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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-01-02 · 1 (2.1.1903) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
1 (2.1.1903)
Date
1903-01-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 1 Seite 15 De-. Blätter ihrer duftenden Zimmerpflanzen gelegt, an deren würzigem Hauche sich Hugo laben sollte, wenn er vom Fasten und Beten ermattet sein werde. Alles war vorbereitet, wie es nur eine liebende Hand vermochte. In der Küche kochte und brodelte es. Das Lieblingsgericht Hugos war zum Nachtmahl vorbereitet, dazu eine kräftige und kräftigende Fleischbrühe. Die Kaffeemaschine stand bereit, um zuletzt noch einen starken schwarzen Kaffee zu liefern. Die Schatten, welche die Octvbersonne warf, wurden immer länger, die Sonne war schon hinter die hohen Häuser herabgestiegen und eine fahle Dämmerung breitete sich in den Gaffen der Prager Judenstadt aus. Die frühere Bewegung daselbst war einer merkwürdigen Ruhe und Stille gewichen. Alles saß zu Hause beim wohlbesetzten Mahle, um sich für den folgenden Festtag zu stärken. Paula dachte nicht daran, daß auch ihrer der Festtag harre, daß sie schon mehrere Stunden nichts zu sich genommen hatte, und wenn sie nicht bald etwas genieße, sie dies im Verlauf der nächsten 24 Stunden nicht werde thun dürfen. Sie stand bei dem Fenster und blickte unverwandt nach der Richtung hin, von wo Hugo zu kommen pflegte. Auf den fast dunklen Gassen, die von den spärlichen Straßenlaternen nur schwach beleuchtet wurden, begann sich eine lebhafte Bewegung zu entfalten. Schaarenweise strömte Alles den in dem Judenviertel gelegenen Synagogen und Bethäusern zu. Alles kam gezogen : Männer, Weiber und Kinder, Alles in Eile, um rechtzeitig vor Beginn des Gottesdienstes am Platze zu sein, um auch keinen Ton des feinen Lolviäre-Obasens zu versäumen. Bekannte, die sich trafen, reichten sich glückwünschend die Hände und der Wunsch einer Obessirna towu tönte mehrfach durch das offene Fenster an die Lauscherin heran. Sie beobachtete eine Scene, die sie zu Thränen rührte. Zwei Bekannte von ihr, von denen sie wußte, daß sie eines Erbstreites wegen unversöhnliche Feinde zu sein schienen, begegneten sich auf dem schmalen Trottoir ihrem Fenster gegenüber. Ein Ausweichen war nicht möglich gewesen. Schon waren sie ohne Gruß aneinander vorübergegangen, als der ältere der Beiden sich umwandte und mit einigen leisen Worten, welche sie aus der Entfernung nicht verstehen konnte, den Jüngeren anhielt und ihm die Hand zur Versöhnung reichte. Dieser, gerührt über des viel älteren und wie es schien vornehmeren Mannes Entgegenkommen, beugte sich über die dargebotene Hand seines Gegners und führte sie an seine Lippen. Jetzt erst, wenn der Groll gegen seinen Nebenmenschen aus dem Herzen geschwunden war, konnten sie sich anschicken, Gott um Verzeihung für die gegen i h n begangenen Sünden anzuflehen. Denn Sünden, gegen den Mitmenschen begangen, diese finden am Jom hakipurim keine Vergebung, wenn nicht die Versöhnung mit dem Gekränkten vorangegangen ist. Alles eilte in die Synagoge: Alt und Jung, Reich und Arm, Vornehm und Gering. Nur Malke Eisner's Tochter stand noch immer unbeweglich am offenen Fenster, in die F nsterniß hinausstarrend, ob ihr Gatte noch immer nicht heimkehre, um sich zum beginnenden Versöhnungstage zu rüsten. Längst schon hatte sie den Armleuchter angezündet, sowie das Neschwed-Licht, aber beten konnte sie nicht. Die Buchstaben in ihrem Machsor starrten sie wie Gespenster an, jeder schien eine Anklage gegen den zu erheben, der den heiligsten Tag des Jahres mit Arbeit entweihte, ja, der ihr Lebensglück vernichtete. Ja, wenn sie zu seiner Rechtfertigung die Worte hätte sagen können: „Verzeihe doch der Gemeinde Israel und dem Fremdlinge das Verschulden, denn es ist aus Irrt hum geschehen! Aber nein, das konnte sie nicht sagen, denn das ist heute vorsätzlich geschehen, mit Ueberlegung. Sie hatte ihn ja Mittags so dringend gebeten, ja Abends rechtzeitig nach Hause zu kommen, damit sie sich nicht abtummeln und abhetzen mußten und rechtzeitig in die Synagoge kamen. Und er hatte ihre liebreichen Worte nicht beachtet, war bei seiner Arbeit geblieben, wie an einem Werktage. Ob er draußen etwas genachtmahlt hatte, frug sich Paula mit innerer Angst, ob er nicht seine Frechheit so weit treiben werde, von ihr in so vorgerückter Stunde am Jom Kipur noch ein Nachtmahl zu fordern? Bei diesem Gedanken schauderte die arme, in den Principien des strengsten Judenthumes ausgewachsene Frau. (Fortsetzung folgt.) Sriefkasterr. Elias Lehr in Wien. Die Publikation Ihrer Zuschrift dürfte uns vier Wochen Ferien im Landesgerichte sichern und wir haben dermalen nach solchen Ferien kein Bedürfniß. S. R. in Dag-ttijhcly. Sie wünschen an Stelle der Menorah einen Baum, wie Sie sagen, einen „Tempel-Weihnachtsbaum". Zur Propagirung solcher Ideen ist die „Oesterreichische Wochenschrift" nicht das geeignete Organ. K. Die Familie Humbert, welche unter päpstlichen Segen ihre Geschäfte betrieb und vielfach antisemitische Blätter subventionirte, hat es nichtsdestoweniger nicht verschmäht, gelegentlich auch einen Juden anzupumpen. Unter den Opfern dieser edlen Familie befinden sich, wie bereits jetzt festgestellt werden kann, nicht weniger als neun Juden, welche zum Theil um sehr namhafte Beträge hineingelegt worden sind. Den geringsten Verlust erleidet eine Witwe Cahn. die der Frau Humbert 170.000 Mk. geliehen hat, ihr folgt Salvador Cahn mit 200.00,», Samuel aus Brüssel, Haas und G Levy aus Paris mit je 800.000 Mk. Mr. Halphen verliert eine Million und die Erben des verstorbenen Bankier Paul Bernard sogar 1'/, Millionen Mk. Sogar Dreyfus' Schwiegervater, der verstorbene Mr. Hadamard, wurde von der geriebenen Gaunerin um 150.000 Mk. erleichtert. Im Ganzen verlieren die neun an der Humbert-Affaire betheiligten Juden nicht weniger als 10 Millionen Francs. M. Die Akademie der Künste in Paris hat den berühmten holländischen Maler Joseph Israels an Stelle des verstorbenen russischen Bildhauers Mark. Antokolski zum Mirgliede ernannt. F. Die „Ostdeutsche Rundschau" fragt: „Wer führt Krieg und schließt Frieden?" und antwortet: „Die Londoner „Daily Mail" berichtet aus Washington, es verlaute, daß die jüdische Bankfirma Seligmann in London Gelder aufbringe für die Regelung der venezolanischen Schulden durch eine neue Bondsausgabe. Diese Meldung findet zum Theil ihre Bestätigung; es seien aber noch andere Finanzleute in dieser Angelegenheit thätig. Also die Juden bestimmen über den Friedensfchluß!" Schrecklich, die Juden tragen dazu bei, daß die Differenzen zwischen Deutschland und Venezuela ohne Opfer von Menschenleben beigelegt werden, wirklich schrecklich, was da „die Juden" wieder für eine Schandthat begehen. .»Cin Mitglied" in Agram. Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. H. P. in G. Aus Ihrem launigen Gedichte veröffentlichen wir hier eine Strophe. Auf die übrigen 84 Verse werden unsere Leser verzichten. „Singe o Muse den Heldengesang, Wie der Schwache den Sieg über den Starken errang. Stimme an den tiefsten und vollsten Ton, Den Freunden zur Freude, den Feinden zum Hohn. Feiert Ihr Brüder den Chanuka-Tag, Ein Volk einst heut in der Klemme tief lag" u. s. w. Uotst. Elektrische Straßenbahnen haben die Pferde überflüssig gemacht; so verdrängt jede Reform das Veraltete. Schnelligkeit, Bequemlichkeit und Eleganz kennzeichnen unsere Zeit. Dem Rechnung tragend, hat die bekannte Schuhfirma M i ch e l st ä d t e r einen idealen Schuhstrecker erfunden, welcher mit einem Griff den Schuh vollkommen ausfüllt, für die Reise zusammenlegbar ist, geringen Raum in Anspruch nimmt, und nur auf dem „Ideal-Strecker" geputzte Schuhe behalten die elegante Fagon und sehen wie neu aus. Während die veralteten ähnlichen Stiefelhölzer selbst bei billigen Preisen keine Abnahme finden, sind im In- und Auslande bereits 50.000 Ideal-Strecker in Verwendung und kosten nur X 3.—. Niederlagen: L, Rothenthurmstraße 9; VIL, Mariahilferstraße 58; VII., Nenbaugasse 57. Erhältlich in allen besseren Schuhgeschäften der österreichisch-ungarischen Monarchie und des Auslandes. Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der laufenden Abonnements gebühr, damit die Zusendung des Mattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man die in voriger Nummer beigelegten P .a st e^lags cheine benützen. Die AdminUrstion der „Oestrrr. Wochenschrift."

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