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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-02-06 · 6 (6.2.1903) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
6 (6.2.1903)
Date
1903-02-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Gelte 94 Dr. BLoch's Wochenschrift. Nr. 6 Neue Bücher. Beiträge zur Geschichte der Juden in Baicrn. 1. Die Baierischen Parlamentarier jüdischen Glaubens. Von Dr. A. Eckstein, Bamberg. Verlag der Handelsdruckerei Bamberg. 60 Pfg. I. Herzberg. Geschichte der Juden in Brom der g. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Juden des Landes Posen. (Mit Illustrationen.) Nach gedruckten und ungedruckten Quellen dargestellt. Verlag von I. K a u f f m a n n, Frankfurt a. M. 1903. Dr. Max Grunwald. Ein Hamburger Kipper- und Wipperprocetz aus dem Jahre 173o. (Besonderer Abdruck aus den «Mittheilungen des Vereines für Hamburgische Geschichte", Band VIH. Heft 1, Nr. 12). Verlag M. Poppelauer, Buchhandlung in Berlin. Preis Mk. 0.30. Krieflrasten. „Zeitungsfchuüffter." Die „Arbeiter - Zeitung" berichtet, warum der Herr Bürgermeister nicht mehr in die Kirche geht. Herr Dr. Lueger geht gern in die Kirche. Nicht weil er den Drang in sich fühlte, fleißig zu beten. Er ist kein Betbruder. Nein! Ans Beten denkt er das ganze Jahr nicht. Sein Patentchristenthum ist anderer Art. Aber in der Kirche kann man sich bei verschiedenen Gelegenheiten zeigen, und das thut der eitle Mann für sein Leben gern. Zu Ostern, am Frohnleichnamstag und bei ähnlichen Gelegenheiten stolzirt der Herr Bürgermeister gern zur Kirche. Besonders liebt er aber, sich bei goldenen Hochzeiten in der Kirche bewundern zu lassen. Diesen Dienstag geschah aber das Unglaubliche, daß er sich bei einer goldenen Hochzeit einmal nicht dem staunenden Kirchenpublicum zeigte. Er kam gratuliren, doch er wich der Kirche in weitem Bogen aus. Es war in der Pfarre Reindorf in Rudolfsheim. Da überbrachte er dem alten Jubelpaar seine Ansprache in die Wohnung. In der Ansprache gab er auch den Grund an, warum er nicht in die Kirche gekommen war. „Es ist zwar eine eigenthümliche Erscheinung," meinte er, „daß ich nicht in die Kirche gekommen bin, ich wäre gern gekommen, wenn ich nicht gehört hätte, daß die über die Kirche allein competente Behörde es nicht gern sieht, wenn in der Kirche das vor sich geht, was ich eigentlich für selbstverständlich halte." Daraus klingt deutlich ein starker Aerger, aber den Lesern des „Deutschen Volksblattes", dem wir den Bericht entnehmen, wird die Sache etwas räthselhaft erscheinen. Etwas, was die Kirchenbehörde nicht gern sieht, was aber dem frommen Kirchendiener Lueger selbstverständlich erscheint, was mag das nur Widerspruchsvolles sein? Wir können das Räthsel lösen. Herr Doctor Lueger Hat nämlich Lie Gewohnheit, sich bei solchen. goldenen Hochzeiten in der Kirche recht wirkungsvoll in Scene zu setzen. Hat der Geistliche seine Ceremonien beendet, dann schreitet immer der Gottsöberste die Altarstufen hinan, wendet sich zu dem alten Ehepaar und hält seine geschwollene Ansprache. Da ist nun dem eitlen Manne bei der vorletzten goldenen Hochzeit in der Reindorfer Pfarrkirche etwas höchst Aergerliches paffirt. Der Pfarrer hatte sein Geschäft bereits vollendet und sich in die Sacristei zurückgezogen, und der Herr Bürgermeister stieg, seine Rede im Bauch, würdevoll die Stufen hinan. Da setzte die Orgel in vollen Tönen ein. Der Herr Bürgermeister ist oben angelangt und wartet. Der droben auf dem Chor spielte kräftig weiter. Die christlich-sociale Gemeinde blickt gespannt auf den verehrten Herrn Bürgermeister. Die Klänge der Orgel schwellen immer mächtiger an. Die Sache beginnt bereits ungemüthlich zu werden. Verlegen steht der redeschwangere Bürgermeister beim Altar, entrüstet rufen die frommen Kirchenbesucher: „Pst! Pst! Der Herr Bürgermeister will reden!" Der droben bleibt unerbittlich und setzt mit immer stärkeren Registern ein. Dem allverehrten Herrn Bürgermeister blieb schließlich nichts übrig, als seine Rede bei sich zu behalten, ärgerlich die Stufen wieder herabzusteigen und aus der Kirche abzuziehen. Erst als die Kirche vollständig geleert war, stellte der eifrige Chorregent sein Musiciren ein. Danach aber erfuhr man, daß er im Aufträge des Pfarrers die Hochzeitsgäste so fleißig hinausgespielt hatte, um zu verhindern, daß der Bürgermeister vom Altar aus spreche; denn der Altar gehört für den Priester und nicht für den Bürgermeister, denkt der Herr Pfarrer von Reindorf. Der Herr Bürgermeister aber leidet seit jener unterdrückten Rede an schmerzlichen Obstructionen und kann die bittere Lection nicht vergessen. Darum geht er bei goldenen Hochzeiten nicht mehr in die Kirche und klagt den goldenen Hochzeitern sein Leid. «,Dr. Phil.«« Es war bekannt, daß der Satyriker, Popnlar- Philosoph und Physiker Georg Christoph Lichtenberg, von 1769—1799 Professor an der Universität Göttingen. zu den begeisterten Verehrern und Bewunderern Moses Mendelssohn's gehörte. Wie innig er dem großen jüdischen Weltweisen zugethan war und wie hoch er seine Bedeutung bewerthete, offenbart nachstehendes (in dem zweiten Bande der von Leitzmann und Schüdekopf neuerdings herausgegebenen „Briefe Lichtenberg's" mitgetheiltes) Schreiben, das er nach dem Tode Mendelssvhn's, am 21. April 1786 an Friedrich Nicolai gerichtet hat, um ihm für seinen dem Heimgegangenen Freunde in der „Allgemeinen deutschen Bibliothek" gewidmeten Nachruf zu danken: „Das Denkmal, welches Sie Moses Mendelssohn in Ihrer Bibliothek errichtet haben, ist vortrefflich und hat mich bis zu Thränen gerührt. Ich lese es täglich wieder. Die Häupter sterben hin, und Gott weiß, was die Erbprinzen machen werden. Der Lanäator temporis acti regt sich täglich stärker in mir, ich fürchte fast, daß es Alter ist. Ich weiß nicht. Allein Sie, . werthgeschätzter Freund, Sie müssen Mendelssohn's Biograph werden. Erlauben Sie mir einmal, daß ich frei rede, man ist bei offenem Herzen nirgends besser aufgehoben als bei Ihnen. Es zeigt sich hier, wie mich oiiuft, für Sie eine Gelegenheit, ein Zusammenfluß von Umständen, Ihren bereits gegründeten Ruhm mit einem Werk zu krönen, die, ich möchte fast sagen seltener sind als das Genie, sie zweckmäßig zu nützen. Das Leben Mendelssohns müßte unter Ihren Händen ein Fundamentalwerk für die Menschheit werden. Toleranz, wahre Gotteserkenntnis;, wahrerProtestantismus, Ueberzeugung, daß man, ohne Kaiser oderKönig von Preußen zu sein, in dem einen bescheidenen Sprengel, ohne einen Groschen auszugeben, sehr viel Gutes thun kann, wäre es auch nur das Almosen der Verträglichkeit und der der Zeit angemessenen Anschmiegung an Lehrmeinungen, die sich noch nicht umschaffen lassen; Hoffnung, daß diese Almosen, im großen Schatz zur Besserung der Welt niedergelegt, dereinst sicher ihre Interesse tragen werden; Uebung eigener Denkkraft der Mitglieder des Raths über Wahrheit und Jrrthum ohne Rücksicht auf Namen, zu allein diesen würde sich Gelegenheit finden, und zwar eine, die vielleicht in Jahrhunderten nicht wieder Vorkommen möchte. Es wird sobald kein Mendelssohn wieder sterben, und geschieht es in hundert Jahren etwa einmal wieder, wird da auch ein Nicolai wieder da sein, der der Welt mit der Ueberzeugungskraft für die Stärkeren und mit dem Credit und der Autorität für die Schwächeren, also für alle auf einmal mit der Macht des Stils, die Sie besitzen, sagen können wird, das haben wir verloren, so sieht es um unser Vaterland aus, und das müssen wir thun? Sie können das alles sonst tausendmal sagen, aber das Publicum wird so leicht nie wieder die Disposition haben, es so aufzunehmen. Man will jetzt etwas lernen und annehmen, und der Beifall fliegt Ihnen entgegen. O hätte ich doch Mendelssohn gekannt wie Sie, hätte ich Ihre Erfahrung in der Welt und Ihre Thätigkeit! Ich schickte Ihnen wahrlich statt dieses ganzen, aus dem Herzen fließenden Zurufs das Manuscript zum ersten Bogen. Mendels'ohn wird auf diese Weise vollenden, was er angefangen hat, Sie werden sein Leben fortleben, wenn Sie sich der Arbeit unterziehen. Glauben Sie, Ihres verstorbenen Freundes Seele hat sich Ihnen nicht vergeblich mitgetheilt. Im Physischen lebt das Zerstörte noch immer im Nachkommen fort, warum nicht auch hier? O nützen Sie diesen Zeitpunkt, mit der Welt ein Wort zu reden! Sie hat ihre eigene Weise und die Kraft der Lehre ihre Zeiten; geht diese vorüber, so wird ein Augenblick im Kampf mit Aberglauben, falscher Religion und falscher Philosophie rc. versäumt, den unsere Augen nie wieder haben werden. . . Ich habe noch nie Subscribenten gesammelt; für dieses Werk verspreche ich Ihnen meinen ganzen unbeschränkten Beistand von der Seite, ich will alles thun, was ich in der Welt kann, doch eines solchen Beistandes bedarf ein solches Merk nicht. Lassen Sie sich doch ja dieses gesagt sein, denn wer in aller Welt will cs thun, wenn Sie es nicht thun"? E. W. in Agram. In der Correspondmz aus Agram in der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" hat sich ein Druckfehler eingeschlichcn. Der ehrwürdige Rabbiner, welcher sich um die Gemeinde und ihre Jnstitmionen verdient gemacht hat, ist Rabbiner Elieser Weiß, während Herr Dr. Jacob! an der Spitze der Fortschrittsgemeinde steht. L. Mandl. „Bücherschwindel". Unter den hebräischen Druckereien haben von jeher die Amsterdamer und Sulzbacher den besten Ruf. Polen, das Land der talmudischen Gelehrsamkeit, hat in Lemberg, Warschau, Brodh, 2solkiew n. dergl. Städte billige Bücher aufgelegt. Um aber Absatz zu finden, gebrauchen die Drucker eine List, indem sie auf dem Titelblatt die Bemerkung machten: „Gedruckt mit Amsterdamer Buchstaben". Da das Wort Amsterdam groß und fett gedruckt war, glaubte der Käufer einen guten und billigen Kauf gemacht zu haben. Eben solcher Schwindel wird mit Renan's Buch: „Das Leben Jesu" betrieben, denn "seit einigen Jahren werden die Buchhandlungen mit einem Pseudo-Renan überschwemmt, was den Zweck verfolgt, die Ansichten Renan's in Vergessenheit zu bringen. Eine gute Ausgabe von Renan erhalten Sie in „Reclam's Universal- Bibliothek". U. i. W. Die rumänischen Machthaber lassen durch die ihnen ergebenen Journale die Meldung verbreiten, daß der englische Unter- Staatssecretär Sanderson dem Lord-Mayor von London Sir Marcus Samuel sein Befremden wegen der seinerzeit vielbesprochenen Nichteinladung zum Lord Mayor-Bankett ausgesprochen habe. Wiewohl von authentischer Seite festgestellt worden, daß die englische Regierung geradezu durch das Schweigen die verdiente Züchtigung des wortbrüchigen Rumänien gutgeheißen, unterlassen die antisemitischen Journale nicht, die Lüge weiter zu verbreiten. Fr. W. Sie haben recht, nun hat auch der Erzherzog Franz Ferdinand die Annehmlichkeit einer Unterhaltung mit den antisemitischen Koryphäen durchkostet. Der officielle Dementir-Apparat hat Arbeit genug, um die tactlose Schwätzerei antisemitischer Vordringlinge aus der Welt zu. schaffen. F. Die höchste Auszeichnung, die die Geologische Gesellschaft in London zu vergeben hat, die Wollaston-Medaille, wird für dieses Jahr wiederum an einen deutschen Gelehrten fallen, nämlich an Professor Heinrich Rosenbusch, den ausgezeichneten Lehrer der Mineralogie und Petrographie in Heidelberg, dem die Wissenschaft unter Anderen ein grundlegendes Lehrbuch der Gesteinskunde verdankt. K. Aus dem Testamente der Frau Baronin Oppenheim-Cohn wird bekannt:' Sr. Hoheit dem Herzog hat die Verewigte ihr neuerbautes Palais auf der Cavalierstraße zu freier Verfügung hinterlassen, während das alte Stammhaus neben dem Palais in ein

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