht; und er hatte nicht das Herz, über die 50 Rubel zu sprechen, mit denen Benish ihn übervortheilt hatte. Der Mann verdiente den Preis. Und als Tarphon nach Hause kam, sprach er zu seinem Weibe: „Ich habe gesehen, was noch kein menschliches Auge erblickt; es schien mir die wahre Herrlichkeit Gottes." „Ach, prahle nicht so", unterbrach ihn Mirzah. „Ich habe meine Augen auch schon an dem Schatten seiner Herrlichkeit ergötzt. — Aber sei still, das Kind schläft".

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