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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-02-20 · 8 (20.2.1903) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
8 (20.2.1903)
Date
1903-02-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ar. 8 Dr. Bloch’s Iahrgan, JJ Centralorgan für die gessmmten Interessen des Iudenthums. Wie«, 20. Februar 1903. -■**"—*■ 4. —r-- Erscheint jeden Freitag, ->>— H- Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggaffe 39. Telearcnnm-Adresse: Bloch's Wochenschrift. Wien. * -- TR. k. Pofifparcnffen-Amt Clearing - Verkehr Nr. 810.976. LrdarNon und HldministrsNom Wir» LX/1, Berggaffe Nr. 39. Talephon Nr. 14.847. Berngsprri» für -rstrrrrtch t>aibiät)iifl 8 Axonen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Nn»l«ud: Halbjährig 10 Aroma. Ganzjährig 20 » Anzeigen- Die 4mal gespalteoe 'Li'tzene 24 Heller. S—. .— . '1 Inhalt: Leitartikel: Der Wiener Denuntius. — Aus den Geheimnissen des Tißa-Eßlarer Proceffes. — Proselyten im Judenthume. — Vom Jahrmarkt desLebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Der wahre Sinn der Affaire Dreyfus. König Carol über die rumänischen Juden. — Ferdinand Lassalle und der geistig-moralische „Lassallenismus". — Spinoza und Hamburg. — Correspondenzen: Wien, Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten. Baden, Mäh risch- Qstrau, Frankfurt a. M., Haag, Schweinfurt, Denver, Chicago, New-York. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Wien, Rakonitz, PoLega. — Feuilleton: Die vierte Dimension. — Neue Bücher. — Brieftasten. — Inserate. Der Wiener Denuntius. Von Dr. Friedrich E l b o g e n. Der Herausgeber der „Fackel", Herr Karl Kraus, hatte gegen den Herausgeber der „Oesterr. Wochenschrift", Herrn Dr. Josef Bloch, wegen einiger in dieser Zeitschrift veröffentlichten Bemerkungen eine Ehrenbeleidigungsklage angestrengt, die der Kläger jedoch zurückzog, nachdem er und Herr Dr. Bloch jene Erklärungen abgegeben hatten, die in Nr. 5 dieses Blattes zum Abdruck gelangten. Von Herrn Dr. Bloch mit seiner Vertheidigung betraut, habe ich, und nur ich allein, die Verantwortung für die Art zu tragen, in der diese „Strafsache" erledigt wurde, und dies umsomehr, als es nur dem Einsätze meiner ganzen Autorität gelang, Herrn Dr. Bloch nach langer Weigerung zu bestimmen, mit dem wunderlichen Scribenten in Unterhandlung zu treten.. Ich will vor Allem in meiner Rechenschaft betonen, daß meiner Haltung Gründe gewöhnlicher Proceßtaktik fern lagen; denn Herr Dr. Bloch hatte die bevorstehende Hauptverhandlung nicht zu fürchten. Und zwar weder hinsichtlich ihres muthmaßlichen Verlaufes noch ihres Ausganges. Herr Dr. Bloch hätte einen vollen Erfolg davongetragen. Der Rechtssinn und das religiöse Gefühl der Wiener Geschworenen hätte sich gegen die Büberei aufgelehnt, mit der ein naseweiser Schwätzer die Taufe als „das Kleinste unter den nothwendigen Uebeln" den Juden empfiehlt und das Sacrament des Altars „Hokus-Pokus“ nennt. Zweifellos war ihm ein Denkzettel sicher, der ihm die Lust zur Wiederholung ähnlicher Proceßexperimente verleidet hätte. Wenn ich aber gleichwohl ungeachtet dieser überaus günstigen Chance einem Austausch von Erklärungen das Wort sprach, so war für mich nicht allein die Erwägung maßgebend, daß die Summe ernster Fragen, deren Erörterung die Verhandlung unabweisbar gemacht hätte, nicht mißbraucht werden dürfe, um einem Herrn Kraus helmzuleuchten. Er möge auch fernerhin das alleinige Privilegium ausüben,' mit den größten Mitteln die kleinsten Zwecke zu verfolgen. Ich mußte mir auch gegenwärtig halten, daß die Persönlichkeit des Dr. Bloch nicht einem Proceßkampfe ausgesetzt werden soll, in dem ihm ein so ganz und gar unebenbürtiger Gegner gegenübertritt. Ich spreche es offen aus: Herr Dr. Bloch hätte dem einfältigen Geschreibsel eines Blättchens, dessen Herausgeber glücklich ist, wenn er ernst genommen wird, — er hatte darum noch selten eine glückliche Stunde — nie die Ehre der Erwidernng erweisen sollen. Herr Dr. Bloch hat doch was Besseres zu thun, als mit Herrn Kraus sich in eine Polemik einzulaffen. Es war ein Fehler. Und da ein Fehler dadurch nicht besser wird, daß man ihm einen zweiten folgen läßt, so wollte ich es vermeiden, die überfiüsfige Zeitungsfehde mit dem Echauffement einer Gerichtsverhandlung abzuschließen. Und Alles für Herrn Kraus! Gerade dieser Tage erschien ein Herr, der bis in die höchsten Kreise der Residenz hinaus sich größter Achtung erfreut, in meiner Kanzlei und fragte mich um Rath, ob er wegen einer Insulte in der „Fackel" die Ehrenbeleidigungsklage überreichen soll. Ich habe auf der Stelle widerrathen. Mein Client begriff bald, daß Herr Kraus sein starkes Ehrenbeleidigungstalent in vergeblichen Versuchen erschöpft, sich hinaufzuschimpfen, daß er zwar alle Welt zu begeifern, aber Niemanden zu beleidigen vermag, kurz, daß er sich die Immunität einer lustigen Person gesichert hat, die uns am lebhaftesten amüsirt, wenn sie ihr ohnehin drolliges Gesicht zu affectirtem Entrüstungspathos aufbläst. Jawohl, Herr Kraus ist immun geworden. Man klagt ihn nicht mehr, man lacht ihn nur noch aus. Er hatte einst sein Blättchen als Organ für öffentliches Aergerniß begründet; heute ist es sogar schon dieser unlöblichen Bestimmung entftemdet. Es könnte sich nur noch in einer Pharmakopöe bei Atome des Zwerchfells behaupten. Herr Kraus ist ein Original. Vor Allem in der Meinung, die er von sich hat. Dann in der Kunst, davon zumeist zu schreiben, wovon er am wenigsten versteht. Er ist ein Wunder, die geborene Attraction jedes journalistischen Varietes, so gut wie der Phroso von heute oder der King- Fu von ehemals. Gelernt hat er nichts. Wenn ein künftiger Chamberlain die Grundlagen des zwanzigsten Jahrhunderts

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