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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-01-16 · 3 (16.1.1903) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
3 (16.1.1903)
Date
1903-01-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 3 Sette 47 Mvch's WochrnschritL. Maassrr bezahle«. (Aus der „Nation".) Was heißt das: Maasser bezahlen? Schlage Die Bibel auf; die löst deine Frage. Im fünften Mose, fünfzehn, Vers sieben; Da steht über Einkommensteuer geschrieben: Von großem Profit und Zins auf Zins Ein Theilchen opfre deines Gewinns Dem Armen, bevor er sein begehr'; Denn du in Egypten warst arm wie er; Und wuchert nun in Edom dein Gut, Und schickt dir Amalek feinen Tribut, Groß ist der Herr! Die uralte Steuer: Maasser bezahlen, nennt man sie heuer. Der Rabbi Mayer an seinem Pult Mit großem Eifer und großer Geduld Führte die Bücher der Gemeine; Die Witwencassen, die Krankenscheine, Die Beitragsgelder fürs Siechenhaus Und die Posten für Arme zog er aus Und neigte die Stirne sorgenvoll: Gott weiß, wie der Roth ich wehren soll! Der Kleiderhandel geht zurück, Das Hasenfell bringt auch kein Glück, Die Knochen, die Lumpen, das alte Eisen, Die Betten, darum sich die Wanzen reißen, Und höchstens ein lebensmüdes Clavier — Treibt das den Winter uns von der Thür? Da tritt herein, gekrümmet von Gicht, Doch helle Freude im Angesicht, Der alte Herschel von Stintengang. Sein Bart war gekämmt, sein Vorhemd blank, Der Duft von hundert verwitterten Hosen Des Ladens mit Döringseife begossen. Kurz: lauter Glück und Sonnenschein Kam mit dem Alten zur Thür herein. „Herr Doctor! Herr Doctor!" Hub er an, „Gott's Wunder! Ich glückseliger Mann! Der Herr hat gewaltet über mir: Ein altes rumänisches Werthpapier — Fast hatt' ich's vergessen und aufgegeben — Ist ausgelost, und sie zahlen mir eben Bei Sally und Söhne den ganzen Quark, Eintausendzweihunderl und fünfzehn Mark. Ich Hab sie schon bar in der Tasch' und mein' Sie werden verstehn — Sie werden verzeih» — Nun möcht' ich Maasser bezahlen - ich dacht' An zehn Prozentchen, Herr Doctor, das macht Hunderteinundzwanzig und fünfzig Pfennig." „„Mein guter Herschel, weiß Gott! das nenn' ich Ein Herz, — den Armen ihr Theil zu gönnen! Ich weiß genug, die es brauchen können."" — „Ich auch, Herr Doctor; doch einerlei Jst's vor dem Gesetz, wer der Arme sei; Nun bitt' ich: richten Sie's doch so ein, Daß es möchte der alte Mauschel sein; Ern alter Mann, ein ehrlicher Mann, Der kaum sein Packet noch tragen kann; Er läppert sich mühsam vorbei am Bankrott, Und ich, ich habe den Segen von Gott! Nicht wahr, Herr Doctor, Sie schicken's ihm Mit verstellter Handschrift und anonym?" Am andern Tag, da der Rabbi Mayer Sich wieder den Kopf ob der Armensteuer Und Krankencasse zermartert, blickt Der Mauschel herein und lacht so entzückt, Als habe der Herr ihm über Nacht Die Hasenfelle zu Zobel gemacht Und alle Hosen, die er erhandelt, In werthvolle Antiquitäten verwandelt. „Herr Doctor! Herr Doctor! Gottes Segen Kam über mich, ein goldner Regen; Ein Brief mit einhunderteinundzwanzig Reichsmark und fünfzig Pfennigen fand sich — Gott's Wunder! heute auf meinem Tresen; Kein Name, kein Stempel, doch deutlich zu lesen Die Aufschrift: Zu geneigtem Empfang, Herrn Moses Goldstein im Stintengang. Kommt von der Frau Levi, von Josephs die Gunst? Rebeckchen und ich, wir rathen umsumst. Und also verzeihn Sie — erlauben Sie mal, Daß ich sogleich meine Maasser bezahl' Und dem Bruder gebe, was sich gebührt; Denn der Herr hat mich aus Egypten geführt." „„Ei, Mauschel, das macht Ihr gut! Die Gaben, — Ich kenne genug, die sie nöthig haben."" «Ich auch, Herr Doctor, doch auf den Mann An sich kommt es dem Gesetz nicht an. Nun frag ich: Wär es aus Ihren Händen Dem alten Herschel nicht zuzuwenden? Er wohnt mir gegenüber und geht Den ganzen Tag mit seinem Packet Die Twieten entlang im ewigen Trab: Und was denn wirft ihm der Trödel ab: Vom Militär das bischen Kommiß? 'Ne alte Uhr und ein falsches Gebiß? Davon soll der Mann mit Familie leben? Nun möchten Sie dem meine Maasser geben: Ich meine, so kleine zehn Prozent Entsprechen ja wohl dem Testament; Hier zwölf Mark fünfzehn. Ich bitte sehr: Er soll aber nicht erfahren, woher." Horn bei Bremen. A. Fitger. Literatur. Gothische Bibelfragmente. Aus Wulfil a's berühmter gothischer Bibelübersetzung find, was das Alte Testament an belangt, nur dürftige Reste übrig; es sind das die Stücke Esra 15, 13—16; 16, 14-17, 3 und 17,13-45 (-Nehem. 7. 13—45), die 1817 von A. Mai in der Ambrosiana entdeckt wurden; ferner sind aus Genes. 5. 3—30 einige Trümmer erhalten in der Alkuin-Handschrift der k. und k. Hofbibliothek in Wien. Auf Grund der Stücke aus Esra und Nehemia hat Dr. Alexander Kisch in der Frankel-Graetz'schen Monatsschrift 1873 erwiesen, daß der Septuaginta-Text, der dem Wulstla vorlag und aus dem er übersetzte, sich dem massoretischen Texte viel enger anschließt, als die meisten auf uns gekommenen Versionen der Septuaginta (es war die Lucianische Version). Dieses Studium setzte nun Dr. Kisch fort, indem er als Anhang zu dem XXI. Jahresbericht des k. k. Staatsobergymnafiums zu Prag-Neustadt die Wiener Reste einer Untersuchung unterzog. Diese Reste bestehen aus 13 Zahlen, die, wie gesagt, aus Genes. 5 stammen, doch konnten selbst Forscher, wie Grimm und Maßmann, deren richtigen Sinn nicht finden. Dr. Kisch glaubt nun gefunden zu haben, daß diese Zahlen Hinweise seien auf die Widersprüche zwischen den in der Genes., Cap. 5, Vers 14 ff., enthaltenen Zahlen über die Lebensalter der ersten zehn Patriarchen nach den Lesearten des Wulfila und der Vulgata. Es sind also kritische Noten, die möglicherweise von Alkuin selber herrühren, und ihr Werth besteht darin, daß fie gothisch find. Das von Kisch gefundene Resultat scheint gesichert zu sein und so sei hiemit auf die kleine verdienstliche Schrift bestens aufmerksam gemacht. Budapest. Dr. Samuel Krauß. Der „I ü d i s ch e A l m a na ch für das Jahr 5663" (Jüdischer Verlag, Berlin 8. W., Großbeerenstraße 75) ist durch alle Buchhandlungen oder vom Berlage direct zum Preise von M. 6.— zu beziehen. Die Subscriptionsbafis besteht darin, daß bei Pränumerando-Subscription für M. 20.— im Laufe des Jahres Bücher geliefert werden, welche im Ladenpreise auf M. 30.— zu stehen kommen. Für das Jahr October 1902 — October 1903 find außer dem „Jüdischen Almanach" noch folgende Werke in Aussicht genommen: Jüdische Künstler Theil I; Musikalischer Almanach; Die Juden als Raise von Dr. I. Judt; Aus gewählte Novellen von I. L. Percez; Ausgewählte Gedichte und Novellen aus dem Hebräischen und dem Jargon (4 Bändchen); Moses,von Adolf Gelber; Ausgewählte Essays von Achaad Haam. Außerdem erhalten die Subscribenten auf Wunsch eine Anzahl von Broschüren und kleineren Publicationen gratis, darunter „Eine Jüdische Hochschule" und „Junge Harfen". In den „Jüdischen Verlag" übergegangen ist auch die in der „Wochenschrift" mehrfach erwähnte Zeitschrift „Palestina", deren Jahrgang 1902 nunmehr vorliegt und zum Preise von M. 4.— in Original-Einband zu beziehen ist. Auch die Publicationen des Vereines für Jüdische Statistik werden im Berliner „Jüdischen Berlage" erscheinen. Die beiden letztgenannten Publicationen stehen außerhalb der Subscriptionsbasis.

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