Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 3 (16.1.1903)
- Date
- 1903-01-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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- Granada 1× ep/1052823
- Odesa 1× ep/1000834
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Nr. 3 Dr. Bloch's Wochenschrift. Teile 43 Odessa. Die vor acht Jahren errichtete jüdische Winzer- Farm in Orgjejew hat auf Verwendung des Gouverneurs von Beßarabien unter den Namen „Beßarabisch-jüdische landwirthschaftliche Schule'' die Rechte einer juristischen Person erhalten. Der 33 Hectar umfassende Grund und Boden der Farm ist vom Grafen Siwkowitsch, Flügeladjutanten des Czaren, und vom Baron Günzburg geschenkt, der für die Einrichtung erforderliche Betrag (22.000 Rubel) von der Jewish Colonisation Association gewährt worden, welche bisher auch den größeren Theil der Unterhaltskosten bestritten hat. Die behördliche Genehmigung der Statuten ist erst erfolgt, nachdem die Jewish Colonisation Association eine dauernde Jahresleistung von 3300 Rubel, der jüdische Armen-Berein in Kischinew eine solche von 1500 Rubel zugesichert hatten. Berlin. Der bisherige Privatdocent in der medicinischen Facultät der hiesigen Universität Herr Dr. Julius Pagel ist zum außerordentlichen Professor ernannt worden. Eine der hervorragendsten zeitgenössischen Autoritäten auf dem Gebiete der Geschichte der Medicin, bethätigt Herr Professor Pagel als treuer Sohn unseres Bekenntnisses lebhaftes Interesse für alle, Juden und Judenthum betreffenden Angelegenheiten. Die dem vortrefflichen Manne zutheil gewordene Auszeichnung, auf welche ihn» seine wissenschaftlichen Leistungen schon längst ein Anrecht gegeben hätten, wird von dem großen Kreise seiner Verehrer und Freunde mit aufrichtiger Freude begrüßt werden. Paris. Die jüngsten Senatswahlen, welche am 4. Jänner in ganz Frankreich vollzogen wurden, haben den „reinen" Antisemiten eine schwere Enttäuschung gebracht. Im Departement Aude haben die Antisemiten von den 742 abgegebenen Stimmen nur 15 auf sich vereinigen können. In der alten Brutstätte des Judenhasses Algier wurde der zurücktretende Senator Gereute, der jahrelang die Herren Drumont und Max Rcgis heftig bekämpft hatte, mit 218 Stimmen wiedergewählt, während seine beiden antisemitischen Gegeucandidaten zusammen es nur auf 80 Stimmen brachten. Freilich haben auch einige Conservative und Nationalisten Wahlsiege aufzuweisen, aber selbst diese sind keine notorischen und unverschämten Antisemiten, sondern so nebenbei und gelegentlich Judenfeinde, respective verschämte Antisemiten. Dagegen sind neben Mr. Gereute noch der „Dreyiußard" Delpech, sowie der Ministerpräsident Combes gewählt worden. Endlich muß die Wahl des Herrn Fernand Cremieux, ein Jude und naher Verwandter des unvergeßlichen jüdischen Ministers, der im Bezirke Gard zum Senator gewählt worden ist, erwähnt werden. Senator Cremieux ist ein talentvoller Advocat, der früher einmal schon Deputirter der Kammer war. Mit der Wahl Cremieux' ist die Zahl der jüdischen Senatoren in Frankreich auf vier gestiegen. Äon diesen war David Roynal, Senator für die Gironde, mehrere Male Minister für öffentliche Arbeiten gewesen. Ein anderer jüdischer Senator, Paul Strauß, ist ein geachteter Nationalöconom und eine anerkannte Autorität auf dem Gebiete des Armenwesens. Endlich ist der dritte jüdisch- Senator Mrlliard, im Departement der Rhone gewählt, ebenfalls schon einmal Minister gewesen und gilt als einer der arbeitslustigsten Senatoren, so daß er in alle vom Senat eingesttzten großen Commissionen immer wieder hineingewählt wird. Paris. In der letzten Sitzung der Gesellschaft für Anthropologie sprach der gefeierte Sanscritist Professor Dr. G. Oppert über „Tharschisch, Ophir und Indien", ein Thema, welches durch ein Buch des Dr. Carl Peters wieder in den Vordergrund der Discussion gerückt worden ist. Tarteffis, so führte Professor Oppert aus, ist eine Landschaft Spaniens, das heutige Andalusien und ein Theil von Granada. Es wurde von den Phöniziern nach den Bewohnern, den Tarten oder Turten, benannt und war ebenso wegen seiner Fruchtbarkeit, als auch wegen der natürlichen Begabung seiner Insassen berühmt, welche noch in römischer Zeit als Staatsmänner und Schriftsteller sich bekannt gemacht haben; so zum Beispiel stammte der Kaiser Trajan aus dieser Gegend. Bereits 1300 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung kamen die Phönizier nach Tarteffis, und von den großen Schiffen, die dort gebaut wurden, nannte man im Alterthum allgemein große Seeschiffe, die phönizischen Pentekonteren mit 500 Mann Bemannung außer der Schiffsmannschaft: Tarsis- Schiffe. Es gab etwa drei phönizische Niederlassungen in Tarteffis : bei Gadir, am Guadalquivir und bei Cadix (Gades), woselbst ein Tempel des Mclkart wie in Tyrus bestand. Die Fahrten nun, die König Salomo und König Hiram von Tyrus gemeinsam unternahmen und zu denen in Ezjon Geber, dem damaligen Hafen der Juden am Rothen Meere, die Schiffe gebaut wurden, können nicht nach Tarteffis gegangen sein, denn dorthin konnten die Phönizier direct gelangen. Sie gingen ins Goldland, das heißt zum Theil nach Indien, zum Theil nach Ostafrika. Der Referent wies nach, daß Elcphauten, Affen und Pfauen, welche die Juden heimbrachten, dcmals nur aus Indien kommen konnten, was auch durch sprachliche Verwandtschaft der in der Bibel für diese Dm ge gebrauchten Benennungen mit dem altindischen Namen zu stützen ist. Dazu kommt, daß eine Fahrt vom Ruthen Meer nach Indien und zurück, wenn man die Windströmungen des Südwestmonsun zur Hinfahrt und des Nordostmonsun zur Rückfahrt beabsichtigt und einen nicht allzu langen Aufenthalt in Indien hinzunimmt, im Alterthum etwa drei Jahre in Anspruch nahm, womit die Nachricht der Bib-'l von den dreijährigen Fahrten stimmt, deren Z-e! uichl genannt iss Ophir nun ist nach Geru sis X, 29 der II. Sohn des Jogdan; die Iogdaniten sind in Südarabien seßhaft und der dortige Hasen Sephara war das Emporium für die Waaren aus Indien und Afrika. Der Name Ophir ist auf diese Gebiete Südarabiens und dann auf die Tbeile der Ostküste Afrikas anzuwenden, die hier in der Nähe lagen und viel Gold besaßen, das später dann mehr ausg^beutet war, wie ja auch moderne Goldbergwerke erlragsärmer werden; später wurde der Name Ophir aus noch weitere Gebietstheile der afrikanischen Ostküste übertragen. So identificirt Josephus Ophir mit Afrika und berust sich bierbci schon auf Alexander Polyhistor. Der Referent bewies, daß d e Erp.'ditionen, dr? nach Ophir gingen, nicht nach Tharschisch gingen und daß die dreijährigen Expeditionen nur nach Indien gerichtet gewesen sein können. Ophir, zuerst das heutige Hadramaut in Südarabien, ehe der Name werter auf die ostafrikanischen Küstengebiete übertragen wurde, lag zu nahe für eine gemeinsame Exvedrtivu Salomo's und Hiram's, die von Ezjon Geber im Ostwinkel des Rothen Meeres ausging und Indien zum Ziel gehabt haben muß, woselbst sehr alte Goldbergwerke nachgewiesen find. London. („Die Juden a l s S o l d a t e n.") Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht der Londoner „Spectator" in seiner Nummer vom 4. Jänner einen bemerkenswerthell Artikel, der in ganz England gewiß große Beachtung finden dürfte. Anknüpfend an die große Betheiligung der Juden am südafrikanischen Kriege hebt das Blatt hervor, daß die Juden noch aus den Zeiten Davids und Bar Kochbas kriegerisches Blut in ihren Adern führen und daß die Verfolgungen des Mittelalters ihren ererbten militärischen Geist wohl unterdrücken aber nicht erdrücken könnt'. Thatsächlich ist die Abneigung gegen den Militärdienst, der unter den Juden Rußlands und Galiziens früher zweifellos bestanden hat. jetzt im raschen Schwinden begriffen. R u ß l a n d zählt jetzt jahraus jahrein 50.000 active jüoisch? Soldaten irr seinem Heere und ein großer Theil der Infanterie der österreichischen Armee besteht aus galizischen Juden, wie man sie in ihrer kleidsamen dunkeln Uniform in den Straßen von Lemberg und Krakau zu Hunderten sehen kann. In Frankreich sind die Juden seit fast 100 Jahren verhältnrßmäßig stark in der Armee vertreten und zur Zeit weist das französische Heer nebst vielen Officieren niederen Ranges fünf Brigaden- und einen Divisionsgenera! auf. Die englische Armee zählt gegenwärtig nur drei jüdische Colonels, nämlich den Art>.ll?cieoberst Montefiore, den Colonel Leverwn und den Oberst Goldsrnidt. Dagegen wies die Armee des Marschall Wellington einen allerdings getauften jüdischen Generalmajor, den tapferen General Goldsmidt auf, dem in der Schlacht bei Waterlo zwei Pferde unter dem Leibe erschossen wurden. Nachdem der Verfasser des Artikels auch den gegenwärtigen italienischen Kriegsminissr, den orthodoxen jüdisch.u General Otiolenghi, gebührend gewürdigt hat, erwähnt er, daß in den Bereinigten Staaten während des Unabhängigkeitskrieges ein Jude, der Oberst Frank, Privatsecretär und Flügeladjutant W a s h i n g t o n'S war. Ein Jude, der Commodore Mordechai Manuel Noah war einer der ersten Commandeure der jungen nordamerikanischen Flotte. Sein Schiff war wohl das erste und einzige Kriegsfahrzeug, das je von einem Juden geleitet worden ist, da die Juden zur See noch nie hervorgetreten sind. Sehr interessant sind die Daten, welche Verfasser über die Juden in der indischen Armee gesammelt hat. Die bekannten B e n i Israel wurden in Berichten der Indischen Compagnie aus dem 18. Jahrhundert als „Söldner von Berus" bezeichnet. Thatsächlich haben die Beni Israel der eingeborenen Armee verhältnißmäßig mehr Soldaten als irgend ein anderer Stamm Hindostans zugeführt. Für die Heldenthaten, die Samuel Ezekiel Kharccldar 1799 bei der